Management

Medizinisches Fitnesstraining als erfolgreiches Geschäftsmodell

Mit der Herausforderung, sich als Experte im Gesundheitsbereich zu etablieren, sehen sich viele Betreiber von Fitness- und Gesundheitsstudios konfrontiert. Wie dies gelingen kann, erklärt Gregor Lotz im BODYMEDIA-Interview.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Medical-Fitness-Konzepte bieten eine effektive Alternative zum Training in einem normalen Fitnessclub.
  • Das Konzept von Exclusive Fitness steht in direktem Zusammenhang mit dem steigenden Durchschnittsalter in Deutschland
  • Zum Erfolg zählt außerdem ein hochwertiges Trainings- und Betreuungskonzept,ein gut organisiertes Franchisesystem, innovatives Marketing und ein starker Vertrieb.
  • Aktives Networking mit potenziellen Partnern in der Gesundheitsbranche ist essenziell, um noch präsenter zu werden.
  • Fitnessstudiobetreiber sollten Ärzte, Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen in ihre Strategie miteinbinden.
  • Auch Kooperationen mit Firmen im Hinblick auf ein betriebliches Gesundheitsmanagement sind entscheidend.

BODYMEDIA: Herr Lotz, jeder spricht davon, dass die Bereiche Fitness und Medizin immer mehr miteinander verschmelzen. Der Begriff Medical Fitness ist allgegenwärtig. Doch wie genau lässt sich der Begriff Medical Fitness definieren?

Gregor Lotz: Medical Fitness setzt neue Qualitätsstandards im Hinblick auf die Betreuungsqualität der Mitglieder. Mittlerweile ist nahezu jedem bekannt, dass sich gezielte Bewegung unter professioneller Anleitung überaus positiv auf viele Beschwerdebilder und Erkrankungen auswirken bzw. ein präventiver Ansatz diese oft vermeiden kann. Dort setzen gute Medical-Fitness-Konzepte an und bieten dieser Zielgruppe eine effektive Alternative zum Training in einem „herkömmlichen Fitnessclub“.


Mittlerweile gibt es bundesweit 23 Clubs des Franchisesystems Exclusive Fitness (Bildquelle: Exclusive Fitness)

BODYMEDIA: Als Exclusive Fitness 2009 gegründet wurde, waren Angebote mit Fokus auf medizinischem Fitnesstraining am Markt die Ausnahme. Warum haben Sie sich ausgerechnet für ein solches Konzept entschieden und warum waren Sie vom Erfolg überzeugt?

Gregor Lotz: Das Konzept von Exclusive Fitness steht in direktem Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung in Deutschland. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt stetig an. Für die ältere Generation und Menschen mit körperlichen Einschränkungen gab es jedoch nahezu keine prädestinierten Angebote. Gleichzeitig sprechen wir hier von einer enorm großen und sehr dankbaren Zielgruppe. Das Potenzial für ein entsprechendes Konzept war also vorhanden.

BODYMEDIA: Bei Exclusive Fitness handelt es sich um ein Franchisesystem. Mittlerweile gibt es 23 Clubs. Was zeichnet das Geschäftsmodell aus?

Gregor Lotz: Die Erfolgskoordinaten sind ein extrem hochwertiges Trainings- und Betreuungskonzept in einem persönlichen und exklusiven Ambiente. Hinzu kommen ein gut organisiertes Franchisesystem mit detaillierten Standards und ein innovatives Marketing kombiniert mit starkem Vertrieb.

BODYMEDIA: Wie viel Fitnessstudio und wie viel Physiotherapie steckt in einem Studio bei Exclusive Fitness? Wo liegen Gemeinsamkeiten und wo die Unterschiede?

Gregor Lotz: Die Gemeinsamkeiten liegen sicherlich in der Qualität der Betreuung. Bei Exclusive Fitness kommen jedoch zusätzlich immer Geräte inklusive digitaler Trainingssteuerung zum Einsatz, um langfristige Trainingserfolge ermöglichen und dokumentieren zu können.

Ein weiterer Unterschied liegt sicherlich im Marketing und im Vertrieb. Bei diesen Themen sind viele Physiotherapeuten eher zurückhaltend und konzentrieren sich überwiegend auf die Behandlung der Patienten. Exclusive Fitness dagegen stellt eine dauerhafte Marketingpräsenz sicher. Seit Kurzem bieten wir auch ein Franchisekonzept speziell für Physiotherapeuten an, um sie genau in diesen Bereichen professionell zu unterstützen und so einen großen Mehrwert für physiotherapeutische Praxen zu schaffen.


Bei Exclusive Fitness kommen immer Geräte inklusive digitaler Trainingssteuerung zum Einsatz, um langfristige Trainingserfolge ermöglichen und dokumentieren zu können (Bildquelle: Exclusive Fitness)

BODYMEDIA: Viele Fitnessclubs versuchen, sich im Gesundheitsbereich zu positionieren, tun sich allerdings bei der Umsetzung schwer. Welche Grundvoraussetzungen müssen Betreiber schaffen, damit sie überhaupt mit ihrem Fitnessstudio dauerhaft als Medical-Fitness-Experte wahrgenommen werden?

