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Die zehn größten Studioketten der vergangenen Jahre

Seit der Jahrtausendwende hat sich viel getan im Ranking der zehn größten Fitnessstudiobetreiber gemessen an der Anlagenzahl. Verfügten sie 2003 noch über 400 Anlagen, sind es heute 1.600 und ihr Anteil an Anlagen stieg damit auf fast 20 %. Insgesamt waren mehr als 20 Unternehmen mindestens einmal Teil der Top 10. Das Wachstum des Discountsegmentes, eine zunehmende Diversifizierung und das fortwährende Engagement von Investoren sind drei der grundlegenden Trends der beiden vergangenen Jahrzehnte.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich der deutsche Fitnessmarkt stark gewandelt und weiterentwickelt. Trainierten laut den jährlichen Eckdaten des Arbeitgeberverbandes DSSV Ende 2003 noch etwa 4,4 Millionen Mitglieder in den Anlagen mit einer Fläche von mehr als 200 m², waren es 16 Jahre später schon 11 Millionen, also genau 2,5-mal so viele. In der Zeit hat sich die Zahl der Anlagen von 5.700 auf fast 7.000 erhöht.

Zu beachten ist dabei, dass für den Zeitraum davor keine entsprechenden Zahlen existieren, da der DSSV erst ab dem Jahr 2003 zwischen den „kleinen“ und „großen“ Anlagen unterschieden hat. Für das Vorjahr 2002 wurde die Zahl der Mitglieder noch mit 5,1 Millionen Mitgliedern in 6.500 Anlagen angegeben. Wären die Werte ansonsten unverändert geblieben, entspräche dies rund 700.000 Mitgliedern in 800 Anlagen mit weniger als 200 m².

Gemäß der zuletzt veröffentlichten Eckdatenstudie existierten Ende 2019 ca. 2.700 kleine Anlagen mit insgesamt 650.000 Mitgliedern. Der starke Anstieg der Mikroanlagen ist dabei auf die zurückliegende Expansion von Franchiseangeboten z. B. in den Bereichen Frauenfitness und im EMS-Bereich zurückzuführen, wobei die Zahlen aufgrund unterschiedlicher Methodiken mit denen Anfang des neuen Jahrtausends offensichtlich nur bedingt vergleichbar sind.
 

Die Mitgliederentwicklung in deutschen Fitness- und Gesundheitsstudios von 2003 bis 2019
 

Wieder in Bezug auf die großen Anlagen ist der Grund für das Auseinanderfallen der Anlagen- und Mitgliederentwicklungen von Anfang der 2000er-Jahre bis heute der langfristige Trend zu größeren Anlagen mit höheren Zahlen an Mitgliedern pro Anlage. So wurde diese Kennzahl von 768 im Jahr 2003 auf nahezu 1.600 Mitglieder in einer Anlage in 2019 gesteigert.

Ein Treiber ist das Wachstum der Kettenbetriebe, die ihre Präsenz und Bedeutung in der deutschen Fitnessindustrie in dem Zeitraum deutlich steigern konnten und in der Regel über größere Flächen und eben Mitgliederzahlen verfügen. Betrachtet man die jeweils zehn größten Anbieter nach Anlagen in Deutschland, zählten sie 2003 insgesamt über 400 Anlagen und knapp 1.300 Ende 2020.

Auch innerhalb dieser Top 10 der Anlagenbetreiber hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Die drei Anbieter mit den meisten Anlagen waren 2003 Kieser Training, der damals als einziger um die 100 Anlagen hatte, INJOY sowie das damals noch als Fitness Company firmierende, heutige Fitness First. Alle drei Unternehmen sind aus heutiger Sicht am ehesten dem sogenannten Medium-Segment zuzurechnen, welches in den ersten Jahren auch den größten Teil der jeweiligen Top 10 bildete. 

Der Discountbereich entwickelt sich stetig

Der einzige Premiumanbieter 2003 war ELIXIA mit 26 Anlagen in Deutschland. Später meldete ELIXIA Insolvenz an. Auf der anderen Seite des Angebotsspektrums waren zu der Zeit im Discountsegment McFit mit knapp 40 Anlagen und Swiss Fitness vertreten. Gerade der „Discount“ entwickelte sich jedoch stetig und vor allem seit etwa 2010 kamen immer neue „Günstiganbieter“ hinzu. Seit 2015 stellen diese schließlich die Mehrheit der zehn größten Betreiber und dominieren die Top 10 gemessen an Anlagen und Mitgliedern deutlich.

Aktuell gehören über 900 Anlagen zu Discountanbietern. Der mit Abstand anlagenstärkste Betreiber ist der Discount-Franchiseanbieter clever fit mit etwa 400 Anlagen, gefolgt von der RSG Group mit gut 200 Anlagen und EASYFITNESS, einem weiteren Franchiseunternehmen mit ca. 150 Studios. Erst dann kommt der damalige Erstplatzierte Kieser Training auf Rang vier.
 

Die zehn größten Fitnessstudioketten (gemessen an der Anlagenanzahl) in Deutschland 2020 und oben 2003
 

Vermehrte Diversifizierung zu beobachten

Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren auch eine vermehrte Diversifizierung einzelner Anbieter zu beobachten. Während regionale Betreiber wie Just Fit oder die Unternehmensgruppe Pfitzenmeier mit ihren Marken Premium Resorts sowie VeniceBeach und FitBase bereits seit Längerem verschiedene Angebotssegmente auf lokaler Ebene abdecken, haben in den letzten Jahren auch national tätige Betreiber die Palette der Clubformate erweitert.

