Personal

Instrumente der Mitarbeiterbindung

Damit einem die eigenen Mitarbeiter erhalten bleiben, kann man an einigen Stellschrauben drehen. Wir zeigen, welche zum Erfolg führen. Mit diesen gelingt es, zusätzlich neue gute Arbeitskräfte anzuwerben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vorab sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die für eine Vielzahl an Personen gut geeignet sind.
  • Bei der Stellenausschreibung und im Bewerbungsgespräch sollten die Anforderungen und Werte beider Seiten offen und ehrlich kommuniziert werden.
  • Die Mitarbeiter sollten vorallem mit Wertschätzung und Respekt begegnet werden.
  • Außerdem ist es gut, den Angestellten eine Weiterentwicklungsmöglichkeit zu bieten.

Es könnte so einfach sein: Werden die Bedürfnisse und Anforderungen eines Mitarbeiters erfüllt, ist es sehr wahrscheinlich, dass er der Praxis lange treu bleibt. Aber jeder hat andere Bedürfnisse, die sich auch noch nach Lebenssituation, Sicherheitsbedürfnis, Entwicklungsplänen und Zeit für die Familie unterscheiden. Aber keine Sorge – nur weil eine Bedingung nicht erfüllt ist, heißt das nicht, dass Mitarbeiter gleich kündigen.

Vielmehr geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die für eine Vielzahl an Personen gut geeignet sind, und Mitarbeiter einzustellen, die sich in den vorherrschenden Rahmenbedingungen wohlfühlen. Dabei sollte man folgende Faktoren beachten:

  1. Unternehmensfaktoren: Dazu zählen z. B. das Image des Unternehmens nach außen, wie gut es erreichbar ist, das Betriebsklima, die Größe der Praxis, das kollegiale Umfeld, Ausstattung, Philosophie u. v. m.
  2. Persönliche Faktoren: Hierunter fallen Grad der Verantwortung, Aufgabenfelder, Einarbeitung und Weiterbildung, Wertschätzung, Work-Life-Balance und natürlich auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  3. Formalitäten: Befristung des Arbeitsvertrags, Gehalt, betriebliche Altersvorsorge u. v. m.
     


Ein gutes Arbeitgeberimage und die Unternehmenskultur helfen dabei Mitarbeiter lange im Unternehmen zu halten (Bildquelle:©fizkes - stock.adobe.com)

Diese Maßnahmen werden von den Mitarbeitern natürlich unterschiedlich bewertet und wertgeschätzt. Ein 20-jähriger Single-Physiotherapeut braucht andere Rahmenbedingungen als eine Physiotherapeutin mit 3 Kindern. Man muss also im Einzelfall darauf achten, welche Maßnahmen für einen Mitarbeiter gut geeignet sind, um ihn an die Praxis zu binden.

Ob sich ein Mitarbeiter wohlfühlt und bereit ist, über viele Jahre dem Unternehmen treu zu sein, entscheidet sich schon vor dem eigentlichen Einstellungsgespräch. Denn die in der Ausschreibung genannten Rahmenbedingungen haben einen großen Einfluss darauf, wer sich bewirbt. Um möglichst passende Bewerber zu finden, ist es ratsam, transparent über die Unternehmenskultur, die Arbeitsbedingungen sowie einen Überblick über die Leistungen an die Bewerber zu vermitteln.

Das ist insbesondere deswegen wichtig, da alle Informationen, die der zukünftige Mitarbeiter erhält, in den ersten Wochen und Monaten in der Praxis mit der Realität abgeglichen werden. Hier sollten also möglichst keine fehlerhaften Informationen kommuniziert werden. Werden die Erwartungen erfüllt, ist es eher wahrscheinlich, dass der Bewerber ein langjähriger Mitarbeiter wird. Wer die richtigen Bewerber einlädt, hat schon mal einen ersten wichtigen Schritt geschafft – nun geht es darum, im Einstellungsgespräch herauszufinden, ob Bewerber und Physiopraxis gut zusammenpassen.


Treffen Mitarbeiter und Inhaber zum ersten Mal aufeinander zeigt sich schnell, ob man auch emotional zusammenpasst (Bildquelle:©fizkes - stock.adobe.com)

Intensives Kennenlernen

Beim ersten Aufeinandertreffen wissen beide Parteien bereits einiges voneinander. Nun geht es darum, herauszufinden, ob man auch emotional zusammenpasst. Einstellungsgespräche sind vor allem dann bedeutsam für die Mitarbeiterbindung, wenn herausgefunden werden kann, ob der Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle passt. Dafür sollte man folgende Inhalte abgleichen: Welche Fähigkeiten bringt der Bewerber mit und welche brauche ich in meiner Praxis? Auch wenn Mitarbeiter in der Physiotherapie ein rares Gut sind, sollte man nicht einfach per se Leute einstellen, weil man Angst hat, dass man niemand anderen findet.

