Best Practice

Expertenbefragung: Wie können Fitnessstudios ihre Mitarbeiter halten?

Personal zu finden, wird immer schwieriger. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, ihr Personal langfristig zu binden. Wir haben nachgefragt, wie wichtig Mitarbeiterbindung in der Fitnessbranche ist und wie sie praktiziert wird.

Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie, Ihre Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden?
 

Portrait von Christian Graupner, Inhaber aktiVital Gesundheitsclub
(Bildquelle: © aktiVital Gesundheitsclub)

Christian Graupner, Inhaber aktiVital Gesundheitsclub

„Ich bin dankbar für jeden einzelnen Mitarbeiter, der sich auf eine gemeinsame berufliche Zeit mit mir einlässt. Zu einer langfristigen Mitarbeiterbindung gehört, vor allem am Anfang, eine wertige Integration. Vertrauen bilden, Druck nehmen und vor allem Augenhöhe bieten. Nicht jeder kann damit umgehen, aber die, die es schaffen und genießen, werden wichtig im Unternehmen.

Es ist entscheidend, Verantwortung zu übergeben und klar zu kommunizieren. Reine Befehlsempfänger schalten ab und blockieren langfristig. Wer sich einbringen möchte und somit dem Unternehmen guttut, braucht Vertrauen und Verantwortung. Alle entscheidenden Personen sind bei uns schon lange im Unternehmen, sie wissen oft mehr als ich. Sie spüren Vertrauen und ich verlasse mich auf sie, ihr verantwortungsvolles Tun und ihr Wort. Das ist mein entscheidender Punkt für langfristige Mitarbeiterbindung.“

 

Portrait von Paula Potempa, Personalleiterin Linzenich Gruppe
(Bildquelle: © Linzenich Gruppe)

Paula Potempa, Personalleiterin Linzenich Gruppe

„Wir haben unsere Unternehmenswerte gemeinsam und demokratisch mit allen Mitarbeitern entwickelt und diese Werte sind auch fester Bestandteil jeder Form von Kommunikation im Arbeitsalltag. Dazu gehört auch eine konsequent eingeforderte Feedbackkultur in alle Richtungen.

Weiterhin ist es nach unserem Verständnis wichtig, die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse und die Unternehmensentwicklung mit einzubinden. Darüber hinaus schaffen wir natürlich so viele attraktive Perspektiven zur persönlichen und finanziellen Weiterentwicklung wie möglich und besprechen diese in jährlich stattfindenden Zukunftsgesprächen.

Als Anbieter eines ganzheitlichen, betrieblichen Gesundheitsmanagements bieten wir diesen Service als umfassendes, professionelles Angebot natürlich auch intern den eigenen Mitarbeitern an. Zu guter Letzt bedeutet Mitarbeiterbindung für uns aber auch: Erfolge muss man gemeinsam kräftig feiern dürfen – das scheint uns gut zu gelingen. Jedenfalls betiteln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unsere Sommerfeste und Weihnachtsfeiern gerne als legendär.“

 

Portrait von Wolfgang Perret, Geschäftsführer anima FINEST SPORTS & SPA GmbH
(Bildquelle: © anima FINEST SPORTS & SPA GmbH)

Wolfgang Perret, Geschäftsführer anima FINEST SPORTS & SPA GmbH

„Grundsätzlich bieten wir als Grundvoraussetzung für ein langfristiges Engagement einen der modernsten und schönsten Arbeitsplätze Deutschlands an. Wir sind der sehr erfolgreiche, regionale Marktführer und dadurch in der Lage, immer wieder neu zu investieren und somit immer innovativ und up to date auch für unsere Mitarbeiter zu sein.

Als weitere Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung bieten wir flexible, individuelle Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Konzepte, aktive Gestaltungsmöglichkeiten bzgl. der Einführung neuer Konzepte und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten über verschiedenste Provisionskonzepte. Zudem können unsere Mitarbeiter gratis im anima trainieren und erhalten 25 % Rabatt auf alle Angebote des Clubs. Sämtliche Kosten von Weiterbildungsmaßnahmen werden übernommen und es finden jährlich 2–3 Mitarbeiter-Incentives statt.

