Physiotherapie

Die Eckdaten der Physiotherapiebranche 2025

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Branchenzahlen bieten eine unverzichtbare Orientierung, um die aktuelle Lage und die zukünftigen Potenziale eines Marktes zu bewerten. Der Branchenreport der Physiotherapie 2025 wurde wieder in Zusammenarbeit von ETL ADVISION und dem Verlag für Prävention & Gesundheit GmbH erstellt und liefert eine umfassende Bestandsaufnahme mit detaillierten Zahlen, Daten und Fakten für alle Marktteilnehmer.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Physiotherapiebranche 2025 zeigt sich stabil mit leichtem Wachstum.
  • Die größte Herausforderung ist der Fachkräftemangel mit einer Teilzeitquote von über 50 Prozent, durchschnittlich 221 Tagen bis zur Neubesetzung offener Stellen und einem geringen Akademisierungsgrad.
  • Wirtschaftlich erzielen viele Praxen solide Umsätze, jedoch bei überschaubaren Gewinnen.
  • Die Digitalisierung schreitet nur zögerlich voran, insbesondere bei TI Anbindung und Videotherapie.

Kurz zusammengefasst: Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer stabilen, leicht wachsenden Branche, die jedoch mit altbekannten Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, einer hohen Teilzeitquote sowie einer geringen Geschwindigkeit bei der Digitalisierung konfrontiert ist.

Stabiles Wachstum und traditionelle Strukturen

Der Markt im Überblick: Die Physiotherapie in Deutschland befindet sich auf einem soliden, wenn auch moderaten Wachstumskurs. Laut den Daten der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gab es zuletzt 50.888 zugelassene Physiotherapiepraxen. Das ist immerhin ein Plus von 1,1 % im Vergleich zum Vorjahr.

Die Unternehmensstruktur bleibt dabei eher traditionell geprägt. Die überwiegende Mehrheit der Physiopraxen ist als Einzelunternehmen organisiert – was nach wie vor mit hohem persönlichen Risiko verbunden ist. Knapp ein Viertel wählt die Form einer Personengesellschaft, während die Kapitalgesellschaft mit nur knapp 6 % eine untergeordnete Rolle spielt. Dies unterstreicht den Charakter der Branche, der stark von inhabergeführten, persönlichen Strukturen geprägt ist.

Ein horizontales Balkendiagramm mit dem Titel „Selbstzahlerleistungen“, das die prozentuale Verteilung verschiedener Therapieangebote für die Jahre 2023, 2024 und 2025 vergleicht. Spitzenreiter sind Klassische Massagen, Physiotherapie und Klassische Rückenmassagen. Die Skala reicht von 0 bis 100 Prozent.
Mit diesen Selbstzahlerleistungen ergänzen Physiopraxen ihr Angebot (Bildquelle: © ETL ADVISION | © Verlag für Prävention und Gesundheit)

Die räumliche Aufteilung der Praxen spiegelt den therapeutischen Kernfokus wider. Eine durchschnittliche Praxis in Deutschland hat eine Fläche von 158,3 Quadratmetern. Der Großteil davon ist für die Therapie, also die vorwiegend manuelle Arbeit am Patienten vorbehalten. „Nur“ etwa ein Drittel der Fläche wird für den Trainingsbereich genutzt. Dies zeigt, dass das klassische, positiv formuliert traditionelle, Heilmittelgeschäft nach wie vor das dominante Standbein ist. Gerade in den Bereichen Training und Selbstzahler ist bei vielen Praxen noch Potenzial nach oben.

Das Herz der Praxis: Das Team im Fokus

Die Gesundheit der Patienten und damit der Erfolg einer Praxis steht und fällt mit den Mitarbeitern. Im Schnitt arbeiten 5,44 therapeutische Mitarbeiter in einer deutschen Physiotherapiepraxis. Die Spanne ist jedoch groß: Während immer noch knapp 5 % als Ein-Personen-Betriebe agieren, beschäftigen nur etwa 8 % der Praxen mehr als 10 therapeutische Angestellte. Das Gros der Branche bewegt sich also im Bereich zwischen 2 und 10 Mitarbeitern. Ein bekanntes, aber oft übersehenes Merkmal bleibt die deutliche weibliche Dominanz: Etwa drei Viertel der angestellten Therapeuten sind Frauen.

