Personal

Handlungsstrategien im Recruiting und Personalmanagement

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Der deutsche Fitness- und Gesundheitsmarkt verzeichnet einerseits Rekordwerte. Andererseits steht er, insbesondere auf der personellen Ebene, vor neuen Herausforderungen.

Dieser Artikel analysiert die Branche vor dem Hintergrund des großen Themas Recruiting und Personalmanagement und präsentiert dabei die empirischen Befunde aus dem aktuellen Fachbuch „Recruitingstrategien im Fitness- und Gesundheitsmarkt“ von Dr. Daniel Schwarzenberger. Weiter bringt Nikola Berger Licht in den Trend der „New Life Balance“. Darüber hinaus werden vier strategische Handlungssäulen vorgestellt, die deutlich machen, wie sowohl Personalgewinnung als auch Mitarbeiterbindung in Fitness- und Gesundheitsunternehmen zukunftssicher bleiben.

Makroökonomische Treiber und gesellschaftliche Megatrends

Die Lebenserwartung in den westlichen Industrienationen hat sich im vergangenen Jahrhundert nahezu verdoppelt. Diese demografische Entwicklung fordert Unternehmen sämtlicher Wirtschaftszweige dazu auf, Arbeits- und Organisationsstrukturen grundlegend neu zu betrachten. Parallel dazu prägen gesellschaftliche Megatrends wie Selbstoptimierung, New Work und Diversity unser modernes Arbeitsleben.

Die strategische Verzahnung von Personalentwicklung und Recruiting

Innerhalb des HR-Managements lassen sich strategische, taktische und operative Aufgaben differenzieren. Die zwei zentralen Säulen bilden hierbei die Personalentwicklung und das Recruiting (Personalbeschaffung). Diese Prozesse wirken synergetisch. So kann eine erfolgreiche Personalentwicklung z. B. durch aktive Weiterempfehlung des Bestandspersonals zu einer positiven Rekrutierung im Unternehmen führen.

Status quo: Akademisierung und duales Studium im Branchenfokus

Bei der Besetzung vakanter Positionen setzen deutsche Fitness- und Gesundheitsanlagen verstärkt auf die interne Nachwuchsförderung. Ein Blick auf die aktuellen Branchenkennzahlen für das Jahr 2025 verdeutlicht den hohen Stellenwert dieser Strategie:

  • Beschäftigungsvolumen: Zum Jahresende 2025 verzeichnete die deutsche Fitnesswirtschaft rund 167.100 Beschäftigte. Der Anteil an Mitarbeitenden mit einem akademischen Abschluss liegt mittlerweile bei über 25,5 %.
  • Duales Ausbildungssystem: Die Mehrheit der Betriebe nutzt akademische AAusbildungskonzepte In den fitness- und gesundheitsspezifischen dualen Studiengängen (u. a. Fitnessökonomie, Ernährungsberatung, Gesundheitsmanagement) sind branchenweit rund 25.000 Studierende immatrikuliert. Dies entspricht einem Anteil von 18,1 % aller dual Studierenden in Deutschland.

Diese Kennzahlen belegen die fortschreitende Professionalisierung und somit wachsende Akademisierungsquote innerhalb des gesamten deutschen Fitnesssektors.

Marktexpansion und der „War for Talents“

Das kollektive Präventions- und Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung führt zu einer kontinuierlichen Ausdifferenzierung des gewerblichen Leistungsspektrums. Die Relevanz des zweiten Gesundheitsmarktes spiegelt sich im historischen Höchststand der Nachfrage wider: Zum 31. Dezember 2025 trainierten 12,36 Millionen Menschen in den bundesweit 9.647 Fitness- und Gesundheitsanlagen. Dies entspricht einer signifikanten Steigerung des Marktvolumens.

Mit dieser Expansion verschärft sich jedoch der Kampf um qualifizierte Fachkräfte, dem „War for Talents“. Die qualitative Fachkraft wird zum primären Wirtschaftsfaktor. Um im Wettbewerb dauerhaft zu bestehen, muss die Personalbeschaffung professionalisiert und systematisiert werden. Daraus ergibt sich folgende zentrale Schlüsselfrage für die Praxis: „Welche strategischen Hebel müssen HR-Prozesse bedienen, um Talente langfristig zu binden?“