Durch ein positives und professionelles Arbeits- und Betriebsklima, offene und direkte Kommunikation mit allen Mitarbeitern und Jahresabschlussgesprächen mit Zielvereinbarungen leisten wir einen weiteren Beitrag zur Mitarbeiterbindung.“

 

Portrait von Michael Maute, Inhaber bestform Albstadt und Fitness Rottweil
(Bildquelle: © bestform Albstadt)

Michael Maute, Inhaber bestform Albstadt und Fitness Rottweil

„Vermutlich kann man als Unternehmer sehr viel versuchen, und dennoch gelingt es einem nicht immer, die Mitarbeiter nachhaltig zufriedenzustellen. Bislang konnten wir eine recht geringe Mitarbeiterfluktuation verzeichnen und erfreulicherweise freie Stellen auch stets sehr gut besetzen.

Ich bin für alle Mitarbeiter stets erreichbar. Ich lebe unsere Philosophie vor und verlange nie etwas, was ich nicht auch selbst mache. Mein tagtägliches Ziel ist es, Unternehmer, aber auch Mensch zu sein. Ich denke, dass es genau in diesen Zeiten darauf ankommt, zusammenzuhalten.

Da nette Worte der Wertschätzung nicht ausreichen, haben wir daher den Weg eingeschlagen, unsere Personalstruktur zu optimieren. Wir haben keine großen Teams mehr, viele Prozesse digitalisiert und vergüten unsere Mitarbeiter überdurchschnittlich. Zudem haben Studioleiter bzw. stellv. Studioleiter und der Leiter unseres Therapiezentrums Geschäftsfahrzeuge.

Darüber hinaus erhalten unsere Mitarbeiter Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge, Kraftstoffgutscheine und derzeit planen wir, für unsere festangestellten Mitarbeiter eine betriebliche Krankenversicherung abzuschließen, mit der sie dann z. B. bei einem stationären Krankenhausaufenthalt wie Privatversicherte behandelt werden. Zusätzlich beinhaltet diese Versicherung weitere Vorteile in den Bereichen Zahnzusatz, professionelle Zahnreinigung und Sehhilfen.

Außerdem versuchen wir eine gute Balance bei den Schichtmodellen zu finden, sodass man auch seine freien Abende und Wochenenden hat.“

 

Portrait von Nadine Zott, Geschäftsführerin Zott Fitnessclubs
(Bildquelle: © Zott Fitnessclubs)

Nadine Zott, Geschäftsführerin Zott Fitnessclubs

„Die neue Generation Arbeitnehmer hat sich zu den vorherigen deutlich weiterentwickelt: Gehalt, Benefits und Co. sind zwar weiterhin relevant, aber nicht mehr ausschlaggebend für die Stellensuche. Stattdessen rückt die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit in den Fokus. Um diese Generation zu gewinnen, muss man deren Wünsche und Bedürfnisse an eine berufliche Aufgabe wahrnehmen und erfüllen.

Wer Mitarbeiter lediglich als wirtschaftlichen Faktor sieht, wird auf dem heutigen Rekrutierungsmarkt Schwierigkeiten bekommen. Aus diesem Grund liegt unser Fokus auf dem Sinn unserer Arbeit: In der Fitnessbranche kümmern wir uns um die physische und psychische Gesundheit unserer Kunden.

Als Geschäftsführerin ist es meine Aufgabe, diese Sinnhaftigkeit als Vision und Unternehmensphilosophie an mein Team weiterzugeben. Wir wollen die Welt gesünder machen. Das vereint uns als Team, motiviert uns und ist die Basis der erfolgreichen Mitarbeiterbindung an unser Unternehmen.“

 

Portrait von Sebastian Stub, CEO Top Sports Fitness GmbH & Co. KG
(Bildquelle: © Top Sports Fitness GmbH & Co. KG)

Sebastian Stub, CEO Top Sports Fitness GmbH & Co. KG

„Wir legen bereits seit vielen Jahren Wert auf eine professionelle Personalentwicklung. Zufriedene und zugleich engagierte Mitarbeiter entstehen in erster Linie durch eine gute Arbeitsatmosphäre, die durch Vertrauen, Menschlichkeit und Wertschätzung geprägt ist.

Bei unseren Auszubildenden und Studenten setzen wir auf einen gut organisierten Know-how-Transfer, welchen wir in unserer Top Sports Academy bündeln. Es gibt klar kommunizierte Perspektiven mit Weiterentwicklungs- und Karrieremöglichkeiten.

Unsere Führungskräfte erhalten frühzeitig und proaktiv Transparenz in unserer wirtschaftlichen Entwicklung sowie strategischen Überlegungen. Wir teilen den Erfolg gerne in Form von hochwertigen Incentive-Reisen oder Events, aber natürlich auch mit monetären Bonifikationen für besondere Leistungen. Das Fach- und Spezialwissen unserer Mitarbeiter kann in unsere Prozesse einfließen. Hierfür finden wöchentliche Führungskräfte-Meetings statt.

