Die meisten Fitness- und Gesundheitsanbieter kennen die Geschichte: Gastro wird ausprobiert, unterschätzt – und irgendwann wieder gestrichen. Zu komplex, zu wenig planbar, zu weit weg vom Kerngeschäft. Genau hier setzt MYOKRAFT an und geht bewusst in die Gegenrichtung. Mit der MYOKRAFTBAR entsteht kein „Add-on“, sondern ein integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts. Im Zentrum steht eine einfache, fast unbequeme Frage: Reicht es, Trainings- oder Therapieimpulse zu setzen, wenn die Grundlage nicht stimmt?
Myokraft: Symbiose aus Physiotherapie und Fitness
„Physiotherapie ist eine Reiztherapie. Wir setzen einen Reiz und erwarten bestimmte Effekte. Aber wer sagt mir, dass ein Patient, der viermal pro Woche Pommes isst, diesen Reiz überhaupt optimal verarbeitet?“, sagt Nick Bol. Damit ist der gedankliche Rahmen gesetzt: Ohne die richtige Ernährungsbasis bleibt selbst die beste Intervention limitiert.
Von der Idee zur Realität: Ein langer Atem
Die Idee, Ernährung strukturell zu integrieren, begleitet MYOKRAFT seit der Gründung 2018. Zunächst lag der Fokus jedoch auf dem Ausbau der Therapie- und Trainingsflächen. Erst nach deren Neuausrichtung wurde der nächste Schritt konkret.
Der Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig. Pandemie, fehlende gastronomische Erfahrung und bürokratische Hürden verzögerten das Projekt mehrfach. Erst Anfang 2022 begann die konkrete Konzeptentwicklung, gefolgt von der Gründung der MYOKRAFTBAR GmbH ein Jahr später.
Was dann folgte, ist ein Paradebeispiel für die Realität hinter Gastroprojekten in Deutschland: Genehmigungen, Brandschutz, Umbau. Aus einer geplanten schnellen Umsetzung wurde ein mehrjähriger Prozess.
„Die deutsche Bürokratie sowie Themen wie Brandschutz und Baugenehmigungen führten zu erheblichen Verzögerungen“,
Nick Bol, Inhaber MYOKRAFTBAR
Erst im September 2025 öffnete die MYOKRAFTBAR schließlich ihre Türen – nach rund einem Jahr Umbau und vollständiger Kernsanierung zweier ehemaliger Ladenlokale.
Vier Säulen statt Hoffnung auf Laufkundschaft
Das Geschäftsmodell der MYOKRAFTBAR ist bewusst breit aufgestellt. Statt sich ausschließlich auf klassische Restaurantumsätze zu verlassen, setzt man auf vier Einnahmequellen:
- Verzehr vor Ort (inkl. Reservierungssystem)
- To-Go-Bestellungen über digitale Kanäle
- Catering für Unternehmen und Events
- Mitarbeitercatering als B2B-Gesundheitslösung
Gerade der letzte Punkt ist strategisch interessant für die Branche: Hier verschiebt sich Gastro von einem optionalen Zusatzgeschäft hin zu einem funktionalen Bestandteil Betrieblicher Gesundheitsförderung.
Gastro ist kein Selbstläufer – und genau das ist der Punkt
Während Therapie von stabiler Nachfrage profitiert und Fitness durch wiederkehrende Einnahmen planbar wird, fehlt der Gastronomie genau diese Sicherheit. „Im Vergleich zu Therapie und Training ist Gastronomie ein nicht erforderliches, einfach verzichtbares Luxusprodukt“, erklärt Nick Bol. Das hat Konsequenzen. Jeder Besuch muss überzeugen. Jeder Fehler kostet unmittelbar Vertrauen. Die Fehlertoleranz ist minimal. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus MYOKRAFT-Sicht: Gastro scheitert selten an der Idee – sondern an der Tiefe der tatsächlichen Umsetzung.
Die entscheidenden Stellhebel: Was funktioniert – und was nicht
MYOKRAFT hat früh akzeptiert, dass Gastronomie nicht „nebenbei“ funktioniert. Entsprechend klar sind die definierten Erfolgsfaktoren:
- Klare Positionierung statt Kompromiss
Mit dem Claim „Das (wahrscheinlich) gesündeste Restaurant Deutschlands“ setzt die MYOKRAFTBAR bewusst auf eine spitze Positionierung. Kein Bauchladen, sondern ein klares Versprechen an die Kunden.
- Team schlägt Konzept
Trotz Fachkräftemangel wurden rund 120 Bewerbungen generiert. Das ist für MYOKRAFT ein klarer Beleg dafür, dass starke Marken auch im Recruiting wirken. „Unabhängig von der Qualität des Angebots entscheidet letztlich das Team über den Erfolg.“
- Erlebnis statt Versorgung
Gastronomie wird als Gesamterlebnis gedacht: Design, Licht, Musik, Duft, Storytelling. Ergänzt durch eine klar definierte Customer Journey – ein Ansatz, der direkt aus der Trainings- und Therapiewelt übertragen wurde.
- Prozesse wie in der Therapie
Standardisierte Abläufe, dokumentierte Rezepturen, strukturiertes Onboarding. Was in der Therapie selbstverständlich ist, wird konsequent auf die Gastronomie übertragen.
- Marketing als Pflicht, nicht als Kür
Aufgrund geringer Laufkundschaft ist gezieltes Marketing essenziell. Social Media und Performance-Marketing sind fest eingeplante Bestandteile des Modells – nicht nachgelagerte Maßnahmen.
Das Fazit fällt entsprechend nüchtern aus: „Wer Gastronomie nebenbei betreibt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern.“
Das Konzept: Brunch, Performance und Nährwerttransparenz
Inhaltlich präsentiert MYOKRAFT mit seiner BAR ein ganzheitlich durchdachtes Brunch-Konzept mit klarer gesundheitsorientierter Ausrichtung.

Ein stylisches Interieur sorgt für einen extra Wohlfühlfaktor während des Essens (Bildquelle: © MYOKRAFT)
Das Angebot kombiniert klassische Elemente mit funktionalem Anspruch:
- Kaffeespezialitäten, Kombucha, Protein-Sodas
- Slow Juices, Smoothies, Proteinshakes
- Sauerteigbrote, Eierspeisen, Frühstücksbowls
- Wraps und Bowls im Lunchbereich (auch individualisierbar)
- Zuckerfreie Kuchen
Entscheidend ist dabei weniger die Auswahl als die Systematik dahinter: Alle Produkte in der MYOKRAFTBAR sind frei von Industriezucker, nährstoffoptimiert und mit transparenten Nährwertangaben versehen. Gesundheit wird in diesem Konzept nicht behauptet, sondern quantifiziert.
Verzahnung mit dem Kerngeschäft: Mehr als ein Rabattmodell
Die Integration in das bestehende MYOKRAFT-Ökosystem erfolgt bewusst niedrigschwellig, aber strategisch:
- Mitglieder erhalten 10 % Rabatt über App oder RFID
- Neue Patienten und Mitglieder bekommen Willkommensgutscheine
- Perspektivisch ist eine erweiterte Mitgliedschaft geplant, die Gastronomie fest integriert
Damit wird die MYOKRAFTBAR nicht nur zum Touchpoint, sondern zum Bestandteil der Kundenbindung und -entwicklung.
Bildquelle Header: © MYOKRAFT