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Die Top 5 der Ernährungstrends

Ein Trend ist die grundsätzliche Richtung, in die sich etwas entwickelt. Das Thema Ernährung funktioniert ähnlich wie Modetrends. Man muss nur lange genug warten, dann wird es wieder aktuell. Welches die Top 5 der Ernährungstrends sind, erklärt Peter Hinojal.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Qualität, Herkunft, Tierschutz, Verpackung und Ressourcenschutz spielen eine immer größere Rolle und spiegeln sich im Kaufverhalten der Kunden wider.
  • Vegetarismus und Veganismus sind weniger ein Trend sondern ein deuten auf einen gesellschaftlichen Wertewandel hin.
  • Insektenprotein könnte ein wichtiger Proteinlieferant unserer Zukunft werden.
  • Ob beim Fasten oder Intuitive Eating - Essen sollte wieder mehr mit Achtsamkeit und Bewusstsein verbunden sein.

Bei Ernährungstrends steht nicht immer die Gesundheit oder die schöne Optik im Vordergrund. Ernährung kann ein Ausdruck eines Lebensgefühls sein. Artgerechte Tierhaltung, fairer Handel und Klimaneutralität sind vielen Menschen wichtiger denn je. Die Ressourcen dieses Planeten sind begrenzt. Der biologische Fußabdruck misst die Nachhaltigkeit unseres Verhaltens, diese Erde in ihren Beständen aufrechtzuerhalten für nachfolgende Generationen.

Die Ressourcen Wasser und Lebensmittel sind nicht fair verteilt. Während wir in den westlichen Industriestaaten immer noch im Überschuss leben und die eigentliche Pandemie das Übergewicht, der Bewegungsmangel und die damit verbundenen Zivilisationskrankheiten sind, sterben auf der anderen Seite immer noch Menschen an Mangel- und Unterernährung. Viele Menschen wollen ihren Teil dazu beitragen und hier bieten verschiedene Ernährungsformen eine Möglichkeit.

Trend Nummer 1: Veganismus

Ethik spielt eine sehr große Rolle bei der Entscheidung, gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten. Alle Lebewesen sollen das Recht haben, ihrer Natur gemäß und in Freiheit zu leben. Weitere Gründe sind Gesundheit, Welternährung und genereller Umweltschutz.

So geht der Trend nicht nur zur veganen Ernährung, sondern auch die Verpackungsindustrie setzt immer mehr auf ökologisch abbaubare Produkte und klimaneutrale Verpackungen. Die Lebensmittelriesen sehen und spüren diese Trends. Das vegane Produktangebot wächst stetig. Zwischen 2013 und 2018 hat es sich mehr als verdreifacht.

Vegetarisch und vegan zu leben, unter Berücksichtigung des Tierwohls und des Umweltschutzes, wird aus meiner Sicht kein Trend bleiben, sondern es wird einen Wertewechsel geben und zum Bestandteil unserer Wertekultur werden.

Große Lebensmittelketten setzen schon jetzt auf ein positiveres Image, indem man, bevor man vom Gesetzgeber dazu gezwungen wird, die Tierhaltung und Aufzucht verbessert oder bestimmte Produktionsverfahren nicht mehr unterstützt. Ein Beispiel ist das „Schreddern“ der männlichen Küken. Bislang sind die Landwirte noch nicht in der Lage, die große Nachfrage zu stemmen. Neben den Bio-Eiern findet man fast immer auch Eier mit dem Vermerk der Aufzucht der männlichen Küken.

Andere Unternehmen pflanzen Bäume für einen Teil des Erlöses ihrer Produkte, um die Balance wiederherzustellen. Viele Kunden werden auf diese Nachhaltigkeit setzen oder es wird zumindest eine Rolle spielen bei der Entscheidung, eine Marke zu unterstützen oder zu kaufen.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts gegen eine vegane Ernährung, solange man seine B12-, Zink-, Eisen- und Vitalstoffspeicher im Blick behält und gegebenenfalls supplementiert. Egal ob vegetarisch, vegan oder omnivor (Mischköstler), jede Ernährungsform bietet die Chance, sich ausgewogen zu ernähren, ist aber kein Garant dafür.

Ungesund und auch für den Menschen nicht artgerecht essen geht bei jeder Ernährungsform. Zucker und Weißmehl und schlechte Pflanzenfette sind genauso vegan wie ein Apfel.

