Physiotherapie

Radiologische Zweitmeinung online: Wie Verimedis MRT-, Röntgen- und CT-Befunde neu bewertet

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Radiologische Befunde gehören zum Alltag in der Physiotherapie: Aber bei bis zu 80 % der Fälle kann sich die Behandlungsempfehlung durch eine radiologische Zweitmeinung ändern. Das Unternehmen Verimedis hat es sich zur Aufgabe gemacht, online MRT-, CT- und Röntgen-Befunde einer Zweitbefundung zu unterziehen. Im Interview berichten die beiden Gründer, Daniel Schroth und Kilian Lamadé, warum eine radiologische Zweitmeinung so wichtig ist und wie Physiotherapeuten davon profitieren.

BODYMEDIA: Wie kamt ihr auf die Idee, online Zweitmeinungen zu radiologischen Befunden anzubieten?

Daniel Schroth: Die Idee entstand aus der praktischen Erfahrung unserer klinisch-radiologischen Tätigkeit heraus. In Kliniken sehen wir jeden Tag, wie wertvoll eine gründliche radiologische Einschätzung ist, aber auch, wie oft Menschen mit offenen Fragen zurückbleiben. Viele erhalten ihre MRT- oder CT-Aufnahmen, aber keine ausführliche Erklärung. Gleichzeitig ist der Zugang zu radiologischer Expertise in vielen Situationen erschwert. 

Termine sind knapp, Befundbesprechungen dauern manchmal nur wenige Minuten und gerade bei komplexen Fragestellungen besteht häufig ein Bedürfnis nach einer zweiten Meinung. Ein digitales Angebot schafft hier einen echten Mehrwert. Patienten können ihre Bilder von überall hochladen und erhalten kurzfristig eine unabhängige Einschätzung. So verbinden wir fachärztliche Expertise mit einem einfachen und sicheren Zugang.

BODYMEDIA: Warum ist eine radiologische Zweitmeinung eurer Ansicht nach wichtig?

Kilian Lamadé: Eine radiologische Diagnose beeinflusst viele therapeutische Entscheidungen. Gerade bei muskulo-skelettalen Beschwerden, komplexen Schmerzsyndromen oder vor größeren Eingriffen ist es sinnvoll, die Bildgebung aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten. Eine Zweitmeinung schafft Klarheit und hilft, Fehlinterpretationen zu vermeiden. Viele Patienten haben eingutes Gespür dafür, wenn etwas nicht zusammenpasst. Wenn Beschwerden bestehen bleiben, aber der Befund unauffällig wirkt, oder wenn eine größere Maßnahme geplant wird, ist eine zweite Einschätzung oft entscheidend.

BODYMEDIA: Was passiert, wenn sich Erstbefund und Zweitmeinung nicht decken?

Kilian Lamadé: Unterschiede kommen vor. Bildgebung ist komplex und erfahrene Radiologen können bestimmte Details unterschiedlich gewichten. Nicht nur, wenn unsere Einschätzung von dem Erstbefund abweicht, erklären wir unsere Ergebnisse und Schlüsse ausführlich, transparent und nachvollziehbar. 

Analyse von Schmerzsyndromen
Gerade bei muskulo-skelettalen Beschwerden, komplexen Schmerzsyndromen oder vor größeren Eingriffen ist es sinnvoll, die Bildgebung aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten (Bildquelle: © Tryfonov – stock.adobe.com)

Für die weiterbehandelnden Ärzte entsteht dadurch keine Konkurrenzsituation, sondern eine zusätzliche Informationsquelle. Wenn Fragen offen bleiben, stehen wir jederzeit für den Austausch mit dem behandelnden Kollegen oder Therapeuten zur Verfügung. Wichtig ist auch, dass wir immer konkrete Empfehlungen formulieren. Wenn wir eine auffällige Struktur anders beurteilen, ordnen wir ein, was das für das therapeutische Vorgehen bedeutet. Ziel ist nicht, jemanden zu korrigieren, sondern eine solide Grundlage für die nächsten Schritte zu schaffen.

BODYMEDIA: Wie läuft der Prozess ab und wie sieht der Bericht am Ende aus?

Daniel Schroth: Der Prozess ist bewusst einfach gehalten. Patienten laden ihre MRT-, CT- oder Röntgenbilder über unser sicheres Onlineportal hoch und schildern ihre Beschwerden. Anschließend wählen wir die Radiologin oder den Radiologen aus unserem Netzwerk aus, der für die jeweilige Fragestellung am besten geeignet ist. 

Der Bericht selbst besteht aus zwei Teilen. Einerseits einem fachärztlich präzisen Befund für Ärzte und Therapeuten sowie einer laienverständlichen Erklärung für den Patienten. Beide Elemente sind wichtig. Der medizinische Teil schafft Klarheit für die Weiterbehandlung, der verständliche Teil sorgt dafür, dass der Patient weiß, was die Ergebnisse bedeuten und welche Schritte sinnvoll sind.

BODYMEDIA: Wie kann eine radiologische Zweitmeinung die Erstbefundung und Behandlungsstrategie in einer Praxis direkt optimieren, insbesondere bei unklaren Schmerzbildern oder vor größeren Eingriffen?

Kilian Lamadé: Bei unklaren Schmerzbildern können wir zum Beispiel prüfen, ob die Bildgebung eine plausible Ursache zeigt, ob Befunde übersehen wurden oder ob die Beschwerden funktioneller Natur sind und damit eher physiotherapeutisch adressiert werden sollten. Vor größeren Eingriffen schaffen wir Sicherheit: Wir können bestätigen, dass die OP-Indikation nachvollziehbar ist, oder Alternativen aufzeigen, die zuvor nicht bedacht wurden.

