Das Wichtigste in Kürze
- Fachkräftemangel als Chance statt Problem: Wer frühzeitig antizipiert statt nur zu reagieren, verschafft sich echte Wachstums- und Wettbewerbsvorteile.
- Klare Positionierung zieht die richtigen Menschen an: Eine bewusst scharfe Ausrichtung filtert automatisch – sie zieht passende Patienten und Mitarbeiter an und wirkt auf alle anderen bewusst weniger attraktiv.
- Ganzheitliches Konzept statt Einzelmaßnahmen: Arbeitgeberattraktivität entsteht nicht durch kurzfristige Aktionen, sondern durch ein durchdachtes Zusammenspiel aus Firmenkonzept, Markenbildung und Personalmanagement.
- Netzwerkarbeit als langfristige Investition: Praktikanten und duale Studierende werden gezielt zu festen Mitarbeiter entwickelt, unterstützt durch einen eigenen Recruitment Manager. So entsteht ein nachhaltiger Talentpool statt ständiger Kurzfrist-Suche.
Das Thema Personalfindung kann schnell zu einem Dilemma werden, denn aus wirtschaftlicher Perspektive wird Wachstum ohne die richtigen Mitarbeiter schnell zur Herausforderung. Zum anderen aber auch aus menschlicher Sicht, denn mit unseren Kollegen verbringen wir häufig mehr Zeit als mit unserer eigenen Familie. Umso wichtiger ist es, Menschen im Unternehmen zu haben, die fachlich, menschlich und kulturell wirklich zum Team und Unternehmen passen.
In der Not frisst der Teufel fliegen
Auch wir bei MYOKRAFT standen in den ersten Jahren nach der Gründung vor erheblichen Herausforderungen. Mitarbeiterengpässe, Ausfälle, Konflikte und Fluktuation gehörten teilweise zum wöchentlichen Alltag. Eine Aussage meines Vaters hat sich in dieser Zeit besonders eingebrannt: Er sagte mir häufiger: „Nick, beggars can't be choosers." Übersetzt: Wer in der Not ist, kann nicht wählerisch sein.
Die Botschaft dahinter war eindeutig: Hauptsache, offene Stellen werden besetzt – damit der Betrieb weiterläuft, man selbst nicht dauerhaft einspringen muss und der Umsatz gesichert bleibt.
Kurzfristig konnten wir dadurch einige Probleme lösen. Mittel- und langfristig haben wir uns damit allerdings neue geschaffen. Wir haben Menschen eingestellt, die fachlich vielleicht geeignet waren, jedoch nicht wirklich zu uns, unserer Unternehmenskultur und unserem Konzept passten. Die Konsequenzen waren absehbar: unnötige Konflikte, Unruhe innerhalb des Teams und Zusammenarbeiten, die langfristig nicht funktionieren konnten. Häufig endeten diese Konstellationen nach kurzer Zeit wieder – begleitet von Frustration auf beiden Seiten.
Den Fachkräftemangel aktiv angehen
Gerade in meinen ersten Jahren als Unternehmer haben mich solche Situationen enorm beschäftigt. Ich habe viele dieser Themen gedanklich mit nach Hause genommen und dadurch nicht selten schlecht geschlafen. Gleichzeitig entstand daraus ein starker Wunsch: Solche Situationen nicht nur zu lösen, sondern ihnen im Optimalfall komplett vorzubeugen. Deshalb haben wir uns in den darauffolgenden Jahren intensiv mit den Themen Personalmanagement und Arbeitgeberattraktivität beschäftigt. Nicht als kurzfristige Maßnahme, sondern als strategische Aufgabe.
Rückblickend bin ich dankbar für diese Erfahrungen. Und unternehmerisch betrachtet bin ich, offen gesagt, froh, dass es den Fachkräftemangel gibt. Nicht, weil die Situation an sich positiv ist, sondern weil sie Unternehmen dazu zwingt, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die häufig viel zu lange ignoriert werden.

Durch bewusste Positionierung werden Menschen – Mitarbeiter wie Patienten – angezogen, die zu den Werten und der Arbeitsweise des Unternehmens passen (© MYOKRAFT)
Den Fachkräftemangel selbst können wir nur begrenzt beeinflussen. Was sich jedoch sehr wohl beeinflussen lässt, ist die eigene Reaktion darauf. Genau hier sehe ich einen großen, oft unterschätzten Hebel: Antizipation statt Reaktion – ein Ansatz, der in unserer Branche meiner Wahrnehmung nach noch längst nicht der Standard ist. Viele Unternehmen befinden sich in einem permanenten Hamsterrad: Personal fehlt oder performt nicht wie gewünscht – also wird kurzfristig gesucht; jemand kündigt – also wird hektisch reagiert. Wirklich strategische Arbeit an Führung, Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität findet häufig kaum statt.
