Digitalisierung

Mit virtueller Fitness zum Erfolg

Digitalisierung beherrscht als Schlagwort den Diskurs fast aller Branchen – in der aktuellen Situation noch stärker als je zuvor. Isolation und Social Distancing drücken die Gemüter vieler Menschen auf ein Rekordtief. Entertainment und Gamification versprechen in vielen Bereichen Ablenkung und auch die Fitnessbranche findet neue Wege, um die Menschen zu erreichen, während die Studios geschlossen sind. Und das ist wichtig: Denn Fitness kann ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, selbst wenn sie nur virtuell stattfindet.

Aus diesem Grund haben viele Entscheider in der Branche bereits früh ihr analoges Fitnessangebot um ein virtuelles ergänzt. Die Entwicklung in diese Richtung hat in den letzten Monaten enorm an Fahrt aufgenommen, auch bei den Endkunden. Das ist nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet, diese hat den Trend nur deutlich beschleunigt. Was vor vielen Jahren mit aus heutiger Sicht peinlichen Hüpfvideos auf VHS begann, hat sich in 2021 zu einem Markt entwickelt, in dem hochwertige Fitnessvideos und -angebote produziert werden. Highend-Kameras und -Tontechnik, ausgeklügelte und sportwissenschaftliche Kursinhalte sowie eine aufwendige Postproduktion haben den technischen wie inhaltlichen Anspruch auf ein ganz neues Level gehoben.

Und auch die Konsumgewohnheiten der Menschen haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Aversionen gegen virtuelle Angebote sind quasi nicht mehr vorhanden – wir streamen unser Abendprogramm, bezahlen kontaktlos und treffen uns in virtuellen Räumen und können Möbel vor dem Kauf mit Hilfe von AR-Technik in unseren Wohnzimmern ausprobieren. Da ist es nur folgerichtig, vergleichbare Bedürfnisse in andere Bereiche des Lebens zu übertragen. Trotzdem scheint es für viele aktuell zu wirken, als würde man mithilfe virtueller Fitness versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Doch dabei bietet virtuelle Fitness eine ganze Reihe eigener USPs. Denn anders als analoge Fitness lassen sich mit virtuellen Angeboten und Gamification „magische“ Welten erschaffen. Insbesondere im Kardiobereich sind die Möglichkeiten dank der natürlichen Interaktion mit den Geräten mittlerweile sehr nah an dem, was die Gaming- und Videospielbranche zu bieten hat. Cyclen über Regenbogenbrücken oder Rowing auf dem Nil – auf dem Bildschirm lässt sich vieles abbilden, was in Wirklichkeit nicht möglich ist. Durch die technischen Innovationen der letzten Jahre wird die Immersion, also das Abtauchen in die virtuellen Welten, immer realer – und hier ist in den nächsten Jahren noch viel Luft nach oben. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Gamification und virtuelle Fitness immer stärker miteinander kombiniert werden, sind die sogenannten Reaktionswände und Böden, bei denen Trainierende versuchen müssen z. B. ein Licht zu fangen oder sich Reihenfolgen merken und anschließend Nachlaufen müssen. Das sorgt nicht nur für körperliche Fitness, sondern fördert auch die geistige Fitness.

Auch außerhalb der Studios gibt es Beispiele dafür, dass Virtualität und Gamification im Sport- und Fitnessbereich an Bedeutung gewinnen. Hier gibt es Anbieter, die sich mit gängigen Fitness-Apps verbinden lassen. Die Nutzer haben dann die Möglichkeit Abzeichen für das Erreichen gewisser Streckenlängen zu gewinnen. Ein weiteres und das wohl bekannteste Beispiel ist Pokemon Go. Dank des Einsatzes von Augmented Reality schafften es die Entwickler, auch diejenigen in Bewegung zu bringen, die ansonsten eher zu Inaktivität neigen.