Nachdem die Fitness Company in 2009 zu Fitness First wurde und das Angebot stärker im Premiumsegment positioniert werden sollte, erweiterte die Gruppe das Portfolio auch durch Akquisitionen wie Elbgym oder smile X. Beide Angebote sind heute Teil der LifeFit Group, die zudem weitere Clubformate wie Barry’s, pure barre oder The Gym Society umfasst.

Seit der Gründung im Jahr 1997 eroberte Rainer Schaller mit McFIT die Marktführerschaft im Discountsegment und letztlich auch im gesamten Markt. Heute ist McFIT eine von mehreren Marken im Verbund der RSG Group, zu der unter anderem High 5, John Reed, John & Jane’s und seit vergangenem Sommer auch das amerikanische Gold’s Gym gehören. 

Fitnessmarkt stößt bei externen Investoren auf großes Interesse

Die Entwicklung der Top 10 wurde immer wieder auch von externen Investoren beeinflusst. Bereits im Jahr 1999 war TC Holdings, Teil einer internationalen Fitnesskette und finanziert u. a. von Banc Boston Capital, mit über 50 Anlagen Marktführer, um drei Jahre später Insolvenz anzumelden und so 2003 schon nicht mehr Bestandteil des Top-10-Rankings zu sein.

Von 2005 an entwickelte der Private-Equity-Investor Waterland zusammen mit der niederländischen HealthCity-Gruppe aus Future Sports und Karstadt Fitness den späteren Top-10-Anbieter in Deutschland. Nach seinem Ausstieg dort ist Waterland 2018 mit dem Einstieg beim Aggregator Hansefit und ganz aktuell mit der Beteiligung an Fit/One seit 2014 Teil der Harlekin-Gruppe, die ansonsten Automatenspielstätten betreibt, wieder in den Fitnessmarkt zurückgekehrt.

Der Einstieg eines anderen Spielstättenbetreibers, der Schmidt-Gruppe, verhalf schon 2009 FitX dazu, einer der führenden Discountbetreiber zu werden. Mit der Übernahme von Jumpers Fitness durch die NORD Holding im Jahr 2013 begann dessen Expansion, die im Jahr 2020 in dem Zusammenschluss mit Ai Fitness resultierte und den Sprung in die aktuelle Top 10 ermöglichte.
 

Die Abbildung verdeutlicht, dass die Mitgliederanzahl der zehn größten Studioketten gemessen an der Gesamtmitgliederanzahl, über die Jahre stetig gestiegen ist.
 

Wie der Fall TC Holdings zeigt, war das Engagement vor allem ausländischer Institutionen dabei nicht immer von Erfolg gekrönt. Andere Player, die kamen und wieder gingen, waren 24 Hour Fitness, Healthland oder eben ELIXIA. Von den aktuell unter den Top 10 befindlichen Betreibern sind mit Injoy/Elements (Migros), Kieser Training (Kieser Schweiz), LifeFit Group (Oaktree Capital) drei Player in der Hand internationaler Unternehmen.

Ausblick

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie und der damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen vor allem auch für Fitnessbetreiber ist damit zu rechnen, dass sich die laufende Konsolidierung des Marktes weiter fortsetzen wird und auch die größten Betreiber weiter an Bedeutung gewinnen. Auch vonseiten bislang noch nicht im Markt investierter Beteiligungsgesellschaften ist das Interesse an der Fitnessbranche trotz der massiven Auswirkungen der Krise groß.

Dies kann auch als gutes Zeichen verstanden werden, zeigt es doch die positiven Erwartungen und die Chancen, die Investoren für die Fitnessindustrie nach Bewältigung der derzeitigen Situation sehen. Eine detaillierte, jährliche Entwicklung der Betreiber-Top10 von 1999 bis 2020 finden Sie unter: www.edelhelfer.com/einblicke 

 

Bildquelle: ©AKS - stock.adobe.com

Die Autoren

  • Niels Gronau

    Niels Gronau gründete zusammen mit seinem Kollegen Gregor Titze die Beratungsboutique edelhelfer GmbH, die ihre Kunden auf allen Etappen der Unternehmensentwicklung begleitet. Die edelhelfer wurde nach dem „Edelhelfer“ im Radsport benannt. Dieser arbeitet in besonderer Position für den Erfolg seines Mannschaftskapitäns und unterstützt ihn in jeder Situation des Rennens.

    Kontakt:
    www.edelhelfer.com
    kontakt@edelhelfer.com

  • Gregor Titze

    Gregor Titze gründete zusammen mit seinem Kollegen Niels Gronau die Beratungsboutique edelhelfer GmbH, die ihre Kunden auf allen Etappen der Unternehmensentwicklung begleitet. Die edelhelfer wurde nach dem „Edelhelfer“ im Radsport benannt. Dieser arbeitet in besonderer Position für den Erfolg seines Mannschaftskapitäns und unterstützt ihn in jeder Situation des Rennens.

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    www.edelhelfer.com
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