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Wissenschaft

Wie ViKoMotorik und Neuroathletik das Training verändern

Konventionelles Kraft- und Ausdauertraining gehört zum Standardrepertoire einer jeden Fitnessanlage dazu. Auch das Beweglichkeitstraining wurde in den letzten Jahren zu einer tragenden Säule eines holistischen Trainings im Fitnessstudio. Zukünftig werden ViKoMotorik und Neuroathletik das Training mit einer kognitiven Komponente abrunden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zielstellung von ViKoMotorischem Training liegt im Erhalt sowie in der Verbesserung visueller, kognitiver und motorischer Fähigkeiten.
  • Neuroathletisches Training verfolgt den Ansatz, vernachlässigte oder eingeschränkte Funktionen im Nervensystem wieder zu aktivieren und gezielt zu trainieren.
  • Im Spitzensport ermöglichen die Trainingsergebnisse von NAT und ViKoMotorischem Training einen ganz neuen Ansatz, den aktuellen Trainingsstand des Sportlers zu kategorisieren.
  • Die Trainingsansätze sind ebenfalls wichtig, um Kindern bei der Entwicklung und ältere Menschen in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen.

Wir wissen, dass der Körper ab dem 30. Lebensjahr jährlich 1 % an Muskelmasse verliert. Mit fortschreitendem Alter gehen aber auch Gehirnmasse und Volumen zurück. Ab dem 20. Lebensjahr verlieren wir täglich etwa 50.000 bis 100.000 Hirnzellen. Genauso wie wir den Abbau von Muskulatur durch Kraft- und Ausdauertraining verhindern, können wir den Abbau von Gehirnmasse verhindern, das Demenzrisiko senken und damit für ein unabhängiges und aktives Leben auch in hohem Alter sorgen.

Was unterscheidet ViKoMotorisches Training von herkömmlichem Gehirntraining?

ViKoMotorisches Training bezeichnet das kombinierte Training visueller, kognitiver und motorischer Fähigkeiten. VI wie visuell, KO wie kognitiv und MO wie motorisch. Konventionelles Gehirnjogging gibt es schon eine Weile auf dem Markt. Häufig werden die Aufgaben dabei am Bildschirm (z. B. PC, Tablet oder Handy) ausgeführt.

Einzelne visuelle oder kognitive Fähigkeiten werden isoliert in einer spezifischen Aufgabe trainiert. Dies ist allerdings nicht realitätsnah. Im Alltag sind wir komplexen Situationen ausgesetzt, in denen visuelle, kognitive und motorische Aufgaben immer in gegenseitiger Wechselwirkung auftreten. Dies muss auch für das Training des Gehirns berücksichtigt werden. Die fehlende Realitätsnähe und ein Transfer auf andere Fähigkeiten, insbesondere im Alltag, ist einer der Hauptkritikpunkte konventionellen Gehirntrainings.

ViKoMotorisches Training hingegen verfolgt das Ziel, visuelle, kognitive und motorische Prozesse nicht isoliert, sondern kombiniert zu trainieren. Alltägliche Situationen werden dadurch realistischer abgebildet und der Transfereffekt wird gesteigert.

Das Training von Vikomotorik und NAT führen dazu, dass Kinder sich kognitiv und motorisch schneller und besser entwickeln

Funktionsweise im Alltag

Wollen wir eine Straße überqueren, bewerten wir zunächst die Entfernung und Geschwindigkeit weiterer Verkehrsteilnehmer (visuell), treffen eine Entscheidung (kognitiv) und leiten eine Bewegung ein (motorisch). Diese Interaktion visueller, kognitiver und motorischer Prozesse ist charakteristisch für nahezu alle Situationen im Alltag und insbesondere im Sport. In der Realität sind visuelle, kognitive und motorische Prozesse nie isoliert. Sie treten in komplexen Situationen auf und bedingen einander. ViKoMotorisches Training berücksichtigt diese Interaktionen in der Gestaltung der Trainingsaufgaben.

Aber was genau passiert im Gehirn beim ViKoMotorischen Training?

Das ViKoMotorische Training basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur neuronalen Plastizität im Gehirn. Neuronale Plastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Bedingungen anzupassen. Sie sorgt dafür, dass neue Neuronen und Synapsen gebildet werden und die Leistungsfähigkeit des Gehirns gesteigert wird.

