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Die Entwicklung der deutschen Fitnessbranche

Einige Protagonisten blicken für uns auf die Anfangsjahre der Fitnessbranche zurück und erinnern sich daran, wie sie persönlich ein Teil davon wurden. Auch Werner Kieser hat uns, kurz vor seinem Tod, am 13. Mai ein Statement gegeben und seine Sicht der Dinge geschildert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Unternehmer:innen eröffneten schon früh ihre ersten eigenen Fitnessstudios und arbeiteten hart an ihrem Traum.
  • Viele wurden durch ihre Reisen in die USA inspiriert oder waren schon vorher sportlich aktiv.
  • Anfangs war die Gesellschaft noch nicht besonders offen gegenüber dem Training, da sie es stark mit dem Bodybuilding assoziierten.
  • Durch den Aerobic-Hype, ausgelöst durch Jane Fonda, änderte sich die Einstellung der Menschen gegenüber den Fitnessclubs und immer mehr fingen an zu trainieren.

Statement von Werner Kieser vom 13. Mai 2021

„In den 50er-Jahren begegnete mir in der Zeitschrift „HOBBY“ das Inserat von Lionell Strongfort, dem ‚stärksten Mann der Welt‘. Als eher schmächtiger Junge war ich zutiefst beeindruckt. ‚So möchte ich auch aussehen‘, war mein erster Gedanke. Ich bestellte den angebotenen Fernkurs und begann mit den Übungen. Muskeln waren damals noch nicht Mode. Im Gegenteil: In meinem Boxclub war der Trainer der Meinung, dass solche Muskeln nicht gesund seien und langsam und unbeweglich machen. Meine Entwicklung ging voran.

Meiner Mutter gefiel das auch nicht. ‚Du siehst ja schon aus wie der Linder‘, meinte sie. Linder war der muskulöse Knecht auf dem Bauernhof unseres Nachbarn. Dann hörte ich, dass in Deutschland Studios eröffnet hatten. In Schweinfurt durch Harry Gelbfarb, in Berlin durch Paul Noak und in Stuttgart durch Peter Gottlob. Ich besuchte Peter Gottlob. Er erläuterte mir ausführlich die Funktion seiner Geräte, die Methodik seines Trainings und die richtige Ausführung der Übungen. Als ich wieder in die Schweiz zurückreiste, wusste ich: Das ist meine Zukunft.

Damals war das Wort ‚Fitness‘ noch nicht bekannt und die Fitnessindustrie existierte noch nicht. Ich erkundigte mich an der Schweizer Sporthochschule in Magglingen nach Ausbildungsmöglichkeiten im Muskeltraining. ‚Hm, damit haben wir nicht viel am Hut. Aber geh zu Werner Hersberger, dem Nationaltrainer der Gewichtheber. Die machen da mit Kraft rum.‘ Hersberger gab mir einen Stapel Hefte des amerikanischen Trainers Bob Hoffmann, „Strength and Health.“ Darin waren Bilder von Trainingsgeräten, die in Europa kaum bekannt waren.

Ich beschaffte mir etwa vier Tonnen Alteisen vom Schrottplatz, ein Schweißgerät und ein Lehrbuch mit dem Titel „Der Elektro-Schweißer“ – von Haus war ich Tischler – und bastelte mein erstes Studio.“

Bahram Ekhtebar, Corpora Fitness GmbH & Co. KG (World of Fitness)

„Ich habe schon vor meiner Selbstständigkeit, während meines Studiums, einige Jahre als Trainer in dem ersten Fitnessstudio Aachens gearbeitet und schnell die Idee entwickelt, einen eigenen Club zu eröffnen. Eine wirkliche Inspiration und letztlich der entscheidende Impuls, diese Idee in die Tat umzusetzen, war ein Vortrag, den ich im Rahmen der FIBO 1986 besuchte.

