Management

In 7 Schritten zur Unternehmensstrategie

Wenn man eine Praxis hat, sollte man eine Strategie. Wer jetzt als Physiounternehmer nicht weiß, wo er ansetzen soll, bekommt mit unseren sieben Tipps zur Unternehmensstrategie einen guten Einstieg.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Entwickeln einer Unternehmensstrategie  ist wichtig, um langfristig erfolgreich zu sein.
  • Man sollte vorab definieren, wer man ist, was man will und was das eigene Angebot ist.
  • Mitarbeiter und Kunden können in den verschiedenen Planungsstufen eine wichtige Hilfestellung sein.
  • Nach der Planung werden die Maßnahmen in die Tat umgesetzt.
  • Anhand festgelegter Kriterien müssen diese Maßnahmen auf ihre Effektivität hin untersucht werden.

Weiches, weißes Brot, saftige Pastrami und viel Soße sind das Erfolgsprodukt von Katz´s Delicatessen in New York – zumindest wenn wir in das Gründungsjahr 1888 zurückgehen. Das Lebensmittelgeschäft mit Imbiss wird nicht nur gerne von Hollywood-Größen besucht, sondern ist auch Beispiel für eine Unternehmensstrategie, die sich den Marktveränderungen ständig anpasst, um so auch heftigere Krisen zu überstehen. Und das in einer der „schnellsten“ Städte der Welt.

Ende der 1880er-Jahre bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts strömten viele Migranten nach Manhattan, die sich die übergroßen Pastrami-Sandwiches schmecken ließen. Steigende Fleischpreise, geringe Margen und insbesondere die steigenden Immobilienpreise machten es den Eigentümern von Katz´s nicht gerade leicht.

Trotzdem steht das Gebäude nach wie vor am selben Platz wie vor 130 Jahren und hat Supermärkte und Fast-Food-Ketten kommen und gehen sehen. Heute genießt das Unternehmen Kultstatus, produziert sogar eigenes Merchandise.

Alles in allem ist das eine herausragende Leistung für ein familiengeführtes Unternehmen und es zeigt, wie wichtig es ist, eine Unternehmensstrategie zu verfolgen. Denn genau das tut Katz´s. Es geht schon lange nicht mehr um die riesigen Pastrami-Sandwiches, auch wenn es die nach wie vor gibt. Vielmehr fand das Unternehmen die Balance zwischen Kundenwünschen, Food-Trends und dem eigentlichen Unternehmenskern.

Auch wenn die Physiotherapiebranche weniger starken Schwankungen wie die Food-Industrie ausgesetzt ist und stabilere Kundenbeziehungen setzt, ist das Entwickeln einer Unternehmensstrategie elementar wichtig, um langfristig am Markt erfolgreich zu sein. Welche Punkte man dabei beachten sollte, lesen Sie auf den folgenden Seiten.


Kenntnise über die eigenen Stärken und Schwächen ist sehr wichtig für das Entwickeln einer Unternehmensstrategie (Bildquelle: ©NDABCREATIVITY - stock.adobe.com)

Weder Fisch noch Fleisch

Passend zum Beispiel am Anfang können sich viele Unternehmen nicht entscheiden, was sie sein wollen. Lieber das Pastrami-Sandwich oder der knackige Salat. Um nichts zu verpassen, möchte man beides sein und verwässert dadurch den eigenen Auftritt. Daher geht es in einem ersten Schritt darum, sich selbst die Frage zu beantworten, wer und was man eigentlich sein will. Dann geht es darum zu entscheiden, in welche Richtung man sich die nächsten 5 bis 10 Jahre entwickeln möchte. Hierfür sollten einige Ideen gesammelt werden.

Diesen Schritt gehen viele Unternehmer alleine – das ist jedoch nicht immer sinnvoll. Gerade in der eher menschlich orientierten Physiobranche macht es viel Sinn, die Mitarbeiter und teilweise auch die Patienten abzuholen, welchen Weg man zukünftig einschlagen will. Wer diesen Wandel nicht mittragen möchte, hat die Chance, rechtzeitig von Bord zu gehen, und alle anderen binden sich stärker ans Unternehmen und fühlen sich integriert.