Es ist bekannt, dass sowohl kognitive Aufgaben als auch körperliche Aktivität die neuronale Plastizität anregen können (Raichlen und Alexander, 2017). Entsprechend enthalten ViKoMotorische Trainingsaufgaben neben visuellen und kognitiven Komponenten auch immer körperliche Aktivität im Sinne motorischer Aktionen. Diese Kombination im ViKoMotorischen Training ist damit nicht nur realitätsnäher, sondern regt gleichzeitig die Neuroplastizität an. Unterschiedliche Trainingsaufgaben sprechen verschiedene Fähigkeiten und Netzwerke im Gehirn an.

Für wen ist ViKoMotorisches Training geeignet?

ViKoMotorisches Training richtet sich an alle Altersgruppen und kann sowohl von Kindern, älteren Menschen als auch Leistungssportlern durchgeführt werden. Die Zielstellung liegt im Erhalt sowie in der Verbesserung visueller, kognitiver und motorischer Fähigkeiten. Für ältere Personen sollen die Leistungsfähigkeit und damit Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Lebensqualität sichergestellt werden. Kinder werden durch bessere visuelle, kognitive und motorische Fähigkeiten in ihrer Entwicklung unterstützt. Athleten sollen im Training sportrelevante Fähigkeiten verbessern und ein höheres Leistungslevel erreichen.

Was ist Neuroathletiktraining (NAT)?

Wir sind nur so stark wie unsere schwächste Stelle. Hinkt das Gehirn hinterher, leiden auch die sportliche und körperliche Leistungsfähigkeit. NAT verfolgt den Ansatz, vernachlässigte oder eingeschränkte Funktionenim Nervensystem wieder zu aktivieren und gezielt zu trainieren.

Neuroathletiktraining ist eine Weiterentwicklung des klassischen Athletiktrainings, bei der sowohl das Gehirn als auch das Nervensystem mit einbezogen werden. Irgendwann ist jedes motorisch athletische Training ausgereizt. Es braucht neue Impulse, um die Leistung weiter zu verbessern. Daneben bleiben die Ursachen für dauerhafte Schmerzen, wenn keine strukturellen Schäden vorliegen, häufig unentdeckt.

Um diese Probleme zu lösen, beschäftigt sich die Neuroathletik mit allen Sinnesorgangen und schult dabei v. a. die Augen, über die 70 bis 80 % der Informationen das Gehirn erreichen, sowie das Gleichgewichtsorgan. NAT aktiviert und trainiert dabei gezielt eingeschränkte und vernachlässigte Funktionen im Nervensystem, indem es durch verschiedene Tests Dysbalancen und Defizite ermittelt.

Wie genau muss man sich das vorstellen?

Unser Gehirn und unser zentrales Nervensystem empfangen ununterbrochen sensorischen Input. Erfolgt eine Verletzung, wird die Verletzungsposition als potenziell gefährlich abgespeichert. Sobald eine ähnliche Bewegung erfolgt, sagt das Gehirn: „Achtung, es wird gefährlich.“ Durch NAT wird der übersteuerte Schutzmechanismus des Körpers nach und nach wieder normalisiert. Topvereine der Bundesliga und auch des internationalen Spitzensports integrieren diese Kenntnisse bereits, um ungenutzte Leistungsreserven freizusetzen und Verletzungen präventiv zu begegnen.

ViKoMotorisches Training richtet sich an alle Altersgruppen und kann sowohl von Kindern, älteren Menschen als auch Leistungssportlern durchgeführt werden

Wie kann man NAT und ViKoMotorik trainieren?

Ob Jung, ob Alt – die Herausforderung der Zukunft ist es, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und angemessen darauf reagieren zu können. Was wir dazu brauchen, ist ein gesunder, kräftiger Körper – aber in erster Linie das Organ, das all dies steuert! Jede Bewegung, jede Reaktion, jede Leistung: der Kopf. Trainiert werden kann das z. B. an laserbasierten Trainings- und Diagnostik-Tools wie dem SKILLCOURT, um die motorische, aber auch die kognitive Entwicklung von Patienten, Sportlern und Kindern zu fördern.

Das wird erreicht, indem kognitive, visuelle und motorische Aufgaben spielerisch gelöst werden können. Spiele aus den Bereichen Schnelligkeit, Intelligenz, Sehen, Wissen und Motorik werden individuell für jeden Spieler zusammengestellt, um ein perfekt abgestimmtes und effektives Trainingsprogramm je nach Anforderungsprofil des Spielers zu erhalten.

