Digitalisierung

Sinn digitaler Körpervermessung

Wenn man sich mit Betreibern von Fitness- und Gesundheitsanlagen über Sinn und Unsinn von Digitalisierung unterhält, so geht es häufig um den wirtschaftlichen Aspekt. Kern der Diskussion ist genau genommen, wie sehr die Digitalisierung dazu beiträgt, Arbeitszeit einzusparen und dabei gleichzeitig die Fluktuation der Mitglieder zu senken, Neumitglieder zu gewinnen sowie zusätzliche Umsätze zu generieren. Um die Frage der Sinnhaftigkeit digitaler Körpervermessung beantworten zu können, machen wir in diesem Artikel eine Reise in die Vergangenheit und die Zukunft der Körpervermessung.

Wer sich mit der Vergangenheit der Körpervermessung auseinandersetzt, erhält gewinnbringende Erkenntnisse. Im Vergleich zur Körperanalyse geht es bei der Körpervermessung um die Umfänge und Oberflächen menschlicher Körper. In der Vergangenheit wurde hierzu fast ausschließlich mit Maßbändern gearbeitet. Bei der Körperanalyse hingegen geht es um das Körpergewicht sowie die Körperzusammensetzung. Insbesondere im Rahmen von Abnehm-Programmen kam die Waage von Anfang an zum Einsatz. Logisch, denn die meisten Menschen wiegen sich regelmäßig und können daher die Maßeinheit Kilogramm auch sehr gut interpretieren. Man muss niemandem erzählen, dass ein Körpergewicht von 90 kg bei einer Körpergröße von 155 cm ein sehr ungünstiges Verhältnis darstellt. Das Maßband zur Vermessung hingegen war den Menschen früher eher vom Schneider bekannt. Dies hat sich bis heute kaum geändert. Lediglich wenn es darum geht, Kleider online zu bestellen, wird auch mal das Maßband bemüht. Weder Sie als Fitness-Studio-Betreiber noch ich sind geneigt, heute regelmäßig die Körperumfänge zu messen, weil dieses Verfahren sehr zeitaufwendig ist. Der Blick auf die Waage und in den Spiegel ist bei der Beurteilung der Figur dem Maßband meilenweit überlegen. Oder würden Sie auf einen Blick vermuten, dass 95 cm Hüftumfang bei 170 cm Körpergröße ebenfalls ungünstig sind? Ihnen als Experte für Abnehmen und Figur ist dies vielleicht sogar klar, aber dem Otto-Normalbürger eben nicht. Und genau dieser ist die Zielgruppe für Figur- und Abnehm-Programme. Um ihn für regelmäßiges Training und gesunde Ernährung zu motivieren, eignet sich der Einsatz von Waage und Spiegel. Ersteres, weil es Gewohnheit ist, und Letzteres, weil jeder eine Vorstellung von seiner Idealfigur in sich trägt. Und hier sind wir schon bei den psychologischen Aspekten. Verbessert sich die Figur im Rahmen eines Abnehm-Programms, so kann es durch die Abnahme von Fett und die Zunahme von Muskulatur dazu kommen, dass das Körpergewicht nur minimal geringer wird. Wir alle wissen, dass sich das negativ auf die Motivation auswirkt. 

Da der Abnehmwillige sich jeden Tag im Spiegel sieht, nimmt er den Trainingsfortschritt und seine verbesserte Figur nicht wahr. Auch hier geht Motivation verloren und es droht der Verlust eines potenziellen Neumitglieds. Um dies zu kompensieren, hat man daher in der Vergangenheit versucht, mit Maßband und viel Mühe die Veränderungen zu messen. Das große Problem lag hierbei in der Retest-Genauigkeit. Bei der Nachher-Messung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Vermessung nicht exakt an derselben Stelle wie bei der Eingangsmessung vorgenommen wird. Hier besteht also die reale Gefahr, dass man im schlimmsten Falle sogar größere Umfänge misst als zu Beginn. Dies ist der Horror für jeden Trainer, Fitness-Studio-Betreiber und Abnehmwilligen. Oftmals bricht spätestens hier die Basis des Vertrauens ein und der Expertenstatus und die Positionierung als Abnehmspezialist gehen verloren. Die Folgen sind fatal: stagnierende Interessentenzahlen, stagnierende Zahl an Neumitgliedern und stagnierende Zusatzumsätze durch fehlende Verkäufe von Eiweiß und weiteren Supplements. Die Vergangenheit der Körpervermessung war also nicht sonderlich rosig. Wie sieht es heute aus?

