BODYMEDIA: Holger, die Rehasportzentrale kündigt ihre Verträge zum Jahresende – teilweise sind die Kündigungen bereits ausgesprochen. Was bedeutet das für die betroffenen Anbieter?
Holger Lerch: Sie stehen vor einer Entscheidung. Die Aufgabe „Rehasport-Abrechnung“ muss neu organisiert werden – inklusive Liquidität und Wirtschaftlichkeit. Es geht darum, einen neuen Dienstleister zu finden, die Daten sauber zu überführen und, sofern nötig, strukturell etwas zu verbessern. Wer das früh anpackt, hat mehr Zeit, eine gute Entscheidung zu treffen. Wer wartet, entscheidet später in der Hektik, merkt eventuell erst im nächsten Jahr, ob es eine gute Entscheidung war, und verliert Geld.
BODYMEDIA: Was ist überhaupt die Aufgabe der Rehasportzentrale und wie kommt myYOLO ins Spiel?
Holger Lerch: Die Rehasportzentrale war über Jahre das Pendant zu myYOLO. Beide Anbieter haben Betreiber dabei unterstützt, Rehasport sauber abzurechnen. Die Rehasport-Anbieter holen bei einer Rehasport-Einheit die digitale Unterschrift ihrer Teilnehmer ein, und dann wird diese Anwesenheit in Abrechnungen gegenüber den Krankenkassen umgewandelt. Ohne einen solchen Dienstleister hat man niemanden, der Unterschriften zu Geld macht. Theoretisch kann man auch selbst an die Krankenkasse senden, das ist aber mit immensem Aufwand verbunden und teilweise mit Strafgebühren der Kassen für nicht-digitale Abrechnungen belegt.
BODYMEDIA: Bislang ist der Aufschrei in der Branche überschaubar. Woran liegt das?
Holger Lerch: Rehasport ist ein starker Nischenmarkt. Zwar hatten wir allein bei myYOLO im März knapp eine Million Besuche an über 2500 Standorten – trotzdem ist das im Verhältnis zum Gesamtmarkt überschaubar. Viele Anbieter im Rehasport sind eher zurückhaltend, da viele Vereine und Gesundheitszentren den Rehasport eher als Add-on führen. Ich glaube, vielen ist es schlicht noch zu früh, in Aufruhr zu verfallen. Sie orientieren sich. Wichtig ist, das Thema sachlich anzugehen – und die erzwungene Veränderung als Chance zu begreifen, statt sie nur als Nachteil zu sehen.
BODYMEDIA: Was sollte ein betroffener Betreiber konkret tun?
Holger Lerch: Zuerst sollte er grundsätzlich entscheiden: Will er Rehasport, Funktionstraining, T‑Rena, RV‑Fit oder Kleingruppenangebote überhaupt langfristig weiterführen? Wenn ja, lohnt sich eine echte Neuausrichtung: Welche Software passt zu mir? Wie automatisiere ich repetitive Aufgaben? Welche Prozesse waren bislang ineffizient? Die Umstellung ist eine Chance, Strukturen zu verbessern, nicht nur zu ersetzen. Parallel passiert in der Physiotherapie ohnehin viel – Stichwort Verlagerung von Einzel- auf Gruppentherapie. Es kommt gerade vieles zusammen, und genau deshalb lohnt es sich, das Thema strategisch anzugehen.
Das vollständige Interview mit Holger Lerch
BODYMEDIA: Ab welcher Größenordnung lohnt sich Rehasport wirtschaftlich wirklich?
Holger Lerch: Schon ab rund zehn Kursen pro Woche sehen wir einen klaren Effekt: mehr Rezepte, mehr Impact auf die Therapie, höhere Erträge. Bei 30 bis 50 Kursen wird Rehasport zum echten Geschäft. Einige unserer neuen Partner haben sogar 100 Kurse pro Woche – bei ihnen entstehen rund 90 Prozent der Mitgliedschaften aus dem Rehasport-Bereich. Wir verzeichnen seit zwei Jahren Wachstumsraten von über 30 Prozent beim Patientenzuwachs, vor allem an Standorten, die sich konsequent für ein Gesundheitssportangebot entscheiden.