Egal ob es sich um Angebote für Fitnessstudios oder Produkte für Endverbraucher handelt, eines haben alle gemeinsam: Sie schaffen es auf spielerische Art die Nutzer zu mobilisieren, zu belohnen und zu motivieren. Durch die persönlichen Erfolge entsteht nicht selten ein positiver Suchtfaktor und führt bei Nutzern durch den eigenen Antrieb schnell zu körperlich sichtbaren Erfolgen, ohne dass dabei ein großer Druck von außen auf sie einwirkt.

 


Durch virtuelle Fitness und Gamification können Studiobetreiber neue Zielgruppen gewinnen
 

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile
Den Bereich moderner Rezeptionserwartungen einmal außen vor gelassen, gibt es natürlich auch Vorteile betriebswirtschaftlicher Art für Fitnessstudios, wenn sie spielerische und virtuelle Angebote integrieren. Denn virtuelle Fitness hilft zum einen dabei, durch das flexible Angebot neue Zielgruppen wie Pflegepersonal und Schichtarbeiter anzusprechen und zum anderen insbesondere die Kursräume durch entsprechende Angebote mit On-Demand-Kursen viel stärker auszulasten. Die meisten Kursräume in Fitnessstudios stehen nämlich aufs Ganze gesehen bei einem rein analogen Kursangebot die meiste Zeit leer, bei 35 Kursen je Woche bis zu 2/3 der Zeit. Das ist natürlich alles andere als wirtschaftlich. Jede Person, die sich hier individuell einen virtuellen Kurs selbst auswählt, startet und damit zufrieden ist, schiebt dank Mitgliederbindung und Kundenzufriedenheit die Profitabilität von Räumlichkeiten in die richtige Richtung. Zumal ein virtueller Trainer, der durch einen „echten“ Trainer in einer Art Double-Coaching ergänzt wird, den Betreuungsschlüssel für jedes Mitglied deutlich verbessert.      

Was gilt es bei der Umsetzung im Studio zu beachten?
Studiobetreiber sollten bei der Auswahl eines Anbieters für virtuelle Kursangebote auf Vielfalt achten. Das ist insbesondere für Studios auf dem Land attraktiv, die es für gewöhnlich schwerer haben, professionelle Trainer für trendige Formate zu finden. Virtuelle Fitness kann diesen Mangel ausgleichen und Clubbetreiber bekommen sogar Masterpresenter vieler Formate auf Knopfdruck. Wichtig ist, sich einen Eindruck über die Qualität der Inhalte zu verschaffen. Neben hochwertiger Optik der Videos sollte die Musik modern und das Lautstärkenverhältnis zur Stimme der Trainer gut abgemischt sein. Sprechen die Presenter zudem Ihre Zielgruppen an und haben die Kurse einen sportwissenschaftlich sinnvollen Aufbau? Jeder Anbieter virtueller Fitness erhebt Lizenzgebühren. Diese schwanken zwischen etwa 49 und 300 Euro im Monat. In der Regel spiegelt die Höhe der Lizenzgebühr sich in der Qualität des Angebots wider – darauf sollte man bei der Wahl eines Anbieters unbedingt achten. Denn auch hier gilt das gute alte Sprichwort: Qualität hat ihren Preis.

Virtuelle Angebote mit modularen Extrakosten für die Mitglieder zu verbinden ist erfahrungsgemäß nicht zu empfehlen. Denn dadurch wird neben Zurückhaltung bei den Kunden ein administrativer Aufwand geschaffen. Nachhaltiger ist es, indirekt durch neue Zielgruppen, durch bessere Mitgliederbindung und durch eine verbesserte Außendarstellung Einnahmen zu sichern bzw. Mehreinnahmen zu generieren. Insbesondere Bestandsstudios können sich so ein deutlich moderneres Image verschaffen und die Modernisierung im Marketing ausspielen.

 

Die Autorin

  • Meike Reckers

    Meike Reckers ist im Bereich Business Development für die CyberConcept GmbH tätig. Zudem hat sie im Oktober 2020 die Geschäftsführung des Sports Place in Münster übernommen.

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