Aus den gesammelten Ideen werden ein bis zwei zentrale Botschaften entwickelt, an denen sich das Unternehmen zukünftig orientiert bzw. zu denen es hinstrebt. Das könnte z. B. ein klar formuliertes Ziel sein wie: „In 5 Jahren möchten wir 60 % der Patienten durch Bewegung therapieren“, oder eher vage Botschaften wie: „In 10 Jahren soll unsere Praxis die beste im Umkreis sein.“

Wer ist mein Kunde?

Die Kernfrage bei der Entwicklung einer Unternehmensstrategie ist letztlich, welches Produkt bzw. welche Dienstleistung man für welchen Kunden anbieten möchte. So einfach sich diese Fragen auch anhören mögen, so schwer sind sie doch zu beantworten. Viele Unternehmen weichen ihr einfach aus und machen ihre Leistung so flexibel. Das verwässert das Angebot und macht niemanden richtig glücklich. Die Notwendigkeit, diese Fragen zu beantworten, kommt schon alleine von daher, dass man entscheiden kann, welche Abläufe im Unternehmen die Schlüsselprozesse sind.

Mit diesen wird die Wertschöpfung geschaffen. In der Therapie können das z. B. die Behandlungen sein oder aber die Überführung eines Patienten in den Selbstzahlerbereich. Bei der Findung einer Strategie geht es auch darum, herauszufinden, welche Aufgaben, Prozesse, aber auch Kunden einen Einfluss auf die Wertschöpfung haben und zukünftig haben werden.

Aus dieser Erkenntnis heraus lässt sich ableiten, was die Hauptdienstleistung sein soll und für wen sie angeboten wird. Daraus ergibt sich dann die Zielgruppe und damit der Markt, der zukünftig im Fokus stehen soll. Dieses zukünftige Bild kann durchaus von dem aktuellen Stand der Unternehmensstrategie abweichen. Wie es dann weitergeht, werden wir in Schritt 6 sehen.


Die Entwicklung einer Unternehmensstrategie wollen viele Unternehmer alleine stemmen – dabei ist es meist sinnvoller das gemeinsam mit dem (Führungs-)Team zu erarbeiten (Bildquelle: ©NDABCREATIVITY - stock.adobe.com)

Was machen die anderen?

Jetzt geht es als Nächstes erst einmal darum, das eigene Umfeld zu analysieren. Diesen Schritt führen viele Unternehmen häufig nicht durch – sie konzentrieren sich zu sehr auf sich selbst. Sie wissen zwar um die anderen Anbieter in der Umgebung, beschäftigen sich aber zu wenig mit diesen. So ist es auch bei den Physiotherapeuten – dabei hilft es bei der Bewertung der zukünftigen Ausrichtung enorm, um die Stärken und Schwächen der anderen Anbieter zu wissen.

Für die langfristige Perspektive ist es sogar noch wichtiger zu wissen, wie sich Anbieter aus der Region weiterentwickeln wollen. Zudem hilft es dem Praxisinhaber, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie modern die Praxis hinsichtlich Personal, Behandlungsmethoden und Ausstattung für die Zukunft aufgestellt ist.

Hierzu ein kurzes Beispiel: Gibt es in einem Umkreis von 3 km noch vier weitere Praxen, die sich zukünftig z. B. auf das Thema Neurophysiotherapie konzentrieren möchten, dann kann es sein, dass die Nachfrage nach diesem Thema gar nicht hoch genug ist, um als Fokuspunkt für alle Praxen auszureichen.

Identifiziert man hingegen Schwächen bei den umliegenden Praxen, wie z. B. das fehlende Angebot von Kinderphysiotherapie, kann es durchaus Sinn machen, sich in diesen Bereich zu entwickeln.

Die inneren Werte zählen

Damit sind wir schon im nächsten Schritt. Nachdem man auf das direkte Umfeld geschaut hat, geht es nun direkt in die Innenanalyse. Kenntnis über die eigenen Stärken und Schwächen ist sehr wichtig für das Entwickeln einer Unternehmensstrategie. Sie wird schwerlich erfolgreich werden, baut sie ausschließlich auf den Schwachstellen des Unternehmens auf. Dabei geht es dann auch um die Frage, ob die gesetzten Ziele in der Strategie überhaupt erreichbar sind.

