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Auf Zeitreise mit Volker Ebener

An den Verdiensten von Volker Ebener für die deutsche Fitnessbranche bestehen keinerlei Zweifel. Dass der 77-Jährige 1985 gemeinsam mit Kurt Thelen die FIBO gegründet hat, ist längst nicht der einzige Meilenstein des Volker Ebener. Wir haben mit ihm über die Entwicklung der deutschen Fitnessbranche und seine Anfänge gesprochen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Volker Ebener eröffnete sein erstes Fitnessstudio in Bonn, welches damals schon einen medizinisch geprägten Trainingsansatz verfolgte.
  • In den 80er Jahren beobachtete er, wie sich die Trainingsauffassung in der Bevölkerung veränderte: Weg vom Bodybuilding und hin zu ausgewogenem Training.
  • Im Zuge dieser Entwicklung veranstaltete er zusammen mit Kurt Thelen 1985 zum ersten Mal die FIBO. Die Messe etnwickelte sich zu einer eine internationalen Anlaufstelle der Fitnessbranche.
  • Heute engagiert er sich vor allem auf Verbandsebene dafür, dass das Standing der Fitness- und Gesundheitsbranche bei den Politikern steigt.

Volker Ebener kann auf zwei erfolgreiche Karrieren zurückblicken. Die meisten kennen ihn als fleißigen Geschäftsmann. Doch auch als Sportler wusste der gebürtige Bonner zu glänzen. Im Judo konnte er als Träger des schwarzen Gürtels und 6. Dan neun Titel als Deutscher Meister feiern und war Teil des Olympia-Kaders 1972 in München.

Damals, 1970, flimmerte sogar ein TV-Werbespot mit Volker Ebener über den Bildschirm, über den er heute schmunzeln muss. Das mag vor allem an der übertriebenen Inszenierung liegen, wie Volker Ebener damals seinen Gegner auf die Matte schickte, und vor allem an dem Werbe-Slogan, in dem er glaubhaft versicherte, dass auch er seine Kraft und Energie aus Fleisch hole.

Was Volker Ebener damals selbst nicht wusste, ist, dass er über das Judo die ersten Schritte in der Fitnessbranche wagen würde. Während eines Lehrgangs unmittelbar vor den Olympischen Spielen stellte ein Mannschaftsarzt fest, dass es Ebener an der nötigen Kraft fehlte. Während seine Teamkollegen auf der Matte trainieren durften, wurde er zu Krafttraining verdonnert.

Aufgrund des spürbaren Fortschritts machte der ehrgeizige Judoka fortan das Krafttraining auch zu Hause. Sein Wohnzimmer funktionierte er dafür kurzerhand in ein Home-Gym um. Damals wohnte Volker Ebener in der Poststraße in Bonn über seiner Judo-Schule. Dass sich ihr Trainer ein Home-Gym eingerichtet hatte, sprach sich bei seinen Schülern schnell herum, sodass sein Wohnzimmer bald aus allen Nähten platzte.

Aufgrund dessen und der eigenen guten Erfahrung mit Krafttraining eröffnete Volker Ebener kurze Zeit später mit dem Sportzentrum Bonn sein erstes Fitnessstudio und ebnete damit den Weg für seine berufliche Laufbahn in der Fitnessbranche.

Volker Ebener gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger (sitzend Mitte) und Ralf Moeller

Die 70er: Die deutsche Studiolandschaft beginnt zu wachsen

Viele seiner Schützlinge aus der Judoschule besuchten fortan auch das Sportzentrum Bonn. Dort trainierten auch viele Mannschaften und Kampfsportler.

„Anfangs hatte ich die Hoffnung, dass ich die Fitnesswelle zu meinen Gunsten nutzen kann. Mitte der 70er wusste ich, dass das Ganze erfolgreich wird. Damals gab es schon Jahresverträge, was wirklich sehr lukrativ war“,

erinnert sich Volker Ebener.

