Kurzinterview mit Sebastian Münch, Geschäftsführer des Activum in Blumberg
BODYMEDIA: Welche konkreten Auswirkungen erwartest du für deine Praxis – und wo siehst du die größten Risiken?
Sebastian Münch: Durch unser hybrides Konzept mit Physiotherapie, Training und Präventionsangeboten sind wir glücklicherweise nicht ausschließlich von GKV-Einnahmen abhängig. Dennoch werden sinkende Erlöse die Möglichkeiten einschränken, Rücklagen zu bilden, in neue Standorte oder moderne Ausstattung zu investieren und Mitarbeiter finanziell stärker zu fördern. Das größte Risiko sehe ich darin, dass Innovationen und Weiterentwicklungen ausgebremst werden. Am Ende leidet darunter nicht nur die Praxis, sondern auch die Versorgungsqualität der Patienten.
BODYMEDIA: Was müsste die Politik jetzt tun, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen?
Sebastian Münch: Aus meiner Sicht sollte die Reform zurückgenommen werden. Gleichzeitig braucht es strukturelle Veränderungen: Physiotherapeuten sollten mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit erhalten – beispielsweise durch eine Ausweitung der Blankoverordnung. Wer die Therapie eigenverantwortlich steuern kann, arbeitet effizienter und oft auch wirtschaftlicher. Außerdem muss die Digitalisierung endlich konsequent umgesetzt und Bürokratie spürbar reduziert werden. Gleichzeitig sollte Physiotherapie gezielter verordnet werden. Es gibt durchaus Patienten, die dauerhaft behandelt werden, obwohl andere Maßnahmen sinnvoller wären. Eine stärkere therapeutische Steuerung könnte sowohl die Versorgungsqualität verbessern als auch Ressourcen im Gesundheitssystem einsparen.
BODYMEDIA: Was rätst du Praxisinhabern, die angesichts der aktuellen Lage unsicher sind – wie kann man sich als Praxis trotzdem zukunftssicher aufstellen?
Sebastian Münch: Ich würde niemandem empfehlen, sich langfristig ausschließlich auf GKV-Verordnungen zu verlassen. Entscheidend ist eine wirtschaftliche Diversifikation. Dazu gehören medizinische Trainingstherapie, Präventionskurse, Firmenkooperationen, Mitgliedschaftsmodelle und weitere Zusatzleistungen, die einen echten gesundheitlichen Mehrwert bieten und gleichzeitig nicht dauerhaft zusätzliches Personal binden. Wer mehrere stabile Einnahmequellen aufbaut, in die Qualifikation seiner Mitarbeiter investiert und klare Prozesse schafft, wird auch unter schwierigeren gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen erfolgreich bestehen können.
Nachgefragt bei Alois Grabmair, Geschäftsführer Physiozentrum Peiting
BODYMEDIA: Welche konkreten Auswirkungen erwartest du für deine Praxis – und wo siehst du die größten Risiken?
Alois Grabmair: Es wird zu mehr Diskussionen mit Patienten kommen, wo es um die Erhöhung der Zuzahlung und andere Anpassungen von Preisen geht. Dazu kommen noch die Erklärungen und Gespräche mit meinen Mitarbeitern bzgl. der Änderungen und deren Auswirkungen auf die Gehaltsentwicklungen.
BODYMEDIA: Manche sprechen schon von einem drohenden Praxissterben. Teilst du diese Einschätzung – oder hältst du das für übertrieben?
Alois Grabmair: Das glaube ich persönlich nicht, da es Möglichkeiten gibt, sich zukunftsorientiert und wirtschaftlich gut aufzustellen, ohne in eine „Minusspirale“ zu rutschen.
BODYMEDIA: Was müsste die Politik jetzt tun, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen?
Alois Grabmair: Es müssten Gespräche mit den Berufsverbänden und den Krankenkassen gemeinsam geführt werden um einen Weg zu finden der für alle Seiten passt. Anpassung der Gebührensätze und der Heilmittelvergütung müssen besprochen werden, wie es da weitergeht.
BODYMEDIA: Was rätst du Praxisinhabern, die angesichts der aktuellen Lage unsicher sind – wie kann man sich als Praxis trotzdem zukunftssicher aufstellen?
Alois Grabmair: Ich kann nur raten, auf neue, innovative Ansätze zu schauen. Wir haben mit elektrischen Geräten (milon, AIRIS, ...), die für KGG und TRENA genutzt werden und als monatliches Abo bezahlt werden können, und anderen Selbstzahler-Angeboten dafür gesorgt, dass die wirtschaftliche Last auf mehrere Säulen verteilt wurde. Zusatzangebote wie BIA-Analyse (seca) oder bildgebender Ultraschall bringen zusätzliche Stabilität in die Praxis.
Kurzinterview mit Stefan Polzer, CEO bei J+ JUST MORE group
BODYMEDIA: Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist beschlossen – was geht dir durch den Kopf, wenn du an die nächsten zwei bis drei Jahre denkst?
Stefan Polzer: Ganz ehrlich: Ich mache mir schon Gedanken. Die Kosten steigen überall, aber viele Praxen können das kaum noch auffangen. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen Therapie brauchen. Ich glaube, die nächsten Jahre werden zeigen, welche Praxen bereit sind, neue Wege zu gehen und sich weiterzuentwickeln.
BODYMEDIA: Welche konkreten Auswirkungen erwartest du für deine Praxis – und wo siehst du die größten Risiken?