Mit dem Wissen um die eigenen Schwächen kann gezielt an diesen gearbeitet werden. Die Stärken wiederum sollte man ausbauen. Von der Stärken-Schwächen-Analyse geht es dann direkt weiter zur Bewertung der zentralen Herausforderungen und strategischen Entwicklungsziele. Welche Schritte sind notwendig, um die Strategie erreichen zu können? Letztlich geht es hierbei darum, die identifizierten Schwächen und Stärken zu bewerten und zu minimieren bzw. im Fall der Stärken auszubauen.

Endlich geht es los

Nach all der Planung geht es im sechsten Schritt endlich ans Machen. An dieser Stelle steht nämlich die Maßnahmenplanung. Nachdem nun viele Informationen vorhanden sind, werden diesein konkreten Maßnahmen umgesetzt. Dabei unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Qualitäten an Maßnahmen – kurzfristige oder solche mit geringem Aufwand und langfristige bzw. welche mit hohem Aufwand.

Spätestens in diesem Schritt sollten die Teammitglieder ins Boot geholt werden, denn nur im Gesamten kann bewertet werden, welche Schritte gegangen werden können. Es stehen dann u. a. folgende Fragen im Raum: Welche Mitarbeiter brauchen wir noch? Welche Qualifikation sollten diese haben? Reichen unsere Räumlichkeiten aus? Wer kann sich zusätzlich noch um strategische Aufgaben kümmern?

Während sich Maßnahmen wie eine neue Immobilie sicherlich eher langfristig umsetzen lassen, ist die Anschaffung von Tablets für die Behandlungsräume eher eine kurzfristige Maßnahme.

Kontrolle ist alles!

Und dann steckt man schon mittendrin im Leben und Erarbeiten der neuen Strategie. Ein Schritt fehlt jedoch noch – es gilt, Kriterien zu definieren, an denen festgemacht werden kann, ob sich die Praxis auf dem richtigen, dem gewünschten Weg befindet. Hier hilft es, sich Meilensteine zu setzen, wie z. B. 3 neue Mitarbeiter mit Qualifikation x eingestellt bis zum 30.12.2021. Die Kontrollen sollten regelmäßig stattfinden und natürlich können im Prozess neue Maßnahmen ergriffen werden, um die Meilensteine zu erreichen.

Wovon man Abstand nehmen sollte, ist es, ständig neue Meilensteine zu implementieren. Das kann die Strategie verwässern.Auch die erfolgreichen Maßnahmen sollten evaluiert werden. Daraus lässt sich ableiten, warum man erfolgreich war. Die Kontrollen sollten nicht zu häufig und nicht zu selten stattfinden – insbesondere bei den langfristigen Maßnahmen.

Fazit

Eine Unternehmensstrategie hilft allen Unternehmen, nicht nur den Physiotherapeuten, ihre Ziele erfolgreich umzusetzen. Eine klare Ausrichtung hilft den Mitarbeitern, aber auch den Patienten zu erkennen, dass sie an der richtigen Stelle sind. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, die Unternehmensstrategie zu finden und zu entwickeln, hilft es dem zukünftigen Arbeiten doch sehr. Deshalb gehen Sie es an. Unsere Tipps helfen dabei.

Unsere sieben Tipps zur Unternehmensstrategie in der Kurzübersicht

  1. Schritt: Ideen zur Zukunftsausrichtung entwickeln
  2. Schritt: Definieren der Geschäftsfelder und Kunden
  3. Schritt: Analyse des Umfelds
  4. Schritt: Feststellen von Stärken/Schwächen
  5. Schritt: Herausarbeiten der zentralen Herausforderungen
  6. Schritt: Planung von Maßnahmen
  7. Schritt: Regelmäßige Kontrolle der ergriffenen Maßnahmen
 

Bildquelle: ©NDABCREATIVITY - stock.adobe.com

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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