Wellness

Das bewusste Erleben der Natur als Wellness-Erlebnis

Entschleunigen ist eines der Themen unserer heutigen Zeit. Regelmäßige Auszeiten für Körper und Geist sind angesagter denn je. Inwiefern die Hotellerie als Vorbild für Fitnessstudios dient, welche Trends derzeit angesagt sind und wie Clubbetreiber durch ein entsprechendes Angebot neue Zielgruppen gewinnen können, erklärt Jörg Hidding im Interview.

BODYMEDIA: Werfen wir einen Blick auf die Hotelbranche, in der du beratend tätig bist, und speziell auf das Thema Wellness. Wie hat sich in diesem Segment Wellness in den letzten Jahren entwickelt?
Jörg Hidding: Eine zu erkennende Entwicklung ist, dass der Trend von der reinen Verwöhn-Wellness hin zu gesundheitsorientierten Wellnessangeboten geht. Die Angebote sind ein Stück weit aktiver, wie  z. B. Yoga und Pilates. Zudem ist festzustellen, dass auch die Themen gesunde Ernährung, Entspannung und Digital-Detox-Konzepte immer mehr Berücksichtigung finden. Beim Bau und der Gestaltung von Wellnessbereichen lautet die Devise der vergangenen Jahre „Back to nature“. Das gilt insbesondere auch für die verwendeten Materialien. Vor allem in Saunabereichen konzentriert man sich darauf, durch den Einsatz von natürlichen Materialien, wie z. B. verschiedenen Holzarten, Steinen und Lehm, die Räume erlebbar zu machen. Zu viel Tamtam und Show dagegen sind out. Beim Design der Ruheräume sind mutige und spannende Konzepte zunehmend gefragt. Es ist zu beobachten, dass auch die Ruhebereiche deutlich größer geworden sind und verschiedene Konzepte wie Entspannen, Meditation und Schlafen aufgreifen. Der Ruheraum ist in Sachen Design mittlerweile zur absoluten Kür geworden.

 


In der Hotellerie sind individuelle Wellnesslösungen in Hotelzimmern immer beliebter. Im Motel24 in Rietberg ergänzt die Sauna EASY von KLAFS die hochwertige Ausstattung 

 

BODYMEDIA: In Sachen Wellness hat die Hotelbranche eine Vorreiterrolle inne. Welche Wellness-Trends sind derzeit angesagt und welche werden sich deiner Meinung nach dauerhaft etablieren?
Jörg Hidding: Wie bereits erwähnt, legen die Hotels bei den Wellnessbereichen sehr großen Wert auf das Design. Dieses ist geprägt durch natürliche Effekte und natürliche Materialien. Zudem gewinnt der Einsatz von Licht als wichtiges Stilelement immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, dass dadurch die Räumlichkeiten natürlich wirken, das Thema gesunder Lebensstil aufgegriffen und für die Gäste erlebbar gemacht wird. Wichtig ist, dass das jeweilige Konzept in allen Räumen des Wellnessbereichs wiederzufinden ist. Individuelle Wellnesslösungen, wie z. B. kleine Sauna-Lösungen im Hotelzimmer, wie sie beispielsweise Klafs bietet, sind ebenfalls sehr angesagt. Auf überflüssige Showelemente sollte nach aktuellem Stand im Wellnessbereich verzichtet werden.

 


Fitnessclubs, die ihren Wellnessbereich als professionelles Angebot präsentieren, können äußerst zahlungskräftige Kunden anziehen

 

BODYMEDIA: Welcher dieser genannten Wellness-Trends könnte auch für Fitnessstudios interessant sein und das Angebot sinnvoll erweitern, und welcher Anpassungen bedarf es?
Jörg Hidding: Entschleunigen ist einer der Megatrends der heutigen Zeit. Immer mehr Menschen nehmen sich regelmäßig Zeit für sich selbst, den eigenen Körper, Kopf und Geist, um abzuschalten und zu entspannen. Das bewusste Erleben der Natur steht derzeit über allem. Über Naturgärten im Innen- und Außenbereich kann dieses Empfinden verstärkt werden. Entsprechende Angebote bieten zahlreiche Fitnessanlagen bereits und könnten diese zukünftig weiter ausbauen. Fitnessstudios könnten und sollten zukünftig das Saunieren und seine Vorteile stärker hervorheben. „Saunabaden“ als Teil eines gesunden Lebensstils und Saunieren als Teil des Trainings, um dem Körper etwas Gutes zu tun, bzw. als wichtiger Bestandteil der Regeneration des Körpers sollte dabei im Vordergrund der Kundenkommunikation stehen.

