Interview mit Jasmin Kirstein – 42 Jahre My Sportlady: Ein Lebenswerk geht weiter

Bildquelle: © Jasmin Kirstein

1984 gründete Jasmin Kirstein My Sportlady, eines der ersten Frauenstudios in Deutschland. Nach 42 Jahren verkauft sie ihr Studio. Im Interview erzählt sie, warum sie sich für diesen Schritt entschieden hat und was sich für die Mitglieder ändert. Außerdem blickt sie auf wichtige Meilensteine zurück, spricht über ihr Engagement bei der IHRSA und gibt Studiobetreibern Tipps, wie man sich lange am Markt hält.

BODYMEDIA: 1984 hast du My Sportlady als eines der ersten Frauenstudios in Deutschland gegründet und eröffnet. 42 Jahre später verkaufst du dein Studio. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden? Was bedeutet der Verkauf für dich persönlich?

Natürlich ist es nicht leicht, ein Lebenswerk loszulassen, in das man über 42 Jahre so viel Herzblut, Leidenschaft, Energie und persönliche Hingabe gesteckt hat. My Sportlady war und ist für mich weit mehr als ein Fitnessstudio – es ist ein Teil meines Lebens, meiner Geschichte und meiner Identität. Aber manchmal bedeutet Verantwortung auch, loszulassen und neue Wege zu ermöglichen. Für mich stand bei dieser Entscheidung vor allem eines im Mittelpunkt: die Zukunft von My Sportlady. Es war mir unglaublich wichtig, den Fortbestand und die Weiterentwicklung dieser besonderen Fitnesswelt für Frauen zu sichern. Ich blicke mit großer Dankbarkeit und auch mit Stolz auf das zurück, was wir gemeinsam geschaffen haben. Und ich freue mich, dass My Sportlady weiterlebt und auch künftig Frauen einen Ort bieten wird, an dem sie sich wohlfühlen, stärken und entfalten können.

BODYMEDIA: Wie genau geht es jetzt in den nächsten Wochen mit My Sportlady weiter? Wie geht es mit den Frauen weiter, die bisher bei dir im Studio trainiert haben?

Für unsere Mitglieder ändert sich zunächst einmal nichts: Sie können weiterhin wie gewohnt trainieren und sich auf ihre vertraute My-Sportlady-Welt verlassen. Gleichzeitig wird das Angebot weiterentwickelt, die Programme werden ausgebaut und durch neue Ideen und Innovationen ergänzt. Es ist schön zu sehen, dass auf dem aufgebauten Fundament Neues entstehen kann.

Jasmin Kirstein mit ihren beiden Kindern
Aus dem Familienarchiv: Jasmin Kirstein mit ihren Töchtern (© Jasmin Kirstein)

Mir liegt besonders am Herzen, dass die persönliche Atmosphäre, die Gemeinschaft und die besondere Ausrichtung auf Frauen erhalten bleiben. Denn My Sportlady war immer mehr als Training – es war ein Ort der Begegnung, der Motivation, der Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens.

BODYMEDIA: Wenn du auf die Vergangenheit blickst: Was waren einige der wichtigsten Meilensteine von My Sportlady?

Ein ganz wichtiger Meilenstein war sicherlich, dass wir uns über all die Jahre nie mit dem Erreichten zufriedengegeben haben. Wir haben kontinuierlich investiert, erweitert, neue Angebote geschaffen und uns immer wieder den Bedürfnissen der Frauen angepasst.

Dabei war uns die Ganzheitlichkeit besonders wichtig. Wir wollten Frauen nicht nur Bewegung und Fitness ermöglichen, sondern sie in ihrer gesamten Gesundheit und Lebensqualität unterstützen. Mit der Gründung unserer Kochschule „Koch Dich glücklich“, des Vereins „Iss Dich clever“ und der My Sportlady Stiftung haben wir Schritt für Schritt eine Welt geschaffen, die weit über den klassischen Fitnessgedanken hinausgeht. Es ging uns immer darum, Frauen zu stärken, Wissen zu vermitteln, Gesundheit ganzheitlich zu fördern und auch gesellschaftlich etwas zu bewegen. Darauf bin ich besonders stolz. Denn wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur ein erfolgreiches Studio, sondern eine Idee, die über vier Jahrzehnte gewachsen ist und viele Menschen berührt hat.

