Management

Change-Management: Digitalisierung erfolgreich meistern

Das Stichwort Digitalisierung ist in aller Munde – auch in der Fitnessbranche. Sie wird einerseits als große Chance gesehen, stellt die Branche andererseits aber auch vor große Herausforderungen. Die Aufgabe der Industrie wird es weiterhin sein, innovative digitale Lösungen zu konzipieren, von denen sowohl Studiomitglieder, als auch Betreiber gleichermaßen profitieren. Fitness-Club-Betreiber müssen, unter anderem aufgrund der großen Konkurrenz an Online-Fitnessangeboten, schnellstmöglich den digitalen Wandel einleiten.

Der ohnehin stark umkämpfte Fitnessmarkt, hat seit einigen Jahren, durch den Einfluss neuer digitaler Technologien, wie zum Beispiel Apps, Wearables und Online-Fitnessangebote, und die daraus hervorgehenden veränderten Konsumentenwünsche zusätzliche Konkurrenz erhalten. Das Beispiel der App Freeletics, die bereits 2016 von über fünf Millionen Anwendern genutzt wurde1 verdeutlicht, dass Fitness-Studios die digitalen Wettbewerber unbedingt als solche erkennen und ihrerseits dementsprechend handeln müssen. Welche Folgen es haben kann, sollte der digitale Wandel verpasst werden, zeigt das Beispiel der ehemals großen Versandhäuser und Katalogunternehmen der Offline-Ära, die gegen die Online-Konkurrenz das Nachsehen hatten.

Vorteile von digitalen Strukturen
Die Vorteile von digitalen Strukturen sind nicht nur für Fitness-Clubs vielfältig. So können zum Beispiel Optimierungen im Bereich der Reduzierungen von Durchlaufzeiten, Kosten der Dienstleistung und Kapazitätsauslastung erreicht werden. 

Demnach dient die Prozessoptimierung nicht nur dazu, den Einsatz der benötigten Ressourcen zu verbessern und die Effektivität zu steigern, sondern auch die Effizienz und das Handling der Prozesse zu optimieren und sie zu automatisieren. Denn durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen kann nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die Kundenorientierung gesteigert werden2. Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen ist ein schleichender Prozess, der nicht überstürzt und ohne Strategie angegangen werden darf. Beim Digitalisierungsprozess lastet vor allem auf dem Management bzw. den Führungskräften große Verantwortung. Welche Voraussetzungen für die Integration von digitalen Strukturen geschaffen werden müssen, wie lange ein solcher Prozess dauert und wie stark der Digitalisierungsprozess von den Führungskräften abhängig ist, darüber haben wir im Interview mit Paulina Habben gesprochen, Head of Transformation bei der Berliner Digitalberatung Rckt.


Interview mit Paulina Habben, 
Head of Transformation Rckt


Paulina Habben ist Head of Transformation bei der Berliner Digitalberatung Rckt, die unter anderem die Führungskräfte der Commerzbank und der Allianz Global Investors für die digitale Transformation fit gemacht hat

 

BODYMEDIA: Ein Großteil der Unternehmen beschäftigt sich mit dem digitalen Wandel. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation bezüglich der konkreten Umsetzung ein?
 
Paulina Habben: Gerade in Großkonzernen finden sich ausgearbeitete Digitalstrategien, neue Unternehmensziele und auch damit verbundene Maßnahmen, die den Wandel begleiten. Spannend wird es jedoch, wenn es um die tatsächliche Umsetzung des Wandels geht. Diese Übersetzung wird oft in hochtrabende Begriffe und komplexe Prozesse verpackt. Digitalisierung zu meistern, hat jedoch am Ende mit ganz konkreten Problemen und Herausforderungen zu tun. Hier fehlt es Unternehmen oftmals an einem konkreten Ansatzpunkt und letztlich an einer Strategie: Was heißt Digitalisierung für mein Unternehmen konkret? Wo liegen die Chancen und welche sind die Schritte, um diese Chancen zu nutzen?

