BODYMEDIA: Herzlich willkommen zum Interview, Bernd und Kai. Ihr habt vor gut dreieinhalb Jahren das Franchise „Rehabox“ gestartet. Heute seid ihr hier, um über etwas völlig Neues zu sprechen – etwas, das in der Branche in dieser Form noch nicht gedacht wurde. Worauf dürfen wir uns freuen?
Kai Mäscher: Wir freuen uns sehr, unser neuestes Projekt vorzustellen: Wir gehen mit dem ersten vollautomatisierten, stark KI-gestützten Boutique-Gesundheitsstudio an den Markt, das wir Franchisenehmern zugänglich machen möchten. Die gesamte Anlage wird von einer Künstlichen Intelligenz gesteuert, sodass wir das Thema Betreuung zwar nach wie vor großschreiben, es aber auf eine völlig neue, technologische Art und Weise lösen.
BODYMEDIA: Ein Boutique-Studio verbindet man klassischerweise mit intensiver, persönlicher Betreuung und hohem Personaleinsatz. Bei euch gibt es gar kein Personal auf der Fläche. Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?
Bernd Schranz: Die Idee dazu reifte bereits vor einigen Jahren. Wir waren in London und haben uns die Entwicklung der Boutique-Studios angesehen. Dabei fiel uns auf, dass diese Studios oft relativ klein, aber extrem spitz und spezialisiert auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten sind. Da wir beide seit über 20 – teilweise über 30 – Jahren in der Gesundheitsbranche verwurzelt sind, war es für uns der logische nächste Schritt nach der Rehabox, dieses sehr fokussierte Boutique-Konzept nun auf den reinen Gesundheitsbereich zu übertragen. Unser Ziel ist es, Gesundheit als Nahversorger wieder direkt zu den Menschen in die Gemeinden zu bringen – und das mit dem Mindset eines privaten Trainingsraums.
Third Space: Londons Luxus-Gesundheitsclubs
BODYMEDIA: Nehmt uns doch mal gedanklich mit in so eine Anlage. Wie sieht sie aus und was erwartet die Mitglieder dort?
Kai Mäscher: Der Name unseres Konzepts lautet „P11“. Das „P“ steht für „Privater Trainingsraum“ – das ist das zentrale Mindset. Die „11“ steht für die elf Säulen der Gesundheit. Wir bieten also nicht einfach nur klassisches Gerätetraining an, sondern verfolgen einen ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz. Das reicht von Trainingswissenschaften über Ernährung bis hin zu Themen wie gesundem Schlaf. Wenn ein Mitglied die Anlage betritt, greift sofort die KI-Unterstützung. Beim Onboarding gibt der Kunde seine Trainingsziele und eventuelle gesundheitliche Indikationen ein. Das Besondere im echten Trainingsalltag: Schon beim Check-in wird die tagesaktuelle Verfassung gemessen. Kommt das Mitglied beispielsweise nach einem sehr stressigen Arbeitstag ins Studio, erkennt das System das und empfiehlt automatisch ein entspannteres Training.
Die Stationen im P11 sind dann klar strukturiert. Das Aufwärmen findet vor einem „Digital Mirror“ statt – einem großen Spiegel mit integriertem Monitor, auf dem ein Avatar indikationsspezifische Übungen vorgibt. Im Cardio-und Kraftbereich steuert die KI die Geräteauswahl und Intensität wie ein Personal Trainer, der immer an der Seite des Mitglieds ist. Selbst das Faszientraining wird individuell angepasst. Das System ist lernfähig: Es registriert, welche Übungen dem Kunden leichtfallen oder wo es hakt, und justiert den Plan kontinuierlich nach.
BODYMEDIA: Bisher galt die Faustregel: Ein Gesundheitsstudio erfordert hochqualifiziertes Personal. Ihr überlasst diese Aufgabe nun der Technologie. Kann die KI den Trainer wirklich adäquat ersetzen?