Dort referierte Jürgen Höller zum Thema „Sicher zum Spitzenerfolg“ und versuchte, seinen Zuhörern klarzumachen, dass alles möglich ist und Erfolg oder Misserfolg von nur einer einzigen Person im Leben abhängig ist: von einem selbst. Für mich, das hört sich sicherlich heute seltsam an, war das mit etwas über 20 Lebensjahren eine Offenbarung und mir wurde klar, dass ich meine Träume und Ziele umsetzen muss, wenn sich die Dinge ändern sollen.

Bereits 1987, ein Jahr nach dem Vortrag, eröffnete ich meinen ersten Club und heute betreibe ich 15 Studios auf ca. 25.000 m² mit mehr als 30.000 Mitgliedern (vor Corona). Ich weiß nicht, wie der Weg sich entwickelt hätte ohne den Vortrag von Jürgen Höller. Im Nachgang war aber das, was Jürgen dort referierte, meine Initialzündung zur Selbstständigkeit und auch zur Überwindung vieler Schwierigkeiten und Klippen auf meinem Weg.“

Felix und Philipp Artzt, Geschäftsführer Ludwig Artzt GmbH

„40 Jahre Ludwig Artzt GmbH, 40 Jahre Produkte für Sport und Gesundheit. Alles begann in Frankfurt am Main mit einer Handelsvertretung der Medizintechnik und Dentalindustrie. 1988 entdeckte unser Vater Ludwig die bunten Latexbänder und erkannte von Anfang an das Potenzial des funktionellen Trainings mit Fitness-Tools wie beispielsweise Band, Ball und Matte. Von nun an hieß es ‚Machen statt Reden‘. Bereits als kleine Kinder reisten wir mit Papa zu Kunden und Kongressen und packten in den Ferien mit unseren Freunden zahlreiche Päckchen. Heute sind die bunten Latexbänder weltbekannt, ein Verdienst von Ludwig Artzt, Mr. Thera-Band.

Unser Sortiment umfasst mittlerweile über 2.000 Qualitätsprodukte für das tägliche Training sowohl für professionelle als auch für private Anwender. Besonderen Wert legen wir auch weiterhin auf umweltschonende und nachhaltige Produkte, Verpackungen und Unternehmensabläufe – für weitere 40 Jahre.“

Hans Muench, Muench Solutions GmbH und internationaler Branchenexperte

„Von Bodybuilding und Aerobic bis Gesundheitstraining hat die deutsche Fitnessbranche einegroße Entwicklung in den 37 Jahren erfahren, seitdem ich in verschiedenen Funktionen in der Branche tätig war. 1984 hatte ich erstmals den deutschen Fitnessmarkt untersucht, dabei über 200 Anlagen besucht.

Danach machte ich eine Studienreise in die USAmit einem Dutzend Studiobetreibern und Lieferanten der Branche, darunter Winfried Horstenkamp von der Oase in Bochum. 1985 traf ich Albert Busek in München, damals spielte er mit Sport Revue eine große Rolle. Auch Hubert Horn, u. a. Gründer BODYMEDIA und MEET THE TOP, und FIBO-Gründer Volker Ebener lernte ich dann kennen. Werner Pfitzenmeier war ein Vertriebspartner von Life Fitness, als ich von 1987–1994 Verkaufs- und Marketingleiter war.

In den 90er-Jahren zählten Jim McGoldrick, Fitness Company, Henrik Gockel, TC Holdings und Hans Eschenbacher, Fit Plus München, zu einflussreichen Personen der Branche. McFit-Chef Rainer Schaller konnte ich anlässlich der Eröffnung seines 100. Studios in München im Jahr 2010 interviewen.“

Leo Eckstein, ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter Meridian Spa & Fitness Deutschland GmbH

„Im Jahr 2000 bin ich zur Meridian Gruppe gestoßen und war ernüchtert über die ersten Brancheneindrücke. Mangelte es doch an vielen Stellen an Professionalität, wie ich sie aus den vorherigen Tätigkeitsbereichen in Banken und im Versandhandel kannte. Das Fitness-Know-how war beeindruckend, aber es gab ein großes Defizit an organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Sehr schnell faszinierten mich aber die Dynamik und die Freude am Tun, die vorherrschten.

