Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention hat gemeinsam mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bereits Anfang 2022 das Forschungsprojekt HELPER initiiert. Ziel war es, die aktuelle Versorgungssituation und die berufliche Lage bei Heilmittelerbringern datenbasiert abzubilden. Die nun in Nürnberg präsentierten Ergebnisse zeichnen ein warnendes Bild: In naher Zukunft wird ein erheblicher Teil der qualifizierten Fachkräfte wegfallen, was die ohnehin bestehenden Engpässe im Gesundheitswesen weiter drastisch verschärfen wird. Gleichzeitig sorgt der demografische Wandel für eine stetig wachsende Nachfrage nach Therapieleistungen.
Direktzugang und Akademisierung als Lösungsansätze
Um den Beruf wieder attraktiver zu machen und junge Menschen zu gewinnen, benennen die Autoren der Studie konkrete Handlungsfelder. Im Fokus stehen dabei:
- Akademisierung und Professionalisierung: Eine stärkere Akademisierung der Gesundheitsfachberufe wird als wichtiger Aspekt zur Attraktivitätssteigerung gesehen
- Direktzugang: Die Studie empfiehlt ausdrücklich das Vorantreiben eines Direktzugangs zur Physiotherapie. Dies würde in der Praxis zu mehr Autonomie führen, die Abhängigkeit von ärztlichen Verordnungen reduzieren und eine flexiblere und schnellere Patientenversorgung ermöglichen
- Arbeitsbedingungen: Eine angemessene Vergütung sowie bessere Karriereperspektiven spielen eine wesentliche Rolle, um die berufliche Zufriedenheit zu steigern und die Abwanderung in den Ruhestand zu verzögern
- Internationale Fachkräfte: Um bestehende personelle Lücken zu kompensieren, müsse die Anwerbung ausländischer Fachkräfte gezielt gefördert und die Anerkennung ihrer Abschlüsse erleichtert werden
Physio Deutschland fordert mehr politisches Tempo
Für den Berufsverband Physio Deutschland, der sich seit Jahren vehement für genau diese Punkte einsetzt, sind die Studienergebnisse eine klare Bestätigung. Markus Norys, 1. Vorsitzender des Regionalverbands Bayern von Physio Deutschland und stellvertretender Bundesvorsitzender, blickt mit großer Sorge auf den akuten Fachkräftemangel.
„Wenn wir eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Physiotherapie aufrechterhalten wollen, muss die Politik dringend handeln“.
Markus Norys, 1. Vorsitzender Regionalverband Bayern, Physio Deutschland
Zwar lobt der Verband erste positive Schritte, wie die Einführung der Blankoverordnung oder beschleunigte Anerkennungsverfahren in Bayern, doch das aktuelle Tempo reiche angesichts der massiven demografischen Herausforderungen nicht aus. Einerseits gehen immer mehr Therapeuten in Rente, andererseits müssen immer mehr Menschen mit Physiotherapie fit für den Alltag und Beruf gehalten werden.
Der vollständige Abschlussbericht der HELPER-Studie kann hier oder auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention eingesehen werden.
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Textquelle: Physio Deutschland