Doch 2022 hat zumindest für einen der ganz großen Player der Fitnessbranche und sein damaliges Versorgungsunternehmen wertvolle Lerneffekte mit sich gebracht. Lerneffekte und Erfahrungen, die die LifeFit Group heute nutzt, wenn es wieder um Resilienz und eine zukunftsfähige Ausrichtung in geopolitisch kritischen Zeiten auf dem Energiemarkt geht.
„Wenn die Leute kein Geld mehr haben, ist das Erste, was sie kündigen, ihren Fitnessstudiovertrag.“ So oder so ähnlich könnte man das Credo der Risikobetrachtung seitens Energieversorgungsunternehmen banal formulieren. Die These: Sobald es in Deutschland gesamtwirtschaftlich schwierig wird, verzichtet der Studiogänger auf seine Mitgliedschaft – bevor der Kühlschrank leer bleibt und das Zuhause kalt.
Die Argumentation dabei ist, dass das Training im Studio für die meisten ‚nice to have‘ ist, also weit im oberen Bereich der Maslowschen Bedürfnispyramide platziert. Die Studiomitgliedschaft wird eher als Luxus und nicht als Lebensgrundlage angesehen. Andererseits bedeutet das Training im Fitnessclub auch Förderung der Gesundheit und Mobilität sowie Kontakt mit dem sozialen Umfeld. Die Gegenthese lautet somit: Fitnessstudios sind im Bewusstsein der Sporttreibenden bei Weitem kein Luxusgut, sondern für viele so essenziell wie Ernährung und gesunder Schlaf.
Strom und Gas – unsexy und finanzierungsintensiv
Egal, welche Ansicht man vertritt, Fakt ist, dass hinter jedem Versorgungsvertrag Finanzierungslinien stehen. Sobald der Versorger für seinen Kunden Energie für die Zukunft beschafft, entstehen Kosten, lange bevor der Gewinn aus der Marge realisiert wird. Insbesondere bei sogenannten Terminmarktgeschäften, also dem klassischen Festpreisvertrag oder bei Tarifen mit Terminmarktanteilen im Kontrakt, fällt dies ins Gewicht. Die Risikobetrachtung bei den Versorgungsunternehmen steuert sowohl den Angebotspreis als auch die Tarifmöglichkeiten für Energielieferverträge, sofern der Versorger überhaupt gewillt ist, diese anzubieten.
Erfahrungen aus der Energiekrise 2022
Rückblende auf ein Praxisbeispiel aus 2022: Die Energiemärkte eskalierten aufgrund des Ukraine-Kriegs. Dies stellte damals sowohl einen der größten Player in der deutschen Fitnessbranche, die LifeFit Group, als auch sein damaliges Versorgungsunternehmen vor Herausforderungen. Ein laufender Versorgungsvertrag über rund 40.000.000 KWh Strom und rund 20.000.000 KWh Gas brachte den Versorger und den Kunden ins Schwitzen.
Zahlungsströme und enge Fristen waren die Währung für Versorgungssicherheit. Exitstrategien zum Vertrag wurden beim Versorger nahezu wöchentlich zwischen Key-Account-Management und Vorstand besprochen. Durch eine transparente und kooperative Handlungsweise der LifeFit Group in enger Abstimmung mit dem Versorger konnte über Sondervereinbarungen das Lieferantenrisiko ausreichend abgesichert werden. Der Stromliefervertrag wurde bis zum ordentlichen Vertragsende 2024 durch die Krise getragen. Beim Produkt Gas wählte der Versorger kundenübergreifend zumindest temporär die Exitstrategie.
Steuern statt steuern lassen
Nur vier Jahre später sind wieder Kriegshandlungen und geopolitische Spannungen auf der Risikoseite die Marktgrundlage, mit der die Teilnehmer wie Netzbetreiber und Versorger arbeiten müssen. Selbst erfahrenen Energieexperten fällt eine Einordnung aufgrund oftmals widersprüchlicher Signale schwer und guter Rat ist teuer. Noch nie waren die strukturellen Schwächen des Marktes so dominant und gleichzeitig auch die Stärken der Branche so reich an Chancen. Die Kriegshandlungen rund um die Straße von Hormus sind bei allem Leid auch ein Turbo für den Energiemarkt rund um neue Technologien, gesetzliche Regelungen und Versorgungskonstrukte.
Wo vor nicht allzu langer Zeit noch Verbrauchsoptimierungen bei den Studiobetreibern als schnelles und einfaches Mittel zur Kosteneinsparung im Blickfeld standen und fleißig das Neonröhrenlicht gegen wirkungsvollere LED ausgetauscht wurde, bieten sich heute Optionen, die weiter reichen, sowohl in der Betrachtungstiefe als auch in der Breite der Optimierungsmöglichkeiten.
Unabhängige Beraternetzwerke bieten heute Consulting auf hohem Niveau, um kundenindividuell im für Außenstehende kaum greifbaren Markt das Optimum rauszuholen. Im transformierenden Energiemarkt geht es heute um eine Vielzahl von Angeboten aus Einzelprodukten, von der Eigenerzeugung aus Fotovoltaik, über Batteriespeicher, Stromcommunitys und E-Mobilität bis hin zu Blockheizkraftwerken.
Bereits jede dieser Einzelmaßnahmen für sich hat positiven Einfluss auf die Kostenstruktur für Fitnessstudios. Ganzheitlich und auf den Bedarfsfall individuell ausgerichtet und mit dem passenden dynamischen oder teildynamischen Tarif, den bisher nur wenige Energieversorger in einer sinnvollen Nutzungstiefe anbieten, entstehen jedoch integrative Systemlösungen, die sowohl kurzfristig erfolgswirksam und kostensparend sind als auch nachhaltig für Stabilität und somit Resilienz sorgen. Genug Stärke für die Fitnessbranche, um bei der nächsten Anfrage an einen Top-Versorger mit stolzgeschwellter Brust die Muskeln spielen zu lassen.
Tipps für Fitnessstudiobetreiber
- Betrachten Sie Ihren Betrieb als Energiesystem. Der Markt bietet Chancen, die weit über den Strom- oder Gastarif hinausgehen. Lastmanagement, Eigenerzeugung, Speicherlösungen in Verbindung mit intelligenten Beschaffungsstrategien können zusätzliche Potenziale erschließen. Erfahrene Energieberater und Consultingunternehmen können wertvolle Unterstützung leisten
- Geben Sie die Energiebeschaffung nicht aus der Hand. Sie kennen Ihr Unternehmen am besten. Die Steuerung eines Hauptkostenfaktors ist ein wichtiger Teil unternehmerischer Verantwortung
- Beim Strom- oder Gastarif gilt: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt Ihre individuelle Situation, Ihre Ziele und die verfügbaren Angebote auf dem Markt. Der passende Tarif ist individuell
- Achten Sie auf verständliche AGB und transparente Versorgungsverträge. Klare Regelungen schaffen Planungssicherheit, erleichtern den Angebotsvergleich und helfen, unerwartete Kosten oder Risiken zu vermeiden
- Bleiben Sie am Puls der Zeit; jedoch: Nicht alles, was medial als Lösung gepusht wird, ist bereits endkundendienlich in der Systemlandschaft des Energiemarkts ausgerollt. Machen Sie sich nicht zum Testballon
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