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Physiotherapie Matthias Kranz: Behandlungsmethoden aus dem Leistungssport für alle

Bildquelle: © Matthias Kranz

Anspruch und Ziel von Matthias Kranz sind klar formuliert: Seine private Physiotherapiepraxis soll zu den modernsten Deutschlands gehören. Dafür stellt er den Behandlungserfolg seiner Patienten in den Mittelpunkt und schafft ein positives und produktives Arbeitsumfeld für seine Therapeuten – als bewusster Gegenentwurf zu einem Kassensystem, das den Beruf des Physiotherapeuten zunehmend unattraktiv macht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Praxisbetreiber Matthias Kranz entwickelte den Wunsch, Physiotherapeut zu werden, in seiner Zeit als Handball-Nachwuchstalent
  • Er gründete seine private Physiotherapiepraxis, um Erfahrung zu sammeln, sodass er dann als Physiotherapeut im Leistungssport arbeiten kann
  • Der Patient steht im Mittelpunkt der Behandlung, daher erhält jeder Patient ein 45-minütiges Erstgespräch mit 3D-Körper- und Haltungsanalyse
  • Matthias Kranz legt besonderen Wert auf die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter und führt dazu regelmäßige Zielgespräche mit ihnen
  • Neben Trainingstherapie kommen in der Praxis auch passive Anwendungen wie Mikrostrom, IHHT und Radiofrequenztherapie zum Einsatz

In den meisten Physiotherapiepraxen Deutschlands ist das Erste, was man von einer Praxis sieht, meist die Empfangstheke. Daher wird nicht wenig Arbeit hineingesteckt, um diese möglichst schön und ansprechend zu gestalten. Aber auch, wenn man hochwertiges Holz, Beton oder gemütliches Licht verwendet, ist es immer noch eine Empfangstheke. Und nicht selten geht es hier auch mal schnell hektisch zu. So wichtig sie für den organisierten Ablauf in der Praxis auch ist, verhindert sie häufig ein entspanntes Ankommen in der Praxis

Da wirkt es auf den ersten Blick fast schon befremdlich, dass es in der Physiopraxis von Matthias Kranz keine Empfangstheke gibt. Hier finden die Patienten als Allererstes eine entspannte Sofaecke, auf der sie sich niederlassen können. Wer mag, bereitet sich einen Kaffee oder ein anderes Getränk zu, bevor er dann vom Therapeuten zur Therapie abgeholt wird.


Matthias Kranz hat den Anspruch, Physiotherapie neu zu denken, und setzt das in seinen beiden Praxen in Minden konsequent um (Bildquelle: © Matthias Kranz)

Die fehlende Empfangstheke ist das erste Indiz, an dem die Patienten spüren, dass in dieser Praxis einiges anders ist. Und so viel kann vorab schon verraten werden: ist es auch. Denn Matthias Kranz hat keinen geringeren Anspruch, als eine der modernsten Physiopraxen Deutschlands zu führen. Schauen wir uns einmal im Detail an, wie Physiotherapie hier gedacht und gelebt wird. Und da die Praxis den Namen des Gründers trägt, kann sie nicht ohne die Geschichte von Matthias Kranz erzählt werden.

Begeistert vom Profisport 

Wie so viele seiner Physiotherapiekollegen sammelte Matthias Kranz die ersten Erfahrungen mit Physiotherapie als Patient im Leistungssport. Für ihn als jungen Handballspieler war der Weg in den Profisport eigentlich bereits geebnet. Mit 14 kam er ins Handballinternat zum VfL Gummersbach, mit 15 wechselte er dann an seine heutige Wirkungsstätte nach Minden, bevor eine Verletzung seine Karriereplanung veränderte. Dadurch kam er dann zum ersten Mal mit dem Beruf des Physiotherapeuten in Kontakt. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick – sein Bild von Physiotherapie wurde durch die Arbeit im Leistungssport nachhaltig geprägt und er entwickelte direkt eine Leidenschaft für den Beruf. 

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Nach dem Beginn seiner Ausbildung stellte er allerdings schnell fest, dass die Arbeitsrealität in der Physiotherapie ganz anders ist, als er sie persönlich als Patient erlebt hatte. Trotzdem hielt er an diesem Traum fest, auch wenn er sich erst einmal für ihn nicht erfüllen sollte. Denn für die Arbeit im Leistungssport wird ein großer Erfahrungsschatz vorausgesetzt, der ihm als frischem Absolventen natürlich noch fehlte. Da er aber trotzdem nicht im klassischen Physiosystem arbeiten wollte, machte er sich direkt 2018 selbstständig und eröffnete eine Privatpraxis mit ca. 80 m², die nicht nur bis heute besteht, sondern in der er auch seinen Ansatz, Behandlungen aus dem Leistungssport für alle zugänglich zu machen, direkt umsetzte. 


