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Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Fitness-Studios und Sport-Plattformen?

Es ist einer der derzeit größten Trends der Fitnessbranche: die Zusammenarbeit mit sogenannten Sport-Plattformen. Immer mehr Sport-, Fitness- und Wellnessanbieter gehen Kooperationen mit Plattformen ein, die Angebot und Nachfrage dynamisch zusammenbringen – mit einer Win-win-win-Situation für alle Seiten: Sportanbieter, Plattformen und Mitglieder. Doch wie läuft eine solche Partnerschaft in der Praxis ab?

Bevor eine Zusammenarbeit überhaupt entstehen kann, müssen Fitness-Studio und Plattform Kontakt zueinander aufnehmen. Dies kann von beiden Seiten aus geschehen. Sport-Plattformen bieten auf ihren Websites zum Beispiel die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme für interessierte Partner per Kontaktformular, E-Mail oder Telefon. Erste Begegnungen finden oft auch auf Branchenevents und Messen statt. Das Beispiel von Kurt Heinz Reitz vom FitnessCenter aTB in Berlin-Kreuzberg zeigt aber, dass es auch anders geht: „Wenn ich zurückdenke an den Anfang unserer Kooperation mit der Sport-PlattformUrban Sports Club, so muss ich in den Januar des Jahres 2014 gehen. Der zuständige Partner-Manager stellte seine Idee damals in unserem Fitness-Studio mit viel Enthusiasmus vor – und wir nahmen diese dann auch gleich an und machten mit.“ Das Aufsetzen einer solchen Partnerschaft kann dabei schnell gehen, in der Regel vergehen zwischen Erstkontakt und Livestellung des Profils mit den ersten Check-ins durch Mitglieder circa 14 Tage.

Mehr Einnahmen durch individuelle Erlösmodelle
Einer der größten Vorteile von Kooperationen mit Sport-Plattformen: höhere Einnahmen durch zusätzliche Kunden und eine verbesserte Auslastung. Wie die Erlösmodelle genau aussehen, wird im Einzelfall entschieden. Dabei handeln persönliche Ansprechpartner der Plattformen die Kooperationsvereinbarung mit dem Fitness-Studio oder Trainer individuell aus, meist mit einer Laufzeit zwischen 6 und 12 Monaten. 

Die Höhe der Vergütung pro Besuch wird dabei nach bestimmten Parametern wie zum Beispiel Lage oder Ausstattung berechnet. Das Prinzip, nach dem dies funktionieren kann: Pro Besucher, der im Fitness-Studio eincheckt, zahlt die Plattform einen festgelegten Preis. Einmal pro Monat werden dann alle Check-ins gesammelt vergütet. Wie viel man an einer Kooperation mit Sport-Plattformen verdient, ist also individuell und kann von Monat zu Monat – abhängig von der Anzahl an Check-ins – variieren.

Wie integrieren sich die neuen Mitglieder?
Wer mit Sport-Plattformen zusammenarbeitet, bekommt allerdings nicht nur neue Einnahmen, sondern auch neue Kunden. „Wir waren anfänglich skeptisch, weil wir nicht einschätzen konnten, ob die Mitglieder der Plattform zu uns und unseren Mitgliedern passen würden“, sagt Danijel Kupceric vom Kölner Fitness-Studio KADER 1. Doch die Bedenken waren in diesem Fall nur anfänglich: „Das hat sich sehr schnell aufgelöst. Alles passt hervorragend und hat unser Gym nicht nur weiter belebt, sondern auch mit netten Menschen befüllt.“ Hanan Elbouhlali von Phoenix Human Prime in Düsseldorf geht sogar noch weiter und sagt: „Zufriedene Mitglieder der Sport-Plattform, mit der wir kooperieren, erzählen ihre positiven Erfahrungen übrigens gerne weiter und werden somit nicht selten zu tollen Imageträgern der eigenen Einrichtung.“

Ansprechpartner: Wer ist da, wenn es Fragen gibt?
Neue Mitglieder können allerdings auch einen Mehraufwand in der Kommunikation bedeuten, wie das Beispiel von Ralf Kindler von FitnessCompany Berlin zeigt: „Einige neue Kunden müssen auch des Öfteren darauf hingewiesen werden, zum Beispiel Handtücher auf die Polster der Fitness-Trainingsgeräte zu legen und Badeschuhe und ein großes Handtuch für den Wellnessbereich zu nutzen. Aber diese Punkte lassen sich mit guter Kommunikation recht schnell lösen.“ 

Damit die Absprachen zwischen Fitness-Studios und Sport-Plattform problemlos verlaufen, stellen einige Anbieter ihren Partnern persönliche Ansprechpersonen an die Seite, die dafür sorgen, dass in der App und auf der Website alle wichtigen Informationen zur Verfügung stehen und aktuell sind. „Die Zusammenarbeit und Kommunikation mit Urban Sports Club, wie bei Kursplanänderungen, Aktionen oder allgemeinen Mitteilungen, läuft recht gut und vor allem zügig ab“, berichtet Kindler. So können auch kurzfristige Änderungen umgesetzt und an die Mitglieder weitergegeben werden. 