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Eine der größten strukturellen Herausforderungen bleibt die enorm hohe Teilzeitquote von über 50 %. Dies ist ein klares Indiz für die anspruchsvollen Arbeitsbedingungen, die von kurzen Taktzeiten und einer hohen Anzahl an Patientenkontakten geprägt sind. Für Praxisinhaber bedeutet dies einen erhöhten Organisationsaufwand, um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden.

Bei der Qualifikation der Mitarbeiter zeigt sich ein interessantes Merkmal. In fast der Hälfte aller Praxen (46 %) arbeitet mindestens ein sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie, was den Trend zur therapeutischen Autonomie und zur Erweiterung des Leistungsangebots unterstreicht.

Im Gegensatz dazu ist der Akademisierungsgrad weiterhin gering. Nur 7,5 % der Therapeuten verfügen über einen Hochschulabschluss, weshalb nur etwa ein Drittel aller Praxen auf akademisch ausgebildetes Personal zurückgreifen kann. Die am weitesten verbreiteten Fortbildungen sind MT, gefolgt von MLD, KG-ZNS (Bobath u. PNF) und KG-Gerät.

Auch interessant zu sehen: Bei der Taktung dominiert nach wie vor der 20-Minuten-Rhythmus (51,8 %), obwohl fast die Hälfte der Praxen bereits auf längere Taktungen von 25 oder 30 Minuten setzt, um die Behandlungsqualität zu erhöhen.

Gehälter, Recruiting und Mitarbeiterbindung

Erstmals wurden im Branchenreport die Einstiegsgehälter abgefragt, ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Nachwuchskräfte. Im Mittel liegt das Brutto-Einstiegsgehalt bei 2.858 Euro. Über 90 % der Berufseinsteiger bewegen sich in einer Spanne zwischen 2.500 und 3.499 Euro. Die regionalen Unterschiede sind jedoch erheblich: Während in Bremen mit durchschnittlich 3.052 Euro am meisten gezahlt wird, bildet Sachsen-Anhalt mit 2.665 Euro das Schlusslicht.

New Pay – Neue Gehaltsstrategie für die Physiotherapie

Bei berufserfahrenen Physiotherapeuten sieht es etwas anders aus. Sie verdienen im Schnitt 3.532 Euro brutto. Auch hier gibt es ein klares regionales Gefälle: In Hamburg ist das Gehaltsniveau am höchsten, während Sachsen-Anhalt erneut den letzten Platz belegt.

Tabelle mit den Methoden zur Mitarbeitergewinnung im Überblick
Die Methoden zur Mitarbeitergewinnung im Überblick (Bildquelle: © ETL ADVISION | © Verlag für Prävention und Gesundheit)

221 Tage dauert es im Schnitt, bis eine offene Stelle in der Physiotherapie mit einem neuen Therapeuten besetzt ist. Zur Therapeutengewinnung setzen die meisten Physiopraxen nach wie vor auf traditionelle Methoden. Mit über 80 % ist die Mund-zu-Mund-Propaganda das mit Abstand wichtigste Recruiting-Instrument, gefolgt von der eigenen Website und dem Jobcenter. Eine noch untergeordnete Rolle spielen moderne Recruiting-Kanäle wie Social Media.

Eine Infografik mit zwei Diagrammen: Links ein horizontaler Balkengrafik-Vergleich des durchschnittlichen Einstiegsgehalts für Physiotherapeuten nach Bundesländern, unterteilt in Berufseinsteiger und Berufserfahrene. Rechts ein Kreisdiagramm zur Arbeitszufriedenheit.
Gehälter für Berufsanfänger und Berufserfahrene im Überblick nach Bundesland und Selbsteinschätzung zum aktuellen Stand der Digitalisierung in der Physiotherapie (Bildquelle: © ETL ADVISION | © Verlag für Prävention und Gesundheit)

Bei diesem langen Zeitraum für eine Neueinstellung ist es umso wichtiger, die bestehenden Mitarbeiter möglichst lange an die Praxis zu binden. Dafür setzen Praxisinhaber auf eine Vielzahl von Benefits. An erster Stelle stehen mit 80,6 % die Fortbildungsmöglichkeiten, gefolgt von der betrieblichen Altersvorsorge (55,3 %) und flexiblen Arbeitszeiten (50,3 %), die insbesondere angesichts der hohen Teilzeitquote eine wichtige Rolle spielen.

