Kurzinterview mit Niceas Bevers, Inhaber Praxis Bevers
BODYMEDIA: Welche Maßnahmen waren bei Ihnen in der Mitarbeiterbindung besonders erfolgreich?
Niceas Bevers: Einer unserer größten Benefits ist die hohe persönliche Flexibilität. Sie macht es dem Team leicht, Arbeit und Freizeit optimal zu koordinieren.
BODYMEDIA: Welche Rolle spielen Sie als Führungskraft?
Niceas Bevers: Ich behaupte, dass ein hoher Anteil der Mitarbeiterbindung durch meinen Führungsstil entsteht, sodass sich die Mitarbeitenden mit dem Unternehmen identifizieren.
BODYMEDIA: Was war die wichtigste Lektion, die Sie beim Thema Mitarbeiterbindung in den letzten zwei Jahren gelernt haben?
Niceas Bevers: Die wichtigste Lektion für mich war, dass Geld, Goodies, sowie Boni wichtig für die Wertschätzung sind, aber langfristig Kollegen nicht im Team halten werden.
BODYMEDIA: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Eigenschaft, die Praxisinhaber in Zukunft brauchen, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben?
Niceas Bevers: Praxisinhaber müssen lernen, mit den Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten. Das beinhaltet das gemeinsame Lernen im Unternehmen, um so gemeinschaftlich weiterzuwachsen.
BODYMEDIA: Halten Sie an Mitarbeitern fest, die schlechte Stimmung verbreiten, aus Angst vor Personalnot?
Niceas Bevers: Nein, jeder Mensch bekommt eine zweite, oder auch dritte Chance. Menschen können sich ändern und weiterentwickeln. Wir versuchen den Menschen diese Möglichkeit zu bieten. Wenn sich aber nichts ändert, muss leider so jemand unser Team verlassen. Das Arbeitsklima ist für uns alle ein hohes Gut, da wir einen Großteil unserer Zeit auf der Arbeit und mit den Kollegen verbringen.
Nachgefragt bei Hendrik Sanktjohanser, Praxisleitung Gesundheitszentrum Kerzmann
BODYMEDIA: Welche Maßnahmen waren bei Ihnen in der Mitarbeiterbindung besonders erfolgreich?
Hendrik Sanktjohanser: Die wirksamste Bindung entsteht bei uns über Wertschätzung – und die zeigt sich nicht in Tankgutscheinen, sondern darin, dass jeder Mitarbeiter seine Therapie in unserer komplett neuen Einrichtung so umsetzen darf, wie er sie am Patienten für richtig hält. Hinzu kommt ein monatliches Mitarbeitergespräch: eine Stunde Zeit, in der jede und jeder offen sagen kann, was gut läuft und was nicht. Das ist für uns ein enorm starkes Instrument, da wir hier erfahren, was bei den Mitarbeitern los ist.
Außerdem bieten wir eine betriebliche Altersvorsorge an sowie eine Zusatzkrankenversicherung, bei der unsere Mitarbeiter im Krankenhaus wie Privatpatienten behandelt werden.
BODYMEDIA: Welche Rolle spielen Sie als Führungskraft bei der Mitarbeiterbindung?
Hendrik Sanktjohanser: Bei uns gibt es klare Strukturen, aber keine spürbare Hierarchie. Natürlich bin ich der Chef – aber nicht der Typ, bei dem es heißt: ‚Oh, da kommt der Chef.‘ Ich komme in den Pausenraum, mache mal einen Spruch und kassiere auch einen zurück. Selbstverständlich immer mit Augenmaß und Respekt. Für mich heißt Führung vor allem: menschlich nahbar sein – und nicht die Chefrolle raushängen lassen. Wenn es einmal nötig ist, eine klare Ansage zu machen, mache ich das. Aber in der Regel halten wir uns davon weit fern.
BODYMEDIA: Was war die wichtigste Lektion, die Sie beim Thema Mitarbeiterbindung in den letzten zwei Jahren gelernt haben?
Hendrik Sanktjohanser: Die wichtigste Lektion: Es braucht eine klare Vision, klare Strukturen – und vor allem die konsequente Umsetzung. Ich erlebe es bei anderen Praxisinhabern immer wieder: Da heißt es „Wir wollen, wir wollen“, aber nach drei Monaten ist nichts passiert, nach sechs Monaten auch nicht. Es gibt nichts Schlimmeres, als Dinge anzukündigen und sie dann nicht zu liefern – ohne sich auch nur zu entschuldigen.
Wer Mitarbeitende dann allein über Geld halten will, wird scheitern. Geld ist für Therapeuten kein Antrieb. Was wirklich zählt, sind klare Linien, ein verlässliches Wort und ein menschlicher Umgang – freundlich, verständnisvoll und auf Augenhöhe.
BODYMEDIA: Halten Sie an Mitarbeitern fest, die schlechte Stimmung verbreiten, aus Angst vor Personalnot?
Hendrik Sanktjohanser: Wenn eine faule Pflaume im Team ist, dauert es keine 48 Stunden, bis sie weitere ansteckt. So einen Fall hatten wir kürzlich – die Stimmung war merklich gedrückt. Über die Mitarbeitergespräche kam schnell zutage, woher das kam. Am Ende hat dieser Mitarbeiter selbst gekündigt. Das Problem hat sich also von allein gelöst, ohne dass ich aktiv eingreifen musste. Weil ich ein sehr ehrliches und faires Team habe, war die Lage längst klar.
Bildquelle Header: © jovannig – stock.adobe.com

