Design

Was ist die passende Farbe für meinen Fitness-Club?

Die richtige Farbauswahl ist nicht nur für Designer eine der wichtigsten Entscheidungen, auch Club-Betreiber müssen sich bei der Gestaltung ihrer Räumlichkeiten die Frage stellen, welche Farben zu ihnen passen und wie sie damit ihre Zielgruppe am besten ansprechen. Farben können die Aufmerksamkeit steuern, Stimmungen hervorrufen und Emotionen, Wahrnehmungen und Handlungen beeinflussen. Wie Sie das auch für Ihren Club nutzen können, erklären wir hier.

Wussten Sie, dass die Entscheidung, ob ein Produkt gekauft wird, zu fast 90 % von seiner Farbe gesteuert wird? Betrachten wir einen Gegenstand, vermitteln Farben nicht nur objektive Informationen, sondern auch gewisse Assoziationen, die wir mit der Farbe verbinden. Auch unbewusst können dabei Emotionen, Reize und Gefühlswahrnehmungen entstehen. Dieser psychologische Einfluss wird jedoch nicht nur im Verkauf eingesetzt; in der Touristik, Gastronomie und eben auch in der Fitness- und Gesundheitsbranche macht man sich die Farbpsychologie zunutze. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Verwende ich die richtige Farbe, werden meine Mitglieder angesprochen und fühlen sich in meinem Fitness-Club wohl. Doch was genau ist die richtige Farbe? Wie viel darf es davon sein und welche Sinneseindrücke haben wir mit Rot, Blau oder Gelb? Um einen kleinen Überblick zu schaffen, ist es sinnvoll, sich zunächst über die Bedeutung der Farben in unserem westlichen Raum zu informieren.

 


Bei der Arbeit mit Farbe spielt nicht nur der richtige Farbton eine entscheidende Rolle, sondern auch die Farbkombination, denn das Auge erfasst beim Betreten des Raumes zuerst das große Ganze bevor es die einzelnen Details ergreifen kann. So entsteht der erste Eindruck, der oft entscheidend ist, ob man sich in einem Raum wohl fühlt oder nicht. Ein Beispiel dafür, wie dies perfekt umgesetzt werden kann, ist das comeIN in Hagen, das rechts abgebildet ist

 

Die klassische Farbenlehre
Die Idee, Farben in einem philosophischen Diskurs mit Regeln und Strukturen zu begründen, entstand schon in der Antike. Auch heute wird noch die klassische Farblehre unterrichtet. Rot wird z. B. oft mit Feuer, Kraft, Leidenschaft und Wichtigkeit, aber auch mit Gefahr in Verbindung gebracht. Orange wirkt heiter, aufgeweckt und strahlt Energie und Optimismus aus, ähnlich wie Rot, allerdings gedämpfter und ohne die bei Rot mitschwingende Aggression. Auch Gelb zieht die Aufmerksamkeit auf sich und wird oft mit Sonne, Energie und Lebensfreude in Verbindung gebracht. Trotz dieser positiven Gefühle kann Gelb auch für Angst stehen und wird, wie auch Rot, für Warnhinweise z. B. im Straßenverkehr benutzt. Vor einigen Jahren wurden Farben wie Rot, Gelb und Orange in der Fitnessbranche vor allem mit Discountern in Verbindung gebracht, da sie mit einem günstigeren Preis in assoziiert werden.
 
