Checkliste – Die ersten Schritte zur Gründung
- Problem validieren: Ist das Problem groß genug? Interviews mit potenziellen Kunden führen!
- Lösung skizzieren: Entwickeln Sie ein erstes Konzept bzw. Prototyp (MVP – Minimum Viable Product).
- Team zusammenstellen: Suchen Sie Mitgründer mit komplementären Fähigkeiten.
- Rechtsform wählen: Entscheiden Sie sich zwischen UG und GmbH. Für Investoren ist die GmbH oft ein Muss. In Österreich ist die Flexco eine immer beliebter werdende Rechtsform.
- Businessplan erstellen: Definieren Sie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Zielgruppe und Ihre Finanzplanung.
- Erste Finanzierung sichern: Prüfen Sie Förder- und Akzeleratoren-Programme (z. B. EXIST-Gründerstipendium), um schon vor der ersten Finanzierungsrunde an Ihrem Produkt und damit am Wert Ihres Unternehmens zu arbeiten.
- Gründung vollziehen: Notarielle Beurkundung und Eintragung in das Handelsregister.
Viele verwechseln eine klassische Existenzgründung, wie die Eröffnung eines eigenen Fitnessstudios, mit der Gründung eines Start-ups. Der fundamentale Unterschied liegt im Skalierungspotenzial. Ein Start-up ist darauf ausgelegt, schnell zu wachsen und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das nicht linear vom persönlichen Einsatz der Gründer abhängt. Es geht darum, ein System zu schaffen, das potenziell einen ganzen Markt verändern kann.
Ziel eines Start-ups ist es, früher oder später einen Exit zu erzielen – sei es durch Verkauf an einen strategischen Investor oder in Form eines Börsengangs (IPO), der in Deutschland jedoch äußerst selten ist. Für diese Reise braucht es Investorengelder und davon in der Regel nicht zu knapp. Hier kommen zunächst Business Angels ins Spiel, später sind es Venture Capital Fonds oder Family Offices, die den Nährboden für schnelles Wachstum liefern.
Die Skalierbarkeit ist es, die Start-ups für Investoren interessant macht. Sie investieren nicht in einen Job für den Gründer, sondern in die Vision, ein großes, wertvolles Unternehmen aufzubauen.
Die Reise eines Gründers: Mehr als nur eine gute Idee
Am Anfang steht oft eine brillante Idee. Doch eine Idee allein ist wertlos. Der entscheidende erste Schritt, den viele Gründer überspringen, ist die Validierung:
- Löst die Idee ein echtes Problem für eine definierte Zielgruppe?
Ein „Nice-to-have“ reicht nicht aus. Hier gilt es rechtzeitig mit potenziellen Kunden zu sprechen und Annahmen zu testen, bevor der erste Euro investiert wird. - Ist der Markt, der bespielt werden soll, groß genug?
Egal, ob es sich um ein B2C- oder B2B-Produkt handelt: Nur wenn der Markt ein gewisses Potenzial verspricht, wird der Case für Investoren interessant sein. - Wie verdient man mit der Idee auch wirklich Geld?
Das Geschäftsmodell richtig zu definieren, klingt leicht. Dennoch werden hier mitunter die größten Fehler gemacht. Nicht selten müssen Start-ups über einen so genannten „Pivot“ das ursprüngliche Modell komplett verändern, um eine erfolgreiche Monetarisierung zu erreichen.
Erfolgreiche Gründer sind „Menschenfänger“. Sie müssen ihre Vision, ihr „Big Why“, mit einer Leidenschaft erzählen können, die jeden mitreißt – vom ersten Mitarbeiter bis zum Investor. Diese Story ist das Herzstück des Pitches und der Unternehmenskultur.
Gründer im Interview: Erfolgsrezepte für Start-ups in der Fitnessbranche
Das Team: Das A und O für Investoren
In der Frühphase investiere ich vor allem in das Team. Die beste Idee scheitert mit dem falschen Team. Ein ideales Gründerteam besteht aus circa drei Personen mit diversen Skills: dem Visionär, der die Story erzählt, dem Techniker, der das Produkt baut, und einer weiteren Person, die z. B. Finance oder Sales abbildet. Solo-Founder stellen aus Investorensicht ein erhöhtes Risikopotenzial dar, weil die Last nur auf einer Schulter ruht und unterschiedliche Perspektiven fehlen.

Finanzierungsrunden im Überblick
Ich rate sehr davon ab, mit dem besten Freund zu gründen, nur weil er der beste Freund ist. Es braucht unterschiedliche Stärken und die Fähigkeit, auch in Krisenzeiten konstruktiv zu streiten. Ich achte besonders auf Teams, die dynamisch, resilient und in der Lage sind, Beziehungen aufzubauen. Ein No-Go sind beratungsresistente Gründer – wer nicht offen für Feedback ist, läuft immer Gefahr, blindlings in die falsche Richtung zu laufen.
Das liebe Geld: Wie man an Investoren kommt
Die Finanzierung ist oft die größte Hürde. Mein wichtigster Rat: Funding ist Beziehungsaufbau. Kaltakquise bei Investoren funktioniert selten. Erfolgreiche Gründer sind mit ihrem Thema sichtbar (z. B. auf LinkedIn), pitchen auf zahlreichen Events, vernetzen sich und führen viele Gespräche mit potenziellen Investoren, Förderern oder anderen Start-ups.
Eine zentrale Frage sollte sein: Welcher Investor passt zu mir? Ein klassischer Venture-Capital-Fonds erwartet ein enormes Wachstum und hat oft harte Bedingungen, wie zum Beispiel „Liquidation Preferences“, die im Falle eines Verkaufs für ein böses Erwachen sorgen können. Das betrifft vor allem Themen mit hohen Forschungs- und Entwicklungskosten, denen erst nach Jahren erste Umsätze gegenüberstehen (z. B. Life Science oder BioTech-Themen).