Als Meridian 2007 nach erfolgreicher Restrukturierung zum Verkauf stand, war ich längst ein Fan der Branche und habe das Unternehmen zusammen mit Investoren übernommen. Ich wusste: Die Fitnessbranche hat Zukunft – da geht’s dynamisch voran. Nach zwanzig spannenden und inspirierenden Jahren haben wir Meridian Anfang 2020 veräußert. Heute schaue ich mit Stolz auf die Professionalität der Fitnessbranche und wünsche allen Branchenkollegen ein fulminantes Comeback nach Corona – ihr habt es wahrlich verdient!“

Hubert Greinwalder, Geschäftsführer Airpressure Bodyforming GmbH

„April 1991: Alles begann mit der Neueröffnung des AKTIV HAUS in Freising bei München. Nach einem Jahr war die Marke von 1.000 Mitgliedern geknackt und das auf nur 800 m2. Monatsbeitrag: 99 Mark bei 12 Monaten Laufzeit. Damals ein immens hoher Beitrag. Wie es dazu kam? Nun, als Architekt war ich Quereinsteiger und stolzer Besitzer eines Fitnessclubs mit neuem Konzept.

Da ich jahrelang Mitglied in anderen Fitnessstudios war, traf ich meine Entscheidungen natürlich aus Kundensicht: Fitness kann man spannender gestalten! Schönes Ambiente, großer Wellnessbereich, weniger Gewichte, mehr Groupfitness. Die Menschen sollten nicht nur kommen, um Sport zu treiben. Entsprechend traf man sich nach dem Training bei Weißbier oder Cappuccino an der Bar. Das kam sehr gut an und war der Anfang eines jahrzehntelangen Trends. 1992 kam der Einstieg bei der INLINE Unternehmensberatung. 1997 die Gründung von Greinwalder & Partner.

Marketing war in diesen Jahren das Schlüsselthema bei Fitnessstudiobetreibern. Die Branche beschäftigte sich erstmals professionell mit Themen wie Verkauf, Telefonmarketing, Werbekampagnen und Kennzahlenanalyse. Es begann der rasante Aufstieg der Fitnessclubs vom Keller-Studio zum Lifestyle-Treff.

2009 kam ein weiterer Booster hinzu: Das Airpressure Bodyforming Concept mit Slim Belly brachte europaweit Millionen neue Kunden in die Fitnessclubs. Meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit, die seitdem große Bedeutung hat: Löse das Problem des Kunden und du musst dir keine Gedanken über Umsatz und Gewinn machen.“

Markus Begerow, Geschäftsführer ULC Management OHG

„Mein Einstieg in die Branche erfolgte im Februar 1983. Zu dem Zeitpunkt studierte ich Sportwissenschaft an der Sporthochschule Köln. Ich brauchte einen Nebenjob und war durch einen Aushang auf das Gesuch der Hamburger Firma Haleko aufmerksam geworden. Die suchten einen Sportstudenten mit Bezug zum Krafttraining als Außendienstmitarbeiter. Bezug zum Krafttraining hatte ich als Diskuswerfer. Ich bekam den Job, auch wenn ich bis dato noch kein Fitnessstudio von innen gesehen hatte. Das sollte sich in den nächsten Jahren ändern.

Mein Vertriebsgebiet umfasste Hunderte Studios, anfangs vom Saarland bis nach Essen. Später, mit zunehmender Studiodichte, wurde das Gebiet immer kleiner und umfasste im Wesentlichen Köln, Aachen, Olpe und Bonn. Es war quasi die erste Boom-Zeit der Branche. Eine Mischung aus echten Pionieren, Halbwelt und schon bald auch ersten Großanlagen, auch mit gesundheitlichen Ansätzen. Sehr viele Autodidakten, sehr viel Enthusiasmus und authentische Begeisterung prägten die damalige Zeit.