Grün wird direkt mit Pflanzen und Natur in Verbindung gebracht und steht für Wachstum und Gesundheit. Während helle Grüntöne beruhigend wirken, sind satte Grüntöne kraftvoll, lebhaft und aufregend. Blau steht für den Himmel und das Meer und wird sehr gerne bei Farbdesigns verwendet, da die Farbe für Vertrauen, Weisheit, Ruhe und Entspannung steht. Wie auch bei Grün kann die Helligkeit des Blautons entscheidend für die Farbassoziation sein: Während helle Blautöne kühl, erfrischend, und ruhig wirken, vermittelt das dunkle Blau Stärke und Verlässlichkeit. Lila ist die Farbe der Könige und vermittelt Luxus und Qualität, da sie einst sehr teuer in der Herstellung war. Da Rot, Gelb und Orange vor ca. 15 Jahren oft für Discounter verwendet wurden, waren Grün und Beerentöne quasi der direkte Gegenpart und wurden im Premiumbereich eingesetzt. Weiß steht für Hygiene, Reinheit und Makellosigkeit. Gerade im medizinischen Bereich steht sie für Gesundheit, Sauberkeit und Innovation. Großzügige weiße Flächen schaffen Abstand und lassen den Raum größer erscheinen. 

Den richtigen Farbton finden
Wie finde ich den richtigen Farbton? Das ist gewiss keine einfache Entscheidung, bei einer so großen Auswahl. Dustin Kuhl, Geschäftsführer von fifty fifty Design, rät Club-Betreibern, sich in erster Linie auf die Firmen-CI, die Corporate Identity, zu konzentrieren. Ist das Logo blau und grün, sollte man diese Farben auch im Club wiedergeben. Natürlich darf es hier auch Variationen geben, denn nicht jeder Raum muss beide Farben enthalten und im Firmen-CI gehalten werden. Hier gilt: Unterschiedliche Räume stehen für unterschiedliche Bedürfnisse. Der Eingangsbereich muss übersichtlich, einladend und informativ gestaltet sein; die Umkleideräume und Toiletten sind sehr intim und sollten sowohl Sauberkeit ausstrahlen, als auch Wohlbefinden erzeugen; im Kardio- und Kraftbereich sollten Power und Motivation wichtige Schlüsselworte sein, während der Wellnessbereich die Trainierenden zu Ruhe und Entspannung führen sollte. Es bietet sich also durchaus auch an, den unterschiedlichen Räumen auch unterschiedliche Farben zuzuordnen.

 


Keine Angst vor Holz und Fliesen – beides lässt sich heutzutage super dafür einsetzen, um dem Club das gewisse Etwas zu verleihen. Zu sehen hier ist das effectiv Trainingscenter Herforst 

 

Die Farbe richtig einsetzen
Wenn die passende Farbe für einen Raum gefunden ist, muss entschieden werden, was genau nun diese Farbe tragen soll, denn nicht nur farbige Wände erzeugen das Raumgefühl: Auch Pflanzen, Stühle, Teppiche, Dekoration und Licht können den Raum mit Farbe füllen. Auch hier hat Dustin Kuhl einen Tipp: Suchen Sie sich für den Raum eine oder auch zwei Farben (Kontrastfarben), diese kombinieren Sie dann mit einem neutralen Ton, wie beispielsweise Grau, Weiß oder Beige, und verschiedenen Abstufungen dieses Tones. 80 – 90 % der Wände werden dann in diesem neutralen Ton belegt und ein, zwei Wände in dem Kontrastfarbton gestrichen. Beim Beispiel Grün könnte man den funktionellen Bereich ein bisschen dunkler gestalten, im Wellnessbereich ein wenig ins Pastell gehen und im Kardio- und Kraftbereich in einen satten Grünton. Wichtig ist, dass es gewisse Varianzen gibt, die auf die verschiedenen Bereiche eingehen, und dass bei all den Ideen und der Kreativität, die bei einer farblichen (Um-)Gestaltung aufkommen, ein roter Faden in Form eines Konzeptes durchgezogen wird.

Fazit
„Farben machen ein Design nicht nur ansprechend. Sie unterstreichen es“, lautet ein Zitat des französischen Malers Pierre Bonnard – und man muss ihm recht geben, wenn man auf die Analyse und Aspekte der Farbwahl zurückblickt. Eine Antwort auf die Frage, welche Farbe die „richtige“ Wahl für einen Fitness-Club ist, lässt sich nicht so leicht geben, denn die Wirkung von Design und Farbe ist zum einen von der Farbkombination und zum anderen vom Club-Betreiber abhängig. Es gibt also keine „falsche“ oder „richtige“ Farbe. Entscheidend ist, wie man sie einsetzt.Bevor man sich für ein Farbkonzept entscheidet, sollte man sich bewusst werden, was man und vor allem wen man ansprechen möchte. Wie möchte man selbst wahrgenommen werden? Was passt zu meiner Zielgruppe? Was macht den Fitness-Club aus? Was ist meine Philosophie? Wenn einem das bewusst ist, wendet man sich am besten an einen Fachmann, denn Farbe fängt nicht mit dem Wandstreichen an. 

