BODYMEDIA: Die Fitnessbranche ist mit über 12 Millionen Mitgliedschaften ein zentraler Akteur im organisierten und nicht organisierten Sport. Dennoch empfindet ein Großteil der Branche zu wenig Wertschätzung auf sportpolitischer Ebene. Teilen Sie diese Einschätzung? Worauf ist das Ihrer Meinung nach zurückzuführen?
Stephan Mayer: Nach meiner Einschätzung steigt die Wertschätzung automatisch, da immer mehr Sportler, vor allem junge Menschen, Fitnessstudios besuchen. Die CDU/CSU-Fraktion setzt sich für eine höhere Wahrnehmbarkeit der Branche ein; das zeigt die Einladung des DSSV in die Sitzung des Ausschusses für Sport- und Ehrenamt am 4. März 2026, die auf Betreiben unserer Fraktion erfolgte.
BODYMEDIA: Wie kann die Politik die Anerkennung der Fitnessbranche als präventiver Gesundheitsakteur stärken?
Stephan Mayer: Hilfreich für die Branche wäre eine stärkere Betonung des Zusammenhangs von Sport mit Gesundheit und Prävention. Hier ist in erster Linie die Fitness- und Gesundheitsbranche selbst gefragt, anschließend werden Sport- und Gesundheitspolitik sie sicherlich intensiv unterstützen.
BODYMEDIA: Bewegungsmangel verursacht jährlich Milliardenschäden im Gesundheitssystem. Warum wird Training im Studio noch nicht stärker in Präventionsprogramme integriert? Gibt es diesbezüglich Bemühungen in Ihrer Partei, dies zukünftig zu ändern? Wenn ja, wie sehen die aktuellen Pläne aus?
Stephan Mayer: CDU und CSU haben die Bedeutung der Prävention im Gesundheitswesen in vollem Umfang erkannt. Das zeigt bereits der Koalitionsvertrag, der ein eigenes Kapitel zu dem Thema enthält, das auf unserer Initiative beruht. Dort wird klar formuliert, dass Prävention, Krankheitsvermeidung und Gesundheitsförderung eine enorm wichtige Rolle spielen.
BODYMEDIA: Wie stehen Sie zu einer besseren Verzahnung von Fitness- und Gesundheitsstudios mit Krankenkassen – etwa über § 20 SGB V hinaus? In anderen Ländern übernehmen die Krankenkassen zumindest Anteile des Mitgliedschaftsbeitrags. Warum wird dieses Modell in Deutschland nicht umgesetzt?
Stephan Mayer: Diese Frage zielt mehr auf die Zuständigkeit meiner Kollegen in der Gesundheitspolitik. Aus sportpolitischer Warte spricht nichts gegen eine engere Verzahnung, im Gegenteil. In der Debatte ist allerdings die angespannte finanzielle Situation der Kassen zu beachten. Wenn gerade noch 2 % der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Präventionsmaßnahmen verwendet werden, muss jedem klar sein, dass hier deutlich mehr Potenzial besteht.
BODYMEDIA: Kürzlich wurde im Bundestag eine Petition „Grundrecht auf Gesundheit“ eingereicht. Die Unterstützer fordern, Gesundheit als eigenes Grundrecht im Grundgesetz zu verankern. Wie stehen Sie dazu?
Stephan Mayer: Da bin ich, offen gesagt, doch zurückhaltend, da Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes ein Recht auf körperliche Unversehrtheit bereits garantiert. Zudem ist der Gesundheitsschutz in Deutschland im internationalen Bereich umfassend, was beispielsweise ein Blick nach Großbritannien recht deutlich zeigt. Das muss man auch angesichts eines großen Reformbedarfs konstatieren.
BODYMEDIA: Viele Studiobetreiber kämpfen mit steigenden Energie- und Personalkosten. Welche konkreten Entlastungen plant die Politik für mittelständische Fitnessunternehmen?
Stephan Mayer: Mit steigenden Kosten haben aktuell leider viele Branchen zu kämpfen; dies gilt vor allem angesichts der sich verschärfenden internationalen Spannungen im Nahen Osten. Dass es hier zu einer „Insellösung“ zugunsten der Fitnessbranche kommt, sehe ich, offen gestanden, aktuell eher nicht.
BODYMEDIA: Immer mehr Sportvereine verfügen über ein professionelles Fitnessangebot, das dem von Fitnessstudios nahekommt. Im Gegensatz zu den Studios profitieren Vereine von staatlicher Förderung. Sollte es hier eine klarere Abgrenzung zwischen gemeinnützigen Sportvereinen und gewerblichen Fitnessanbietern geben? Wie kann eine faire Koexistenz gelingen?
Stephan Mayer: Sportvereine haben nicht nur für den Sport selbst, sondern auch für das Ehrenamt eine so große Bedeutung in unserem Land, dass sie kaum überschätzt werden kann. Deshalb werden sie völlig zu Recht als gemeinnützig anerkannt. Ich glaube auch nicht, dass sie den Fitnessstudios ernsthaft Konkurrenz machen; die Nachfrage nach Fitnessangeboten ist so hoch, dass alle Studios ausgelastet sein müssten, unabhängig davon, ob sie gewerblich oder vereinsseitig betrieben werden.
BODYMEDIA: Sie sind u. a. Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Sport und Ehrenamt. Welche Themen haben für die CDU/CSU derzeit in diesem Bereich Priorität und welche konkrete Rolle spielen Fitnessstudios dabei?
Stephan Mayer: Aktuelle Themen sind vor allem die Reform der Spitzensportförderung, die Verbesserung der Sportstätteninfrastruktur und die deutsche Olympiabewerbung. Wenn beispielsweise im Zuge einer Bewerbung für Olympische Sommerspiele die Sportbegeisterung und die Anzahl der Sporttreibenden steigen, profitieren davon aus meiner Sicht auch die Fitnessstudios.
BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview.
Bildquelle: © Deutscher Bundestag / Inga Haar