Wellness

Die Bedeutung von qualifiziertem Personal im Wellnessbereich

Früher gehörten sie einfach dazu, dann wurden sie durch neue Konzepte teilweise verzichtbar, jetzt gewinnen sie wieder an Bedeutung: die Wellnessbereiche in Fitnessclubs. Doch deren Strahlkraft und Einfluss auf die Entscheidungen der Mitglieder steht und fällt wie in fast allen Bereichen mit der Qualität – angefangen beim Personal. An dieser Stelle sparen viele Betreiber. Eine Entscheidung, die oft zu kurz gedacht ist.

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Veränderungen in der Fitnessbranche. Vor allem Discountanbieter kommen ohne Wellnessangebote aus und konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenz, das Training. Premiumclubs bieten auch weiterhin Wellness an. In der Regel wird dabei jedoch nur die Hardware zur Verfügung gestellt, wie z. B. Sauna, Dampfbad, Whirlpool, Sonnenbank, Überwassermassage, Liegen und Schwimmbad. Nur wenige trauen sich darüber hinaus an personalaufwendige Dienstleistungen wie Massagen heran. Im Eigenbetrieb sind derlei Angebote noch seltener. Eine beliebtere Variante ist die Verpachtung und damit auch die Weitergabe des unternehmerischen Risikos oder die Integration von entsprechenden Dienstleistern oder Franchisegebern in den Club. Die Angebote, darunter auch solche ohne aktiven Personaleinsatz, werden immer beliebter. Das zeigen die Beispiele von Wellnest oder Mywellness außerhalb von Fitnessclubs. Doch klar ist, dass Wellnessbereiche eine gewisse Investitionsbereitschaft erfordern. Wer ein sicheres und hygienisch einwandfreies Wellnesserlebnis anbieten möchte, kommt um den Personaleinsatz nicht herum, auch wenn er nur einen Wellnessbereich und die entsprechende Hardware zur Verfügung stellt. Gerade in der derzeitigen Situation mit gestiegenen Hygieneanforderungen sowohl von Behörden als auch Kunden wird der Einsatz von Personal im Wellnessbereich noch mal wichtiger.

 

Mitarbeiter in Wellnessbereichen sind sehr nah am Gast und in der Kommunikation mit ihnen – da ist eine entsprechende Qualifikation unabdingbar

 

Unterschiedliche Positionen – unterschiedliche Anforderungen
Für Instandhaltung, Hygiene und den sicheren Betrieb von Wellnessbereichen bedarf es in der Regel lediglich einer fachlichen Unterweisung, der Teilnahme an einem Kurzlehrgang und der regelmäßigen Überprüfung der Bereiche und Geräte. So können Gesundheitsgefahren und unsachgemäßer Gebrauch ausgeschlossen und die Sicherheit der Mitglieder gewährleistet werden. Anders verhält es sich bei Wellnessanwendungen, die durch Mitarbeiter erbracht werden. Dazu gehören Massagen, Anwendungen kosmetischer Natur oder auch in der Sauna. Hier muss entsprechendes Fachpersonal eingesetzt werden. Für ambitionierte Studiobetreiber ergibt es sicherlich Sinn, den Bereich aktiv zu managen und einen Wellness- und Spa-Manager einzustellen. Entsprechende Mitarbeiter verfügen in der Regel neben einer kaufmännischen Zusatzqualifikation zum Wellness- und Spa-Manager über Ausbildungen als Sportwissenschaftler, Physiotherapeut, med. Bademeister und Masseur oder Kosmetiker. Sie können daher auch selbst Dienstleistungen erbringen und müssen nicht ausschließlich die Geschäfte lenken. Eine weitere Möglichkeit ist die Qualifizierung bereits angestellter Mitarbeiter. Im Fernstudium geht das berufsbegleitend innerhalb weniger Wochen. Professionelle Wellnessbereiche haben in der Regel einen eigenen Empfangsbereich, in dem die Beratung, der Verkauf von Produkten und die Terminvergabe stattfinden. Wer hier gutes Personal einsetzt, kann die Auslastung und auch den Produktumsatz steigern. Spa-Rezeptionisten-Ausbildungen bieten sich sowohl für ungeschulte Aushilfskräfte als auch für bestehende Fachkräfte an.

Massage ist nicht gleich Massage
Massagen erfreuen sich bei Kunden großer Beliebtheit. Der Zugang wird über Buchungsplattformen und Aggregatoren immer einfacher. Wellnessmassagen darf im Prinzip jeder anbieten. Aber gute Masseure mit der Berufsausbildung zum med. Bademeister und Masseur sind schwer zu finden. Zudem herrschen eine große Konkurrenzdichte und ein starker Preiskampf. Besonders in Großstädten gibt es oft zahlreiche Thai-Massage-Angebote, die mit niedrigen Preisen locken. Gute Ausbildungen zum Wellnessmasseur oder in einzelnen Trendmassagen können die Ausbildung nicht ersetzen, bieten aber dennoch eine Alternative, um günstig Mitarbeiter für diesen Bereich auch kurzfristig zu qualifizieren. 

