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Warum Fitness- und Sportartikel mehr sind als nur Werbung – und was Fitnessstudios daraus lernen können

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55.000 Läufer. Ein Logo. Millionen Sichtkontakte. Beim Berlin-Marathon zeigen Sportartikel ihre Rolle als Markenvehikel. Was können Fitnessstudios daraus für ihr Marketing lernen?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sportartikel wirken, weil haptische Reize ein Gefühl von psychologischem Besitz erzeugen und damit die Markenbindung stärken.
  • Regelmäßig getragene Textilien verknüpfen Training, Zugehörigkeit und Marke und verankern diese emotional.
  • Ihre Wirkung ist am stärksten, wenn sie an bedeutsame Momente wie Challenges oder Events gekoppelt sind.
  • Hochwertige, funktionale Produkte werden häufiger genutzt und erzeugen dadurch langfristige Sichtbarkeit.
  • Durch QR-Codes, NFC oder Aktionscodes lassen sich haptische Kontaktpunkte ins Digitale verlängern und messbar machen.

Warum Sportartikel wirken

Die Forschung zeigt, dass haptische Reize tiefer verarbeitet werden als rein visuelle Botschaften. Schon die gedankliche Vorwegnahme von Berührung kann das Gefühl von „psychologischem Besitz“ auslösen. Das Objekt wird dadurch subjektiv wertvoller und länger genutzt.

Wer ein Shirt regelmäßig anzieht oder die Trinkflasche täglich nutzt, trägt die Marke nicht nur sichtbar nach außen, sondern verankert sie auch innerlich. Dazu kommt, dass die Bedeutung, die wir einem Kleidungsstück zuschreiben, unser Verhalten mitsteuert. Wer im Studio- oder Event-Shirt trainiert, verbindet Leistung, Zugehörigkeit und Marke. Diese Verknüpfung stärkt die Wiedererkennung und Bindung.

Marken profitieren bei Sportevents besonders dann, wenn Marke und Event stimmig zueinander passen. Bei schlechtem Fit oder übermäßiger Kommerzialisierung verpuffen Effekte dagegen. Für Fitnessstudios heißt das, lokale Sportpartnerschaften sollten thematisch und wertebasiert passen.

Branchenweite Studien belegen zudem: Werbetextilien zählen zu den meistgenutzten und meistbehaltenen Artikeln. Sie erzeugen über Monate hinweg wiederkehrende Kontakte – beim Träger selbst und im sozialen Umfeld. Dieser „Pass-along“-Effekt ist besonders wertvoll, weil er organisch und ohne zusätzliche Mediakosten entsteht.

Qualität und Kontext entscheiden über Erfolg

Nur bequeme, funktionale Textilien werden regelmäßig getragen und entfalten ihren Branding-Effekt. Die Devise lautet daher: Lieber weniger Stücke in hoher Qualität als Massenware, die im Schrank bleibt. Ein Shirt wird zum wirksamen Kontaktpunkt, wenn es an bedeutsame Situationen geknüpft ist, etwa die Teilnahme am Stadtlauf, den Abschluss einer Fitnessstudio-Challenge, die Team-Leistung oder ein Community-Event.

Sponsoring-Forschung belegt, dass Bindung an das Event und Selbstkongruenz („Das passt zu mir“) die Wirkung erhöhen. Fitnessstudios sollten Events wählen, die zum Markenbild passen, und Aktivierungen planen, die Teilnehmer wirklich nutzen wollen. Das können beispielsweise Running-Treffs oder gemeinsame Long Runs sein, bei denen das Shirt zum „Ticket“ wird.


Bekleidung wird zum wirksamen Kontaktpunkt, wenn es an bedeutsame Situationen geknüpft ist, etwa den Abschluss einer Fitnessstudio-Challenge oder ein Community-Event

Beim Design gilt: Dezent platzierte, gut lesbare Logos auf hochwertigen Materialien, Farben mit hoher Erkennbarkeit und Schnitte, die vielen passen, maximieren die reale Reichweite. Aus der Werbewirkungsforschung wissen wir, dass wiederholte, unaufdringliche Exposition Erinnerungswerte stabilisiert. QR-Codes im Nackenlabel, NFC-Tags im Saum oder Aktionscodes auf Etiketten leiten auf spezifische Landingpages, tracken die Teilnahme oder verknüpfen das Shirt mit Benefits wie freien Kursen. So entstehen messbare Funnels, die zeigen, wie stark Textilien in Awareness, Engagement und Wiederbesuch einzahlen.

Praktischer Fahrplan in vier Schritten

  1. Ziel definieren, Fokus schaffen: Geht es um mehr lokale Sichtbarkeit, um stärkere Mitgliederbindung oder um neue Leads? Diese Zieldefinition ist entscheidend, denn sie bestimmt Auswahl, Stückzahl und Verteilstrategie der Artikel. Wer versucht, alles gleichzeitig zu erreichen, verwässert die Wirkung. Ein gezieltes Kampagnenziel, etwa die Stärkung der eigenen Laufgruppe oder die Gewinnung neuer Kursteilnehmer, schafft Klarheit und messbare Ergebnisse.
     
