Fitness-Hochburg Münster

Die Branche ist fit: Auch im Krisenjahr 2009 verzeichnen die Fitnessclubs immer mehr (und im Durchschnitt immer ältere) Kunden. Entsprechende Meldungen des Deutschen Sportstudio-Verbands DSSV werden von münsterischen Studios, stichprobenartig befragt, bestätigt. Mehr noch: Münster, so heißt es, sei unbestreitbar eine Fitness-Hochburg.

"Als wir vor 20 Jahren eröffneten, waren wir die Nummer acht am Markt", berichtet Provital-Inhaber Harald Kemmermann. "Heute gibt es um die 30 Fitnessclubs in Münster." Erheblich mehr also als in Nachbarstädten wie Bielefeld oder Osnabrück.

Das könnte freilich auch zu einer Übersättigung des Marktes führen, meint Kemmermann: "Wenn das so weitergeht, haben wir in zwei oder drei Jahren einen Verdrängungswettbewerb." Das sieht Karl-Heinz Boer, Geschäftsführer von Injoy, nicht so drastisch: "In Münster haben wir viele Premium­anbieter und einige Discounter - die Mitte bricht weg." Die klassische Muckibude für junge Männer ab Mitte 20 sei in den Hintergrund getreten, das Angebot werde vor allem für ein gesundheitsbewusstes Publikum mittleren Alters gemacht: Fitness als Lebensart.

Das Durchschnittsalter ihrer Kunden? "46", sagt Anke Rehenberg, Geschäftsleiterin von Kieser Training. Bei Injoy und Provital sind es 44 und 39 Jahre. Alle drei Anbieter haben auch betagte Kunden, sogar über 90-jährige - was vor 20 Jahren kaum denkbar gewesen wäre. "Früher rieten die Ärzte bei Arthrose: Setzen Sie sich in den Sessel und bewegen sie sich nicht. Heute heißt es: Machen Sie etwas, so lange es noch irgendwie geht", berichtet Kemmermann. Das ältere Publikum verlange eine etwas andere Ansprache, ältere Trainer, ausgefeilte Kurse. Bleibe dafür aber auch dem Studio treu: "Wir haben eine sehr geringe Fluktuation", so Anke Rehenberg.

Das studentische Publikum hingegen spielt bei den Premiumanbietern nicht die Rolle, die es in einer Hochschulstadt wie Münster spielen könnte. "Die Studenten gehen eher in die Discounter", berichtet Karl-Heinz Boer, "das geht nur übers Geld". Preise von 15 bis 20 Euro auf der einen stehen etwa 40 bis 60 Euro auf der anderen Seite gegenüber. Wobei die Premium­anbieter Wert auf ausgefeiltes Training, Beratung, Kurse und bisweilen ein Wellness-Angebot legen, was Discounter so nicht im schlanken Programm haben.

Das Angebot der Discounter führe dazu, dass auch in anderen Studios häufiger über den Preis geredet werde, sagt Kemmermann. Auch der Verband DSSV bestätigt, dass trotz steigender Mitgliederzahlen der Umsatz pro Mitglied rückläufig sei. "Aber im Vergleich zu anderen Branchen können wir noch zufrieden sein."

Anke Rehenberg (l.) von „Kieser Training“ weist eine Kundin in ein Trainingsgerät ein.Foto: (Matthias Ahlke)

Anke Rehenberg (l.) von Kieser Training weist eine Kundin in ein Trainingsgerät ein.Foto: (Matthias Ahlke)