Wissenschaft

Erste Ergebnisse der Zuckersteuer

Zu viel Zucker schadet der Gesundheit, das ist längst Fakt. Er ist eine der Hauptursachen, weshalb weltweit etwa 2,3 Milliarden Menschen an Übergewicht leiden. Als eines der ersten Länder hat Großbritannien im April 2018 eine Zuckersteuer auf Softgetränke eingeführt. Da die Deutschen einen zu hohen Zuckerkonsum haben, wagen wir einen Blick auf die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse der britischen Zuckersteuer.

Wir kennen ihn als Saccharose, Glucose, Sirup, Raffinose, Honig… Zucker hat viele Namen und versteckt sich, auch unter anderen Pseudonymen, in vielen Lebensmitteln und Gerichten. Wer zudem gerne zu Limonaden und Süßigkeiten greift, hat auch bei einer geringen Menge rasch den empfohlenen Tageskonsum der WHO von 25 g/Tag überschritten. 

Ein Glas Cola ist schon zu viel
Laut dem Institut Euromonitor International liegt der tägliche Zuckerverzehr eines Deutschen allein durch Softgetränke schon bei 26 g. Also überschreitet man mit einem Glas Cola schon den empfohlenen Tageswert. Insgesamt nehmen die Deutschen täglich etwa 96 g Zucker zu sich, dies entspricht im Jahr etwa 35 kg Zucker/Kopf – so viel wiegt ein zehnjähriges Kind. Kein Wunder, dass die süße Leckerei bei solch einem Überschuss auch ihre Folgen hat. Mit dem Übergewicht häufen sich gesundheitliche Probleme, wie u. a. ein zu hoher Blutdruck, Diabetes, Karies und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch nicht nur die Adipositas stellt ein Risiko dar, auch schlanke Menschen können durch zu viel Zucker an einer nicht alkoholischen Fettleber und den oben genannten Krankheiten erkranken.  

Was ist die Zuckersteuer?
Britische Politiker debattieren seit Jahren, wie sie ihre Einwohner zu einem gesünderen Essverhalten und Lebensstil motivieren können, denn die Anzahl an übergewichtigen Patienten liegt deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Zudem steigt die Zahl der ernährungsbedingten Krankheiten stetig. Die Zuckersteuer sollte Abhilfe schaffen: Sie wurde im April 2018 eingeführt und besteuert besonders zuckerhaltige Lebensmittel. Der Wunsch der Politiker ist es, dass die Bevölkerung durch die Preiserhöhung Nahrungsmittel mit weniger Zucker konsumiert. Softgetränke mit 8 g Zucker/100 ml werden daher mit 31 ct/l zusätzlich besteuert. Bei einem Zuckergehalt von 5 bis 8 g beläuft sich die Steuer auf 21 ct/l. Darauf reagierten die Getränkeproduzenten, die ihre Ware in Großbritannien anbieten, und senkten ihren Zuckergehalt, um die Steuer zu vermeiden.  

 

 

Macht die Steuer gesund?
Wissenschaftler führten bisher sechzehn Studien durch, um herauszufinden, welche Auswirkungen die Zuckersteuer auf die Gesundheit haben könnte. Darunter waren vier randomisierte, kontrollierte Studien (kurz RCT) und weitere unterschiedliche Studien, welche die Versteuerung modellierten, die Art der Besteuerung von Lebensmitteln untersuchten und diese mit einer retrospektiven Beobachtungsstudie verknüpften. Alle Ergebnisse der Studien ließen vermuten, dass die Zuckersteuer den Zuckerkonsum reduziere und das Gewicht der Bevölkerung senken könnte. Die RCT-Studie zeigte auf, dass sich die Abnahme des Zuckerkonsums um 11,18 %, mit einer Zuckereinsparung von 91 g/Tag (!) und einer Gewichtsabnahme von rund 1 kg/Proband, belaufen könnte. 

Belegt wurde dies jedoch noch nicht eindeutig; die Studien bildeten vielmehr einen ersten Startpunkt für weitere Forschungen. Es wäre möglich, dass sich der Ansatz, mithilfe einer Steuer den Konsum der Bevölkerung zu steuern, ähnlich wie bei der deutschen Tabaksteuer verhalte: Seit den 70ern wurde diese stetig erhöht, es dauerte allerdings viele Jahre, bis der Zigarettenkonsum der Deutschen abnahm. 

Ausblick
Da die Ergebnisse noch sehr schwammig sind, ist das Fazit dieser Studien lediglich, dass es möglich wäre, den Zuckerkonsum und das Übergewicht der Bevölkerung durch eine Zuckersteuer zu senken. Grund für die nicht eindeutigen Resultate waren zum einen die niedrige Qualität der wissenschaftlichen Belege der RCT-Studien und zum anderen, die kurze Zeitspanne seit der Einführung der Steuer. Jedoch ist es auch möglich, dass die Steuer allein nicht zwangsläufig zu einem gesundheitsbewussteren Essverhalten führt. Aussagekräftigere Resultate werden wahrscheinlich erst nach ein paar Jahren zu erwarten sein. 

Müssen die Deutschen auch bald mit einer Zuckersteuer rechnen? Bisher stehen hierfür keine Pläne fest. Es heißt, Deutschland wolle nicht mit der Getränkeindustrie aneinandergeraten und plane weder eine Steuer auf Zucker, Salz und Fett, noch eine Kennzeichnung ungesunder Produkte. Stattdessen sollen Aufklärungskampagnen für Transparenz und einen gesünderen Lebensstil sorgen. Allerdings haben einige Unternehmen in Deutschland auf die britische Zuckersteuer reagiert: Ein Beispiel ist der Discounter Lidl, der den Zucker und Salzgehalt in seinen Getränken und Backwaren senkt. 

 

Quellen
Header: Stocksnapper - stock.adobe.com
Bild 2: Dmytro Sukharevskyi - stock.adobe.com

Die Autorin

  • Kira Bender

    Schon während ihres Anglistik- und Kunstpädagogikstudiums in Frankfurt arbeitete Kira Bender als Redakteurin für den Hessischen Rundfunk. 2018 zog es sie zurück in die badische Heimat. Seitdem ist sie ein festes Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktions-Teams und schreibt unter anderem über Themen wie Design, Trends & Specials, wissenschaftlichen Themen und Management.

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