Bernd Schranz: Absolut. Wir betreiben selbst personalintensive Anlagen, wissen also genau, wo die Grenzen der menschlichen Betreuung liegen. In einem klassischen Studio trainieren oft 30 bis 50 Leute gleichzeitig – wie sollen ein oder zwei Trainer da jedem Einzelnen gerecht werden? Das funktioniert in der Praxis kaum. Unsere Technologie hebt die Betreuungsqualität auf ein völlig neues Level.
Man kann es gut mit der Entwicklung beim Auto vergleichen: Wir haben uns an Navigationssysteme und Fahrassistenten gewöhnt. Setzt man sich danach in einen Oldtimer ohne diese Hilfen, fühlt man sich fast schon unsicher. Genau diesen Effekt sehen wir beim Training. Das Konzept stammt ursprünglich aus Korea und ist dort bereits vielfach erprobt. Das Feedback ist beeindruckend: Die Kunden fühlen sich bestens betreut und die Kündigungsquoten sind sehr gering. Zudem haben wir einen sehr smarten Wissenstransfer in das System integriert, der von medizinischen und therapeutischen Profis entwickelt wurde.
BODYMEDIA: Wie genau funktioniert dieser Wissenstransfer für den Kunden?
Kai Mäscher: Wir verfolgen hier drei große Ansätze. Erstens: In jeder P11- Anlage hängt ein großes Lösungsboard mit sogenannten Indikationskarten. Hat ein Mitglied beispielsweise Schulterschmerzen oder Arthrose, scannt es die entsprechende Karte. Daraufhin erklären medizinische Experten in Videos die Hintergründe der Diagnose, zeigen Lösungsansätze und geben Tipps für das Alltagsverhalten. Außerdem arbeiten wir mit einer großen Gesundheits-Academy zusammen. Hier kommen renommierte Ärzte, Professoren und sogar Trainer von Nationalmannschaften zu Wort. Diese Autoritäten schaffen viel Vertrauen. Und, die Kommunikation ist vollständig automatisiert. Wenn jemand bei uns trainiert, bekommt er nach drei oder sechs Monaten neue, zielgerichtete Impulse.
BODYMEDIA: KI ist also in der Trainingssteuerung und Kommunikation allgegenwärtig. Gibt es noch weitere Bereiche, in denen sie zum Einsatz kommt?
Kai Mäscher: Ja, und das ist besonders für unsere Investoren entscheidend. Wir nutzen im Hintergrund ein Netzwerk aus etwa zehn miteinander verknüpften KIs. Eine davon haben wir in den letzten drei Jahren mit einem Berliner Start-up speziell für den Bereich Social-Media-Marketing entwickelt. Diese KI erstellt selbstständig Texte, Bilder und Videos, postet diese, führt A/B-Tests durch und optimiert die Kampagnen zur Leadgenerierung vollautomatisch. So sichern wir ab, dass das Studio wirtschaftlich optimal anläuft.
BODYMEDIA: Wenn die KI vom Training bis zum Marketing fast alles übernimmt – welche Rolle spielt dann überhaupt noch der menschliche Betreiber beziehungsweise Franchise-Nehmer?
Bernd Schranz: Die operative Belastung für den Betreiber ist minimal. Es ist ein echtes Investorenmodell. Der Inhaber muss natürlich dafür sorgen, dass das Look-and-feel der Anlage stimmt – also Hygiene, Sauberkeit und die Instandhaltung der Räumlichkeiten. Zudem pflegt er den regelmäßigen Austausch mit uns als Franchisegeber, um die monatlichen Kennzahlen zu besprechen und das Studio strategisch auf Kurs zu halten. Das gesamte Beitragsmanagement, bis hin zu Rücklastschriften, ist vollständig automatisiert und in den Hintergrund ausgelagert. Wer als Investor schnell skalieren oder weitere Standorte eröffnen möchte, soll sich nicht mit administrativem Backoffice- Aufwand aufhalten müssen.
BODYMEDIA: Vielen Dank für das spannende Interview
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