Stabile Umsätze, aber überschaubare Gewinne

Wirtschaftlich steht die Branche auf einem soliden Fundament. Eine durchschnittliche Praxis erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 415.000 Euro. Die meisten Praxen bewegen sich in den Umsatzklassen von 100.000 bis 250.000 Euro sowie 250.000 bis 500.000 Euro. Der Sprung über die Millionengrenze gelingt jedoch nur wenigen: Lediglich 7,3 % der Befragten gaben einen Jahresumsatz von mehr als 1.000.000 Euro an.

Beim Gewinn zeigten sich die Praxisinhaber etwas weniger auskunftsfreudig. Die verfügbaren Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Margen überschaubar sind. Nur etwas mehr als 15 % der Praxen erwirtschaften einen Gewinn von über 100.000 Euro pro Jahr.

Ein wichtiger Aspekt zur Sicherung der Liquidität sind Ausfallhonorare. Immerhin fast 60 % der Praxen erheben eine Gebühr von durchschnittlich 28 Euro, wenn Patienten unentschuldigt nicht zum Termin erscheinen. Je nach Behandlung und eingesetztem Therapeuten ist davon auszugehen, dass Ausfallhonorare in dieser Höhe nicht alle wirtschaftlichen Kosten abdecken. Etwa 10 % der Praxen berechnen 40 € und mehr.

Während viele Branchen mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation kämpfen, bewerten etwa die Hälfte der Praxisinhaber ihre wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut. Dementsprechend hoch ist die Investitionsbereitschaft. Drei Viertel der Befragten haben 2024 investiert, wenngleich das durchschnittliche Investitionsvolumen mit knapp 10.500 Euro eher auf kleinere Anschaffungen hindeutet.

Für die Zukunft stehen Investitionen in neue Mitarbeitende an erster Stelle, gefolgt von Therapie- und Trainingsgeräten. Ein interessanter Trend: Die Investitionen in Marketing sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Der Grund ist simpel: Volle Terminkalender reduzieren den gefühlten Bedarf an neuen Patienten.

Digitalisierung: Zwischen pragmatischer Nutzung und Zögern

Zwar schreitet die Digitalisierung in den Praxen voran, allerdings mit unterschiedlichem Tempo. Ein klares Zeichen für die Professionalisierung ist die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern: Fast 70 % der Praxen nutzen mittlerweile einen Abrechnungsdienstleister, um den administrativen Aufwand zu reduzieren.

Wie steht es um die Digitalisierung in der Physiotherapie? Das sagen Experten!

Bei der Selbsteinschätzung des Digitalisierungsgrades sieht sich knapp die Hälfte der Praxen als „hoch“ oder „sehr hoch“ digitalisiert. Die Mehrheit verortet sich jedoch im Durchschnitt oder darunter. Besonders deutlich wird die Zurückhaltung beim Thema Telematikinfrastruktur (TI). Obwohl die Anschlussfrist näher rückt, sind 52,4 % der Praxisinhaber noch unentschlossen, ob sie sich anbinden sollen. Als Hauptgründe werden ein fehlender Mehrwert und die noch verbleibende Zeit bis zur Frist genannt.

Nahezu ungenutzt bleibt das Potenzial der Videotherapie: Über 90 % der Praxen bieten diese Form der Behandlung nicht an.

Fazit

Der Branchenreport der Physiotherapie gibt nicht nur wertvolle Einblicke in wichtige Kennzahlen der Physiobranche, sondern macht die altbekannten Herausforderungen der Branche greifbarer: Fachkräftemangel, schleppende Digitalisierung und die hohen Arbeitsbelastungen für die Therapeuten müssen adressiert werden, um diese wichtige Branche wieder attraktiv für Fachkräfte zu machen.

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Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Er war von 2015 bis 2023 Chefredakteur der BODYMEDIA Fachmagazine. 2017 etablierte er mit der BODYMEDIA Physio ein Business-Magazin im Physio-Bereich. Nach einer etwa einjährigen Pause als Leiter eines therapeutischen Fitnessstudios kehrte er 2024 als Stellver. Chefredakteur zur BODYMEDIA zurück. 

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