BODYMEDIA: Du hattest auch einige Jahre eine Führungsposition bei HFA in den USA (früher IHRSA). Wie wichtig war dir das Engagement bei der IHRSA und inwiefern konntest du dadurch als Studioleiterin profitieren?

Es war mir immer wichtig, mich nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch überregional und international für die Fitnessbranche einzusetzen. Das Engagement bei der IHRSA war für mich eine wunderbare Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, internationale Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen mit Menschen aus der ganzen Welt auszutauschen. Besonders am Herzen lag mir dabei, den Gedanken der Ganzheitlichkeit und die besonderen Bedürfnisse von Frauen auch auf internationaler Ebene stärker in den Fokus zu rücken. Ich habe aus dieser Zeit unglaublich viel mitgenommen: neue Perspektiven, wertvolle Begegnungen und die Erkenntnis, wie wichtig es ist, voneinander zu lernen und gemeinsam etwas zu bewegen. Diese Erfahrungen haben auch meine Arbeit bei My Sportlady bereichert.

BODYMEDIA: Welche Tipps kannst du Studiobetreibern geben, um möglichst lange und erfolgreich am Markt bestehen zu können?

Mein wichtigster Rat ist: Verliert niemals die Leidenschaft für das, was ihr tut! Ein Unternehmen über viele Jahrzehnte erfolgreich zu führen, bedeutet nicht, dass immer alles einfach ist. Es gibt Höhen und Tiefen, schwierige Zeiten, Herausforderungen und Momente, in denen man vielleicht auch einmal an sich selbst zweifelt. Entscheidend ist, immer wieder die Freude und Begeisterung für die eigene Arbeit zu entdecken und sich bewusst zu machen, warum man ursprünglich angefangen hat. Ebenso wichtig ist es, offen für Neues zu bleiben, sich ständig weiterzuentwickeln und den Austausch mit Kollegen zu suchen – beispielsweise auf Kongressen und Branchenveranstaltungen. Man kann unglaublich viel voneinander lernen. Und ganz wichtig: Durchhalten! Erfolg entsteht nicht über Nacht. Er braucht Mut, Ausdauer, Herzblut und die Bereitschaft, auch in schwierigen Zeiten an seine Vision zu glauben.

BODYMEDIA: Wie geht es nun für dich persönlich weiter? Worauf wirst du dich fokussieren?

Nach 42 intensiven und wunderschönen Jahren freue ich mich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt. Ich möchte mir mehr Zeit für meine Familie und vor allem für meine Enkelkinder nehmen. Es gibt so viele wertvolle Momente, für die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte oft zu wenig Zeit geblieben ist. Diese möchte ich nun ganz bewusst genießen.

Jasmin Kirstein mit ihren Töchtern Jessica und Anna
Jasmin Kirstein mit ihren Töchtern Jessica und Anna heute (© Jasmin Kirstein)

Gleichzeitig werde ich mich weiterhin mit viel Herzblut in der My Sportlady Stiftung engagieren. Frauen und Kinder zu unterstützen, ihnen Perspektiven zu geben und dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird, ist mir nach wie vor eine Herzensangelegenheit. Ich verabschiede mich also nicht von meinen Werten und meiner Vision. Ich setze nur andere Schwerpunkte. My Sportlady wird immer ein Teil von mir bleiben. Ich bin dankbar für die vielen wunderbaren Frauen, Mitarbeiterinnen, Wegbegleiter und Freundschaften, die mich über all die Jahre begleitet haben. Was wir gemeinsam geschaffen haben, kann mir niemand nehmen. Und vielleicht ist genau das das Schönste: Zu wissen, dass etwas, das man mit so viel Liebe aufgebaut hat, immer weiterlebt.

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