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Industrie

Share: Soziales Engagement für die Kundenbindung

Am Beispiel des Produzenten für Produkte des täglichen Bedarfs, share, der bei der Kundenbindung stark auf soziales Engagement setzt, zeigt unser Gastautor wertvolle Tipps für die Fitnessbranche auf.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Immer mehr Kunden ist das soziale Engagement eines Unternehmens wichtig und es stellt einen maßgeblicher Faktor für den Wiederkauf dar.
  • Auch Fitnessstudios können durch soziale Projekte die Kundenbindung erhöhen.
  • Wenn man seine Mitglieder in den Prozess des sozialen Engagements einbezieht, so erhöht man allein dadurch, dass die Mitglieder selbst etwas tun, die Bindung an das eigene Unternehmen.
  • Behält man die eigene Wirtschaftlichkeit, die Bedürfnisse und Wünsche der eigenen Mitglieder und die lokalen Möglichkeiten für soziale Projekte im Blick, so kann von einem solchen Engagement langfristig nur profitiert werden.

Die deutsche Fitnesswirtschaft dient der Gesunderhaltung der Bevölkerung wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig (dibdib, 2022). Das Streben nach körperlicher und mentaler Fitness ist aus dem öffentlichen Leben und den Social-Media-Plattformen nicht mehr wegzudenken und die Branchenführer erweitern ihre Geschäftsbereiche ein ums andere Jahr.

Für mich persönlich steht Fitness für das intrinsische Bedürfnis der eigenen Weiterentwicklung wie keine andere Sportart. Und genau wie man im Fitnesstraining hin und wieder externe Reize benötigt, um sich selbst zu verbessern, so möchte ich mit dieser Artikelserie externe Reize setzen, an denen sich die Branche zur stetigen Weiterentwicklung orientieren kann.

Viele Branchen machen sich die Prozesse aus anderen Industrien zunutze, um selbst bessere Ergebnisse zu erzielen. Warum also nicht auch die deutsche Fitnessindustrie? Auf dem Weltmarkt gibt es viele Unternehmen, die entweder einzelne Prozesse oder ganze Geschäftszweige herausragend meistern. Um dieses Lernen einzuleiten, beschäftigt sich der heutige Artikel mit der share GmbH.

Was ist share?

Die share GmbH ist ein Berliner Start-up, welches sich mit dem Verkauf von Produkten des täglichen Bedarfs stark im sozialen Bereich engagiert. Das Unternehmen begann mit einer Flasche Wasser. Das Unternehmen begann mit einer Flasche Wasser, durch die man beim Kauf einen Tag Trinkwasser spendete, Riegel, die eine Mahlzeit und Seife, die eine Hygieneleistung ermöglichten.

Inzwischen hat share sowohl die Produktpalette als auch die Vielzahl an sozialen Projekten immens erhöht. Das Start-up vertreibt inzwischen neben Wasser auch Energy-Drinks, Shampoo, Duschgel und mehr.

Das Spendenportfolio reicht inzwischen von lokalen Stiftungen wie der Tafel bis hin zu Regenwaldprojekten und der Unterstützung von sozial benachteiligten Schulkindern. Laut eigener Aussage spendet share bis zu 20 % des eigenen Umsatzes für diese Projekte (Share GmbH, 2022).


Eine Auswahl der Produkte, die share gerade im Portfolio hat (Bildquelle: © ®share)

Bis heute wurden laut eigener Aussage auf diese Art und Weise 26 Millionen Mahlzeiten ausgegeben und 15 Millionen Hygieneartikel und -leistungen bereitgestellt. share schafft es, mit Produkten des täglichen Bedarfs, der sozialen Komponente sowie der hohen Qualität der Produkte, seine Kunden an sich zu binden und mit ihnen stetig zu wachsen (Scheppe, 2022).

Kundenbindung durch soziales Engagement

Schaut man sich die Bindung eines Kunden zum Unternehmen an, so zeigt sich schnell, dass das soziale Engagement eines Unternehmens ein maßgeblicher Faktor für einen potenziellen Wiederkauf darstellt (IMS, 2022).

So zeigt die Befragung, dass zielgruppenübergreifend 68,5 % der Kunden Unternehmen bevorzugen, die sich sozial engagieren. Doch auch in der spezifischen Auswertung sieht man, wie wichtig das soziale Engagement für einzelne Zielgruppen ist.

Fast ein Drittel aller Mitglieder auf dem deutschen Fitnessmarkt ist unter dreißig (DSSV, 2022). 75 % dieser Zielgruppe halten ein soziales Engagement bei Unternehmen für wichtig.