Die Wurzeln lagen oft im Bodybuilding. Vieles hatte damals seinen Anfang, z. B. die erste FIBO 1985 in Köln. Herman Hoffend, mehrmaliger Weltmeister, poste damals auf einem Campingtisch am Stand von Haleko. Einer der beiden FIBO-Stammväter, Kurt Thelen, hatte sein Studio in Stolberg bei Aachen in ‚meinem‘ Gebiet. Zum zweiten, Volker Ebener, bekam ich dann auch bald Kontakt. Der DSSV machte gerade seine ersten Schritte. Ich lernte Birgit Schwarze und Refit Kamberovic 1983 kennen.

Ich war Zeuge der Anfangsentwicklung der Linzenich-Brüder und auch von Frank Böhmes erstem Studio in Frechen. Es war die erste Wachablösung, die Feierabendstudios verschwanden schon bald und die Branche wurde immer professioneller. Zum Bodybuilding kam dann, dank Jane Fonda, Aerobic. Bald folgten die ersten Kardiogeräte. Mein erstes Studio eröffnete ich im Übrigen 1989. Heute sehe ich wieder einen Wandel. So viele Idealisten sind nicht mehr übrig. Es regiert die Betriebswirtschaft, auch in unserer schönen Branche.“

Jasmin Kirstein, Gründerin und Inhaberin My Sportlady

„Als ich Anfang der 80er-Jahre anfing, mich für Fitness zu interessieren, war es nicht leicht, an Informationen zu kommen. Es gab weder eine Fitnessmesse wie die FIBO noch gab es Fortbildungen, Ausbildungen oder Zugänge zu Netzwerken bzw. Erfahrungsberichte. Zu dieser Zeit konnte ich mich nur auf meine Intuition verlassen, dass Fitness ein fantastischer Weg sein würde, in einem Club Menschen zu bewegen, sie zu verbinden und glücklich zu machen. Nach meinen Recherchen, ausgelöst durch Jane Fonda und ihre wunderbaren Aerobic-Inszenierungen, machte ich mich voller Euphorie auf die Suche nach einer Möglichkeit, meine Vision zu verwirklichen.

Ich fand einige Bodybuildingstudios wie Smolana und Aschober in München vor, die mit ihrem prominenten Besucher Arnold Schwarzenegger warben. Dann gab es einige wenige Studios eher in Kellergeschossen, die einseitige Programme anboten. Ich fand keinen Zugang zu dieser Männerwelt, sondern suchte nach etwas Spezifischem, einer Marktlücke, die perfekt zu mir passen sollte. Alsbald kam mir die Idee eines Studios nur für Frauen, die ich 1984 umsetzte.

Auf Messen und Ausstellungen in den USA, wie der schon etablierten IHRSA, machte ich Kontakte und begann am Aufbau von My Sportlady zu arbeiten. Bis heute ist es mein Steckenpferd und meine Leidenschaft. Meine Dankbarkeit ist grenzenlos, dass so viele Menschen während der letzten Jahrzehnte gesundheitlich durch Fitness profitieren konnten und die Branche so enorm gewachsen ist.“

Johannes Linzenich, Geschäftsführer Linzenich Fitnessgruppe

„Alles begann im Juni 1982. Ich eröffnete mit meinem Bruder Ferdinand das ‚Gladbacher Sport- und Leistungszentrum‘ in Bergisch Gladbach. Das Angebot reichte von Bodybuilding über Jazz-Gymnastik bis Boxen, Karate und Aikido. Damit waren wir viele Jahre durchaus erfolgreich. Die ‚bessere Gesellschaft‘ machte aber bis auf Jazz-Gymnastik und Kinderkarate um dieses Angebot einen großen Bogen.

Die erste Imageverbesserung schaffte eine gewisse Jane Fonda für uns mit dem von ihr ausgelösten Aerobic-Hype im Jahre 1983. Dieser Trend wird wohl einmalig bleiben. Er erhöhte den Frauenanteil in unserem Studio von gefühlten 10 auf 60 %. Es gab zeitweise wegen Kapazitätsengpässen Anmeldestopps.