Gegenwart der Körpervermessung
Der gegenwärtige Stand zeigt, dass Körperanalyse als auch die Körpervermessung große Fortschritte gemacht haben. Im Bereich der Körperanalyse gibt es heutzutage dank namhafter Hersteller sehr genaue Ableitungen hinsichtlich vielerlei Faktoren wie zum Beispiel dem viszeralen Fettgewebe. Dieses ist maßgeblich für die Gesundheit. Daher dienen Körperanalysewaagen auch der Positionierung als Gesundheitsexperte. Beim Blick auf die Fortschritte im Bereich der Körpervermessung sehen wir, dass die Industrie einiges von dem oben genannten Spiegel gelernt hat. Viele Menschen erkennen durch den Blick in den Spiegel, wie es um ihre Figur bestellt ist. Und genau dies machen sich digitale optische Vermessungsmethoden zunutze. Die digitale Vermessung ist also in der Gegenwart angekommen. Vor wenigen Jahren gab es diese bereits in stationärer und unhandlicher Form. Diese hatte den Nachteil, dass sie nicht mobil einsetzbar und aufgrund der teuren Hardware sehr kostspielig war. Dank einiger innovativer Unternehmen ist die digitale Vermessung bereits mittels iPad und einem kleinen Sensor möglich. Der Vorteil ist, dass diese Methode handlich und auch wesentlich preiswerter ist. 

Greifen wir die psychologischen Aspekte der Vergangenheit auf, so sind diese mobilen Systeme dem Maßband weit überlegen. Hier können Messfehler aufgrund falscher Messpunkte ausgeschlossen werden. Kein Figur- und Abnehmexperte kommt heute in die Verlegenheit, schlechte Messergebnisse aus der Nachmessung rechtfertigen zu müssen. Die Messung mit digitalen optischen Messmethoden hat jedoch noch viele weitere Vorteile. Hier die wichtigsten auf einen Blick: 

In naher Zukunft können Avatare in Lebensgröße als Testimonials dienen

 

Vorteile digitaler Messmethoden
• Kontaktloses Messen ist möglich, sodass nie wieder unangenehme intime Berührungen zwischen Trainer und Mitglied notwendig sind
• Mobiles Messen ermöglicht auch das Messen auf Promotionen oder auf Messen, sodass man sich leicht als Abnehmexperte präsentieren kann
• Durch die Vorher-Nachher-Vergleiche per App kann das jeweilige Mitglied seine Erfolge sofort erkennen, was ein erheblicher Motivationsfaktor ist
• Interessenten und Mitglieder bauen bei erfolgreich absolvierten Abnehm-Programmen Vertrauen zu Ihnen als Fitness-Club-Betreiber auf. Eine Folge des gewonnenen Vertrauens ist, dass der Verkauf von Zusatzprodukten wie zum Beispiel Supplements erleichtert wird
• Optisch beeindruckende Testimonials – die beeindruckendsten Ergebnisse von Testimonials können – wie heute üblich – auf allen verfügbaren Online- und Offline-Plattformen geteilt werden
• Mit Tools wie beispielsweise einer digitalen optischen Vermessung ist es leichter, sich als Abnehmexperte am Fitnessmarkt zu positionieren
• Moderne digitale Vermessung bietet dem Interessenten oder Mitglied die Möglichkeit, dass seine Erfolge – zur besseren Veranschaulichung – unter anderem auch als Avatar in der clubeigenen App angezeigt werden. Dies führt dazu, dass Freunde und Familie davon berichtet wird. Weiterempfehlung 2.0 sozusagen.

