Mehr Mitglieder durch Fitnessabteilung?

Auch wenn Vereinschefin Anja Schuster betonte, dass der Mitgliederrückgang beim Wedeler Turn- und Sportverein (TSV) von 3.318 auf 3.270 in 2009 im Vergleich mit anderen großen Verein im Kreis relativ gering sei: Dem Thema Kampf gegen den Schwund in den eigenen Reihen kam während der Jahreshauptversammlung eine zentrale Bedeutung zu - wenn auch über Umwege.
 
Diese führten durch den Finessbereich im Vereinsheim an der Bekstraße. Vizechef Gerd Jungbludt und Jürgen Brenker, Leiter der Finanzen, stellten den rund 120 anwesenden Sportlern Pläne für die Erweiterung des hauseigenen Studios vor, verbunden mit einem förmlichen Antrag, in dem 40.000 Euro für die geplante Expansion veranschlagt waren. Ein immens wichtiger Schritt, wie Brenker verdeutlichte, und eine Herzensangelegenheit für ihn, wie sich im Zuge einer teils emotionalen Debatte zeigte.

"Wir haben Probleme in allen typischen Bereichen, so dass wir mit einem weiteren Mitglieder-Rückgang rechnen müssen", verdeutlichte Brenker. Im Gesundheitssport jedoch ließe sich viel ausgleichen, erklärte der Schatzmeister: "Denn wenn wir nichts tun, können wir den Laden bald dichtmachen." Die Strategie: Das Fitness-Studio soll per Durchbruch zu einem Abstellraum um 35 Quadratmeter erweitert werden. Als Ausgleich zum Unterstellen von Mobiliar, das bislang dort lagerte, soll ein Anbau geschaffen werden.

Anbau sorgt für Unmut

Wie Brenker auf mehrfaches Nachfragen erläuterte, sind für diesen Anbau allein rund 30.000 Euro veranschlagt - eine Summe, die mit deutlichem Unmutsraunen zur Kenntnis genommen wurde. Und: Die benötigten neuen Geräte sind ebenfalls noch nicht in der Gesamtsumme enthalten. Diese sollen jedoch nur geleast werden, beruhigte Brenker, der erklärte: Wenn 16 neue Mitglieder in der Abteilung gewonnen werden, rechne sich die Maßnahme. Er selbst wisse von mehreren Interessenten, die dem TSV beitreten würden, wenn der Fitnessbereich großzügiger und moderner gestaltet wäre. Zudem sei er mit sechs Firmen im Gespräch, die in Freizeit und Fitness von Mitarbeitern investieren möchten - weitere mögliche Mitgliedschaften, die er noch gar nicht mitgerechnet habe.

Dennoch gab es mahnende Stimmen, die etwa auf die Konkurrenz zu kommerziellen Anbietern hinwiesen, mögliche Kostenexplosionen oder den Eingangs- und Sanitärbereich kritisierten: Zu steile Treppe, überholungswürdige Anlagen, suboptimale Umkleidesituation waren nur einige Stichworte. Brenker räumte vor allem letztere ein und verwies darauf: "Dies ist nur ein erster Bauabschnitt, ein zweiter könnte durchaus in einigen Jahren kommen." Am Ende gab es denn auch 15 Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen - die große Mehrheit jedoch sagte Ja zur Fitness-Expansion.

Die alte und neue Vereinsvorsitzende Anja Schuster ehrte Klaus Biehl (links) und Horst Hennig (rechts) für 50-jährige Mitgliedschaft. Ewald Stiefvater ist sogar seit 75 Jahren beim TSV. Foto: Gabriel