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Ein Werk, das bis heute wirkt

Zu den Urgesteinen der Fitnessbranche gehört auch Hubert Horn, der nicht nur Mitte der 70er-Jahre bereits eigene Fitnessstudios hatte, sondern auch für andere Betreiber Marketingmaterial aufbereitete, Software programmierte, Magazine herausgab und einige der wichtigsten Events der Branche gründete.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hubert Horn baute sich neben seinem Studium eine kleine Druckerei auf. Im gleichen Haus richtete er damals auch eines der ersten deutschen Fitnessstudios ein.
  • Neben der Eröffnung weitere Filialen produzierte er verstärkt Druckprodukte für andere Fitnessanlagen.
  • 1988 brachte er die BODYLIFE heraus, Deutschlands erstes Fachmagazin der Fitnessbranche. 2001 gründete er das Fachmagazin BODYMEDIA.
  • Horn veranstaltete dazu über viele Jahre hinweg den BODYLIFE FACHKONGRESS und rief die Eventreihe MEET THE TOP ins Leben.

Ein kleiner Personenkreis hat die Anfänge der modernen Fitnessbranche in den 70er-Jahren mit ihrer Machernatur geprägt – über einige von ihnen berichten wir in dieser Ausgabe. Ihr Pioniergeist machte sie zu Multitalenten und ihr Veränderungswille hat die Branche bis heute geprägt. Einer dieser Menschen ist Hubert Horn. Seinen ersten Kontakt mit der Fitnessbranche hatte er im Alter von 25 Jahren. Ob der damalige Chemie-Student mit dem erstmaligen Betreten des Sportcenter Graunitz in Karlsruhe ahnen konnte, wie stark die Fitnessbranche sein Leben beeinflussen würde und er sie?  

Die Anfänge als Drucker

Die beruflichen Anfänge wurden aber erst mal von einem anderen Thema geprägt: dem Drucken. Parallel zu seinem Chemie-Studium baute er eine kleine Druckerei in seinem Studierzimmer auf – da zur Anfangszeit insbesondere Vervielfältigungen auf dem Programm standen, wurde der Name „Horn Schnell-Druck“ gewählt. Genauso schnell ging es für die junge Druckerei dann auch nach oben. Nachdem das Studierzimmer schnell zu klein wurde, mietete er kurzfristig eine frei gewordene Gewerbefläche in Bruchsal an.

Kurz darauf platzte auch diese aus allen Nähten und ein weiterer Umzug stand an. Dieses Mal ging es in ein Einfamilienhaus und hier sollte der Grundstein für Hubert Horns Karriere in der Fitnessbranche gelegt werden.

Klein, aber fein

Die Räume für die Druckerei und die nötig gewordenen Büroräume füllten nur einen Teil des Gebäudes aus. Sowohl das zweite und dritte Geschoss war noch frei. So entstand 1975 in Bruchsal eines der ersten deutschen Fitnessstudios. Die Geräte und Hanteln wurden damals von der Firma Schnell direkt mit einem Transporter abgeholt.

„Damals hatten wir vor allem Hanteln, zwar gab es einzelne Maschinen wie den Latzug oder Rudermaschinen, nichts jedoch im Vergleich zu heute. Die Beinpresse war für uns nur das „Auto“. Und damit konnte man schon ordentlich trainieren.“

erinnert sich Hubert Horn.

Wie wenig anerkannt das Fitnesstraining damals war, zeigt, dass sich viele Trainierenden erst mal nach links und rechts umschauten, wenn sie das Studio verließen. Duschen konnte man nach dem Training natürlich auch – zumindest in einer Dusche, die gemeinschaftlich genutzt wurde, denn auch Frauen trainierten im Sportstudio Horn. Anders als heute war das für die Mitglieder selbstverständlich. Kurz darauf folgte die Eröffnung eines zweiten Studios in Heidelberg.

Kardiotraining war zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt. Zwar gab es erste Fahrräder in den Fitnessstudios, diese wurden jedoch nur zum Aufwärmen genutzt, wirklich trainieren wollte damit aber niemand. Training im Studio war ein Synonym für Krafttraining. Das änderte sich mit dem Auftreten von Tim Webster. Der britische Spezialist für Herz-Kreislauf-Training legte in seinem Studio in England einen großen Wert auf das Ausdauertraining, insbesondere auch für eine ältere Zielgruppe.