Wird der Verwaltungsaufwand mehr oder weniger?
Ein Aspekt, der bei allen Sport-, Fitness- und Wellnessanbietern viel Zeit verschlingt, ist der administrative Aufwand. Sollte man sich hier mit Plattformen wirklich noch einen weiteren Spieler aufs Feld holen? Die Antwort vieler Studios: ja. Denn Aggregatoren können für die Fitness-Studios administrative Aufgaben wie Buchung und Abrechnung übernehmen und diese so stark entlasten.

Im Allgemeinen sollte sich der organisatorische Aufwand der Fitness-Clubs auf wenige Punkte beschränken, die schnell erledigt sind: 1. Kooperationsvertrag unterschreiben, 2. Welcome Package annehmen, 3. Check-in-Aussteller am Eingangsbereich des Fitness-Studios anbringen, damit Mitglieder reibungslos per App entdecken können, 4. Mitglieder vor Ort einchecken. Der Aufwand hier ür ist minimal, da der Check-in via App oder Smartphone erfolgt, 5. Auszahlung erhalten. Einige Sport-Plattformen bieten als Unterstützung zusätzlich eine Software-Lösung an, mit der Besuche und Gutschriften digital eingesehen werden können. Das erleichtert den Überblick und vermeidet unübersichtliche Papierarbeit. 

Von Marketing-Aktivitäten der Aggregatoren profitieren
Neben zusätzlichen Einnahmen, einer besseren Auslastung des Fitness-Kursangebots durch neue Mitglieder und weniger administrativer Arbeit verspricht die Zusammenarbeit mit Sport-Plattformen noch einen weiteren Vorteil für Partner. Vor allem in einem Bereich, in dem viele Anbieter Zeit, Geld und Know-how investieren müssen: dem Marketing. 

Erfolgreiche Werbung erfordert nicht nur tiefgehende Kenntnisse, sondern auch personelle und finanzielle Ressourcen – etwas, das sich gerade kleinere Fitness-Studios oft nicht leisten können und daher profitieren sie sehr stark von der Kooperation mit einer Sport-Plattform. „Wir konnten fühlen, dass ihnen unser Erfolg am Herzen liegt. Ihren Worten folgten immer Taten. Das ist im Markt eine selten gesehene Qualität“, berichtet zum Beispiel Danijel Kupceric vom KADER 1. Wie diese Marketing-Unterstützung konkret aussieht, kann ganz unterschiedlich sein. Manche Sport- und Fitness-Plattformen veranstalten exklusive Community-Events bei Partnerstudios und produzieren dabei professionelle Foto- und Videoinhalte. Oft werden Hinweise und Tipps zu einzelnen Partnern auch über eigene reichweitenstarke Kanäle wie Social Media und Newsletter verbreitet. 

Die Sport-Plattformen verfügen über Vermarktungs-Personal und Know-how – und am wichtigsten: Sie sind daran interessiert, ihren Mitgliedern die Vielfältigkeit und große Auswahl ihres Sportangebotes zu präsentieren. Da sie selbst keine Sportstätten betreiben, wird für Werbekampagnen auf Partner zurückgegriffen. In manchen Fällen kann es sogar so weit kommen, dass ein kleines Fitness-Studio oder ein einzelner Trainer in einem TV-Spot oder großflächigen Offline- wie Online-Werbekampagnen landet. 

Fazit: Sollte man mit Plattformen zusammenarbeiten?
Für alle Sport-Studios, die das Thema Sport-Plattformen bisher aus der Ferne beobachten, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um eine Kooperation einzugehen. Das Angebot erweitert sich ständig und eine stark wachsende Anzahl an Sportlern genießt die Vorzüge einer flexiblen und vielfältigen Mitgliedschaft. Auch Fitness-Studio-Betreiber erkennen zunehmend, dass die Zusammenarbeit mit Sport-Plattformen eine Lösung darstellt, um sich auf den Wandel der Kundenbedürfnisse einzustellen, und sichern sich diesen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. So wie Kurt Heinz Reitz vom FitnessCenter aTB aus Berlin: Durch die Zusammenarbeit schaffte sein Fitness-Studio den Sprung in die digitale Welt, ohne dabei das Zwischenmenschliche zu verlieren: „Die Zusammenarbeit ist bis zum heutigen Tag sehr erfolgreich, angenehm und wie in einer Familie.“

 

Quelle
Header: Rido - stock.adobe.com

Die Autoren

  • Patrick Soxhlet

    Patrick Soxhlet ist Head of Partner Management Germany bei Urban Sports Club. Er ist von der BSA-Akademie zertifizierter Personal Trainer und Lehrer für Fitness. Insgesamt hat er über fünf Jahre Erfahrung in der Fitnessbranche gesammelt und arbeitet seit 2017 bei Urban Sports Club.  
    www.urbansportsclub.com

  • Aline Quack

    Aline Quack ist Teamleiterin im Partner Management bei Urban Sports Club. Zuvor war sie für Firmenkooperationen bei InterFit zuständig und leitete über sieben Jahre Clubs bei einer inhabergeführten Fitnesskette. Sie hat eine Ausbildung als Personal Trainerin sowie als Sport- und Fitnesskauffrau absolviert und studierte Sportmanagement an der IST-Hochschule. Für Urban Sports Club ist sie seit 2017 tätig.
    www.urbansportsclub.com

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