Der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) veröffentlichte Heilmittelbericht 2025 trägt die jährlich abgerechneten Heilmitteldaten im AOK-Heilmittel-Informations-System (AOK-HIS) zusammen. Für die Erhebung wurden die Versorgungsdaten von 28 Millionen AOK-Versicherten aus dem Jahr 2024 herangezogen. Die Analyse deckt das gesamte Heilmittelspektrum ab – von der Physiotherapie und Ergotherapie über die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie bis hin zur Podologie.
80 % der Verordnungen entfallen auf Physiotherapie
Im Jahr 2024 belief sich der Gesamtumsatz für Heilmitteltherapien bei AOK-Versicherten auf 4,79 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2023. Ein Rückblick verdeutlicht die bisherige Entwicklung: 2015 lag das Volumen noch bei 2,1 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von 80 Prozent macht die Physiotherapie den Großteil der Verordnungen für AOK-Versicherte aus. Das spiegelt sich in den Zahlen wider: 92,4 Millionen abgerechnete Sitzungen bedeuten einen Anstieg von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz der abgerechneten Verordnungen kletterte um 8,2 Prozent auf 3,21 Milliarden Euro.
Rückenschmerzen als häufigster Grund für Verordnungen
Im Heilmittelbericht werden ebenfalls die häufigsten Diagnosen bei physiotherapeutischen Verordnungen sowie die häufigsten physiotherapeutischen Maßnahmen aufgelistet. Rückenschmerzen stehen mit weitem Abstand ganz oben auf der Liste der häufigsten Diagnosen, gefolgt von „Sonstigen nichtinfektiösen Krankheiten der Lymphgefäße und Lymphknoten“ und „Sonstige Zustände nach chirurgischem Eingriff“. Bei den Maßnahmen nimmt KG ebenfalls mit weitem Abstand den 1. Platz ein, gefolgt von MT und MLD.
Im Begleittext des Heilmittelberichts wird als Grund für den starken Anstieg der Ausgaben nicht die steigende Zahl der Verordnungen oder die Demographie als Grund genannt, sondern vielmehr die gesetzliche Neuregelung zur bundeseinheitlichen Angleichung des Vergütungsniveaus im Jahr 2019. Laut einer Modellrechnung des WldO hätten die Heilmittelausgaben 2024 ohne Anpassung bei 4,03 Mrd. € gelegen und damit 18,9 % unter dem realen Satz.
Ergotherapie-Verband reagiert kritisch auf Annahmen des WldO
Das Ziel der bundeseinheitlichen Angleichung des Vergütungsniveaus sei damals gewesen, die Attraktivität der Heilmittelberufe zu erhöhen und die Patientenversorgung zu sichern. Laut den Daten der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit verzeichneten die Heilmittelberufe in den Jahren 2018 bis 2024 allerdings nur eine Lohnsteigerung von 35 %. Auf diese Einschätzung reagierte der Bundesverband für Ergotherapeut:innen Deutschland e.V. (BED) bereits am 09.01. Der Verband kritisiert insbesondere, dass die reale Kostenentwicklung in den Praxen nicht berücksichtigt wurde, sowie die rein hypothetischen Aussagen der Modellrechnung.
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