Neben dem hohen Proteinanteil liefern Insekten wie z. B. Grillen zusätzlich Vitamine und Vitalstoffe (Bildquelle: ©weerapat1003 - stock.adobe.com)

Trend Nummer 2: Insektenprotein

Jeder Trend kommt wieder. Doch in diesem Fall muss man sagen, dass Insekten schon immer da waren. Wahrscheinlich bereits seit 400 Millionen Jahren, wir Menschen erst seit circa 3 Millionen. Bereits 700 vor Christus gibt es Dokumentationen von Festmahlen mit Heuschrecken als Delikatessen und in vielen Kulturen hat man nie damit aufgehört.

Wie auch beim Veganismus spielen Umweltschutz und Welthunger eine Rolle. Fürs Klima ist die Zucht von Insekten deutlich ökonomischer als die von Weiderind. Ein Beispiel ist der Buffalowurm, denn er ist viel mehr die Larve des Getreideschimmelkäfers, auch bekannt als der „kleine Bruder“ des Mehlwurms.

Doch jetzt wird es spannend. Alle acht beziehungsweise neun essenziellen Aminosäuren sind in ausreichender Menge und richtigem Verhältnis enthalten. Neben dem hohen Proteinanteil (ca. 56 g auf 100 g unverarbeitet / Grillen sogar bis 77 % in der Trockenmasse) liefern Insekten zusätzlich Vitamine und Vitalstoffe. Insekten lassen sich leicht zu Mehl weiterverarbeiten und damit auch recht einfach in Shakes, Smoothies, Müsli, Riegeln und Backwaren anrichten.

Im Vergleich zur typischen Haltung von Vieh und deren Schlachtung scheint die Züchtung von Insekten weitere Vorteile mit sich zu bringen:

• Insekten scheinen über keine Schmerzrezeptoren zu verfügen
• Aufzucht in Kolonien von Tausenden ihrer Art ist artgerecht
• Insekten werden eingefroren, dadurch schlafen sie ein, bevor sie tatsächlich sterben
• Weniger Treibhausemission als in der Viehzucht

100 g Buffalowurm liefern doppelt so viel Protein wie Rindfleisch, fast viermal so viel Omega-3-Fettsäuren wie einige Fische, doppelt so viel Eisen wie
Spinat und siebenmal mehr Vitamin B12 als Milch.

Es gibt mittlerweile sinnvolle Produkte wie Shakes, Müslis oder Backwaren, doch leider findet man Insektenprotein noch häufig eher in Snackvariationen. Wenn auch als proteinreiche Snacks, sollte aus meiner Sicht der Trend mehr zu alltagstauglichen Lebensmitteln gehen. Ich habe eine Erdnussbutter mit Buffalowürmern als Muster erhalten und bin von Geschmack und Konsistenz sehr begeistert.

Mein Fazit: Insektenprotein wird ein wichtiger Stützpfeiler in der Proteinversorgung mit tierischen Proteinen.

Trend Nummer 3: Fasten

Fasten war nie weg. Fasten begleitet Kulturen, Religionen und Medizin seit Jahrhunderten.

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“

 Hippokrates etwa 377 vor Christus.

Das Intervallfasten hat sich als Methode für Kalorienrestriktion und Gewichtsverlust etabliert. Durch bestimmte Zeiträume, in denen die Nahrungsaufnahme erlaubt ist, und längerem Zeitraum ohne Nahrungsaufnahme wird oberflächlich betrachtet bei einigen Menschen die Gesamtkalorienbilanz eingeschränkt und es kommt zum Gewichtsverlust.

Es gibt differenzierte Methoden, in denen auch darauf eingegangen wird, was im Zeitraum der Nahrungsaufnahme gegessen werden sollte, um so seine dauerhafte Versorgung mit allem Lebensnotwendigen sicherzustellen.

Tatsächlich ist Fasten, also der bewusste Verzicht auf Nahrung, viel mehr als das. Im Kampf gegen eine nicht alkoholische Fettleber, viszerales Körperfett, Insulinresistenz, Diabetes mellitus könnte sich das gezielte Fasten als wertvolles Werkzeug etablieren.

Anti-Aging ist kein Trend, aber ein immer wichtig werdender Wirtschaftszweig. Eine längere Fastenphase wirkt sich positiv auf unser endokrines System aus. Die Autophagie der Zelle (Selbstreinigung der Zelle) findet deutlich gesteigert in der Fastenphase statt. Nach nur 24 Stunden Fasten findet man eine erhebliche Anzahl mehr Stammzellen im Bereich des Magens. Fasten ist nicht mit Hunger oder Diäten gleichzusetzen, sollte aber gezielt geschult und angewendet werden.