Um erfolgreich ein sich durch den Club ziehendes Farbkonzept zu etablieren, braucht es eine Menge Gespür und Feingefühl, da nicht nur die Wände, sondern auch alle Elemente im Raum – sei es die Theke, der Teppich, die Bilder, das Licht oder die Geräte – aufeinander abgestimmt werden müssen und das kann einen Laien schnell überfordern.

 

Studios
Header: In Shape Dynamic Fitness Göppingen
Bild 2: comeIN Hagen
Bild 3: effectiv Trainingscenter Herforst

 

Interview mit Dustin Kuhl, Inhaber von fifty fifty Design

fifty fifty Design: Das sind Romina Ettl und Dustin Kuhl, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Seit etwas mehr als vier Jahren entwerfen sie Designkonzepte, vor allem im Bereich Fitness, und realisieren diese gemeinsam mit ihren Kunden, indem sie die Studiobetreiber vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung der Anlage begleiten.

Kontakt:

 0163 / 3121199

mail@dustinkuhl.com
www.fiftyfiftydesign.com

BODYMEDIA: Beim Thema Farbeinsatz im Studio hat sich in den letzten Jahren einiges getan. In Bücher ist alles noch sehr klassisch an die Farblehre angelehnt. Ein No-Go sind hier z. B. schwarze Decken, da diese sehr drückend wirken. Im Web ist das allerdings modern. Was hältst du davon?
Dustin Kuhl: Ich habe in meinem Studium auch das Fach Farblehre belegen müssen. Hier wurde sehr viel anhand der klassischen Farblehre erklärt oder begründet. Ich muss aber sagen, als ich mit dem Studium fertig war und angefangen habe, Projekte selbst umzusetzen, habe ich gemerkt, dass das, was wir gelernt hatten, teilweise überhaupt nicht mehr aktuell ist. Ein Beispiel sind die schwarzen Decken. Vor etwa 20 Jahren traf das noch zu, da war man der Ansicht, dass sie drücken, depressiv machen und den Raum wie eine Höhle wirken lassen. Die Fitnessbranche hängt, was die Gestaltung im Studio angeht, vielen anderen Branchen, wie der Gastronomie und Hotellerie, sicherlich um 20 Jahre hinterher. Seit 10 Jahren sind z. B. Bäckereien ganz cool gemacht und die haben eigentlich überall schwarze Decken. Mittlerweile heißt es sogar, dass eine schwarze Decke den Blick weg von der Decke nimmt, da oben alles dunkel ist. So fallen Störer wie Rohre und Leitungen gar nicht mehr auf und der Blick bekommt mehr Weite. Heute gibt es kaum noch Club-Betreiber, die erschrocken sind, wenn ich eine dunkle Decke vorschlage. Ein zweites Beispiel, das am Anfang immer zur Verwunderung geführt hat, ist eine Holzverkleidung an der Wand. Wir holen uns einen Parkettboden, einen schön derben, und nageln es an die Wand. Viele wollten das Holz lieber streichen, aber der braune Holzton gibt dem Raum viel mehr Wärme und Wertigkeit, obwohl es nur einfaches Parkett ist. Wir hatten ähnliche Erfahrungen mit Fliesen. Da hatten wir die Idee, eine Thekenfront mit alten Metrofliesen oder Ornamentfliesen aufzupeppen. Wir verkleiden damit auch mal eine Wand an der Trainingsfläche, da hatten auch viele Studiobetreiber 
zunächst ihre Vorurteile. 