Gregor Lotz: Der Verbraucher verbindet eine gewisse Erwartungshaltung mit einem Medical-Fitness-Konzept. Erfolgreich ist nur derjenige, der diese Erwartungshaltung langfristig erfüllen kann. Somit entscheidet letztendlich die Qualität der Dienstleistung, welche sich wiederum zusammensetzt aus Betreuungskonzept, Personal und Geräten. Ein internes Qualitätsmanagementsystem sollte regelmäßig die Qualität der Dienstleistung bewerten, sicherstellen und gegebenenfalls weiterentwickeln.

BODYMEDIA: Sich im Bereich der medizinischen Fitness als Experte zu positionieren ist für viele Fitnessclubs aus Imagegründen sehr reizvoll. Inwiefern ist es für Studiobetreiber auch aus finanzieller Hinsicht lukrativ?

Gregor Lotz: Wir arbeiten mit einer Zielgruppe, die bei ihrer Gesundheit keine Kompromisse eingehen möchte. Sie ist also auch gerne bereit, für eine hochwertige Dienstleistung entsprechend zu zahlen. Zudem hält uns ein Großteil unserer Mitglieder über viele Jahre hinweg die Treue, da sie ein hohes Maß an Vertrauen in das Konzept setzen und sich gut betreut und aufgehoben fühlen. Die wirtschaftlichen Folgen sind höhere realisierte Durchschnittsbeiträge pro Mitglied, weniger Rücklastschriften und eine geringe Fluktuation.

BODYMEDIA: Gerade für Fitnessstudios, sie sich im Gesundheitsbereich positionieren möchten, ist es sinnvoll, mit verschiedenen Ärzten zu kooperieren. Viele Ärzte tun sich allerdings immer noch schwer, Fitnessclubs als Gesundheitsdienstleister anzuerkennen. Woran liegt das und wie könnte man dieses Problem lösen?

Gregor Lotz: An dieser Stelle möchte ich den Sportmediziner Prof. Wildor Hollmann zitieren, der sagt: „Es gibt kein Medikament und keine Maßnahme, die einen vergleichbaren Effekt hat wie das körperliche Training. Gäbe es ein solches Medikament mit solch hervorragenden Wirkungen und quasi ohne Nebenwirkungen, wäre jeder Arzt gehalten, es zu verschreiben …“ Ich persönlich bin der Meinung, dass die meisten Ärzte dieses Bewusstsein durchaus haben, aber die angestrebten Kooperationen vielmehr aufgrund der mangelnden Professionalität der Fitnessclubs scheitern.

Wer eine Kooperation mit einem Arzt aufbauen möchte, sollte entsprechend repräsentative Unterlagen zusammenstellen, in einem persönlichen Gespräch überzeugen und auch die konkreten Vorteile einer Zusammenarbeit für den Arzt klar herausstellen. Vorsicht ist hierbei jedoch im Hinblick auf das Korruptionsgesetz geboten.

BODYMEDIA: In verschiedenen Trend-Reports wird Medical Fitness immer wieder als einer der Zukunftstrends ausgemacht. Sehen Sie das auch so und was müssen Fitnessstudios dafür tun, um an diesem Trend noch stärker partizipieren zu können?

Gregor Lotz: Ich sehe in Medical Fitness mehr als nur einen Trend, eher einen stetig wachsenden Markt mit enormem Potenzial für die gesamte Gesundheitsbranche. Von besonderer Bedeutung für die Fitnessanbieter ist ein aktives Networking mit potenziellen Partnern in der Gesundheitsbranche, um noch präsenter zu werden. Ich kann Clubbetreibern nur dazu raten, Ärzte, Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen in ihre Strategie miteinzubinden. Auch Kooperationen mit Firmen im Hinblick auf ein betriebliches Gesundheitsmanagement sind entscheidend.

BODYMEDIA: Welche Empfehlungen können Sie Fitnessclubbetreibern geben, die sich im Bereich der medizinischen Fitness positionieren möchten? Was gilt es zu beachten? Welche Fehler sollten vermieden werden?

Gregor Lotz: Ich denke, dass man sich zunächst ganz klar auf dem Markt positionieren sollte und sich die Frage stellen sollte: Wo sehe ich die Schwerpunkte meines Unternehmens bzw. meines Konzepts? Entscheidend ist, ob man in der Lage ist, die Zielgruppe, die angesprochen werden soll, auch zufrieden zu stellen. Das „Fitnesspublikum“ heutzutage ist äußerst anspruchsvoll, auf eine enttäuschte Erwartungshaltung folgt eine Kündigung und es folgt der Wechsel in ein anderes Studio. An alternativen Angeboten mangelt es nicht.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview.

Die Autoren

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

  • Gregor Lotz

    Gregor Lotz ist Inhaber und Geschäftsführer des Franchisesystems Exclusive Fitness. Er hat zudem das Konzept von Exclusive Fitness, bei dem der Schwerpunkt auf medizinischem Fitnesstraining liegt, entwickelt. 

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