Die gewünschten Fähigkeiten sollten in den Personen vorhanden sein, da ansonsten eine Grundlage für eine gute Mitarbeiterbindung fehlt. Auch die Interessen des Bewerbers, seine Bedürfnisse und Werte spielen eine große Rolle. Diese kann man häufig erst im persönlichen Gespräch herausfinden, da Bewerbungsunterlagen wenig darüber aussagen. Und dieser Teil ist elementar wichtig für eine zukünftige Bindung ans Unternehmen.

Jemand, der andere Werte als der Praxisinhaber oder das Team hat, wird sich nicht lange halten können. Ein dritter Punkt, der Teil des Gespräches sein sollte, ist herauszufinden, inwiefern der Bewerber bereit ist, sich entwickeln zu lassen, und wie viel Potenzial dafür überhaupt vorhanden ist. Gerade bei einem Wechsel der Strategie kann das enorm wichtig sein, um Mitarbeiter trotz der Umwälzungen zu halten.

Arbeitgeberimage ist entscheidend

Häufig bemerkt man es schon an der Zahl der Bewerber, wie attraktiv man im Markt wahrgenommen wird. Viele Unternehmen klagen über Bewerbermangel, ohne sich jedoch im Vorfeld Gedanken über das eigene Image gemacht zu haben. Ein gutes Image weist auf einen positiven Arbeitgeber hin, was sich wiederum positiv auf die Eignung der Menschen, die sich bewerben, auswirkt. Oder kurz gesagt: Wer gute Mitarbeiter möchte, braucht ein gutes Image.

Wer sein Profil außerdem ausreichend scharf dargestellt hat, spricht Menschen an, die passen. Gerade Physiopraxen kommen häufig etwas verstaubt daher. Aber man muss nicht die Professionalität eines großen Konzerns erreichen. Häufig sind kleine Videos aus dem Team oder ein authentischer Social-Media-Auftritt viel passender. Es zeigt sich also, dass Mitarbeiterbindung häufig schon beginnt, bevor jemand eingestellt wurde. Schauen wir uns an, welche Faktoren für die Mitarbeiter im Unternehmen interessant sind.

Auf die Unternehmenskultur kommt es an

In vielen Branchen ist es nicht das Gehalt, das maßgeblich für die Zufriedenheit mit einem Arbeitsplatz entscheidend ist, sondern vielmehr sind es die Stimmung, das Klima und die Unternehmenskultur am Arbeitsplatz. Wer mit tollen Kollegen in einer guten Atmosphäre arbeiten kann, braucht als „Entschädigung“ für schlechte Verhältnisse kein Schmerzensgeld. Wobei es ausreichend Beispiele gibt, die zeigen, dass sich gute Bezahlung und tolles Klima nicht ausschließen müssen.

In der Unternehmenskultur bemerken Mitarbeiter schnell, ob ihre Werte mit dem Unternehmen harmonieren. Wurden im Vorhinein unpassende Bilder vermittelt, so fällt das nun deutlich auf. Passen Ziele, Werte, Normen und Regeln des Unternehmens doch nicht zum Mitarbeiter, wird er schnell geneigt sein, das Unternehmen zu verlassen.

Was also sollte man tun, wenn man Mitarbeiter über die Unternehmenskultur binden möchte? Das ist leider nicht ganz so einfach, da sich die Kultur in den oft unsichtbaren und eigentlich nie hinterfragten Verhaltensformen zeigt. Also wie verhalten sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz, wie gehen sie miteinander um, in welcher Form sprechen sie miteinander etc.? Was hingegen etwas einfacher umzusetzen ist, sind die vorhandenen Werte sowie die Strategie.

Jemand, dem Umweltschutz enorm wichtig ist, der das aber in den Werten der Physiopraxis nicht findet, wird sich über kurz oder lang einen anderen Arbeitgeber suchen. Genauso wenig kann ein Therapeut, der ausschließlich manuell behandeln möchte, in einer Praxis, die den Fokus auf die Heilkraft der Bewegung setzt, bestehen.

Die finanzielle Bindung

Kommen wir doch einmal zum Thema Gehalt, denn so sehr es auch für viele Menschen eine untergeordnete Rolle spielt, wird es doch zum Thema in der Physiotherapie. Therapeuten leisten Enormes und werden dafür nur geringfügig entlohnt. Hier können wenige hundert Euro bei gleichen oder ähnlichen Arbeitsbedingungen schon viel ausmachen. Zudem ist es in der Physiotherapie nicht so einfach, im Rahmen einer Provision viel dazuzuverdienen. Nicht, dass das nicht geht, aber es ist unüblich. Daher sollte der Inhaber schauen, dass er seine Physiotherapeuten ordentlich bezahlt.

Kann er das nicht, muss er Möglichkeiten finden, auf anderen Wegen Geld zu verdienen, die seine Praxis rentabler machen. Sonst kann es schnell passieren, dass er eines Tages alleine dasteht. Glücklicherweise gibt es ausreichend Möglichkeiten, außerhalb des Bruttogehalts für Mitarbeiter attraktive Vergütungsleistungen zu finden. Das können bezahlte Fortbildungen, eine betriebliche Altersvorsorge, zusätzlicher Urlaub oder aber Unterstützung bei der Kinderbetreuung sein. All das macht Arbeitgeber zusätzlich attraktiv und Mitarbeiter möchten die Annehmlichkeiten der Leistungen irgendwann nicht mehr missen.