BODYMEDIA: Wie aufwendig ist ein Softwarewechsel für den Betreiber?
Holger Lerch: Überschaubarer, als viele denken. Wir bei myYOLO z. B. können Stammdaten aus nahezu allen am Markt befindlichen Systemen einlesen und übernehmen – die Hauptarbeit liegt bei uns. Der Kunde sollte vorher einmal aufräumen: Karteileichen entfernen, abgelaufene Rezepte aussortieren. Dann ist die eigentliche Umstellung in ein bis zwei Tagen erledigt. Wir bringen rund 99,9 Prozent der Daten sauber rüber. Für die Entscheidung selbst sollte man zwei bis vier Wochen einplanen – Erstgespräch, Prüfung, in Ruhe abwägen. Das sollte alles gut überlegt sein.
BODYMEDIA: Was passiert, wenn Anbieter sich zu viel Zeit lassen?
Holger Lerch: Dann wird es kritisch. Digitale Unterschriften lassen sich nur mit dem Anbieter abrechnen, bei dem sie erbracht wurden – sie sind zertifiziert, TÜV-geprüft und an die Zulassung gebunden. Ab Januar gäbe es schlicht keine Lösung mehr für die digitale Signatur. Ich rate sogar dazu, schon im Herbst die erste Abrechnung über das neue System laufen zu lassen. So bleibt Zeit, Rückläufer der Krankenkassen – etwa wegen ausgelaufener Rezepte – sauber zu korrigieren, solange man noch auf beide Systeme zugreifen kann. Wer früh wechselt, schützt seinen Cashflow.
BODYMEDIA: Wer jetzt wechselt, will Sicherheit – und nicht in zwei Jahren erneut vor demselben Problem stehen.
Holger Lerch: Wir haben uns innerhalb der NOVENTI sehr klar zum Rehasport positioniert, auch der Vorstand hat das öffentlich bestätigt. Wir sind in diesem Markt sehr stark und wollen es bleiben. Rehasport hat bei uns einen eigenen, dauerhaften Stellenwert. Wer wechselt, soll wissen, wo er ankommt.
BODYMEDIA: Was unterscheidet myYOLO und HeyRobin darüber hinaus von einer reinen Rehasport-Abrechnung?
Holger Lerch: Wir bilden bei myYOLO neben Rehasport auch Funktionstraining, T-RENA, und RV-Fit ab. Gerade T-Rena ist klassischerweise extrem papierlastig – wir digitalisieren den gesamten Prozess und übermitteln die Daten automatisiert an die Deutsche Rentenversicherung. Ein Kunde startet montags als Rehasport-Patient, ist mittwochs Präventionskunde und in der Folgewoche T-RENA-Teilnehmer – alles aus einer Anwendung heraus, synchronisiert mit gängigen Praxisverwaltungssystemen. Das spart enorm viel Arbeit. Über HeyRobin nutzen wir die Daten, die in diesem Prozess ohnehin entstehen, und automatisieren Reaktivierung, Folgerezepte oder Einladungen zu Veranstaltungen. Ich bin selbst Therapeut: Therapeuten sind hervorragende Berater, sie müssen nur gefragt werden. Genau dabei helfen wir.
BODYMEDIA: Gibt es noch etwas, das du den Lesern mit auf den Weg geben möchtest?
Holger Lerch: Zwei Dinge. Erstens: früh anfangen. Wer jetzt entscheidet, kann den Wechsel ruhig, sauber und mit maximalem wirtschaftlichen Vorteil gestalten. Zweitens: gut durchdacht entscheiden. Diese Umstellung ist keine reine Pflichtübung – sie ist die Chance, das eigene Rehasport-Angebot grundsätzlich neu und besser aufzustellen
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