Unsere Branche und damit auch wir als Jungunternehmer hatten damals im Denken und im Handeln noch einen ziemlichen Amateurstatus sowie eine bescheidene Vorstellung von Service und Dienstleistung. Öffnungszeiten wie ‚zweimal pro Woche vormittags sowie samstags 10.00 – 16.00 Uhr und sonntags 11.00 – 13.00 Uhr‘ sprechen in dieser Hinsicht ebenso Bände wie der Standardtrainingsplan. Ungefähr zehn Jahre agierten wir in diesem ‚Dornröschenschlaf‘ und blieben eine weitgehend innovationsfreie Zone. Das konnte man sich damals noch leisten. Genauso wie das Mysterium, dass alle Studios in Deutschland einen identischen Monatsbeitrag von 60 Mark angeboten haben.

Einen großen Entwicklungsschritt nahm die Branche sicher mit der Gründung des DSSV und den dazugehörigen Ausbildungsangeboten. Mitte der 90er-Jahre kam dann auch bei uns der Switch weg von Kampfsport und Bodybuilding hin zu einem gesundheitsorientierten Fitnesstraining. Aber auch da war man anfangs nicht gefeit vor Trendirrtümern und falschen Zukunftsprognosen. Mal wurde das Hanteltraining verbannt, mal wurde an den Tod des Kursbereiches geglaubt oder an das zukünftige Studio mit Schwerpunkt Kardio.

Heute wissen wir, dass man als hellwacher Unternehmer auch außerhalb von Corona-Zeiten ständig im Ausnahmezustand agieren sollte. Aber das macht ja auch Spaß und nächstes Jahr feiern wir 40 Jahre Jubiläum.“

Jimmy Andrew, Geschäftsführer Scotfit GmbH

„Ich studierte sechs Jahre lang Bergbau in Edinburgh, bis Margaret Thatcher die Zechen zumachte. Es folgten einige Jahre im Ausland, wo ich 1989, als Chef du Sport im französischen Club in Kenia, meine Frau Patricia kennenlernte. Nach zwei gemeinsamen Jahren im Ausland zog es sie zurück in die Heimat und ich ging mit ihr. 1993 eröffnete Patricia ein Fitnessstudio, den Cheers Club. Ich kaufte auf der FIBO die gesamte Studioeinrichtung bei der Firma Pulse Fitness aus England, um anschließend als European Sales Direktor engagiert zu werden.

Mein sportlicher Background und der Spaß an der Arbeit mit Menschen untermauerten meinen Entschluss, in der Fitnessbranche Fuß zu fassen. Einer meiner ersten Kunden war Mario Görlach mit dem P 15 in Neu-Ulm. Schnell wurde ich vom European Sales Direktor zum Internationalen Direktor befördert. Einer meiner ersten Steps war es, Indoor Cycling auf dem deutschen Markt zu etablieren. So entwickelte Pulse Fitness ein innovatives Indoor Cycling Bike. Mit dem Dänen Hendrick Witten, einem bekannten Mastertrainer, entwickelte ich ein umfassendes Indoor-Cycling-Trainingskonzept, welches in Zusammenarbeit mit Johannes Marx bei der BSA als Master-Ausbildung angeboten wurde.

Später baute ich meine Firma Scotfit auf, die in 40 verschiedenen Ländern tätig ist. Auf den vielen internationalen Messen fand ich immer wieder Fitnessgeräte, die ich auf dem deutschen Markt etablierte. So erhielten wir 2007 z. B. den FIBO INNOVATION AWARD für den Ab Coaster, den ich auf der IHRSA in Amerika entdeckt hatte. 2012 gewannen wir den FIBO INNOVATION AWARD für Track Handle, ebenfalls aus Amerika.