BODYMEDIA: Gibt es Konzepte oder Farben, von denen du den Kunden abraten würdest?
Dustin Kuhl: Ja, da wären wir wieder bei dem Thema Farblehre. Es gibt ein paar Sachen bei der Farblehre, die haben schon irgendwo ihre Begründung. Meiner Meinung nach sollte man nur eine gewisse Bandbreite an verschiedenen Farben in einem Raum integrieren. Ein Raum, in dem Gelb, Blau, Grün, Rot, Pink und Orange kombiniert werden, bekommt man zwar schon hin, aber das sieht schnell nach einer Kinder-spielwelt aus. Deshalb raten wir unseren Kunden tendenziell erst einmal davon ab, dass sich viele verschiedene Farben in einem Raum wiederfinden. Injoy z. B. hat einen Regenbogen im Logo; wenn ein Kunde gerne alle Farben dieses Schweifes abbilden würde, könnte das nur funktionieren, wenn sie nicht alle in einem Raum präsent sind. Man müsste das Studio in Blau, Grün, Gelb, Rot unterteilen Studio – z. B. alle Kursräume werden rot gestrichen, weil man dort Power braucht, der Wellnessbereich wäre dann gelb, die Umkleiden grün und die Trainingsflächen blau. Es gilt, in jedem Bereich Akzente zu setzen, aber wenn du zu viele knallige Farben in einem Bereich hast, dann ist es unheimlich schwierig, einen Bogen zu spannen. Bei Farben, die sehr an Fußballvereine erinnern, wird es auch schwierig. Wenn dein Kunde ein gelb-schwarzes Logo hat  und im Ruhgebiet wohnt, dann sieht das sofort nach Borussia Dortmund aus. Wenn du noch ein paar Fußballbilder aufhängst, bekommt es schnell einen Vereinsheim-Touch.

BODYMEDIA: Was hat sich bei den Clubs bezüglich der Farbauswahl in den letzten Jahren noch so geändert? 
Dustin Kuhl: Ich habe das Gefühl, dass es zu unseren Anfangszeiten viel stärker vertreten war, dass sich Discounter und Premium-Club farblich abgegrenzt haben. Discounter waren rot, da das an günstig und billig erinnert und Premium-Clubs waren entweder in einem Brombeer-lila Farbton oder grün. Mittlerweile verhält es sich viel differenzierter. Eigentlich kann jedes Studio jede Farbe tragen, es kommt immer nur darauf an, wie man die Farbe oder wie man das Studio gestalterisch inszeniert. Es ist immer noch so, dass ein Discounter tendenziell anders eingerichtet wird; ein bisschen jünger, flippiger, cooler, ein Premium-Club ein bisschen zeitloser und wertiger. Die Kunden sind auch viel flexibler geworden und haben erkannt, dass es wichtig ist, ein Farbkonzept durch das komplette Studio durchzuziehen. Sie haben auch verstanden, dass es schon Sinn macht, jemanden zu engagieren, der damit mehr Erfahrung hat und die verschiedenen Bereiche im Studio fein abstimmen kann. Denn ein Fitnessstudio ist ein Ort, in dem du so viele unterschiedliche Bereiche hast: Der Wellnessbereich ist vom Raumgefühl her komplett anders als der Kursraum, der Eingangsbereich mit einem kleinen Bistro oder die Umkleide, die ja ein unglaublich intimer Ort ist. Diese Bereiche müssen, von der Gestaltung her, unterschiedlich interpretiert werden, jedoch trotzdem dem Farbkonzept entsprechen.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview, Dustin.

 

Die Autorin

  • Kira Bender

    Schon während ihres Anglistik- und Kunstpädagogikstudiums in Frankfurt arbeitete Kira Bender als Redakteurin für den Hessischen Rundfunk. 2018 zog es sie zurück in die badische Heimat. Seitdem ist sie ein festes Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktions-Teams und schreibt unter anderem über Themen wie Design, Trends & Specials, wissenschaftlichen Themen und Management.

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