Kein Wunder, dass Ebener nach und nach weitere Studios eröffnete. Eine Zeit lang betrieb er sieben Studios, die er nach und nach verkaufte, genauso wie seine Judo-Schule im Jahr 2000. Doch nicht nur Volker Ebener versuchte
sich als Studiobetreiber, bundesweit wuchs die Studiolandschaft Stück für Stück. Die Besuche von potenziellen Studiobetreibern, die Volker Ebener in einem seiner Clubs besuchten, um sich wertvolle Tipps zu holen, wuchs.

„Durch das Judo war ich gut vernetzt. Und in den 70ern kamen viele der Betreiber aus dem Kampfsport. Bodybuilding war natürlich das Thema. Jeder wollte damals aussehen wie Arnold. Natürlich war Bodybuilding auch in meinen Studios präsent, aber ich hatte schon damals einen eher medizinisch geprägten Trainingsansatz“, erinnert sich Volker Ebener.

Alleine mit dem Studio-Geschäft wollte sich Volker Ebener nicht zufriedengeben. Auf einer Amerika-Reise nahm er Nautilus-Geräte genauer unter die Lupe. Diese ließ er dann in Italien wesentlich günstiger unter der Marke Bonsport nachbauen. Volker Ebener erinnert sich, dass ein Kraftgerät damals 950 DM gekostet habe, und Betreiber, die es selbst zusammenbauten, erhielten einen Rabatt von 200 DM.

Nachdem die Studiolandschaft Mitte der 70er-Jahre hauptsächlich von Einzelstudios geprägt war, entstanden Ende des Jahrzehnts in Deutschland erste Ketten wie z. B. Pfitzenmeier. Volker Ebener stellte seine Kraftgeräte damals auf der ISPO aus. Damals, erinnert er sich, waren 12–15 Aussteller aus der Fitnessbranche vor Ort. Die Messeleitung ließ damals keine Endkunden und Studiobetreiber zu. Dass seine potenziellen Kunden die Messe nicht besuchen durften, stieß Volker Ebener sauer auf und brachte ihn ins Grübeln, was letztlich weitreichende Konsequenzen hatte.

Die 80er-Jahre: Die noch junge Branche wandelt sich

Die frühen 80er-Jahre wurden immer noch vom Bodybuilding geprägt. Mitte der 80er, so Volker Ebener, fand dann einer der stärksten Wandel der noch jungen Fitnessbranche statt. Das Thema Bodybuilding rückte allmählich in den Hintergrund. Viele Studios schlossen die Bodybuilder aus oder quartierten sie, wie Volker Ebener, in ein eigenes Studio aus.

„Die Studios und auch die Trainingsauffassung veränderten sich plötzlich. Auf einmal gab es kein Studio mehr ohne Kardiogeräte. Und die Auffassung eines ausgewogenen Trainings rückte bei den Menschen immer mehr in den Vordergrund“,

blickt Volker Ebener zurück.

Diese Entwicklung bezeichnet der 77-Jährige bis heute als Quantensprung und eine derart große Weiterentwicklung der Fitnessbranche habe es bis heute seiner Meinung nicht mehr gegeben.

Hand in Hand mit dieser Entwicklung schmiedete Volker Ebener neue Pläne. Gemeinsam mit Kurt Thelen begann er Anfang 1984, an einem Konzept für eine eigene Fitnessmesse zu arbeiten. 14 Monate später, genauer gesagt im April 1985, war es so weit: Die FIBO feierte Premiere. Damals waren es 102 Aussteller, die Ausstellungsfläche betrug damals nach Schätzungen von Volker Ebener ca. 14.000 – 16.000 m2 brutto. Zur Premiere kamen etwas mehr als 10.000 Besucher, die 10 DM Eintritt zahlten. Zum Vergleich: Die FIBO 2019 besuchten 145.000 Besucher und 1.105 Aussteller präsentierten auf insgesamt 160.000 m2 ihre Produkte.