Für Matthias Kranz galt von Anfang an eine klare Prämisse: Der Patient steht im Mittelpunkt der Therapie (Bildquelle: © Matthias Kranz)

Schon damals war die Behandlungsmaxime klar: Der Patient steht im Vordergrund der Behandlung. Deswegen entschied sich Matthias Kranz auch für das Geschäftsmodell einer Privatpraxis – so ist er nicht von Kassenleistungen abhängig und kann stärker ursachenspezifisch an den Problemen des Patienten arbeiten. Dafür versucht er, das vollständige Spektrum der physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Neben manueller Therapie setzt er auf Training, aber auch passive Behandlungsformen wie IHHT, Magnetfeldtherapie, Radiofrequenztherapie und Stoßwellentherapie kommen zum Einsatz. Da die Praxis in den Räumen eines Fitnessstudios eingemietet ist, konnte Matthias Kranz mit seinen Patienten deren Trainingsfläche für die Trainingstherapie nutzen.

Die Patientennachfrage stieg schnell an 

Die Erfolge, die er bei seinen Patienten erzielte, sprachen sich schnell herum, und so stieg die Nachfrage recht schnell an. Nun stand er vor der Entscheidung, wie er mit dieser Nachfrage umgehen sollte. Da seine Praxisleistungen nach wie vor für alle Menschen  bezahlbar bleiben sollten, entschied er sich dagegen, seine Preise anzupassen und so seine Leistungen nur noch für wohlsituiertere Patienten anzubieten, sondern stellte mit Rebekka Horn seine erste Therapeutin an. 

Die Nachfrage auf Patientenseite stieg weiter an, sodass Matthias Kranz dann fast keine andere Wahl mehr blieb, als einen zweiten Standort zu eröffnen. Dieser befindet sich ebenfalls in Minden und ist mit 250 m² mehr als dreimal so groß wie der erste Standort. Dadurch wurde weiteres Wachstum möglich und mittlerweile arbeiten acht Therapeuten an beiden Standorten und betreuen einen Patientenstamm, dessen Patientenquote zu 74 % aus Selbstzahlern besteht. Trotz des Wachstums ist die Philosophie der Praxis gleich geblieben: Der Patient steht komplett im Mittelpunkt der Behandlung. 


Kommt ein potenzieller Patient in die Praxis, findet erst einmal ein 45-minütiges Anamnesegespräch mit einem Therapeuten statt (Bildquelle: © Matthias Kranz)

Das zeigt sich nicht nur im Mindset der Therapeuten, sondern auch im Ablauf der Patientenreise. Kommt ein potenzieller Patient in die Praxis, findet erst einmal ein 45-minütiges Anamnesegespräch mit einem Therapeuten statt – unabhängig davon, ob diese Person später Patient wird oder nicht. Dazu gehören neben umfangreichen Untersuchungen und Abfragen zum aktuellen Befinden auch eine 3D-SCANECA-Körperanalyse. Auf Grundlage dieser Informationen erstellt der Therapeut einen Behandlungsplan, den er dem Patienten vorstellt. 

Bis zu diesem Zeitpunkt wissen die wenigsten Patienten, dass es sich um eine Privatpraxis handelt. Das wird nirgendwo kommuniziert, um Patienten eine Chance zu geben, zu erfahren, wie eine optimale Behandlung für sie persönlich aussehen könnte. Im Zuge des Behandlungsplans erfahren sie dann auch den Preis, den sie für ihre Behandlung bezahlen. An diesem Punkt wurde durch die Therapeuten bereits so viel Vertrauen aufgebaut und Kompetenz vermittelt, dass die Abschlussquote sehr hoch ist.

Das liegt wahrscheinlich an der Kombination von Kompetenz und fairem Preismodell. Für 45 Minuten Behandlung bezahlt ein Patient 65 €. Inbegriffen ist hier, dass bei jedem indizierten Patienten zusätzlich mit der Radiofrequenztherapie gearbeitet wird – aus Überzeugung. Sind weitere passive Maßnahmen Bestandteil der Behandlung, werden diese extra berechnet.