2010 brachte ich Myzone auf den deutschen Markt. In Bulgarien fand ich 2013 Titan, einen Hersteller für funktionale In- und Outdoor-Türme, die ich seither vertreibe. Im vergangenen Jahr gründete ich zusammen mit meinem Sohn James die Scotfit Home GmbH, die professionelle Homegeräte anbietet.“

Frank Böhme, Geschäftsführer Just Fit Verwaltungs GmbH & Co. KG

„Es war das Jahr 1983 und ich kam gerade von der Bundeswehr. Als ehemaliger Leistungssportler im Judo war nach der Wehrzeit wenig übrig geblieben von der Mega-Fitness. Anfang der 80er sprach jeder von Bodybuilding und ich dachte, ‚mach das auch mal‘ und meldete mich in einer Muckibude für 60 Mark im Monat an. Gleichzeitig hatte ich das große Glück, auf der Planstelle bei Ford die Position eines Ingenieurs zu besetzen.

Nach drei Monaten Training und schönem Erfolg meines wachsenden Bizeps kam der Inhaber von zwei Studios, in denen ich trainierte, auf mich zu und sagte, dass er meinen 911er so geil finden würde. Voller Stolz sagte ich ihm, dass ich mir gegen den Willen meines Vaters, der die Planstelle bei Ford leitete, dieses Auto vom Mund angespart und gegönnt habe.

Großer Fehler, dies einzugestehen, dass meine Eltern das Auto nicht gut fanden, denn drei Wochen später hatte ich ein Sportstudio von 450 m2, 50.000 Mark Schulden, kein Auto mehr und, noch schlimmer, gar keine Ahnung, weder vom Training noch von Buchhaltung geschweige denn von einem Businessplan.

Unter der Ansage und Mithilfe meiner Mutter und meines Vaters ‚bei Ford wird nicht gekündigt‘ standen meine Eltern von der ersten Sekunde inklusive Bürgschaft für die 50.000 Mark an meiner Seite. Meine damalige Freundin und heute seit 31 Jahren meine Frau, Angelika, half mir nach ihrem Job an der Theke. Der Arbeitsablauf der ersten Jahre sah wie folgt aus: Montag bis Freitag 5:00 Uhr aufstehen und bis 16:00 Uhr bei Ford arbeiten. Danach etwas essen und duschen und dann bis 22:00 Uhr in den Club, anschließend standen noch die Abrechnung und das Kassenbuch an. Völlig platt ging ich um 23:30 Uhr ins Bett.

Samstags stand ich um 8:00 Uhr auf und ging direkt in den Club. Von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr standen Gerätewartung, Staubsaugen, Kaffeekochen und Probetrainings auf dem Programm, ehe wieder die Abrechnung gemacht und das Kassenbuch geführt werden musste. Sonntags war der Ablauf ähnlich wie samstags, nur dass das Studio bereits um 14.00 Uhr schloss. Urlaub? Fehlanzeige! Heute sind es 22 Clubs mit mehr als 800 Mitarbeitern. Zudem bin ich Business Angel und als Investor an einigen Firmen innerhalb der Fitnessbranche beteiligt.“

Michael Resch, ERGO-FIT GmbH & Co. KG

„Die Anfänge unserer Fitnessgeräte liegen ja in der Medizinbranche. Unsere Ergometer kamen da hauptsächlich bei Ärzten zum Einsatz. Und wir wurden damals etwas überrascht von den Anfragen aus der Fitnessbranche. Die Fitnessbranche entstand damals ja tatsächlich überwiegend aus dem  Rotlicht- und Türstehermilieu, wo entsprechende Muskelpakete gefragt waren. Das waren dann oft kleine Studios in Kellern von Wohnhäusern oder in Industriegebieten, wo die Mieten günstig waren.

