Physiotherapeuten agieren in einem Markt, der nach wie vor stark reglementiert bleibt. Seit 2017 hat der Gesetzgeber die Vergütung für Leistungen wie Krankengymnastik und Lymphdrainage deutlich angehoben. Das hat zwar in vielen Praxen zu Umsatzsprüngen geführt, allerdings bei kleinen relativen Margen, die insbesondere durch steigende Kosten für Miete und insbesondere für Personal geschmälert wurden. Hauptsächlich kleinere Praxen stehen dadurch nach wie vor unter finanziellem Druck.
Dreifache demografische Herausforderung
Der jüngste Branchenreport der Sparkassen-Finanzgruppe fasst die Lage pointiert zusammen: Auf die Physiotherapie wirken drei demografische Kräfte gleichzeitig. Erstens: Die Patienten werden älter und benötigen zunehmend Therapie – bei 80–84‑Jährigen werden bereits 916 Verordnungen pro 1.000 Versicherte registriert. Zweitens: Die Belegschaft altert – der Anteil über 60‑Jähriger hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt, viele stehen kurz vor dem Renteneintritt. Drittens: Der Nachwuchs fehlt – die Zahl der unter 30‑Jährigen in Vollzeit sank von 27.000 (2012) auf 21.000 (2020). Parallel dazu geben 57 % der Praxen offene Stellen an, im Schnitt 1,3 unbesetzte Stellen pro Praxis.
Ausblick auf die nächsten Jahre
Die Branche ist fragmentiert; mehr Investorenpraxen und Kettenbildung sind in Zukunft zu erwarten, da Markteintrittsbarrieren und Gründungsrisiken vergleichsweise gering sind. Gleichzeitig zeichnen sich neue Versorgungswege ab: Videotherapie, die im Alltag ergänzend eingesetzt werden kann, die Einführung der Blankoverordnung im Herbst 2024 (zunächst für ein Diagnosegebiet) sowie Modellvorhaben zum Direct Access können Autonomie und Eigenverantwortung der Therapeuten stärken. Zudem empfehlen die Autoren des Branchenreports notwendige Reformen der Berufsgesetze, um wissenschaftliche Grundlagen zu stärken und das Berufsbild europäisch anzugleichen.
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Textquelle: Branchenreport 2025 Physiotherapie, Massagen der Sparkassen Finanzgruppe