BODYMEDIA: Der Markt ist voll von Ausbildungsanbietern – woran erkennt man Qualität?
Florian Weiß: Qualität zeigt sich zunächst ganz klassisch grundsätzlich über Akkreditierungen, gerade bei Studiengängen, sowie über anerkannte Gütesiegel. Darüber hinaus ist entscheidend, dass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse – insbesondere aus der Sportwissenschaft – in die Lehrinhalte integriert werden. Ein weiterer zentraler Punkt ist für mich die Betreuung der Studierenden. Gute Ausbildung bedeutet auch, Menschen individuell zu begleiten und ihnen die Kompetenzen zu vermitteln, die sie in der Praxis wirklich brauchen.
Claus Umbach – dba-Gründer & Fitnessunternehmer über Motivation, Werte und die nächste Generation
BODYMEDIA: Das Thema KI ist auch in der Fitness- und Gesundheitsbranche allgegenwärtig. Welche Rolle spielt KI aktuell in eurem Aus- und Weiterbildungsangebot? Wie wird sich das zukünftig entwickeln? Und seht Ihr KI für hochwertige Bildungsanbieter eher als Fluch oder Segen?
Florian Weiß: Ob KI Fluch oder Segen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – sie ist beides, je nachdem, wie man sie nutzt. Wir betrachten das Thema aus zwei Perspektiven: Zum einen geht es darum, unsere Studierenden im späteren Umgang mit Kundinnen und Kunden für KI zu sensibilisieren und ihnen einen kritischen, aber auch nutzenorientierten Umgang zu vermitteln.
Zum anderen spielt KI auch im wissenschaftlichen Arbeiten eine Rolle. Hier ist es unsere Aufgabe, die Studierenden dafür zu sensibilisieren, wie sie KI sinnvoll und verantwortungsvoll beispielsweise bei Haus- und Abschlussarbeiten einsetzen können. Perspektivisch wird KI im Bildungsbereich sicher weiter an Bedeutung gewinnen.
BODYMEDIA: Inwiefern profitieren sowohl Studiobetreiber als auch Studierende von einer Zusammenarbeit mit der dba?
Florian Weiß: Ein großer Vorteil ist unser duales System im Bereich der Sportwissenschaft. Wir legen großen Wert auf eine enge Betreuung der Studierenden, was durch unsere Struktur gut möglich ist. Gleichzeitig fördern wir gezielt die Verzahnung von Theorie und Praxis: Studierende setzen konkrete Projekte in ihren Betrieben um, die sowohl für das Studium als auch für das Unternehmen einen echten Mehrwert bieten. So entsteht ein direkter Transfer, von dem beide Seiten profitieren.

Florian Weiß (r.) gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Fischer auf der FIBO (Bildquelle: © BODYMEDIA GmbH & Co. KG)
BODYMEDIA: Inwiefern profitieren Fitness- und Gesundheitsanlagen wirtschaftlich, die auf professionelle Aus- und Weiterbildung setzen? Welche Punkte gilt es hier hervorzuheben?
Florian Weiß: Aus- und Weiterbildung ist definitiv eine Investition – aber eine, die sich auszahlt. Zum einen ermöglicht qualifiziertes Personal beispielsweise neue Abrechnungsmöglichkeiten, etwa im Bereich Training oder Prävention. Zum anderen bringen Studierende frische Impulse in die Unternehmen. Sie entwickeln neue Dienstleistungen oder erschließen Geschäftsfelder, an die zuvor vielleicht gar nicht gedacht wurde – etwa im Bereich Pflegeprävention oder Betriebliches Gesundheitsmanagement. Dadurch können Studios ihr Portfolio gezielt erweitern.
BODYMEDIA: Wie können Studios Weiterbildung gezielt als Recruiting-Tool einsetzen?
Florian Weiß: Weiterbildung ist ein sehr starkes Argument im Recruiting. Unsere Erfahrung zeigt, dass für viele Studierende zwei Dinge besonders wichtig sind: Selbstverwirklichung und persönliche Weiterentwicklung. Wer als Arbeitgeber attraktive Aus- und Weiterbildungsangebote schafft, bietet genau diese Perspektiven. Das macht den Arbeitsplatz gerade für die junge Generation deutlich interessanter.
BODYMEDIA: Was erwarten junge Menschen heute von Ausbildungen in der Fitnessbranche? Welche konkreten Tipps könnt ihr Clubbetreibern geben?
Florian Weiß: Junge Menschen legen großen Wert auf Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und die Chance, sich auszuprobieren. Sie möchten Verantwortung übernehmen, an Projekten arbeiten und auch Fehler machen dürfen, um daraus zu lernen. Interessanterweise steht die Vergütung dabei oft nicht an erster Stelle. Entscheidend ist vielmehr eine positive Lern- und Fehlerkultur. Studios, die diese Rahmenbedingungen schaffen, werden langfristig motivierte und engagierte Mitarbeitende gewinnen.
Nachwuchs fördern und profitieren: Experten im Interview
BODYMEDIA: Ist die Fitnessbranche beim Thema Bildung, auch im Vergleich mit anderen Branchen, noch zu unterprofessionell? Wenn ihr euch etwas wünschen könntet, um die Situation zu verbessern, was wäre das?
Florian Weiß: Ich denke, die Branche hat sich in den letzten Jahren bereits deutlich weiterentwickelt. Zahlen zeigen, dass immer mehr Fachkräfte über höhere Qualifikationen verfügen, etwa auf Bachelor-Niveau oder im dualen Studium. Wir bewegen uns also in die richtige Richtung. Verbesserungspotenzial sehe ich vor allem bei der Vergütung, insbesondere im dualen Studium. Viele Studierende werden noch nicht angemessen bezahlt, obwohl sie über mehrere Jahre hinweg wertvolle Arbeit leisten und sich zu qualifizierten Fachkräften entwickeln, die das Unternehmen langfristig prägen können. Hier wäre mehr Wertschätzung in Form fairer Bezahlung ein wichtiger Schritt.
BODYMEDIA: Vielen Dank für das Gespräch.
Bildquelle: © BODYMEDIA GmbH & Co. KG