Empirische Befunde

Einen empirischen Lösungsansatz liefert das aktuelle Fachbuch „Recruitingstrategien im Fitness- und Gesundheitsmarkt“. Der Autor hat im Rahmen einer Datenerhebung das Bewerbungsverhalten und die Bedürfniswelt von 215 Probanden aus der Fitness- und Gesundheitsbranche analysiert. Die Ergebnisse legen qualitative Defizite sowie konkrete Anpassungsansätze offen. Im Folgenden ein Auszug der Auswertung:

  • Dominanz der Work-Life-Balance: Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für die Befragten das mit Abstand wichtigste Motiv bei der Arbeitsplatzwahl. Betriebe müssen flexible Arbeitszeitmodelle und gesundheitsfördernde Strukturen etablieren, um ihre Arbeitgeberattraktivität (Employer Branding) zu sichern.
  • Akuter Fachkräftemangel: Die Daten untermauern den branchenspezifischen HR-Engpass. 70 % der Probanden vermelden in ihren Unternehmen einen aktiven Personalbedarf; fast zwei Drittel der Befragten bestätigen einen spürbaren Fachkräftemangel in ihren Einrichtungen.
  • Defizite im HR-Prozess: Deutliche Optimierungspotenziale zeigen sich in den Clustern Arbeitgebermarke, Akquise, Selektion und Mitarbeiterbindung. Seitens der Arbeitnehmer werden verstärkt Empathie, Authentizität und eine transparente Kommunikation gefordert.

Die Auswertung verdeutlicht, dass isolierte Recruitingmaßnahmen fehlschlagen. Gefragt ist eine ganzheitliche, bedürfnisorientierte HR-Strategie.

Ein Lösungsansatz: New Life Balance

Recruiting-Expertin Nikola Berger wirbt mit dem Slogan: „Die Zukunft der Arbeitswelt beginnt beim Menschen.“ Die Unternehmerin beobachtet in Gesprächen zunehmend, dass Menschen heute stärker denn je hinterfragen, wie sie arbeiten möchten, welche Rolle dabei Gesundheit im Berufsalltag spielt, und analysiert, welche Werte ein Unternehmen vorrangig vertreten sollte. Dabei, sagt sie, entsteht ein neues Bewusstsein für Erfolg, Leistung und Lebensqualität: „New Life Balance“.

Frau erklärt einem Mann lächelnd etwas i deiner Gesprächssituation an einem Schreibtisch
Die qualitative Fachkraft wird zum primären Wirtschaftsfaktor. Um im Wettbewerb dauerhaft zu bestehen, muss die Personalbeschaffung professionalisiert und systematisiert werden (Bildquelle: © H_Ko – stock.adobe.com)

Dieses neue Denken betrifft nicht nur die junge Generation. Menschen aller Altersgruppen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Stärken in die Arbeitswelt ein. Während jüngere Mitarbeiter häufig nach Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten und Sinn suchen, legen ältere Generationen oft Wert auf Stabilität, Wertschätzung, Gesundheit und ein respektvolles Miteinander. Gleichzeitig verfügen sie über wertvolle Erfahrung, Fachwissen und eine hohe soziale Kompetenz.

Diese Vielfalt bietet Unternehmen, enorme Chancen. Die eigentliche Herausforderung, so die HR-Strategin, besteht deshalb nicht darin, Menschen zu finden, sondern darin, Arbeitswelten zu schaffen, in denen Menschen langfristig bleiben möchten. „New Life Balance“ beschreibt genau diesen Wandel.

Vier strategische Säulen für das Personalmanagement

Aus den empirischen Ergebnissen des Fachbuchs lassen sich vier Kernstrategien für das Management ableiten:

Säule 1: Employer Branding als kulturelles Fundament

Die Arbeitgebermarke darf kein reines Marketingkonstrukt nach außen sein, sondern muss die gelebte interne Unternehmenskultur widerspiegeln. Erst die authentische Definition und Einhaltung von Unternehmenswerten sichert eine hohe Anziehungskraft auf dem Bewerbermarkt.

Säule 2: Hybride Rekrutierungskanäle als Suchoptimum

Die Candidate Journey erfordert Omnichannel-Ansätze. Die intelligente Verknüpfung von analogen Netzwerken (z. B. Hochschulkooperationen) und digitalen Kanälen (z. B. Performance Social Recruiting) sichert maximale Reichweite bei aktiven und passiven Kandidaten.

Säule 3: (Künstlich-) Intelligentes Management als Prozessbeschleuniger

Die Geschwindigkeit im Auswahlprozess (Time to Hire) entscheidet über den Rekrutierungserfolg. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und automatisierten Bewerbermanagementsystemen (ATS) in administrativen Vorstufen setzt HR-Ressourcen für den essenziellen, persönlichen Austausch frei.