Trend Nummer 4: Intuitive Eating

Dr. med. Mareike Awe ist Expertin für intuitives Essen. Die Idee ist es, mit dem Körper zu arbeiten, anstatt gegen ihn. Zu lernen, was schlanke Menschen schlank erhält, und natürliche Hungersignale wieder deuten zu können. Essen wenn man hungrig ist, aufhören zu essen, wenn man satt ist. Die natürlichen Esssignale wieder deuten zu lernen und körpereigene Instinkte wieder zu schärfen. Nichts ist verboten.

Das Essen, das der Körper einem sagt, was man benötigt, und das bewusste Essen spielen eine wichtige Rolle. Achtsamkeit und Genuss wieder zu erlernen.

Mein Fazit: Das Erlernen des intuitiven Umgangs mit Lebensmitteln, die Wertschätzung und die Achtsamkeit sollten zu den Grundzielen jeder Ernährungsumstellung und jedes Ernährungscoachings gehören. Weg von reinen Kalorien und Nährstoffempfehlungen, hin zu bewusstem Umgang und Ernährungsverhalten.

Der Bio-Trend wird sich langfristig etablieren. Qualität, Herkunft, Tierschutz, Verpackung und Ressourcenschutz spielen immer mehr eine Rolle und spiegeln sich im Kaufverhalten der Kunden wider (Bildquelle: ©Irina - stock.adobe.com)

Trend 5: Bio

Bio ist gekommen, um zu bleiben. Weltweit steigt prozentual der Anteil an Bioprodukten. Pro Kopf konsumieren die Schweiz, Luxemburg und Dänemark die meisten Bioprodukte. Wie in allen anderen heute vorgestellten Ernährungstrends, bekommen Lebensmittel bei vielen Menschen wieder mehr Bedeutung. Qualität, Herkunft, Tierschutz, Verpackung und Ressourcenschutz spielen eine immer größere Rolle und spiegeln sich im Kaufverhalten der Kunden wider.

Obst, Gemüse, Fleisch, Gewürze, Fisch, Milchprodukte, Butter, Brot, Getränke ... – der Begriff Bio zieht sich durch alle typischen Lebensmittel. Eine Bio-Schokolade bleibt eine Schokolade, gibt dem Kunden jedoch ein besseres Gefühl. Ein Trend, den man auch in der Sporternährungsbranche erkennen kann. Hersteller bieten Proteinshakes in Bioqualität an. Kombiniert werden diese dann mit echtem Bio-Kakao oder Bio-Aromen. Ein positiver Trend.

Die Klassifizierung und das Vergeben von Bio-Siegeln sollten in Zukunft noch besser geregelt werden. Einheitliche Regeln für Europa und im Zuge der Globalisierung sind wünschenswert, um noch mehr Klarheit über Herkunft und Zusatzstoffe oder technische Hilfsstoffe zu geben.

Geschmacklich muss Bio nicht besser schmecken als herkömmliche Lebensmittel und eine Süßigkeit bleibt eine Süßigkeit, ein Bio-Zucker bleibt ein Zucker. Doch das Qualitätsbewusstsein der Menschen über eine klare Kategorisierung und Qualitätssiegel zu unterstützen ist ein sehr guter Ansatz.

Dennoch ist eine Aufklärung über Lebensmittel und deren Wirkung in unserem Körper unabdingbar. Damit Fitness- und Freizeitanlagen sich in der Zukunft hier noch mehr
als Gesundheitsanbieter positionieren können, sind auch hier die Weiterentwicklung, das Beobachten von Trends und die qualifizierte Ausbildung der Mitarbeiter äußert wichtig. Ein aufgeklärter Kunde hat immer das Potenzial, ein zufriedener und gleichzeitig erfolgreicher Kunde zu sein.

Bildquelle: ©bit24 - stock.adobe.com

Der Autor

  • Peter Hinojal

    Als internationaler Referent, Ausbilder, oder als Keynote-Speaker, begeisterte er immer wieder seine Zuhörer! Fitness- und Gesundheitscenter, aber auch renommierte Unternehmen wie Banken oder Bauunternehmungen, gehören zu seinen Kunden. Mit seinem Vortrag ArtGerecht – nie wieder Diät erreichte er bereits über 70.000 Teilnehmer. Jahrzehnte lange Erfahrung als Fitnesscoach, Personaltrainer, Autor, Ernährungscoach & Schulungsleiter, lassen ihn die Sorgen und Ängste der Teilnehmer verstehen. Peter Hinojal ist der Bewußtmacher unter den Ernährungsexperten.

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