Hubert Horn ist sich sicher, dass Tim Webster für den Erfolg des Ausdauertrainings in den deutschen Fitnessstudios mitverantwortlich ist. „Wir zogen damals durch Deutschland von Studio zu Studio – Tim hielt die Seminare über die Wirkungen des Kardiotrainings und ich übersetzte simultan für die Studiobetreiber. Es dauerte nicht lange und die Nachfrage auf der FIBO nach Ausdauergeräten stieg rasant an.“  

Eine Auswahl der druckbaren Motive für Fitnessstudios. Mit dabei ist das beliebte Motiv „Posing am See“

Die ersten Werbeplakate für Fitnessstudios

Neben seinen Fitnessstudios betrieb Hubert Horn nach wie vor seine Druckerei, die nun auch verstärkt Druckprodukte für andere Fitnessstudios produzierte. Schon 1986 erschien ein 100-seitiger Katalog mit unzähligen Plakaten und Flyern, die Fitnessstudios erwerben konnten. Der Startpunkt für diese Vielfalt war ein einziges Bild gewesen. An das Plakat mit dem Titel „Posing am See“ dürften sich viele Fitnessstudiobetreiber der 80er- und 90er-Jahre noch gut erinnern. Es zeigt den Sportjournalisten und dt. Bodybuilding-Meister Joachim Strzeletz mit Martina Steckenborn, ebenfalls dt. Bodybuilding-Meisterin, beim Posen am titelgebenden See.

Strzeletz schrieb damals für die Sport & Fitness und nebenbei auch Bücher – u. a. zum Thema Bodybuilding. Erzog durch die Fitnessstudiosder Republik – was zum damaligen Zeitpunkt etwa 300 Stück waren – und gab sein Wissen in Schriftform, aber auch im Rahmen von Seminaren weiter.

Hubert Horn und Joachim Strzeletz lernten sich kennen, waren sich sympathisch und professionalisierten ihre Zusammenarbeit. Das Bild „Posing am See“ wurde das erste Großprodukt für Horn Druck. Davon wurden Millionen von Flyern und Prospekten gedruckt. Außerdem erarbeiteten die beiden gemeinsam Trainingsprogramme, die ebenfalls gedruckt wurden. 1989 entstand die Ausbildungsakademie SAFS & BETA als Ergebnis der Seminare von Joachim Strzeletz.

Der schlafende Herkules

Auch die deutsche Bodybuildinggröße, mehrfacher Mister Universum und 3. bei Mr. Olympia Jusup Wilkosz ging bei Hubert Horn ein und aus. Zwar hatte er ein eigenes Fitnessstudio, trainierte aber regelmäßig im Sportstudio Horn. Aufgrund seines großen Fachwissens und seines einnehmenden Charismas gab er Seminare, die nicht selten bis spät in den Abend andauerten. Selten konnten sich die Teilnehmer von den Lippen Jusup Wilkosz’ zum offiziellen Seminarende lösen. Da konnte es durchaus auch mal vorkommen, dass der deutsche Herkules, wie er genannt wurde, in Hubert Horns Fitnessstudio übernachtete.

Das Fitnessstudio und die Druckerei waren noch nicht das Ende der Fahnenstange vom Schaffen Hubert Horns. Ende der 80er-Jahre erweiterte er sein Portfolio um Veranstaltungen und Fachmagazine.

Das erste bedeutende Fachmagazin der Branche

Wie viele andere Branchenpioniere auch, unternahm Hubert Horn Reisen nach England, um sich über die aktuellen Trends zu informieren. Dort gab es bereits seit einiger Zeit ein Fachmagazin speziell für Fitnessstudios, das unter dem Titel BODYTALK UK herausgegeben wurde. Da wurde die Idee geboren, auch für Deutschland ein Fachmagazin herauszugeben. Schnell wurde man sich einig, für eine deutsche Lizenzausgabe zusammenzuarbeiten. Die Idee der Zusammenarbeit wurde dann aber kurz vor Abschluss aufgelöst.

„Ich sollte die Rechte für Texte und Bilder bekommen – im Gegenzug einigten wir uns auf eine Beteiligung der Briten an der deutschen BODYTALK. Nachdem die Verträge vorbereitet und eigentlich alles unter Dach und Fach war, sollte vonseiten der Briten noch einmal nachverhandelt werden. Eine Entwicklung, die mich dazu brachte, mein eigenes Magazin zu gründen,“

berichtet Hubert Horn.