Das Design der Praxisräume 

Kehren wir noch einmal zum gemütlichen Eingangsbereich zurück. Wer sich hier einmal niedergelassen hat, spürt direkt eine Entschleunigung des Alltags. Anders als in vielen Praxen geht es hier nicht hektisch zu, was der Atmosphäre sehr gut tut. Neben dem sanften Zischen der Kaffeemaschine und den weichen Klängen der Musik unterbricht nichts die freudige Erwartung des Patienten auf seine Therapie. Schaut man sich den kleinen Tisch vor der Sofaecke einmal genauer an, zeigt sich ein witziges kleines Detail – die Tischplatte wurde aus altem Turnhallenboden gefertigt. Eine kleine Hommage an die Handballvergangenheit von Matthias Kranz. 

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Im Therapieraum angekommen, erwartet den Patienten ein großzügiger Behandlungsraum. Alle Räume sind gleich ausgestattet, mit einer Behandlungsliege, einer Radiofrequenztherapie, eine Stoßwellentherapie und einem sehr schicken Holztisch. Sie wirken eher wie schicke Büros mit Behandlungsliege als wie klassische Therapieräume.

In jedem Raum mit dabei: Trikots von unterschiedlichen Mannschaften und Profis, die von Matthias Kranz betreut wurden. Prominenteste Vertreterin ist sicherlich die erfolgreiche Handballspielerin Lucie-Marie Kretzschmar, Tochter von Handballlegende Stefan Kretzschmar, die sowohl im Hallen- als auch im Beachhandball international erfolgreich ist.

Die Rolle der Therapeuten 

Fragt man Praxisinhaber nach ihrem wichtigsten Gut, werden die meisten ihre Therapeuten nennen. Damit haben sie sicherlich recht – häufig behandeln sie diese aber nicht so, als wären sie das Wichtigste. Bei Matthias Kranz ist das etwas anders. Auch wenn er sich nicht als typischen Chef für seine Mitarbeiter sieht, sondern mehr als Kollege, positioniert er sie strategisch und operativ so, dass sie ihre Arbeit optimal umsetzen und ihre persönlichen Ziele umsetzen können.

Neben guten Rahmenbedingungen, in denen sie sich entfalten können, bedeutet das vor allem, die Wünsche der Therapeuten nicht nur zu respektieren, sondern sie auch zu begleiten. Dazu führt er mit ihnen Quartalsgespräche, deren Inhalt auch die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele der Therapeuten sind und wie sie sich in die Entwicklung der Praxis einfügen. So schafft er es, die intrinsische Motivation seiner Therapeuten zu stärken, statt sie durch externe Reize zu motivieren. 


In der Praxis wird das volle Behandlungsspektrum eingesetzt, um ursachenspezifisch zu behandeln, wie z. B. das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) (Bildquelle: © Matthias Kranz)

Und auch hier findet sich wieder ein kleines Detail, das man wahrscheinlich in kaum einer anderen Praxis findet: Visitenkarten der Therapeuten – mit Foto und Handynummer. So werden die Therapeuten in ihrer Rolle gestärkt und bleiben für die Patienten ansprechbar. Um sie weiterzuqualifizieren, stellt Matthias Kranz ihnen einen unbegrenzten Pool an Fortbildungstagen zur Verfügung und übernimmt die Kosten für jede Fortbildung. So stellt er nicht nur sicher, dass die Therapeuten sich weiterentwickeln, sondern sichert auch eine hohe Qualität an der Behandlungsliege für die Patienten.

Wer Patienten wie Leistungssportler behandelt, braucht auch einen Trainingsbereich auf diesem Niveau. Matthias Kranz setzt dabei bewusst auf unterschiedliche Anbieter – immer dort, wo sie die jeweiligen Anforderungen am besten erfüllen. Die Technogym-Beinpresse kombiniert klassisches Krafttraining mit der Möglichkeit, Krafttests durchzuführen und die Symmetrie zwischen beiden Beinen objektiv zu erfassen. Apropos Beine: Auch ein AlterG-Antischwerkraftlaufband und ein Lamellenlaufband von Woodway haben ihren festen Platz in der Praxis. Hinzu kommt eine multifunktionale Hyperextensionsmaschine, die sich im Handumdrehen in einen GHD oder eine Bauchmaschine verwandeln lässt. 

Die Racks wurden speziell von einem Schreiner mit Holz verkleidet und verleihen dem Trainingsbereich eine warme, fast wohnliche Atmosphäre. Kleinequipment und Gewichte stammen von Hold Strong. Ein SKILLCOURT rundet die Möglichkeiten des Trainingsbereichs durch Testung und Training ab. Auch wenn die Fläche überschaubar wirkt, so kann hier durchaus in Kleingruppen trainiert werden – allerdings nur unter Aufsicht eines Therapeuten. Die Patienten können nur im Rahmen eines Personaltrainings mit ihrem betreuenden Physiotherapeuten auf der Fläche trainieren, um ein sicheres und zielführendes Training sicherzustellen.