Win-win-Situation bei Weiterbildungen

Die Welt der Physiotherapie dreht sich schnell und ständig. Dementsprechend viele qualifizierte Fort- und Weiterbildungen gilt es zu besuchen. Davon profitiert einerseits der Therapeut, weil er moderne Techniken bei der Behandlung einsetzen kann, aber auch der Inhaber, da seine Praxis von diesem Know-how profitiert. Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Warum sollte ich in meine Mitarbeiter investieren, wenn sie uns doch eh verlassen?“ Darauf gibt es nur eine Antwort: „Was passiert, wenn wir es nicht machen und sie bleiben?“

Fakt ist: Mitarbeiter bleiben bei Unternehmen, in denen sie sich weiterentwickeln dürfen. Zwar ist jede Weiterbildung auch eine Möglichkeit für Mitarbeiter, sich anders als vom Unternehmen vorgesehen zu entwickeln, durch ein gutes Verhältnis und die richtige Unternehmensstrategie kann das aber in die für das Unternehmen positiven Bahnen gelenkt werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Thema Integration in die Entscheidungsfindung. Mitarbeiter möchten, insbesondere in kleineren Unternehmen, Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und in die Entscheidungsprozesse integriert werden. Wer das nicht ermöglicht, begeht einen großen Fehler, denn dann kann sich der Mitarbeiter nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren und geht.


Einer der Punkte, den viele Physiopraxen unterschätzen ist der Einfluss von gutem Führungsverhalten auf die Mitarbeiterbindung (Bildquelle:©fizkes - stock.adobe.com)

Führungsverhalten als wichtigster Baustein

Das größte Plus bzw. auch der größte Killer bei der Mitarbeiterbindung ist das Führungsverhalten der Vorgesetzten. Mit ihrem Verhalten tragen sie entscheidend dazu bei, ob Mitarbeiter sich wohlfühlen und bleiben wollen oder eben auch nicht. Dabei wird nicht erwartet, dass man der beste Manager der Welt ist. Es geht eher darum, einfache Grundregeln zu befolgen, die schon 80 % der Miete sind.

Alles in allem sollte ein positives Menschenbild vorherrschen. Pessimisten haben keinen guten Einfluss auf die Bindung der Mitarbeiter und sollten keine Personalverantwortung haben. Daraus ergibt sich ein Umgang mit Wertschätzung, Anerkennung und Lob bei guten Leistungen. Viele Führungskräfte empfinden kein Gemecker bereits als große Wertschätzung. Das wird leider von den Mitarbeitern nicht so wahrgenommen. Sie freuen sich darüber, zu hören, wenn sie etwas gut gemacht haben.

Gleichzeitig wollen sie aber auch gefordert werden. An das Leistungsniveau angepasste Herausforderungen motivieren Mitarbeiter und sorgen für eine langfristige Bindung an das Unternehmen. Das erfordert von den Führungskräften Flexibilität. Sie müssen sich auf jeden Mitarbeiter anders einstellen und die Situation, in der er ist, bewerten. Manchmal geht es darum, das Zepter in die Hand zu nehmen, manchmal darum, sich zurückzunehmen.

Wo man sonst noch Fehler machen kann

Einer der am meisten unterschätzten Punkte bei Unternehmen hinsichtlich der Mitarbeiterbindung ist die Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Meistens wird sich dafür keine Zeit genommen, der neue Kollege wird alleine gelassen und das ist in Branchen mit direktem Kundenkontakt wie in der Physiotherapie sehr ungünstig. Leider sind viele Inhaber und das Leitungspersonal häufig vor Arbeit überlastet und so muss sich der neue Kollege erst mal selbst zurechtfinden.

Das löst natürlich Bedenken aus und spricht nicht für eine ordentliche Struktur. Daher sollte man hier einen standardisierten Ablauf herausarbeiten, der dem neuen Therapeuten alle wichtigen Informationen gibt, die er benötigt.

Aber auch der Arbeitsinhalt ist für die Bindung sehr wichtig. Wer seine Arbeitswoche ausschließlich mit Dingen verbringt, die er nicht mag, wird sich schnell etwas Neues suchen. Hier können wir wieder das Beispiel des Therapeuten aufgreifen, der am liebsten manuell therapiert. Muss dieser 90 % seiner Arbeitszeit auf der Trainingsfläche verbringen, wird ihm das schnell zuwider.

Fazit

Es gibt so viele Stellschrauben, um Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden. Letztlich kommt es aber darauf an, den Mitarbeitern mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Optimalerweise konnte man schon durch das Unternehmensprofil die richtigen Therapeuten einstellen. Dann wird es einfacher. Aber wer sein Unternehmensimage transparent nach außen lebt, kann nicht viel falsch machen.

Bildquelle: ©REDPIXEL - stock.adobe.com
 

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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