Basic-Fit übernimmt clever fit, Wellhub schluckt Urban Sports Club: 2025 war für den europäischen Fitnessmarkt ein Rekordjahr an Übernahmen. Wer die Schlagzeilen verfolgt, könnte meinen, der Markt gehöre bald wenigen großen Playern. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt jedoch: Die Konsolidierung konzentriert sich auf einen Teil der Branche, während ein anderer fragmentiert bleibt.
Rekordjahr für Übernahmen
27 M&A-Transaktionen zählte der europäische Fitnessmarkt 2025, neun davon mit deutscher Beteiligung; deutlich mehr als der Fünf-Jahres-Schnitt von 20. Dabei wechselten 936 Fitnessclubs den Besitzer, mehr als die Hälfte davon allein durch die Übernahme von clever fit durch Basic-Fit, die 493 Fitnessstudios in zehn Ländern umfasste. Die Top-20-Betreiber Europas kontrollieren inzwischen 28 % des Marktes. Die Mitgliederzahl der Top-10 ist in den vergangenen zehn Jahren um 151 % gewachsen. Auch in Deutschland setzt sich dieser Trend fort: Kettenbetriebe erwirtschaften bereits 50,7 % des Branchenumsatzes, drei Viertel ihrer Mitglieder trainieren bei einem der zehn größten Anbieter.
Warum Kapital jetzt in Fitness fließt
Der Grund für das Investoreninteresse liegt auf der Hand: Der europäische Fitnessmarkt wuchs 2025 um 9,1 % auf 39,1 Milliarden Euro Umsatz, erstmals wurden 75,5 Millionen Mitgliedschaften gezählt. Deutschland, der größte Einzelmarkt, legte um 7,4 % auf 6,3 Milliarden Euro zu, bei 12,4 Millionen Mitgliedern. Trotzdem sind bislang unter 10 % der europäischen Bevölkerung Mitglied in einem Fitnessstudio, während der Anteil in den USA bei fast einem Viertel liegt. Wer in diesen Markt investiert, kauft sich also in einen strukturell unterentwickelten Markt mit erheblichem Wachstumspotenzial ein. Unterstützt wird diese Entwicklung auch durch gesellschaftliche Trends: Longevity und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein in allen Altersgruppen sorgen dafür, dass Fitness für immer mehr Menschen zum festen Bestandteil des Alltags wird.
Ein Markt, zwei Geschwindigkeiten
Doch die M&A-Welle trifft nicht die gesamte Branche gleich. Sie konzentriert sich fast ausschließlich auf standardisierbare Kettenbetriebe und die digitale Infrastruktur dahinter, etwa Buchungsplattformen und Aggregatoren. Das Einzel- und Special-Interest-Segment dagegen wuchs 2025 nach zwei rückläufigen Vorjahren wieder. Buchungsdaten aus mehreren tausend Studios im deutschsprachigen Raum untermauern das: Pilates-Studios verzeichneten 2025 im Schnitt 26,8 % mehr Besucher – das vierte Rekordjahr in Folge für dieses Segment. Yoga-Studios kamen auf 17,6 % mehr Besucher, klassische Fitnessstudios auf 11,3 % mehr Kunden. Damit wächst das Boutique-Segment in Teilen deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Sport bleibt bei Verbrauchern zudem der letzte Ausgabenposten, bei dem gespart wird: Nur 2,4 % der Konsumenten kürzen hier ihr Budget, während sie bei Restaurants oder Shopping deutlich häufiger verzichten.
Warum Boutique-Betriebe nicht skalieren wollen
Die meisten Boutique-Betreiber wollen gar nicht skalieren. Sie wollen ihr Studio erfolgreich führen und eine nachhaltige Community aufbauen. Hier liegt der Kern ihres Geschäftsmodells. Denn Nähe, persönliche Betreuung und ein klar umrissenes Trainingskonzept lassen sich schwer standardisieren. Interessant ist dabei ein Nebeneffekt des Wachstums: Unter Pilates-Studiobetreibern ist die Sorge vor zunehmendem Wettbewerb binnen eines Jahres von 24,5 auf 56,9 % gesprungen, unter Yoga-Studiobetreibern von 35 auf 44 %. Dieser Wettbewerbsdruck entsteht jedoch nicht durch Übernahmen, sondern dadurch, dass ständig neue, eigenständige Studios eröffnen, ein Beleg für organisches statt konsolidiertes Wachstum. Genau diese Viezahl unabhängiger, spezialisierter Anbieter ist es, die Buy-and-Build-Strategien im Boutique-Bereich strukturell erschwert.
Bleibt der Markt fragmentiert?
Zu einem „Winner-takes-most“-Markt führen diese Entwicklungen daher nur teilweise. Bei Fitnessketten und Infrastruktur wird sich die Konzentration fortsetzen, weil Skaleneffekte und Investitionsfähigkeit den Ausschlag geben. Im Boutique-Segment bleibt der Wettbewerb dagegen dezentral: unterschiedliche Zielgruppen, ständig neue Trainingsformate, lokale Communitys, die sich nicht in ein Buy-and-Build-Modell pressen lassen. Ein Markt, in dem wenige Anbieter dominieren, ist hier auf absehbare Zeit unwahrscheinlich, auch weil die Nachfrage nach genau dieser Vielfalt weiter steigt, wie die Wachstumszahlen aus dem Special-Interest-Bereich zeigen.
Was das für Betreiber:innen bedeutet
Für Studiobesitzer heißt das: Über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet nicht die Größe des eigenen Betriebs, sondern klare Positionierung, professionelle Strukturen und Investitionen in Angebotsqualität und Nutzererlebnis. Die zunehmende Professionalisierung der Infrastruktur, von Buchungssystemen bis zur Zahlungsabwicklung, ist dabei eher eine Chance als eine Bedrohung. Werkzeuge, die früher großen Ketten vorbehalten waren, stehen heute auch kleinen, unabhängigen Fitnessstudios offen und ermöglichen es ihnen, trotz begrenzter Ressourcen professionell zu wirtschaften.
Für Betreiber im Einzel- und Special-Interest-Segment ist die Gefahr des Konsolidierungstrends aktuell klein. Viel entscheidender ist für sie, wie konsequent sie die wachsende Professionalisierung des Marktes für ihr eigenes, eigenständiges Wachstum nutzen.
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