SHV legt offizielle Beschwerde über WIdO-Heilmittelbericht ein

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Der SHV wehrt sich gegen Falschdarstellungen rund um den regelmäßig erscheinenden WIdO-Heilmittelbericht, der ein verzerrtes Bild auf die wirtschaftliche Situation der Inhaber ambulanter Heilmittelpraxen werfen soll. Deswegen hat der Verband nun eine offizielle Beschwerde bei der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege eingereicht, welche die zuständige Aufsichtsbehörde für den AOK-Bundesverband ist.

Laut AOK haben die gesetzlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels (TSVG) ihre Ziele verfehlt und lediglich zu einer Kostenexplosion geführt. Die Kasse stützt sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die für den Zeitraum 2018 bis 2024 in der Physio-, Ergo- und Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie ein Gehaltsplus von 35 Prozent ausweisen.

Der SHV stellt jedoch klar: Diese Darstellung ignoriert bewusst die offiziellen und gesetzlich maßgeblichen Daten der Berufsgenossenschaft (BGW) (§ 125 Abs. 2 Ziffer 9 SGB V). Diese belegen für denselben Zeitraum weitaus höhere Lohnsteigerungen bei Angestellten: Für die Physiotherapie wird ein Plus von 55,6 % ausgewiesen, für die Ergotherapie 56,2 % und in der Logopädie 61,4 %. Laut SHV wurde das WIdO-Institut bereits im Vorjahr vom Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) auf diese offiziellen Zahlen hingewiesen und bestätigte daraufhin, dass die Gehälter Vollzeitangestellter Physiotherapeuten zwischen 2016 und 2023 eine Erhöhung um 60 % erfahren haben. 

Lohnkosten steigen stärker als die Kassen-Umsätze

Auch die von der AOK proklamierte Ausgabensteigerung für Heilmittel in Höhe von 80 Prozent weist der SHV als irreführend zurück. Tatsächlich stiegen die GKV-Ausgaben laut Bundesgesundheitsministerium nur um 71,3 Prozent. Da eine durchschnittliche Praxis nur etwa 70 Prozent ihres Umsatzes aus GKV-Einnahmen generiert, ergibt sich für die Praxen im Zeitraum 2018 bis 2024 ein tatsächliches Umsatzplus von lediglich rund 49,9 Prozent.

Dem gegenüber stehen nicht nur die enormen Lohnsteigerungen von über 55 Prozent, sondern auch eine Inflation von 21,6 Prozent im selben Zeitraum. Der Vorwurf, Therapeuten seien nicht an den Vergütungssteigerungen beteiligt worden, laufe damit laut SHV „nachweisbar ins Leere“.

Rüge als Präzedenzfall

Der SHV sieht in dem WIdO-Bericht eine Fortsetzung einer verzerrten Berichterstattung durch die Krankenkassen. Ein ähnliches Vorgehen beim Heilmittelreport der BARMER führte in der Vergangenheit bereits zu einer offiziellen Rüge durch das Bundesamt für soziale Sicherung (BAS), nachdem der SHV Beschwerde eingelegt hatte.

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Textquelle: © Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V.