SHV übt scharfe Kritik an geplanten Einschnitten im Heilmittelbereich

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Das Bundesgesundheitsministerium hat am 16. April 2026 den Referentenentwurf zur Stabilisierung der GKV-Finanzen vorgelegt. Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) warnt eindringlich vor den geplanten Maßnahmen. Sie drohen die Therapiepraxen in eine Zeit extremer Unterfinanzierung zurückzuwerfen und den Fachkräftemangel drastisch zu verschärfen.

Der SHV erkennt zwar den Handlungsbedarf bei den GKV-Finanzen an, kritisiert den aktuellen Gesetzentwurf jedoch scharf. Die geplanten Einschnitte ignorieren nach Ansicht des Verbandes die reale Situation der Branche vollkommen und machen die politisch gewollten Fortschritte der letzten Jahre zunichte. Dabei werden zwei geplante Maßnahmen herausgestellt, die Praxen konkret bedrohen

  • Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung: Die Vergütungen sollen künftig nur noch maximal so stark steigen wie die GKV-Einnahmen – für 2027 bis 2029 soll diese Grenze sogar noch um ein Prozent abgesenkt werden. Der SHV warnt vor einem Rückfall in die katastrophale Unterfinanzierung vor 2017. Dies würde unweigerlich zu massiven Reallohnverlusten bei Praxisinhabern und den über 300.000 Angestellten führen.
  • Abschaffung der Mehraufwandspauschale bei der Blankoverordnung: Die erweiterte Versorgungsverantwortung bringt für Therapeuten nachweislich mehr Aufwand in Diagnostik, Koordination und Dokumentation mit sich. Fällt die Pauschale weg, bleibt diese Arbeitszeit unbezahlt. Zudem greife der Gesetzgeber damit unzulässig der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluation der Blankoverordnung (geplant für 2028) vor.

Fehleinschätzung der Politik führt zu langfristigen Mehrkosten 

Der Entwurf basiert auf der Annahme der „FinanzKommission Gesundheit“, dass im Heilmittelbereich gespart werden könne, ohne die Versorgung zu gefährden, da die Vergütungen zuletzt stark gestiegen seien. Der SHV stellt klar: Diese Steigerungen (etwa durch das TSVG) waren zwingend notwendige Nachholeffekte, um nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung die Berufe überhaupt wieder attraktiv zu machen und Praxisinsolvenzen zu stoppen.

Der Verband warnt vor einem fatalen Bumerang-Effekt: Wer den Heilmittelbereich kaputtspart, verschärft den Fachkräftemangel und senkt die Behandlungskapazitäten. Da gezielte Therapien jedoch nachweislich teure Operationen oder stationäre Aufenthalte verhindern, werden die jetzt angedachten kurzfristigen Einsparungen das Gesundheitssystem langfristig extrem viel Geld kosten.

SHV fordert Finanzierung durch Steuermittel

Statt einseitiger Kürzungen bei den Leistungserbringern müssen endlich versicherungsfremde Leistungen durch den Bund (Steuermittel) statt durch die GKV-Beitragszahler finanziert werden, um das System nachhaltig zu entlasten.

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