Da kamen dann häufig auch selbst gebaute Kraftgeräte zum Einsatz und meist nur 1 bis 2 Fahrradergometer, auf denen man sich vor dem eigentlichen Krafttraining aufwärmen konnte. Und auch die Trainer:innen waren im Vergleich zu heute natürlich nicht wirklich ausgebildet. Das waren oft Leute, die einfach selbst seit ein paar Jahren trainiert haben und dann ihre Erfahrung weitergegeben haben. Da hat sich die Branche heute doch sehr stark weiterentwickelt.“

Renate Holland, ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding sowie Gründerin und Geschäftsführerin der Speedfitness Clubs

„1982 nahm mich eine Freundin in ein kleines Fitnessstudio mit, weil ich an meinen Hüften zu viel zugenommen hatte. Ich leitete mit meinem Bruder einen Landgasthof. Er kochte fantastisch und ich aß dementsprechend gut. Die Veränderung an meinem Körper faszinierte mich so, dass ich mein Training intensivierte.

Ich hörte, dass Albert Busek einen großen Fitnessclub eröffnete und Arnold Schwarzenegger zu Gast war. Durch Surfen und Rock ’n’ Roll hatte ich bereits eine gute Muskulatur.  Albert motivierte mich, bei Wettkämpfen mitzumachen, da ich eine gute Veranlagung hatte. Bei meinem 1. Wettkampf wurde ich auf Anhieb Bayerische Vizemeisterin, der Rest ist Geschichte. Ich lernte in dieser Zeit Harry Gelbfarb kennen. Er erzählte mir, dass er, als er von den USA nach Deutschland zurückgekehrt war, in Schweinfurt das erste Studio in einer Garage eröffnete, in die das Wasser reinlief, wenn es regnete.

Er brachte diese Idee aus den Staaten mit. Kraftdreikämpfer schauten sich das an und eröffneten ihre eigenen kleinen Studios. Mit Harry war ich 1984 bei Arnold zu Hause, als wir beide zufällig uns im Gold‘s Gym in Los Angeles trafen. Neben Menschen wie Harry, Arnold und Albert Busek, der damals Herausgeber der Sport Revue war, haben in dieser Zeit viele Athleten die Fitnessbranche geprägt.“

Paul Underberg, Gründer INJOY und mehr als 25 Jahre INLINE Unternehmensberatung

„Mitte der 70er ging ich in eines der ersten Sportstudios in NRW, motiviert durch eine Muscle-Zeitschrift. Ich war fasziniert und wollte auch so aussehen. Die Natur hatte es allerdings nicht so gut mit mir gemeint, um Bodybuilder zu werden. Ich blieb der Sache dennoch treu, weil ich ein großes Potenzial vermutete. Mit meinem Freund Norbert Elgert machte ich mich für ein breiteres Publikum selbstständig. Fitness für alle, Squash, Kardio, Sauna. Wir fühlten uns wie Pioniere.

Die erste Aerobicwelle, ausgelöst durch Jane Fonda, ebbte zu dieser Zeit wieder ab, weil die Studios nicht darauf vorbereitet waren und noch keine Kursräume hatten. Aber später schoss dadurch der Frauenanteil in die Höhe.

Es waren die großen Protagonisten dieser Branche, die dann ab Mitte der 80er alles vorantrieben. Dazu zählten u. a. Volker Ebener als FIBO-Gründer, Hubert Horn, der den Bodylife-Kongress ins Leben rief, Refit Kamperovic vom DSSV, Johannes Marx, Gründer der BSA-Akademie, Werner Pfitzenmeier, der die IFAA gründete, sowie Jürgen Höller und ich als die  führenden Köpfe von INLINE, die seinerzeit ein exponentielles Wachstum der Mitglieder und folglich der Studios initiierten, mit Magazinen und stets förderlichem Wettbewerb untereinander.“

Werner Pfitzenmeier, Gründer der Pfitzenmeier Unternehmensgruppe und der IFAA

„Mein Einstieg in die Fitnessbranche war vor fast 45 Jahren, als ich mein Hobby zum Beruf machte. Ich hatte die Grundidee, meinen Sport mit vielen anderen Menschen zu teilen und dadurch mehr Geräte anzuschaffen und das Ganze für uns alle größer und besser werden zu lassen. Das bekam dann eine Eigendynamik. 1978 eröffnete ich mit 16 Jahren auf einer Fläche von 60 m2 meinen ersten Fitnessclub. So wurde ich Teil der neu entstehenden Fitnessbranche.