Noch wichtiger für den deutschen Fitnessmarkt ist die weibliche Zielgruppe. Diese macht mehr als die Hälfte der Fitnesstreibenden in Deutschland aus und wünscht sich ein soziales Engagement.

Durch den Vertrieb von Produkten mit hoher Qualität ist die Basis für eine treue Kundschaft seitens share gelegt. Das soziale Engagement sorgt dann dafür, dass die Kunden ein besseres Gefühl haben als bei anderen Anbietern. So bindet das Unternehmen seine Kundschaft und macht sich das Bedürfnis der Menschen nach sozialer Gerechtigkeit zunutze. 

Was hat das mit Fitness zu tun?

Die Fitnessbranche hat, wie in vielen meiner Artikel bereits erwähnt, eine hohe Fluktuationsquote von 28,6 % (DSSV, 2022). Um dieser entgegenzuwirken, sind Programme zur Loyalitätsförderung der Mitglieder inzwischen unabdingbar. Allen voran steht selbstverständlich die Qualität des eigenen Produkts bzw. der eigenen Dienstleistung (Sauerwein, 2000).

Bevor man sich jedoch ansieht, welche Möglichkeiten man zu Kundenbindung mittels sozialen Engagements hat, sollte man dafür Sorge tragen, dass die absoluten Basisfaktoren zur Zufriedenheit der eigenen Mitglieder erfüllt sind.

Schafft man es als Studiobetreiber, dafür zu sorgen, dass die Grundvoraussetzungen für eine zufriedene Mitgliederbasis geschaffen sind, kann man sich im nächsten Schritt überlegen, wie man diese nun nachhaltig an sich bindet. 

Die praktische Umsetzung am Fallbeispiel einer Fitnesseinrichtung

Genau hier lohnt sich ein Blick in Richtung share. Fitnessclubs vertreiben inzwischen eine Menge Produkte selbst an der Ladentheke, manche sogar im eigenen Onlineshop. Das Ziel als Betreiber muss es also hier sein, soziale Projekte zu finden und durch generierte Umsätze zu fördern.

Schafft man es in seinem Studio, die Assoziation zwischen einem gekauften Eiweißshake, dem persönlichen Mehrwert für den Kunden und dem befriedigten Geltungsbedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit zu schaffen, baut man eine unheimlich loyale Käuferschaft auf. Beide Faktoren, das soziale Engagement des Unternehmens und der Pro-Kopf-Umsatz des einzelnen Kunden, sind starke Pluspunkte im Hinblick auf die Kundenbindung. 

Sondertarife für sozial benachteiligte Familien als Chance

Jede deutsche Stadt hat ihre eigenen sozialen Herausforderungen. Nicht nur die Großstädte haben mit sozialer Benachteiligung und Chancenungleichheit auf dem Bildungsmarkt zu tun, sondern auch Kleinstädte und Kommunen.

Als lokales Fitnessstudio, was oftmals auch einen Berührungspunkt innerhalb dieses Kosmos darstellt, kann man hier mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Im Zuge der sozialen Ungleichheit kann man vergünstigte Sondertarife für sozial Schwache anbieten und diese an Geschäftszeiten koppeln, in denen die Auslastung im Studio gering ist.

Möchte man seine Preise nicht anpassen, kann man über externe Sponsoren und Partner versuchen, die Mitgliedschaften dieser Personen zu substituieren, und so einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung aller leisten. 

Logistik-Hub Fitnessstudio

Als Fitnessstudio ist man vor allem in Kleinstädten mehr als nur Sportstätte. Man ist ein Ort der Begegnung und der Kommunikation. Diese Sonderstellung kann man sich auch sozial zunutze machen und das örtliche Rote Kreuz, die örtliche Tafel oder andere gemeinnützige Organisationen mit einbinden.

Wenn man seine Mitglieder über Sach- und Kleiderspenden mit in den Prozess des sozialen Engagements einbezieht, so erhöht man allein dadurch, dass die Mitglieder selbst etwas tun, die Bindung ans eigene Unternehmen. Das Beste an dieser Möglichkeit ist, dass sich der Verwaltungsaufwand gegen null bewegt.

Organisationen wie das Rote Kreuz und die Tafeln fahren ohnehin verschiedene Stationen ab, um Spenden zu sammeln oder Lebensmittel auszuliefern – eine Station mehr stört auf dieser Route niemanden.