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Erfolgreiche Gründer sind mit ihrem Thema sichtbar, pitchen auf zahlreichen Events, vernetzen sich und führen viele Gespräche mit potenziellen Investoren, Förderern oder anderen Start-ups (Bildquelle: © Humanology – stock.adobe.com)
Sehr oft unterschätzen Gründer den Zeitbedarf für das Fundraising. Während die erste Runde mit Business Angels oft in wenigen Monaten abgeschlossen ist, kann die sogenannte Due Diligence bei größeren VCs viele Monate dauern. Das hat schon vielen Start-ups das Genick gebrochen, weil ihnen das Geld ausging. Finanzierungsrunden ziehen sich derzeit massiv in die Länge, das muss einkalkuliert werden.
Mein Tipp: Nach abgeschlossener Finanzierungsrunde sollte das Geld 18–24 Monate reichen.
Wie viel ist mein Unternehmen (schon) wert?
Klassische Unternehmer rollen oft mit den Augen, wenn es um die (scheinbar) nicht nachvollziehbaren Bewertungen von Start-ups geht. Fakt ist: Eine Start-up-Bewertung hat nichts mit der eines herkömmlichen Unternehmens gemein. Vielmehr spiegelt die Bewertung die Erwartungshaltung an das (möglichst schnelle) Wachstum des Unternehmens wider.
Die richtige Höhe ist eines der kniffligsten Themen für Start-ups und Investoren. Denn eine zu hohe oder zu niedrige Bewertung kann später zu Problemen führen. Hier sollte man professionelle Beratung in Anspruch nehmen.
Während sich in den 1 bis 3 Jahren viel um die Themen Produktentwicklung und Marktetablierung dreht, wird es mit zunehmendem Wachstum immer wichtiger, den Fokus auf den Aufbau einer guten Unternehmensstruktur zu legen.
Spätestens jetzt gilt es, erfolgreiche Sales-Systeme, eine gut durchdachte Organisationsstruktur oder kosteneffiziente Supply Chains zu entwickeln. Klassische Managementaufgaben lösen den visionären Gründergeist ein Stück weit ab. Und irgendwann wird es Zeit, dass der ursprüngliche Gründer die operative Bühne verlässt, um die Geschicke des Unternehmens in die Hände von Management-Routiniers zu übergeben. Und um sich selbst wieder in das nächste Gründungsabenteuer zu stürzen.
Vielversprechende Start-up-Themen im Fitnessmarkt?
Stellt sich noch die Frage: Welche Themen bergen das größte Potenzial innerhalb unserer Branche? Zusammengefasst könnte man sagen: alles, was angesagte Gesundheitsthemen wie Longevity, Mental Health, Schlaf & Recovery, Krafttraining oder Corporate Fitness mit einem hohen Digitalisierungsgrad vereint. Dazu zählen KI-Coaches, smarte Trainingsökosysteme, Hightech-Diagnostik, Plattformen oder natürlich hochpersonalisiertes, digitales Training. Aber auch Trendsportarten wie Padel-Tennis oder Pickleball rücken mehr und mehr in den Fokus von Gründern und Investoren – sofern ein innovativer Zugang erkennbar ist.
Wichtig ist der kritische Blick auf das, was am Markt passiert. Nur weil ein Thema scheinbar nicht besetzt ist, heißt das noch lange nicht, dass nicht andere junge Gründer gerade an dieser Idee arbeiten.
Dass aus der Fitnessbranche im DACH-Raum äußerst erfolgreiche Start-ups hervorgehen können, haben EGYM, Freeletics oder Urban Sports Club hinreichend bewiesen.
Spannende Start-ups der Fitnessbranche
Wichtige Meilensteine in den ersten fünf Jahren
- Anfangsfinanzierung: Frühe Finanzierungszusagen (sei es über Förderungen, Akzeleratoren oder Business Angels) sind ein erster Indikator dafür, ob Idee, Team und Marktpotenzial auf Resonanz stoßen.
- Proof of Concept (POC): Hier beantwortet sich die Frage: Ist meine Idee technisch machbar? Ziel ist es, die grundlegende Funktionsfähigkeit des Produkts nachzuweisen, meist aber noch ohne Nutzer.
- Minimum Viable Product (MVP): Zu wissen, dass das (funktionsreduzierte) Produkt nicht nur technisch funktioniert, sondern auch von echten Kunden genutzt wird, schafft weiteres Vertrauen und ist eine wichtige Voraussetzung für die nächste Funding-Runde. Wichtig: Feedback von Kunden für die weitere Entwicklung nutzen.
- Product Market Fit (PMF): Ab jetzt weiß man: Das Modell funktioniert, Kunden würden das Produkt vermissen, wenn es nicht mehr da wäre, Umsätze steigen. Jetzt geht’s in die Skalierung. Wichtig für die Series-A-Runde!
- Series-A-Finanzierung: Die wohl wichtigste und gleichzeitig schwierigste Finanzierungsrunde. Nur circa 20 bis 30 % aller Start-ups erreichen überhaupt diese Phase, alle anderen scheitern vorher.
Fazit: Ein Marathon, kein Sprint
Die Gründung eines Start-ups ist eine der herausforderndsten, aber auch lohnendsten Reisen, die man antreten kann. Es erfordert Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, ständig zu lernen. Die Fitnessbranche bietet enorme Chancen für innovative Ideen. 2026 belohnt Start-ups, die präzise sind: klare Zielgruppe, klarer Nutzen, klare Daten. Wer nur „Fitness“ macht, geht unter – wer Probleme löst, wird gebraucht.