Die FIBO entwickelte sich schnell zu der internationalen Anlaufstelle der Fitnessbranche. Bereits im dritten FIBO-Jahr kam ca. die Hälfte der Besucher aus dem Ausland. „Die FIBO hat natürlich einen riesigen Anteil an der Professionalisierung der Branche. Auf der FIBO konnten seit jeher auch immer wieder einige Stars bewundert werden. Zwischen 1992 und 2002 waren z. B.  Michael Schumacher, Arnold Schwarzenegger, Linda Evans und Sylvester Stallone zu Gast – honorarfrei versteht sich“, berichtet Volker Ebener stolz.

Prominenter Geburtstagsgast: Schauspieler und Hollywood-Star Sylvester Stallone war Gast beim 60. Geburtstag von Volker Ebener

Die 2000er: Medical Fitness auf dem Vormarsch

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt ging aus Sicht von Volker Ebener Anfang 2000–2009 vonstatten. Das Thema Medical Fitness rückte in den Vordergrund. Immer mehr Studios begannen sich in diesem Bereich zu positionieren bzw. nutzten den Begriff zur Vermarktung.

Ein wichtiger Schritt sei es gewesen, dass die Anamnese fester Bestandteil in den deutschen Fitness- und Gesundheitsanlagen wurde. Erst seit dem, so Volker Ebener, könne überhaupt erst gemessen werden, welche Auswirkungen das Training habe. Einhergehend mit der Entwicklung, dass sich immer mehr Studios als Gesundheitsexperte positionierten, stieg auch die Zahl der Produktneuheiten, die seitens der Industrie auf den Markt gebracht wurden.

Die Entwicklung vom Fitnessstudio hin zum Gesundheitsanbieter begrüßt Volker Ebener ausdrücklich, schließlich war genau das seit jeher seine Vorstellung eines Fitness- und Gesundheitsanbieters. Allerdings, gesteht er, dass diese
Entwicklung in den letzten Jahren stagniert hat. Zu viele Anbieter würden zwar mit Medical Fitness werben und auch die entsprechenden Zielgruppen ansprechen, aber letztlich nicht die erwarteten Qualitätsansprüche erfüllen. Die Zusammenarbeit auf Studioebene mit Physiotherapeuten müsse weiter deutlich intensiviert werden.

Ein Beleg für dieses Versäumnis sei nach Meinung Volker Ebeners die Tatsache, dass die Leistungen der Fitnessbrache während der Corona-Krise nicht als systemrelevant eingestuft wurden. Genau daran gilt es seiner Meinung nach zu arbeiten. Nach fast 50 Jahren Fitnessbranche könnte Volker Ebener sich zurücklehnen und zuschauen, wie andere versuchen, die Branche weiter voranzutreiben.

Aber Volker Ebener wäre nicht Volker Ebener, wenn er nicht aktiv am nächsten Entwicklungsschritt der Branche mitarbeiten würde. Er engagiert sich vor allem auf Verbandsebene dafür, dass das Standing der Fitness- und Gesundheitsbranche bei den Politikern steigt. Und auch über andere Wege versucht Volker Ebener die Fitnessbranche weiter zu professionalisieren. „Der Weg zur Systemrelevanz – vom Abo zur Verordnung“ lautet der Titel des Symposiums, das der Bonner auf der anstehenden FIBO im November veranstaltet.

Die Autoren

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

  • Volker Ebener

    Volker Ebener wurde am 1. Mai 1941 geboren. Als mehrfacher Deutscher Meister im Judo führte Mitte der 70er sein Weg in die Fitnessbranche. Er betrieb sieben eigene Fitnessstudios und verkaufte unter der Marke Bonsport eigene Fitnessgeräte. Neben Immobilien liegt sein Fokus auf dem Messegeschäft. Neben der FIBO-Gründung 1985 gründete Volker Ebener 2000 die Jugendmesse „You“. An der Gründung der Fitnessverbände VDF, DIFG und DFAV war Volker Ebener ebenfalls beteiligt.

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