Als Arbeitgeber attraktiv werden
Genau darin liegt aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied: Nicht der Fachkräftemangel selbst schafft Vorteile, sondern die Fähigkeit, frühzeitig zu antizipieren und strategisch statt reaktiv zu handeln. Wer sich ernsthaft und kontinuierlich mit diesen Themen auseinandersetzt, schafft weit mehr als nur ein angenehmes Arbeitsumfeld. Genau dieser strategische und vorausschauende Ansatz hat bei MYOKRAFT in den vergangenen Jahren spürbare Veränderungen bewirkt. Durch frühzeitiges Handeln und den gezielten, kontinuierlichen Aufbau unserer Arbeitgeberattraktivität konnten wir insbesondere drei zentrale Vorteile beobachten:
- Wachstums- und Wettbewerbsvorteile, da Personal längst keinen limitierenden Wachstumsfaktor mehr darstellt.
- Mehr Ruhe im Team, wodurch Konflikte deutlich reduziert werden. Wenn weniger „Brände gelöscht" werden müssen, entstehen nicht nur mentale Entlastung, sondern auch zeitliche Freiräume für Weiterentwicklung und strategisches Arbeiten.
- Personelle Überkapazitäten, wodurch Umsatzverluste durch Urlaub, Krankheit oder Ausfälle deutlich minimiert werden. Aufgaben und Verantwortlichkeiten liegen nicht mehr ausschließlich beim Unternehmer und/oder bei einzelnen Führungskräften, sondern werden im Team getragen und gelebt. Dadurch sichern wir nicht nur Umsatz ab, sondern schaffen gleichzeitig zusätzliche Arbeitgeberattraktivität und Bindung sowie eine Grundlage für beschleunigtes Wachstum und nachhaltige Entwicklung
Darüber hinaus gibt es – insbesondere in der Therapiebranche – aus meiner Sicht einen weiteren Effekt, der im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Punkten tatsächlich unmittelbar mit dem Fachkräftemangel selbst in Verbindung steht und häufig massiv unterschätzt wird: Die Nachfrage auf Patientenseite ist aktuell deutlich höher als das Angebot.
Konkret bedeutet das für uns, dass das Unternehmenswachstum planbarer wird, vorausgesetzt, wir schaffen es, durch frühzeitige Antizipation und eine gezielte Steigerung unserer Arbeitgeberattraktivität ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden und langfristig an unser Unternehmen zu binden. Und wir haben die Möglichkeit, einen klaren Filter zu setzen. Bei MYOKRAFT verfolgen wir eine bewusst klare Positionierung. Dadurch ziehen wir Menschen an – sowohl Patienten als auch Mitarbeiter – die zu unseren Werten und unserer Arbeitsweise passen.
Gleichzeitig wirken wir bewusst weniger attraktiv auf Menschen, die nicht zu uns passen. Und genau das ist gewollt. Hierzu ein Beispiel: Kommt jemand in die Physiotherapie mit der Erwartung, langfristig ausschließlich passive Wellnessbehandlungen auf Rezept zu erhalten, ist er bei uns vermutlich nicht an der richtigen Adresse.
Man bekommt die Mitarbeiter, die man verdient
Durch unsere klare Positionierung sowie die konsequente Umsetzung unseres Konzepts ziehen wir gezielt Patienten und Mitarbeiter an, die bereits eine intrinsische Motivation für unsere Arbeitsweise mitbringen und dadurch häufig mehr Freude im Arbeitsalltag sowie eine höhere Arbeitgeberattraktivität ermöglichen. Außerdem entsteht ein zusätzlicher wirtschaftlicher Vorteil, indem wir eine langfristige Patientenbindung schaffen beziehungsweise besser in der Lage sind, aus Patienten Mitglieder zu generieren.
Jetzt, wo vermutlich deutlich geworden ist, warum ich den Fachkräftemangel als verstecktes Potenzial und strategischen Vorteil betrachte, stellt sich natürlich die Frage: Welche konkreten Maßnahmen haben wir eingeleitet, um frühzeitig zu antizipieren und dadurch eine maximale Arbeitgeberattraktivität zu schaffen?