BODYMEDIA: Wie sollten KMU wie beispielsweise Fitness-Studios vorgehen, um digitale Prozesse zu integrieren? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Paulina Habben: Ziel eines jeden Unternehmens, unabhängig von Größe und Branchenzugehörigkeit, sollte es sein, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der digitaler Wandel täglich auf jeder Ebene über alle Mitarbeiter hinweg gelebt wird. Nur so entstehen Projekte und Ideen, die die Zukunft von Unternehmen sichern können. Der digitale Wandel vollzieht sich zu schnell, als dass er auf den Schultern weniger gestaltet werden kann. Es ist wichtig immer vom Kunden aus zu denken. Strukturen im Unternehmen und einzelne Teams sollten so aufgebaut werden, dass Kundenbedürfnisse direkt in neue Ideen und Produkte übersetzt werden können. Ihre Kunden wollen ihre Trainingserfolge besser nachvollziehen? Dann brauchen sie vielleicht eine App, die die eigene Entwicklung trackt und Übungsempfehlungen basierend auf individuellen Workout-Zielen gibt. Ihre Zielgruppe ist immer auf Instagram unterwegs? Dann ist das ein guter Vertriebskanal für Ihr Fitness-Studio. Der bzw. die Social-Media-Verantwortlichen sollten eine direkte Schnittstelle zum Vertrieb- und Produkt-Team haben und Content-Ideen ohne viel Zeitverlust umsetzen können.
 
BODYMEDIA: Welche Probleme können auf dem Weg zur Digitalisierung auftreten und welche Fehler müssen zwingend vermieden werden?

Paulina Habben: Oft werden Maßnahmen im Rahmen von Digitalisierungsprozessen ohne strategischen Unterbau umgesetzt, nur um das Thema nicht völlig unbehandelt zu lassen. Dabei werden bekannte Maßnahmen fast willkürlich aus dem Boden gestampft, wie zum Beispiel Acceleratoren, Intrapreneurship-Programme oder große Reisen ins Silicon Valley. Sie halten jedoch meistens der Frage nicht stand: Welches Problem lösen wir damit konkret? Unternehmen müssen in der Lage sein, ein klares Bild einer digitalen Zukunft zeichnen zu können.

BODYMEDIA: Wie stark ist die erfolgreiche Digitalisierung eines Unternehmens von der bzw. den Führungskräften abhängig? Welche Aufgaben kommen auf die Führungskräfte zu?

Paulina Habben: Führungskräfte haben eine sehr entscheidende Rolle. Wichtig für das Gelingen des digitalen Wandels ist die Rolle von Führungskräften im Arbeitsalltag. Führungskräfte müssen heute mehr denn je echte Vorbilder sein und auch sein wollen. Mitarbeiter werden viele Fragen stellen und Zweifel äußern. An dieser Stelle sind Chefs gefragt, die Visionen vermitteln und neue Denkanstöße geben. Das bedeutet für Führungskräfte ein hohes Maß an Bereitschaft zur Veränderung und ein proaktives Hinausschauen über den Tellerrand des bisherigen Berufsalltags. Nur wenn sie selbst fundierte Bewertungskompetenzen entwickeln, können sie diese an ihre Mitarbeiter weitergeben.
 
BODYMEDIA:
Welche konkreten Vorteile bietet die Integration von digitalen Prozessen, insbesondere auch kleineren Unternehmen wie Fitness-Clubs?

Paulina Habben: Im Mittelpunkt des digitalen Wandels steht am Ende für jedes Unternehmen, besser als zuvor mit den Bedürfnissen der Kunden umzugehen und somit einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Wenn für kleinere Unternehmen wie Fitness-Studios durch Digitalisierung ein größerer Wettbewerb entsteht, beispielsweise durch digitale Angebote wie Apps, so liegt die Antwort darin, im Sinne der Nutzer das Angebot anzupassen. Dabei geht es darum, sich neuen Innovationen zu öffnen und sich seiner traditionellen Stärken sicher zu sein.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview. 

 

Quellen
1www.munich-business-school.de/insights/2016/auswirkung-der-digitalen-transformation-auf-die-fitnessbranche/
2www.bitkom.org/sites/default/files/file/import/180710-Bitkom-LF-Geschaftsprozesse.pdf
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Der Autor

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

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