Neue S3-Leitlinie Mammakarzinom stärkt die Rolle der Physiotherapeuten

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Die vollständig überarbeitete S3-Leitlinie zum Mammakarzinom (Version 5.0, Dezember 2025) ist ab sofort verfügbar. Das umfangreiche Werk bündelt den neuesten Stand der Wissenschaft rund um die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Brustkrebs. Sie stärkt die Rolle der Physiotherapie im interdisziplinären Behandlungsteam und betont, wie wichtig Bewegung in allen Phasen der Erkrankung ist.

Die überarbeitete Leitlinie umfasst nun fünf Kapitel und 27 Module. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören:

  • Ein eigenes Kapitel zum Mammakarzinom des Mannes
  • Neue Module zu Transgender und Brustkrebs sowie Brustrekonstruktion
  • Ergänzungen zu speziellen Tumorentitäten, Gesundheitskompetenz und digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Warum das Update der Leitlinie so wichtig ist 

Brustkrebs bleibt mit über 70.000 Neudiagnosen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die rasante Entwicklung neuer Therapieansätze sowie aktuelle Erkenntnisse zu Nachsorge, Rehabilitation und Lebensstilfaktoren machten eine umfassende Überarbeitung der Leitlinie dringend erforderlich. Das übergeordnete Ziel des Updates bleibt eine qualitätsgesicherte, interdisziplinäre Versorgung – von der Früherkennung bis zur Langzeitbetreuung der Patienten.

„Die neue Leitlinie stärkt die Rolle der Physiotherapie im interdisziplinären Behandlungsteam und macht deutlich, wie wichtig Bewegungsangebote und funktionelle Therapie in allen Phasen der Erkrankung sind.“

Ulla Henscher, Physio Deutschland und Autorin in mehreren Arbeitsgruppen

Physiotherapie rückt in den Fokus: Nachsorge und Langzeitbetreuung

Die aktualisierte Leitlinie verankert die Physiotherapie als elementaren Baustein in der Rehabilitation sowie der Langzeit- und Nachsorge. Durch gezielte Interventionen tragen Physiotherapeuten entscheidend dazu bei, Funktionseinschränkungen abzubauen und die Neben- sowie Spätfolgen der Krebsbehandlung zu lindern. Mehr noch: Ihre Arbeit verbessert nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen spürbar, sondern hilft auch nachweislich, das Rezidivrisiko zu senken und das Gesamtüberleben positiv zu beeinflussen. Ein besonderes Augenmerk der Leitlinie liegt auf der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) nach operativen Eingriffen oder Lymphknotenentfernungen. Da solche Lymphödeme oft erst Jahre nach Abschluss der Primärtherapie auftreten, unterstreicht das Dokument die enorme Relevanz einer langfristigen, fachgerechten physiotherapeutischen Begleitung.

Die Bedeutung der postoperativen Bewegungstherapie wird ebenfalls deutlich hervorgehoben. Ihre Hauptziele sind der Erhalt der Schulter-Arm-Mobilität, die Vermeidung von Kontrakturen sowie die bestmögliche Begleitung zurück in Beruf und Alltag. Die Leitlinie unterstreicht in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Relevanz maßgeschneiderter Therapiepläne.

Das Mammakarzinom des Mannes wird erstmalig berücksichtigt

Ein Meilenstein der neuen Leitlinie ist das erstmals integrierte, eigene Kapitel zum Mammakarzinom des Mannes. Da betroffene Männer ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs auf der Gegenseite (kontralaterales Mammakarzinom) aufweisen, empfiehlt die Leitlinie dringend eine strukturierte Nachsorge. Für die Physiotherapie bedeutet das: Es gelten dieselben zentralen Grundsätze wie bei der Behandlung von Frauen – von der Lymphödemprophylaxe über den gezielten Funktionserhalt bis hin zur bestmöglichen Unterstützung bei der Rückkehr in den Alltag.

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Textquelle: © Physio Deutschland