Soziale Events für mehr Aufmerksamkeit und eine bessere Reaktionsquote

Das Wiedererstarken von Messen, Konzerten, Festen und Sportevents zeigt, wie gierig die Menschen im Moment nach Begegnungen und Events sind. Diese Gier gilt es sich als Fitnessstudio zunutze zu machen. In Zusammenarbeit mit einer lokalen Behörde und Sportvereinen lässt sich ein Event wie ein Spendenlauf organisieren, zu dem die Mitglieder und Mitarbeiter des Studios gleichermaßen in Mannschaften mitlaufen.

Zu Beginn sind solche Charity-Events immer mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden, doch die Erfahrung zeigt, dass sich solche Events, sobald der erste Stein rollt, verselbstständigen. Städte und Kommunen sind ebenso am positiven Image interessiert wie Sponsoren und Hilfsorganisationen und sind oftmals bereit, Ressourcen und Personal zur Verfügung zu stellen, um das Event ins Leben zu rufen.

Prozent vom Umsatz

Plant man ein längerfristiges Engagement und befindet sich in einer strukturellen Neuausrichtung, so lässt sich das Modell von share durchaus eins zu eins für den deutschen Fitnessmarkt übernehmen. Wer ohnehin ein neues Pricingmodell etablieren möchte, für den lohnt sich ein Umweg auf dem Taschenrechner.

Nehmen wir eine Preisanpassung von 29,99 € im Monat zu 34,99 € und einen Spendenanteil von einem Prozent bei 1.000 Mitgliedern an, so ergibt sich am Ende des Jahres eine Spendensumme von knapp 42.000 €. Diese lässt sich nicht nur steuerlich geltend machen, sie hilft auch den Menschen vor Ort und kann werbewirksam eingesetzt werden.

Fazit

Auch wenn es share in erster Linie nicht darum geht, Kunden zu binden, sondern es dem Konsumenten so leicht machen möchte wie möglich einen guten Beitrag zu leisten: die Möglichkeiten, Kunden durch soziales Engagement an sein Unternehmen zu binden, sind schier unendlich. Meist benötigt es nicht viel, um einen großen Effekt innerhalb des Studios und der Mitgliederstruktur zu erwirken.

Entscheidend hierbei ist, dass man seine Zielgruppe und ihre Bedürfnisse kennt und auf Grundlage dessen Entscheidungen trifft, die die Kundenbindung positiv beeinflussen. Schaut man ein wenig über den Tellerrand und bindet das oftmals junge Personal klug in den jeweiligen Prozess ein, so finden sich oft ungeahnte Möglichkeiten für eine sinnvolle Kampagne. Diese darf selbstverständlich nicht auf Kosten der eigenen Wirtschaftlichkeit ausgetragen werden, dann verfehlt sie den eigentlichen Sinn.

Wer es aber schafft, die eigene Wirtschaftlichkeit, die Bedürfnisse und Wünsche der eigenen Mitglieder und die lokalen Möglichkeiten für soziale Projekte im Blick zu behalten, der kann von einem solchen Engagement langfristig nur profitieren.

Bildquelle Header: © Robert Kneschke - stock.adobe.com
Textquelle: dibdib. (2022). Branchennews. Von dibdib: www.dibdib.de/branchennews/gesundheit-braucht-fitness/ abgerufen am 15. Juni 2022
Textquelle: DSSV. (2022). Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2022. Hamburg: DSSV.
Textquelle: IMS. (2022). Retail Loyalty-Studie in DACH: Neueste Trends in der Kundenbindung. Hamburg.
Textquelle: Sauerwein, E. (Januar 2000). Researgate. Von Das Kano-Modell der Kundenzufriedenheit: www.researchgate.net/publication/301078888_Das_Kano-Modell_der_Kundenzufriedenheit abgerufen am 16. Juni 2022
Textquelle:  Scheppe, M. (3. Januar 2022). Start Up Share: Umsatz wächst zweistellig. Abgerufen am 16.  Juni 2022 von Handelsblatt: www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/serie-social-entrepreneurship-erfolgreich-durchs-teilen-warum-share-bis-zu-39-prozent-des-verkaufspreises-spendet/27918432.html
Textquelle: Share GmbH. (14. Juni 2022). Über Uns: Share GmbH. Von Share-Website: share.eu/ueber-uns abgerufen am 10.05.2022 

Der Autor

  • Till Pitschel

    Till Pitschel ist Personal Outdoor Coach, ehemaliger Studioleiter, Mitbegründer von Studio Analytics und Podcaster. Mit seinem Software-Start-up ‚Studio Analytics‘ versuchen er und sein Team, die Mitgliederbindung signifikant zu verbessern und der Branche zu mehr Krisensicherheit und Vertrauen zu verhelfen. Mehr Informationen zur automatisierten Fluktuationsanalyse von Studio Analytics unter: 
    www.studioanalytics.co/try

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