BODYMEDIA: Zum klassischen Wellnessangebot in Fitnessstudios zählen Solarien, Saunen und teilweise Pools. Denkst du, es werden zukünftig weitere Angebote in den Studios angeboten? Wie genau sieht der Wellnessbereich der Zukunft in deutschen Fitnessstudios aus?
Jörg Hidding: Ich gehe fest davon aus, dass der Fitnessclub immer mehr zur Erlebnisanlage, gerade auch in den Wellnessbereichen wird. Dadurch wird es möglich, dass Betreiber auch wellnessaffine Kunden als Mitglieder gewinnen, die nicht ausschließlich am Fitnessangebot interessiert sind. Ein Beispiel dafür, wie der Urlaub im Alltag aussehen könnte, bieten MeridianSpa bzw. David Lloyd und ASPRIA. Entspannungsangebote wie Sway- oder Alpha-Liegen, die den Kunden in den „Alpha-Zustand“ versetzen, gewinnen an Bedeutung, ebenso Kaminzimmer oder auch Salzgrotten bzw. Salzräume, die gesundheitsfördernd sind. Aber auch die attraktive Außensauna, die in die Natur integriert ist, und kleine Badeteiche liegen voll im Trend.

 


Beim Design der Ruheräume sind spannende Konzepte und Designs angesagt. Der Japandi-Style wie hier im Spa eines 5-Sterne-Hotels dient als Musterbeispiel für Wellnessbereiche von Fitnessclubs

 

BODYMEDIA: Was können Fitnessclubbetreiber in Sachen Wellnessangebot besser machen und was können sie dabei von der Hotellerie lernen?
Jörg Hidding: Da gibt es einiges, das Fitnessstudios lernen können. Das fängt schon bei der Bewerbung des Wellnessangebotes an. Clubbetreiber müssen sich bewusst machen: Wenn der Wellnessbereich als wirklich professionelles Angebot präsentiert wird und über eine gewisse Größe verfügt, zieht er äußerst zahlungskräftige Kunden an. Eine qualitativ hochwertige Architektur, das Schaffen von Räumen und Raumsystemen, die mit ihrer Ausstrahlung vitalisierend und harmonisch auf den Menschen wirken, zahlen sich, das zeigt das Beispiel Hotellerie, ebenfalls positiv aus.

BODYMEDIA: Die Wellnessbereiche in Fitnessstudios sind bei einem Großteil der Mitglieder sehr beliebt und werden stark genutzt. Studiobetreiber dagegen bemängeln die hohen Kosten und die fehlende Rentabilität. Gibt es Lösungsansätze, wie Studiobetreiber mit ihrem Wellnessangebot Geld verdienen können?
Jörg Hidding: Neben den passiven Angeboten bieten sich hier multifunktionale Massage- und Behandlungsräume an, um entsprechende Wohlfühl-, Verwöhn- und Gesundheitsangebote an die Kunden zu verkaufen. Manche Top-Clubs bieten zudem sogenannte VIP-Memberships an, in denen bereits neben Personal-Training-Stunden 1 – 4 Massagen pro Monat inkludiert sind. Der ein oder andere Club, der mit einem schönen Wellnessbereich ausgestattet ist, bietet auch reine Wellness-Abos für die Klientel an, die sich nicht für das Fitnessangebot interessiert. Da diese Zielgruppe weiterhin sehr groß ist, macht es zumindest Sinn, darüber nachzudenken. 

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview. 

 

Bildquellen:
Header: ©michael huber - www.huber-fotografie.at
Bild 2: ©lehmannphotography.eu

Der Autor

  • Jörg Hidding

    Jörg Hidding ist Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt. Er kennt den Fitnessmarkt seit 30 Jahren und besitzt mit den 
    AMIGA WOMEN FITNESS Clubs in Frankfurt selbst zwei Fitnessclubs. Er ist zudem Inhaber der AKTIV CONSULT Unternehmensberatung und Gesellschafter/Geschäftsführer der ONE HOSPITALITY GmbH. Als strategischer Berater, Expansionsbegleiter sowie M&A-Berater ist er in der Fitness-, Hotel- und Immobilienbranche tätig.

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