Stefan Polzer: Die größte Herausforderung ist ganz klar die Wirtschaftlichkeit. Gute Mitarbeiter zu finden und zu halten wird immer schwieriger. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Patienten. Das größte Risiko ist, dass wir irgendwann mehr Zeit mit Bürokratie verbringen als mit den Menschen, die unsere Hilfe brauchen.
BODYMEDIA: Manche sprechen schon von einem drohenden Praxissterben. Teilst du diese Einschätzung – oder hältst du das für übertrieben?
Stefan Polzer: Ich glaube leider, dass viele Praxen in den nächsten Jahren aufgeben werden. Nicht, weil sie schlechte Arbeit machen, sondern weil die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden. Gute Therapie darf nicht daran scheitern, dass sie sich wirtschaftlich nicht mehr tragen lässt.
BODYMEDIA: Was müsste die Politik jetzt tun, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen?
Stefan Polzer: Die Politik muss endlich verstehen, dass Gesundheit Geld kostet. Wir brauchen weniger Bürokratie, faire Vergütungen und mehr Planungssicherheit. Therapeuten helfen jeden Tag dabei, Operationen zu vermeiden, Menschen wieder arbeitsfähig zu machen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Das sollte endlich auch so behandelt werden.
Kurzinterview mit Heiko Pfeifer, Geschäftsführer & Inhaber des ELIXIA Hamburg
BODYMEDIA: Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist beschlossen – was geht dir durch den Kopf, wenn du an die nächsten zwei bis drei Jahre denkst?
Heiko Pfeifer: Ich sehe die Entwicklung mit großer Sorge. Die Physiotherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems, gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Betriebskosten kontinuierlich. Wenn wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht mehr mit der Realität Schritt halten, geraten viele Praxen unter erheblichen Druck. Gleichzeitig glaube ich aber, dass Krisen auch Veränderungen beschleunigen. Die nächsten Jahre werden entscheiden, welche Praxen bereit sind, sich unternehmerisch weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen. Neben der fachlichen Kompetenz werden künftig Führung, Digitalisierung und eine klare Positionierung über den Erfolg entscheiden.
BODYMEDIA: Was müsste die Politik jetzt tun, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen?
Heiko Pfeifer: Die Politik muss endlich langfristige Planungssicherheit schaffen. Wir brauchen verlässliche und auskömmliche Vergütungsmodelle, weniger Bürokratie und eine stärkere Anerkennung der Physiotherapie als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Praxisinhaber stärker als Unternehmer wahrgenommen werden. Wir schaffen Arbeitsplätze, investieren in Qualität und sichern Versorgung. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen, anstatt sie auszubremsen.
BODYMEDIA: Was rätst du Praxisinhabern, die angesichts der aktuellen Lage unsicher sind – wie kann man sich als Praxis trotzdem zukunftssicher aufstellen?
Heiko Pfeifer: Mein Rat ist, nicht in die Opferrolle zu gehen. Die äußeren Rahmenbedingungen können wir nur begrenzt beeinflussen, unsere Entscheidungen aber schon. Wer seine Praxis heute erfolgreich führen möchte, braucht mehr als fachliche Kompetenz. Unternehmerisches Denken, Mitarbeiterführung, Digitalisierung, klare Prozesse und eine starke Arbeitgebermarke werden immer wichtiger. Die erfolgreichsten Praxen der Zukunft werden nicht zwangsläufig die größten sein, sondern diejenigen, die den größten Mehrwert für Patienten und Mitarbeitende schaffen. Mein Leitsatz lautet deshalb: Verantwortung übernehmen, Veränderungen aktiv gestalten und den Mut haben, neue Wege zu gehen. Genau darin liegt die Zukunft der Physiotherapie.
Nachgefragt bei Eva Wermelskirchen, Geschäftsführende Gesellschafterin von Physiosport Köln
BODYMEDIA: Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist beschlossen – was geht dir durch den Kopf, wenn du an die nächsten zwei bis drei Jahre denkst?
Eva Wermelskirchen: Ich sehe anspruchsvolle Jahre vor uns, aber keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Bei PhysioSport Köln betreuen wir an vier Standorten täglich viele Menschen, die auf eine hochwertige physiotherapeutische Versorgung angewiesen sind. Dieser Bedarf wird weiter wachsen. Unsere Aufgabe ist es, Qualität, moderne Therapie und wirtschaftliche Stabilität miteinander zu verbinden.
BODYMEDIA: Was müsste die Politik jetzt tun, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen?
Eva Wermelskirchen: Die Politik muss für Verlässlichkeit sorgen. Praxen brauchen Vergütungen, die die tatsächliche Kostenentwicklung berücksichtigen, weniger Bürokratie und langfristig planbare Rahmenbedingungen. Wer Verantwortung für Patienten, Mitarbeitende und Versorgung übernimmt, muss auch wirtschaftlich in der Lage sein, diese Verantwortung dauerhaft zu tragen.
BODYMEDIA: Was rätst du Praxisinhabern, die angesichts der aktuellen Lage unsicher sind – wie kann man sich als Praxis trotzdem zukunftssicher aufstellen?
Eva Wermelskirchen: Mein Rat ist, die eigenen Zahlen genau zu kennen, Prozesse ehrlich zu hinterfragen und konsequent in die Mitarbeitenden zu investieren. Bei PhysioSport Köln setzen wir auf gute Führung, fachliche Entwicklung, moderne Trainings- und Therapiekonzepte sowie eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und weiteren Partnern. Zukunftssicher ist eine Praxis dann, wenn sie wirtschaftlich professionell geführt wird und gleichzeitig ein attraktiver Ort für Patienten und Mitarbeitende bleibt.
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