Drei Monate später, im Juni 1988, erschien dann die BODYLIFE – Deutschlands erstes Fachmagazin für die Fitnessbranche. Beim Design orientierte man sich anfangs an der britischen Vorlage, die Texte und Bilder wurden in der Anfangszeit jedoch alle von Hubert Horn alleine erarbeitet. Erst nach und nach wurde ein Autorenteam aufgebaut. Die erste Anzeige in der BODYLIFE schaltete übrigens Life Fitness. Damals war Brancheninsider Hans Muench der Marketingverantwortliche dort. Bis heute sind er und Hubert Horn freundschaftlich verbunden.

Einige Jahre später expandierte die BODYLIFE nach Frankreich, Kanada, Skandinavien, Afrika, Asien und Australien. Nach dem Verkauf der BODYLIFE an die Unternehmensgruppe Health & Beauty im Jahre 2001 gründete Hubert Horn das Fachmagazin BODYMEDIA, das inzwischen im gesamten deutschsprachigen Raum erscheint.

Die Broschüre für die 4. BODYLIFE FACHTAGUNG: Erstmalig fand ein Aerobic-Kongrgess auf dem Event statt

Kongresse aus Leidenschaft

Aber auch das war noch nicht das Ende der unternehmerischen Innovation: Etwa ein Jahr später fand die 1. BODYLIFE FACHTAGUNG im Bad-Hotel Hirsch in Baden-Baden statt. Das traf den Nerv der Branche zu dieser Zeit. An die erste Veranstaltung erinnert sich Hubert Horn noch sehr genau: „Als Vorbild hatte ich mir die IHRSA-Kongresse genommen. Bei der ersten zweitägigen Veranstaltung war Mike Chaet der einzige Redner und bis heute weiß ich, dass genau 263 Teilnehmer da waren.“

Noch im gleichen Jahr fand der zweite BODYLIFE FACHKONGRESS statt, dieses Mal aber im Kongresszentrum Baden-Baden. Insgesamt sollten die Fachkongresse 25-mal stattfinden.

Ab der vierten Auflage des Events wurde ein Aerobic-Kongress in den Fachkongress integriert. Der Aerobic-Kongress sollte in der obersten Etage des Kongresshauses stattfinden. Alles war angerichtet, die Veranstaltung lief, die Step-Tänzer legten los und plötzlich klirrten die Scheiben des Gebäudes. Bis klar wurde, wer die Erschütterungen erzeugte, hatten viele Teilnehmer das Kongresshaus bereits panisch verlassen. „Passiert ist damals glücklicherweise niemandem etwas, einzig die Step-Gruppe mussten wir damals halbieren. Das Gebäude war für Schwingungen dieser Stärke einfach nicht gemacht.“

Bis heute erinnern sich Branchenveteranen gerne an die Veranstaltungen zurück und immer wieder wird Hubert Horn gefragt, ob es nicht mal wieder eine BODYLIFE FACHTAGUNG geben wird. Viele mittlerweile altbekannte Referenten in und außerhalb der Branche gaben hier ihr Debüt. Die letzte BODYLIFE-Fachtagung fand übrigens 2006 statt. Bereits 2002 hatte Horn jedoch den neuen Premiumevent MEET THE TOP ins Leben gerufen, der bis heute die Tradition als hochwertige get-together-Veranstaltung fortführt.

Noch eine letzte Anekdote aus dem Schaffen Hubert Horns, die den Machergeist der Fitnesspioniere zeigt: Ende der 70er-Jahre setzten sich Mikrocomputer immer mehr durch und erreichten eine größere Verbreitung. Trotzdem war es absolut unüblich, dass Fitnessstudios Software zur Mitgliederverwaltung einsetzten. Für seine Studios jedoch wollte Hubert Horn genau das umsetzen. Also kaufte er sich einen Computer für ca 20.000 DM, lernte eine der ersten Programmiersprachen und schrieb das Programm Fitness 1.

Fazit

Machen, schaffen und Innovationen etablieren: So kann man die Arbeit der Fitnesspioniere schnell zusammenfassen. Es gab kaum ein Feld der jungen Fitnessbranche, auf dem Hubert Horn sich nicht ausprobiert hätte. Viele Früchte seiner Arbeit wirken bis heute nach.

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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