Für Sport und Fitness habe ich allerdings schon früher gebrannt: Ich entstamme einer sportlichen Familie aus Turnern und Gewichthebern und habe schon mit sechs Jahren angefangen, sportlich aktiv zu sein.

Am meisten hat mich geprägt, als ich mit 18 erstmals durch die USA reiste, in Kalifornien trainierte und den ‚American Way of Life‘ kennenlernte. Ich wollte die großen, weiträumig angelegten, amerikanischen Fitnesskonzepte mit der europäischen und deutschen Gastfreundschaft kombinieren. So setzte ich schon früh auch auf Bistros, auf Kommunikation, Sauna und Wellness, was es in den USA so nicht gab. Als ich dann aus den USA zurückkam, wollte ich eine eigene Marke entwickeln, die für Fitness, Wellness und Gesundheit steht, verbunden mit meinem damaligen Training.

Damals habe ich mir vorgenommen, deutscher Meister im Bodybuilding zu werden. Mit 20 Jahren wurde ich dann deutscher Juniorenmeister – Gesamtsieger der gesamten Juniorenklasse. 1984 wurde ich Vizeweltmeister – zusammen mit Anja Langer in Madrid. Das Netzwerk aus internationalen Kontakten von damals besteht bis heute.

Von Anfang an hatte ich den Gedanken, gleichzeitig regional und international agieren zu wollen. Zunächst habe ich meine Energie komplett in der Region eingesetzt und nicht über ganz Deutschland verstreut. Man muss realistisch bleiben. Das war wichtig, da ich ja bei null angefangen habe. Ich habe alles Stück für Stück, von der Gerätekonstruktion bis hin zur Mitgliederverwaltung, aufgebaut und alles selbst gemacht. Später kamen nationale Marken und unsere international agierende Akademie IFAA hinzu.“

Oliver Sekula, CEO ACISO Fitness & Health GmbH

„Im wahrsten Sinne des Wortes würde ich mich als ‚Grenzgänger‘ bezeichnen. Aufgewachsen in Berchtesgaden, trat ich ab dem Alter von 17 Jahren in der 1. Fußball-Bundesliga in Österreich für Austria Salzburg (heute Red Bull Salzburg) an. Auf dem Sprung zum 1. FC Bayern München beendete eine Knieverletzung meinen Weg als Profisportler in jungen Jahren abrupt. Eine schmerzhafte Erfahrung diente mir als Wegweiser. Seither lässt mich das Kraft- und Muskeltraining nicht mehr los. Was als Therapie begann, schreibt bis heute meine berufliche Karriere fort.

1988 gründete ich mit Partnern in Salzburg die ersten beiden Fitnessclubs Namens VITA CLUB. Was mit überschaubarem Erfolg startete, avancierte zu meinem nächsten beruflichen Meilenstein und Sprungbrett. Ich nahm die Zusammenarbeit mit der deutschen Unternehmensberatung INLINE auf, wurde 1991 der erste INLINE-Berater Österreichs und mir gelang der länderübergreifende Branchen-Know-how-Transfer. 30 Unternehmen wurden so in Österreich erfolgreich.

1997 gründete ich mit Hubert Greinwalder die gleichnamige Marketingagentur Greinwalder & Partner und wir expandierten mit Beratungs- und Produktkonzepten  international in 13 Länder. Nach dem Unternehmensverkauf 2019 an den Schweizer Konzern MIGROS, der einige Jahre vorher die INLINE Unternehmensberatung gekauft hat, übernahm ich die Position als CEO der ACISO Fitness & Health GmbH. Hier schließt sich ein Kreis.

Die Jahre 2020 und 2021 verlangen mir aufgrund von Corona nicht nur sportlichen Ehrgeiz und mitunter eine hohe Schmerztoleranz ab, vielmehr auch Führungsqualitäten und Risikobereitschaft, um das Unternehmen und unsere Kunden sicher durch die Krise und in eine gesunde Zukunft zu führen.“

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