Wellness

Wellnessbehandlungen als Zusatzangebot

Physiotherapeuten werden nicht selten mit Wellnesstherapeuten verwechselt. Auch wenn sich viele dagegen wehren, bietet sich durchaus eine Chance, das Patientenbedürfnis zu erfüllen. Im Rahmen eines strukturierten Profit-Centers lassen sich damit sogar Zusatzeinnahmen generieren.

Immer wieder kommen Patienten in die Physiopraxis, von denen man den Eindruck gewinnt, sie wünschen sich eher eine Wellnessbehandlung als Physiotherapie. Das äußert sich nicht selten im Wunsch nach einer Massage – auf Rezept sozusagen. In manchen Fällen kann das natürlich zielführend sein, in den meisten möchte sich der Patient aber einfach wohlfühlen und spüren, wie ihm etwas Gutes getan wird.

Das ist auch nicht verwerflich, sollte dann aber eher nicht im Rahmen eines Rezepts stattfinden, sondern als Einzelleistung gebucht werden. Und genau hier kann mit einem eigenen Profit-Center im Bereich Wellnessbehandlung angesetzt werden, um Patienten zu unterstützen.

Profit-Center sind eigene wirtschaftliche Einheiten in einem Unternehmen, die insbesondere den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellen. Manche Physiotherapiepraxen bieten bereits Leistungen an, die man zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammenfassen könnte. Wenn der Anfang bereits gemacht ist, fällt es nicht schwer, weitere Leistungen hinzuzufügen, um das Angebot abzurunden. Schauen wir uns einmal an, welche Leistungen in ein Wellness-Profit-Center passen könnten.

Wellnessbehandlung statt verordneter Massage

Aufgrund des regelmäßigen Wunsches von Patienten nach einer Körpermassage liegt es nahe, diese nicht auf Rezept, sondern auf Selbstzahlerbasis anzubieten. Das machen einige Physiopraxen auch schon, teilweise mit einem sehr umfangreichen Portfolio.

Laut dem GKV-Spitzenverband gilt für eine klassische Massagetherapie (KMT) ein Preis von 17,57 € für eine Behandlung von 15–20 Minuten. Erfahrungsgemäß werden die 20 Minuten meist ausgeschöpft, was zu einem Stundenpreis von 52,71 € führt. Für eine 60-minütige Massage kann, je nach Aufwand, durchaus ein Preis von 60–70 € verlangt werden. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme, wenn auch nur leicht. Zudem ist der Preiskampf mit anderen Massageanbietern recht hoch.

Wer konkurrenzfähig sein will, sollte zudem unterschiedliche Massagearten anbieten, die mit Equipment verbunden sind, wie z. B. wärmespeichernden Steinen oder Kerzenlicht. Zudem sollte man einen eigenen Raum dafür einrichten, damit der Kunde die Massage in einer geeigneten Umgebung erleben kann, und man braucht Therapeuten, die Lust haben zu massieren. Je nachdem, wie stark die Belastung der Therapeutenhände bereits ist, kann das aber kontraproduktiv sein.

Überwassermassage

Eine weitere Möglichkeit, das Profit-Center Wellness zu ergänzen, ist die Überwassermassage. In vielen Kliniken und Rehazentren wird diese Möglichkeit der Behandlung bereits eingesetzt und auch immer mehr Praxen erkennen mögliche Vorteile für die eigenen Patienten. Bei der Überwassermassage legt sich der Patient bekleidet auf die Wasserstrahlliege und kann sich durch die gezielte Anwendung von Wasserdruck am ganzen Körper oder teilweise massieren lassen. So können die Therapeuten in der manuellen Therapie unterstützt werden.

Um die Entspannung weiter zu fördern, ergänzen viele Hersteller noch entspannende Musik und beruhigendes Licht, um die Entspannung weiter zu vertiefen, mittlerweile wird sogar mit Duft gearbeitet. Wer ein noch umfassenderes Wellnesserlebnis gestalten möchte, dem werden mittlerweile sogar ganze Raumkonzepte angeboten, wodurch ein noch immersiveres Entspannungserlebnis geschaffen werden kann. Egal ob mit oder ohne Raumkonzept, sollte sich die Liege in einem eigenen Raum befinden, um eine entsprechende Ruhe zu gewährleisten.

Im Rahmen eines Profit-Centers sollte die Überwassermassage als Selbstzahlerleistung eingesetzt werden. Je nachdem, wie viele Liegen man anbietet und wie stark preissensibel die Klientel ist, kann man für eine 20-minütige Überwassermassage zwischen 8 und 18 € verlangen. Manche Anbieter haben für unterschiedliche Tageszeiten verschiedene Tarife. Das kann den Nutzer verwirren, aber da diese Leistung ohne Personal funktioniert, kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Saunen und Kabinen

Abschließend können wir uns noch eine weitere Gruppe von Möglichkeiten anschauen, die man im Rahmen eines Profit-Centers Wellness anbieten könnte. Diese Gruppe kann mit Saunen und Kabinen grob umrissen werden. Für Physiopraxen ist es eher ungewöhnlich, eine Sauna anzubieten, es kann für die Gesundheitsförderung der Patienten durchaus spannend sein, einmal darüber nachzudenken.


Die Integration einer Infrarotsauna ist kostengünstiger und platzsparender als die anderer bekannter Saunaarten (Bildquelle: © Lukassek - stock.adobe.com)

Bevor wir uns das Thema genauer anschauen, soll gesagt sein, dass Saunen und Kabinen eine nicht unerhebliche Investition sind, die zudem platz- und energieintensiv ist. Daher sollte man sich gut überlegen, ob und wie die Sauna ins eigene Konzept passt.

Auf klassische Saunaarten muss sicherlich nicht explizit eingegangen werden, da diese weithin bekannt sein sollten. Interessanter ist da schon die Frage, wie groß diese sein sollte. Mehr als vier Personen werden diese im Normalfall nicht gleichzeitig nutzen, daher reicht eine eher kleinere. Trotzdem sollte auf eine passende Infrastruktur zum Umziehen und Abkühlen nach dem Saunagang geachtet werden.

Für alle, die gerne eine Sauna integrieren möchten, aber die hohen Kosten scheuen und nur wenig Platz haben, ist die Integration einer Infrarotsauna möglicherweise eine bessere Alternative. Die Wärmebehandlung mittels Infrarot ist schonender als in einer klassischen Sauna, benötigt weniger Platz und lässt sich damit einfacher in der Praxis umsetzen. Zudem gibt es mittlerweile Lösungen, die Infrarot mit Soleverneblung kombinieren, um positiv auf die Atemwege zu wirken. Platz für mindestens zwei Personen sollte die Infrarotsauna bieten.

Fazit

In der Physiotherapie liegt das Thema Wellnessbehandlung für viele Patienten recht nahe, da sie es nicht selten als solche empfinden. Da ist es nur logisch, mit den Möglichkeiten, die sich bieten, ein eigenes Profit-Center Wellness aufzubauen. So können die Bedürfnisse der Patienten gestillt, aber die Therapeutenkapazitäten geschont werden. Auch wenn die Anschaffungskosten für Saunen und Überwassermassage recht hoch zu sein scheinen, amortisiert sich das durch die zu erwartende hohe Nutzung und den verhältnismäßig hohen Einzelpreis einer Anwendung. Wer den Platz in seiner Praxis hat, sollte einmal über die Einführung eines solchen Profit-Centers nachdenken.
 

Bildquelle Header: © Yakobchuk Olena - stock.adobe.com

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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