BODYMEDIA: Wie schnell erhalten die Patienten Rückmeldung zu ihrer Anfrage?

Kilian Lamadé: In der Regel innerhalb von 48 Stunden. Auf Wunsch bieten wir auch eine 24-Stunden-Begutachtung an. Geschwindigkeit ist wichtig, aber sie darf die Qualität nicht beeinträchtigen. Deshalb arbeiten wir mit klaren Strukturen und ausgewählten Experten, die genügend Zeit haben, sich eingehend mit jedem Fall und jeder Fragestellung zu beschäftigen.

BODYMEDIA: Welche Möglichkeiten haben Physiotherapeuten, mit euch in Kontakt zu treten, wenn sie Rückfragen bei komplexen Fällen haben?

Daniel Schroth: Wenn ein Patient eine Zweitmeinung bei uns erstellen lässt, stehen wir dem Physiotherapeuten wie auch behandelnden Ärzten offen und direkt zur Verfügung. Rückfragen sind jederzeit möglich – telefonisch oder gerne auch per E-Mail. Bei Bedarf können wir auch Fallbesprechungen durchführen, zum Beispiel wenn es darum geht, radiologische Befunde gemeinsam zu interpretieren oder therapeutische Optionen im Licht der Bildgebung einzuordnen. Langfristig planen wir spezielle Partnerbereiche, die Physiotherapeuten einen noch direkteren Zugang ermöglichen.

BODYMEDIA: Wie können Physiotherapeuten eurer Ansicht nach von Verimedis profitieren?

Daniel Schroth: Physiotherapeuten kennen ihre Patienten oft sehr gut. Sie sehen jede Veränderung und merken, wenn etwas nicht stimmig erscheint. Eine Zweitmeinung kann in solchen Situationen eine wichtige Unterstützung sein. Sie hilft, Bildbefunde präziser einzuordnen und Beschwerden besser zu verstehen.

Daniel Schroth und Kilian Lamadé
Die beiden Gründer von Verimedis: Daniel Schroth und Kilian Lamadé (Bildquelle: © Verimedis)

Physiotherapeuten profitieren an mehreren Stellen: Sie erhalten eine fundierte radiologische Grundlage für ihre Therapieplanung und können Patienten mit stagnierendem Verlauf oder unsicherer Diagnose gezielt weiterleiten. Außerdem vermeiden sie Fehlbelastungen durch unklare Befunde und können Behandlungsziele präziser abstimmen. 

Dadurch gewinnen sie Sicherheit, wenn wichtige Entscheidungen anstehen, etwa die Frage, ob eine konservative Therapie weitergeführt werden kann oder ob es sinnvoll wäre, eine operative Abklärung einzuleiten. Unser Ziel ist eine echte Zusammenarbeit. Eine gute physiotherapeutische Behandlung und eine präzise radiologische Beurteilung ergänzen sich. Wenn wir beides zusammenbringen, profitieren die Patienten unmittelbar.

BODYMEDIA: Könnt ihr die Sicherheit der Daten eurer Patienten gewährleisten?

Kilian Lamadé: Ja, Datenschutz ist für uns zentral. Wir arbeiten vollständig DSGVO-konform, alle Daten werden verschlüsselt übertragen und ausschließlich auf zertifizierten Servern in Deutschland gespeichert. Wir verzichten bewusst auf Tracking-Cookies von Drittanbietern. Nur die Informationen, die für die Beantwortung der Frage erforderlich sind, werden erhoben. Gerade bei Gesundheitsdaten gilt: Sicherheit ist nicht verhandelbar.

BODYMEDIA: Ist es für euch als Fachärzte ungewohnt, dass ihr den Patienten nicht physisch vor euch habt? Würde sich eure Befundung ändern, wenn ihr direkt mit dem Patienten sprechen würdet?

Daniel Schroth: Der direkte Kontakt ist wertvoll, keine Frage. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass eine fundierte radiologische Einschätzung in erster Linie auch von der Bildqualität und von klaren klinischen Angaben abhängt. Beides stellen wir digital sicher. Unsere Befunde ändern sich durch das digitale Format nicht in ihrer fachlichen Qualität. Was wir allerdings gezielt ergänzen, ist die verständliche Einordnung. Hier hilft es, wenn Patienten ihre Beschwerden möglichst präzise schildern. In vielen Fällen ermöglicht uns die digitale Form sogar mehr Ruhe und Fokus, weil wir ohne Zeitdruck arbeiten können.

BODYMEDIA: Welche Pläne habt ihr für die nähere, mittlere und weiter entfernte Zukunft?

Daniel Schroth: Kurzfristig wollen wir unser Expertennetzwerk weiter ausbauen und den Austausch mit Physiotherapeuten, Hausärzten und Kliniken vertiefen. Mittelfristig werden wir KI-gestützte Analysen als ergänzende Leistung anbieten. Aber nur dann, wenn sie auch einen echten Mehrwert liefern. Langfristig möchten wir unser Angebot international öffnen und radiologische Zweitmeinungen zu einem festen Bestandteil einer modernen, qualitätsorientierten Patientenversorgung machen. Unsere Vision ist, dass niemand mit einem unklaren Befund allein bleibt.

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Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Er war von 2015 bis 2023 Chefredakteur der BODYMEDIA Fachmagazine. 2017 etablierte er mit der BODYMEDIA Physio ein Business-Magazin im Physio-Bereich. Nach einer etwa einjährigen Pause als Leiter eines therapeutischen Fitnessstudios kehrte er 2024 als Stellver. Chefredakteur zur BODYMEDIA zurück. 

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