  2. Kontext und Anlass bewusst wählen: Sporttextilien entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie mit bedeutsamen Momenten verknüpft sind. Ein limitiertes „Finisher-Shirt“ für Mitglieder, die eine Fitnessstudio-Challenge abschließen, oder ein „Training-Squad-Shirt“ für alle, die beim nächsten Stadtlauf mitlaufen, erzeugt Stolz und Sichtbarkeit. Auch ein funktionales Handtuch für Kursteilnehmer oder eine Cap für Outdoorfans kann Symbolcharakter entwickeln. Entscheidend ist, dass die Aktion zur Markenidentität des Fitnessstudios passt. Je glaubwürdiger der inhaltliche Fit zwischen Marke und Anlass, desto stärker die Bindungswirkung.
     
  3. Qualität und Design als Markenbotschaft: Ein Shirt entfaltet nur dann seinen Branding-Effekt, wenn es regelmäßig getragen wird. Die wahrgenommene Qualität überträgt sich direkt auf das Markenbild. Hochwertige Materialien, atmungsaktive Stoffe, klare Logoplatzierung und Farben mit Wiedererkennungswert sorgen dafür, dass Textilien auch langfristig genutzt werden. Ein modularer Ansatz, also Kernartikel wie Shirts, ergänzt durch saisonale Produkte wie Mützen oder Handtücher, verlängert den Nutzungskreislauf und schafft zusätzliche Kontaktpunkte. Kurz gesagt: Qualität ist keine Kür, sondern Grundvoraussetzung für Wirkung.
     
  4. Wirkung verlängern und messbar machen: Die stärkste Kombination entsteht, wenn haptische und digitale Kanäle zusammenwirken. QR-Codes oder NFC-Tags auf den Artikeln führen direkt zu Landingpages, Kursangeboten oder Community-Aktionen. So wird der Werbeartikel Teil eines messbaren Funnels, der Engagement, Teilnahme oder Wiederbesuch dokumentiert. Auch einfache Methoden wie Online-Umfragen, Code-Einlösungen oder Social-Media-Monitoring helfen, den Erfolg zu erfassen. Wer zwei Designs oder Botschaften parallel testet, gewinnt zusätzliche Erkenntnisse für künftige Kampagnen. Wichtig ist: Erfolg sollte nicht nur an Klicks oder Likes gemessen werden, sondern auch an langfristigen Indikatoren wie Markenbekanntheit, Wiederbesuchsrate oder Empfehlungsbereitschaft.

Wirkungsvolles Branding mit Sporttextilien folgt also einem klaren Plan. Es beginnt mit einem präzisen Ziel, nutzt emotionale Momente, setzt auf Qualität und schafft digitale Anschlusskommunikation. Fitnessstudios, die diese Schritte konsequent umsetzen, verwandeln einfache Textilien in langfristige Markenbotschafter; getragen mit Stolz, gesehen von vielen und erinnert über Monate hinweg.

Mehr als nur Werbeartikel

Sporttextilien sind keine „Giveaways“, sondern haptische Medien, die Leistung, Zugehörigkeit und Marke in den Alltag verlängern. Sie verbinden psychologische Ownershipeffekte mit realer Sichtbarkeit und messbarer Response. Der Berlin-Marathon liefert dafür jährlich den Großversuch. Fitnessstudios können die Prinzipien lokal adaptieren: Kontextpassende Events, hochwertige Textilien, klare digitale Anschlusskommunikation und sauberes Controlling. Wer diese vier Punkte konsequent umsetzt, nutzt die Kraft der Haptik als Brücke zum Digitalen und baut Markenstärke dort auf, wo sie zählt: im gelebten Alltag der eigenen Community.

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Der Autor

  • Steven Baumgaertner

    Steven Baumgaertner gründete 1994 die cyber-Wear Heidelberg GmbH, die er als CEO und Global Director Sales zu einem international führenden Unternehmen (Cybergroup International) für Werbeartikel und Corporate Fashion 
    aufbaute. Als Branchenexperte mit 30 Jahren Erfahrung liegt sein Fokus heute darauf, Innovation und Nachhaltigkeit als festen Standard in der Werbemittelbranche zu verankern. Unter anderem rief er daher den Innovator of the Year Award (PSI Sustainability Awards) ins Leben, ist als Ambassador für bluesign® tätig und Aufsichtsratsmitglied in verschiedenen internationalen Unternehmen. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist er Vater von zwei Söhnen, leidenschaftlicher Traveler, Sportler und Ironman-Finisher.

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