Entscheidend ist die Erkenntnis, dass eine der wichtigsten Instanzen beim konventionellen Kraft- und Ausdauertraining weitaus vergessen wird: das Gehirn. Hier, am Kern aller gesteuerten Bewegungen, Reaktionen und Handlungsfähigkeiten, setzen Trainingssysteme wie der SKILLCOURT an. Spielerisch stellen die Aufgaben den Nutzer vor unterschiedlichste Reize und Anforderungen. Wie im alltäglichen Leben auch kommt es auf das Zusammenspiel aller Wahrnehmungen an, auf deren zeitnahe Verarbeitung und die daraufhin eingeleitete Reaktionsfolge.

Man trainiert niemals nur eine Fähigkeit allein, vielmehr muss man komplex denken und kreative Lösungen finden. Das Arbeitsgedächtnis wird geschult. Wir lernen in der Bewegung, was eine weitaus größere Bildung von Synapsen in unserem Gehirn zur Folge hat, als wenn wir sitzend vor einem Blatt Papier eine Aufgabe lösen.

Bei der Geburt verfügt der Mensch über mehr als 100 Milliarden Nervenzellen, die jedoch erst dann funktionsfähig sind und richtig miteinander kommunizieren, wenn sie miteinander verknüpft worden sind. In der frühen Kindheit werden durch Sinnestätigkeiten und vor allem körperliche Aktivität Reize geschaffen, die diese Verknüpfungen unterstützen. Bewegung ist die Quelle vielfältiger Erfahrungen, die uns einen Zugang zur Welt erschließen.

Zielgruppe Kinder

Gerade in der heutigen Zeit wachsen Kinder meist zweidimensional auf. Sie lernen sitzend am Schreibtisch oder PC. Das Training von Vikomotorik und NAT führen dazu, dass Kinder sich kognitiv und motorisch schneller und besser entwickeln. Durch Freude an Spiel und Bewegung lernen sie dabei ganz automatisch, logisch zu denken und sich zu konzentrieren. Ein Vorteil in der Schule sowie für ihre gesamte Entwicklung.

Auch für ältere Menschen geeignet

Für Patienten, aber auch für ältere Menschen geht es darum, die eigene Selbstständigkeit beizubehalten, indem Stürze vermieden werden. Das Hindernis muss möglichst schnell erkannt, die Gefahr richtig eingeschätzt und die richtige Entscheidung getroffen werden, um in einer möglichst kurzen Reaktionszeit auf dieses Hindernis reagieren zu können. Es geht aber auch darum, das Demenzrisiko durch ViKoMotorisches Training herabzusenken, um möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Wie gemacht für Sportler

Im Spitzensport ermöglichen die Trainingsergebnisse von NAT und ViKoMotorischem Training einen ganz neuen Ansatz, den aktuellen Trainingsstand des Sportlers zu kategorisieren, Reaktions- und Kontaktzeiten auf die Millisekunde genau zu messen, aber auch Schwachstellen zu erkennen. Anhand dieser Parameter ist ein gezieltes, aufeinander aufbauendes Training unter Einbezug der kognitiven Komponente die effektivste Art und Weise der Leistungssteigerung. Schwachstellen werden rechtzeitig erkannt und das Verletzungsrisiko wird durch genauestens zugeschnittene Trainingsmodule minimiert.

„Viele Betreiber von Fitness- oder medizinischen Einrichtungen sind sich der Wichtigkeit der Integration dieser letzten noch fehlenden Trainingskomponente bewusst. Mittlerweile ist unser System an über 240 Standorten in ganz Europa im Einsatz.“

Christian Hasler, Geschäftsführer der movement concepts GmbH

Die Autoren

  • Christian Hasler

    Als Geschäftsführer der movement concepts GmbH und Diplom-Sportwissenschaftler ist Christian Hasler ein Experte in den Bereichen Reha und Prävention.

  • Klaus Maierstein

    Klaus Maierstein leitet die Sportphysiotherapie im next.level therapie- und trainingszentrum Schweinfurt. Als Manualtherapeut und zertifizierter Bewegungsanalytiker ist er außerdem als Sportphysiotherapeut für den DOSB tätig. Abgerundet wird sein Portfolio durch das FIFA-Diplom in Football Medicine.

  • Asst. Prof. Dr. Thorben Hülsdünker

    Asst. Prof. Dr. Thorben Hülsdünker ist Sport- und Neurowissenschaftler an der LUNEX Universität. Sein Forschungsschwerpunkt ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und Gehirn.

Magazin

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