Qualifiziertes Personal kann Gefahrenpotenziale vermeiden
Betreibt man in seinem Studio eine Sauna, ist sie eine optimale Möglichkeit, um seinen Mitgliedern das gewisse Extra zu bieten. Aufgüsse, Sauna-Nächte und -Events locken mitunter auch Tagesgäste an, die dann zu Mitgliedern werden könnten. Schulungen in diesem Bereich dauern zwischen wenigen Stunden und bis zu zwei Wochen. Gefahrenpotenzial gibt es bei Saunen allerdings auch. Immer wieder kommt es zu Unfällen durch technisches Versagen, unsachgemäßen Gebrauch, falschen Umgang mit Gefahrenstoffen und Chemikalien. Das kann bei der Reinigung, der Lagerung oder auch der Anwendung von Düften und Ölen bei Aufgüssen geschehen. Zudem stehen in vielen Saunen fahrlässigerweise noch immer Eimer für den Selbstaufguss bereit. Damit geht auch eine Gefahr vom Gast selbst aus. Zur Unfallverhütung und zur Gewährung eines sicheren Saunabads sollte über regelmäßige Rundgänge hinaus qualifiziertes und verantwortungsvolles Personal eingesetzt werden, das auch Gästen beratend zur Seite stehen und im Notfall eingreifen und helfen kann. 

 

Um Gefahrenpotenziale zu vermeiden sollten Studiobetreiber darauf achten, dass die Saunaaufgüsse ausschließlich von geschultem Personal durchgeführt werden

 

Sinnvolles Investieren
Ein schöner Wellnessbereich erweist sich im Betrieb häufig als teures Investment für den Betreiber. Sauberkeit, Hygiene und Wohlfühlatmosphäre sind wichtig. Erfahrungen zeigen, dass Frauen häufiger Wellnessanwendungen wahrnehmen als Männer. Die weibliche Zielgruppe ist deshalb von enormer Bedeutung und sollte bereits bei der Konzeption und Produktausrichtung der Wellnessbereiche berücksichtigt werden. Ansprechpartner vor Ort erhöhen das Sicherheitsgefühl und können auf Kundenwünsche gezielt eingehen. Mitarbeiter in Wellnessbereichen sind sehr nah am Gast und in der Kommunikation mit ihnen – da ist eine entsprechende Qualifikation quasi unabdingbar. Ein weiteres Plus: Der Zusatzverkauf von Dienstleistungen und Produkten kann über im Wellnessbereich präsentes Personal angekurbelt werden
 
Weiterbildung als nachhaltige Lösung
Geeignetes Personal finden Studiobetreiber sehr häufig unter den eigenen Mitarbeitern, aber auch unter Mitgliedern – wie das Beispiel des Vitafit in Walluf zeigt. Betreiber Roland Reischmann hat in den vergangenen Jahren immer wieder saunabegeisterte Mitglieder zu Sauna-Meistern ausbilden lassen. Heute kümmern sie sich um den Betrieb der Sauna und sind Profis im Organisieren von Saunanächten, die sich auch überregional herumgesprochen haben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche spezialisierte Stellenbörsen, Berufsschulen, Akademien und Weiterbildungsanbieter und Personalvermittler. Durch sie kommt man an Profis auf diesem Gebiet. Wem das alles zu kompliziert ist und wer dennoch einen vorhandenen Wellnessbereich nicht brachliegen lassen möchte, der könnte sich nach einem Pächter umschauen und wird möglicherweise beim Start-up myssage.de fündig. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Am Ende kann ein funktionierender und einladender Wellnessbereich für Clubbetreiber ein äußerst image- und umsatzförderndes Instrument sein – wenn er denn von qualifizierten Mitarbeitern betrieben wird.

Der Autor

  • Simon Kellerhoff

    Simon Kellerhoff ist Diplom-Sportwissenschaftler mit Erfahrungen in der Wellness- und Fitnessbranche. Beim IST-Studieninstitut ist er Ansprechpartner für Vertrieb und Marketing im Fachbereich „Wellness- und Gesundheit“, in dem u. a. die Weiterbildungen Wellness- und Spamanagement, Spa-Rezeptionist, Bäderbetriebsmanagement sowie Sauna-Meister angeboten werden. Des Weiteren vertritt er das IST-Studieninstitut in zahlreichen Branchen-Verbänden. 
    www.ist.de.

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