Der SKILLCOURT ist fester Bestandteil der Trainingsfläche (Bildquelle © Matthias Kranz)

Durch die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten und den Bezug zum Leistungssport hat sich die Praxis von Matthias Kranz mittlerweile zu einer echten Anlaufstelle für Leistungssportler und Profis entwickelt, die gezielt in die Praxis kommen und sich im Rahmen einer Intensivwoche behandeln lassen, sei es in der Vorbereitung oder nach einer Verletzung. 

Für tiefere Einblicke in die Praxis und um eine Plattform für seine Art der Physiotherapie zu haben, gründete Matthias Kranz den Podcast Next Gen Therapy, in dem er mit seinen Mitarbeitern über unterschiedliche Themen wie z. B. die Motivation, Physiotherapeut zu werden, und Therapieansätze spricht, vor allem aber weitreichende Kritik an dem Ausbildungssystem übt. 

Die 2. Folge des NextGen Therapy Podcast von Matthias Kranz

Da die schulische Ausbildung nicht so schnell nachzieht, wie sich die Arbeit im Markt verändert, geht er – wieder einmal – eigene Wege, um sich dem Problem entgegenzustellen. Während die meisten Physiopraktikanten während ihrer Praktika nicht bezahlt werden, plant Matthias Kranz, bezahlte Praktika anzubieten. Therapeuten, die sich hier bewähren, dürfen sich über eine vollständige finanzielle Förderung für Weiterbildungen freuen, unabhängig davon, ob sie später bei Matthias Kranz arbeiten oder nicht. Damit soll eine Art Netzwerk von Therapeuten geschaffen werden, die leidenschaftlich Physiotherapeuten sind, von den aktuellen Rahmenbedingungen aber eher abgeschreckt werden.

Wie geht es weiter? 

Eigentlich gründete Matthias Kranz seine Praxis nur, um Erfahrung zu sammeln und die Zeit bis zur Arbeit im Profisport überbrücken zu können. Wie so oft kommt es anders, als man es ursprünglich geplant hat, und als nun nach all den Jahren endlich das gewünschte Angebot aus dem Sport kam, konnte er es dankend ablehnen, wohlwissend, dass seine Praxis der Ort ist, an dem er sich zukünftig verwirklichen wird. Dass er bereits dabei ist, zeigen seine weiteren Pläne. In näherer Zukunft wird ein dritter Standort der Physiotherapie Matthias Kranz eröffnen. Erstmals außerhalb Mindens, nämlich in Bielefeld. 

Eröffnet und operativ geleitet wird die Praxis von Matthias Kranz’ erster Mitarbeiterin Rebekka. Für sie geht damit gleich ein doppelter Wunsch in Erfüllung: Sie erfüllt sich den Traum, eine eigene Praxis zu leiten – und verkürzt zugleich ihren bisherigen Arbeitsweg deutlich. Rebekka ist eine jener Therapeutinnen, die der Physiotherapie nur deshalb treu geblieben sind, weil sie hier Bedingungen vorgefunden haben, wie sie nicht selbstverständlich sind. Dafür war sie sogar bereit, jeden Tag 45 Minuten einfache Fahrt in Kauf zu nehmen. 

Zudem gibt es für den ersten Standort eine klare Vision. Diese soll sich in einer eigenen, dafür gebauten Halle weiterentwickeln und wird mit gewünschten 400 m² und einer großen Fläche für Personaltraining der größte bisherige Standort.

Matthias Kranz hat den Anspruch, aber auch den Mut gehabt, Physiotherapie neu zu denken. Raus aus den gesetzlichen Bestimmungen, die weder für Betreiber, noch für Patienten und Therapeuten wirklich optimal sind. In seinen Praxen zeigt er, wie man Physiotherapie heutzutage auch umsetzen kann, und präsentiert damit eine Lösung, die vielleicht nicht die gesamte Breite der Patienten erreicht, aber eine zukunftssichere und attraktive Lösung für Physiotherapeuten ist.

Bildquelle: © Matthias Kranz
 

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Er war von 2015 bis 2023 Chefredakteur der BODYMEDIA Fachmagazine. 2017 etablierte er mit der BODYMEDIA Physio ein Business-Magazin im Physio-Bereich. Nach einer etwa einjährigen Pause als Leiter eines therapeutischen Fitnessstudios kehrte er 2024 als Stellver. Chefredakteur zur BODYMEDIA zurück. 

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