Die Kombination von Körperanalyse und Körpervermessung ist also heute der Goldstandard, um seine Fitness- und Gesundheitsanlage als Figur- und Abnehmexperte am Markt positionieren zu können. Doch hier hört die Entwicklung noch lange nicht auf. 
Wagen wir nun den Blick in die Zukunft!

 


Im Bereich der Digitalisierung von Messmethoden findet ein radikaler Wandel statt

 

Die Zukunft der Körpervermessung
Durch den technischen Fortschritt ist, wie gerade erwähnt, bereits einiges möglich. Nichtsdestotrotz ist noch wesentlich mehr möglich. Einige Entwicklungen sind sogar bereits absehbar. Betrachten wir die Top-Konzerne dieser Welt, dann fällt auf, dass immer wieder ein Megatrend im Fokus der Entwicklungen steht: die sogenannte Augmented Reality. Gerne wird auch der Ausdruck Mixed Reality verwendet. Was sich erst mal kompliziert anhört, ist eine Technik, die vor allem die Neugier weckt und die Möglichkeit bietet, Faszination zu empfinden, und den Spieltrieb des Menschen anspricht. Bei Fußballübertragungen wird diese Technik bereits seit Längerem eingesetzt, zum Beispiel durch das Einblenden von Entfernungen bei Freistößen mithilfe von computeranimierten Kreisen oder Linien im Fernsehbild. Diese Technik ist also schon älter und heute nicht mehr wegzudenken. Aber wie wäre es, wenn man im Rahmen eines Abnehm- und Figur-Programms die Fortschritte nicht nur mithilfe eines Avatars festhalten kann, sondern den ungeformten Anfangs-Avatar in Lebensgröße neben das erfolgreiche Mitglied stellt und davon Fotos als auch Videoaufnahmen machen könnte? Wären das nicht beeindruckende Testimonials? Dies wird bereits in naher Zukunft Realität. Weitere Einsatzmöglichkeiten zur Inszenierung als Abnehm- und Figurexperte ergeben sich durch einen Blick in die Vergangenheit: Früher und auch heute werden virtuelle Fitness-Studiorundgänge auf der Homepage eingebunden. Ziel ist es, den Interessenten davon zu überzeugen, im Fitness-Club vorbeizuschauen. Man zeigt also die Räumlichkeiten, um im besten Falle eine Mitgliedschaft anzubahnen. 

Aber was verkauft insbesondere eine Premium-Fitness-Mitgliedschaft besser als Räumlichkeiten? Genau: Menschen. Wenn es um Abnehmen und Figur geht: der Experte für Abnehmen und Figur. Ist dieser dem Interessenten sympathisch und erscheint er kompetent, so ist die Teilnahme an dem Programm oder die Mitgliedschaft die logische Konsequenz des Kennenlernens. Wie wäre es nun, wenn man sich bereits auf der Homepage von den Räumlichkeiten ein Bild vom Experten machen könnte, und zwar in Lebensgröße oder als Miniatur (siehe Bild) und nicht als 3-D-Grafik? Der Blick auf andere Branchen, die bereits derartige Maßnahmen einsetzen, zeigt, dass sich die Verweildauer, die Klickzahlen und die generierte Aufmerksamkeit auf den Online-Kanälen vervielfachen. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit der Kontaktaufnahme maßgeblich. 

Zusammenfassend kann man festhalten, dass im Bereich der Digitalisierung von Messmethoden ein radikaler Wandel stattfindet. Um diesen Wandel wirtschaftlich treffend zu bewerten, bleibt nur das Zitat von Friedrich Schiller: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

 

Quellen
Header: Myvisuals - stock.adobe.com
Bild 1: FACEFORCE GmbH

Der Autor

  • Dominik Weirich

    Dominik Weirich ist Diplom-Sportwissenschaftler mit den Schwerpunkten Soziologie, Psychologie und Ökonomie. Er ist Buchautor und Speaker. Als Geschäftsführer der FACEFORCE GmbH entwickelt er selbst Innovationen für die Fitnessbranche.

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