Säule 4: Authentizität und Empathie zur Mitarbeiterbindung

Empathie ist ein ökonomischer Erfolgsfaktor für die Retention-Quote. Die Fähigkeit der Führungskräfte, sich in die Motivationsstrukturen der Belegschaft hineinzuversetzen, stärkt die psychologische Resilienz des Mitarbeiterteams und senkt die Fluktuationskosten nachhaltig.

Fazit: Neuausrichtung des Personalmanagements

Es wird deutlich, dass isolierte HR-Maßnahmen im dynamischen Fitness- und Gesundheitsmarkt zu kurz greifen. Angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierungsdruck und den veränderten Ansprüchen der Generationen dürfen ökonomische Unternehmensziele und psychosoziale Mitarbeiterbedürfnisse miteinander in Einklang gebracht werden. 

Nur eine systematische, werteorientierte Neuausrichtung des Personalmanagements garantiert Betrieben im „War for Talents“ eine langfristige und einzigartige Arbeitgeberpositionierung (Unique Employment Proposition). Recruiting-Expertin Nikola Berger vertritt die Überzeugung, dass langfristiger Unternehmenserfolg dort entsteht, wo Menschen sich wertgeschätzt fühlen, ihr Potenzial entfalten können und in einem gesunden Umfeld arbeiten. Mit ihrem Lösungsansatz „New Life Balance“ setzt sie sich für ein neues Verständnis von Arbeit ein. Die Verbindung aus New Work, Gesundheit, Balance und echter Unternehmenskultur.

Textquellen: Bointner, K. (2013). Strategische Personalentwicklung in Einrichtungen der Altenbetreuung und -pflege als Erfolgsfaktor. In: Nöbauer, B. (Hrsg.).: Personalmanagement in der Altenbetreuung. Mitarbeiter*innen gewinnen und entwickeln. Linz: Wagner, S. 105–126. DSSV e. V. – Deutscher Sportstudio Verband e. V. (Hrsg.) (2025). Eckdaten 2025. Branchendaten der Fitness/Wellness/Racket-Anlagen in Deutschland. Zugriff am 15.04.2026 von: https:// www.dssv.de/eckdatenstudie-2025/ Mazzucco, B., Jung, H. H. & Kraft, P. (2017). Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Fitnessbranche in Deutschland. Munich Business School Working Paper, 2017-06. Zugriff am 23.5.2019 von: www.munich-business-school.de/fileadmin/MBS_Daten /Dateien / Working_Papers/MBS-WP-2017-06.pdf Rottmann, L. & Witte, D. (2019). Mitarbeiter (ein)binden und gewinnen. Nachhaltige Strukturen für Seniorenheime zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. Wiesbaden: Springer Verlag. Scholz, C. (2003). Spieler ohne Stammplatzgarantie. Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt. Wiley-VCH. Schwarzenberger, D. (2025). Recruitingstrategien im Fitness- und Gesundheitsmarkt. Von Work-Life-Balance bis Employer Branding – der Status quo aus Sicht der Fach-, Nachwuchs- und Führungskräfte. Berlin, Heidelberg: Springer Gabler Verlag. Zukunftsinstitut (2024). Die Megatrends. Zugriff am 10.04.2026 von: www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/megatrends
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Die Autoren

  • Dr. Daniel Schwarzenberger

    Bereits seit 2003 setzt sich Dr. Daniel Schwarzenberger sowohl in der Theorie als auch in der Praxis mit dem facettenreichen Bedeutungsfeld der Fitnessstudios auseinander. So konnte er beruflich neben einer langjährigen Leitungsposition auch zahlreiche Erfahrungen als Dozent und Berater im Sport- und Gesundheitsmanagement sammeln.

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  • Nikola Berger

    Nikola Berger ist CEO der exrex LLC, Speakerin, Trainerin, Visionärin und Impulsgeberin für eine moderne Arbeitswelt, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Mit ihrer Leidenschaft für Personalentwicklung, Gesundheit, mentale Stärke und nachhaltige Unternehmenskultur verbindet sie moderne Ansätze aus Recruiting, Mitarbeiterentwicklung und New Work zu einem ganzheitlichen Konzept. Ein weiterer Fokus liegt darauf, Unternehmen dabei zu unterstützen, starke Teams aufzubauen. In diesem Zusammenhang hat sie das Boostcamp ins Leben gerufen.

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