Dabei ist mir eine Sache besonders wichtig: Arbeitgeberattraktivität entsteht aus meiner Sicht nicht durch einzelne Maßnahmen oder kurzfristige Aktionen. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines ganzheitlichen Konzepts, das aus verschiedenen Bausteinen besteht und kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Folgende Ansätze haben wir bei MYOKRAFT intensiv nachverfolgt.

Mit der Implementierung der MOYKRAFTBAR wurde ein Konzept erschaffen, das durch seine Einmaligkeit einen Mitarbeiterund Wettbewerbsvorteil generieren kann (© MYOKRAFT)
Wir haben ein Firmenkonzept sowie die dazu passende Fokussierung konzeptioneller Arbeit entwickelt und etabliert. Ein klares Konzept schlägt aus meiner Sicht immer einen Bauchladen. Die Kombination aus gezielter Verschmelzung von Therapie und Training bietet dabei einen enormen Hebel. Nachdem wir vor rund acht Monaten zusätzlich eine gesunde Gastronomie (die MYOKRAFTBAR) integriert haben, ist ein Gesamtkonzept entstanden, das es in dieser Form in Deutschland wahrscheinlich kein zweites Mal gibt. Allein dadurch konnten wir bereits einen enormen Mitarbeiter- und Wettbewerbsvorteil generieren.
Zudem haben wir unsere Marke etabliert und die Reichweite optimiert: Bereits bei der Gründung unseres Unternehmens war uns wichtig, dass unser Name beziehungsweise unsere Marke für etwas steht und eine klare Botschaft vermittelt. Ein potenzieller Interessent sowie Mitarbeiter soll möglichst früh verstehen, wofür wir stehen und was uns ausmacht. Vielleicht klingt das zunächst nach einem kleinen Detail – aus meiner Sicht trägt diese Detailorientierung jedoch maßgeblich zur Gesamtentwicklung eines Unternehmens bei.
Sie zieht sich durch sämtliche Bereiche: vom Design über die Ausstattung und die Auswahl passender Equipmentanbieter bis hin zum Onlineauftritt über Google, die Homepage, Social Media etc. Ein potenzieller Interessent sowie Mitarbeiter soll auf möglichst vielen Ebenen frühzeitig begeistert werden.
Parallel haben wir ein modernes Personalmanagementkonzept aufgebaut, das sich durch maximale Transparenz und klare Entwicklungsmöglichkeiten auszeichnet. Um Mitarbeiter langfristig an ein Unternehmen zu binden, muss man heutzutage klare Wachstumsperspektiven schaffen und neben der operativen Tätigkeit zusätzliche Aufgaben- und Verantwortungsbereiche definieren und anbieten. Hierfür haben wir in den vergangenen Jahren beispielsweise eine transparente Gehaltsstruktur mit sechs Entwicklungsstufen und messbaren Kernpunkten sowie eine Karriere-Roadmap entwickelt. Beide Elemente sind heute zentrale Bestandteile unseres Personalmanagementkonzepts.
Ohne aktive Netzwerkarbeit geht es nicht
In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche Praktikanten zu langfristigen und wertvollen Mitarbeiter entwickelt. Deswegen besitzt unser Netzwerk mit (Hoch-)Schulen und Ausbildungsstätten für uns eine besonders hohe Priorität. Im Rahmen unserer Karriere-Roadmap haben wir unter anderem einen Mitarbeiter als „Recruitment Manager" etabliert, der sich aktiv um den Aufbau und die Pflege unseres Netzwerks kümmert und gleichzeitig als Mentor unsere Praktikanten und duale Studenten intensiv begleitet.
Fachkräftemangel als Impuls
Letztendlich hat sich für mich eine Sache deutlich gezeigt: Der Fachkräftemangel ist nicht ausschließlich ein Problem, das gelöst werden muss. Richtig betrachtet kann er vielmehr ein Impuls sein, sich intensiver mit Führung, Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität auseinanderzusetzen. Vielleicht liegt die entscheidende Frage deshalb nicht darin, wie wir kurzfristig neue Mitarbeiter finden, sondern vielmehr darin, welche Strukturen, Konzepte und Rahmenbedingungen wir schaffen, damit die richtigen Menschen gefunden werden und langfristig bleiben möchten.
Bildquelle Header: © MYOKRAFT