In regelmäßigen Personalgesprächen (2- bis 4-mal pro Jahr) zeigen wir ehrliches Interesse an der Situation des Mitarbeiters und fragen aktiv nach konstruktiver Kritik. Wir sehen unsere Mitarbeiter als Familienmitglieder. Dies leben wir aktiv und unterstützen auch im privaten Bereich bei möglichen Problemen stets pragmatisch und vor allem sehr schnell. Aktuell unterstützen wir unsere Mitarbeiter bei den Energiekosten. 50 % der Aufnahmegebühr kommen in einen Topf. Das Geld wird auf alle Festangestellten gleichermaßen aufgeteilt.

Haben sich die Methoden zur Mitarbeiterbindung im Vergleich zu früher geändert? Falls ja, inwiefern?


Portrait von Bahram Ekhtebar, World Of Fitness (WOF)
(Bildquelle: © World Of Fitness)

Bahram Ekhtebar, World Of Fitness (WOF)

„Es ist uns bewusst, dass wir mehr in Sachen Mitarbeiterbindung tun müssen, um weiter erfolgreich am Markt operieren zu können. Neben einer guten Bezahlung etablieren wir immer mehr erfolgsabhängige Vergütungsmodelle. So können z. B. Azubis und Studierende ihr Gehalt verdoppeln, sofern sie alle Ausbildungen abgeschlossen haben, die für den Einsatz als Trainer oder Kurskraft notwendig sind.

Darüber hinaus binden wir unsere Mitarbeiter aktiv bei Entscheidungen zur Entwicklung des Unternehmens ein und entwickelten gemeinsam mit ihnen unsere WOF-Unternehmensvision für 2030 mit dem Ziel, in den Köpfen der Arbeitnehmer eine Entwicklung zum echten Mitarbeitenden anzustoßen.

Aktiv fördern wir eine eingeschworene WOF-Gemeinschaft, die füreinander und miteinander steht. Diese WOF-Familie unterstützt auch in außerberuflichen Notlagen, so z. B. Mitarbeiter, die von der Flutkatastrophe getroffen wurden.

Zudem praktiziert die Geschäftsführung die Politik der offenen Tür. Jeder Mitarbeiter kann, wenn er mit seinem Anliegen bei seinem Vorgesetzten kein Gehör findet, auch die Geschäftsführung ansprechen und sein Anliegen vortragen. Employer Branding wird 2023 eine wichtige unternehmensstrategische Maßnahme sein, um unseren Erfolg auch in der Zukunft sicherzustellen.“

Welche Bedeutung hat die Führung bzw. der oder die Führungsperson(en) bei Fitnessketten bzgl. der Mitarbeiterbindung?


Portrait von Martin Seibold, CEO LifeFit Group
(Bildquelle: © LifeFit Group)

Martin Seibold, CEO LifeFit Group

„Vor allem in den letzten drei Jahren haben wir gelernt, wie wichtig es ist, dass eine Führungsperson das Team zusammenhält. Dabei geht es um fordern und fördern der Mitarbeiter, um delegieren und loslassen, damit auch Raum für Freiheiten bleibt. Wir arbeiten als Team zusammen. Dabei ist es uns wichtig, dass alle Mitarbeiter das Thema Fitness leben und verinnerlichen.

Meine Führungscrew und ich, wir besuchen regelmäßig die Clubs und fordern dabei die Clubteams stets zu einem Fitnessbattle auf. Das schweißt zusammen und macht gleichzeitig deutlich, wofür wir jeden Tag arbeiten. Wenn die Mitarbeiter Spaß bei der Arbeit haben, lieben, was sie tun, und ihren Fähigkeiten und Vorlieben entsprechend eingesetzt werden, können wir viel mehr bewegen und auch eine Krise besser meistern.“


Portrait von Stephan Schulan, Geschäftsführer BestFit Group
(Bildquelle: © BestFit Group)

Stephan Schulan, Geschäftsführer BestFit Group

„Jede Unternehmensstrategie und Vision ist nur so stark, wie das (Führungs-)Team, welches diese im Alltag lebt. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine wertschätzende und fördernde Führung der Teams deutlich mehr Einfluss auf die Mitarbeiterbindung hat als z. B. monetäre Anreize. Gerade bei der Vielzahl an strukturierten und zentralisierten Prozessen, mit denen Fitnessketten arbeiten, wächst die Bedeutung der Führungsteams im operativen stark an.“

Bildquelle Header: © Sushiman - stock.adobe.com

Der Autor

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

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