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Neue, lohnenswerte Wege bei der Energiegewinnung

Die massiv gestiegenen Energiekostenpreise stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Verantwortlichen des Fitnessclubs Ringwiese in Jena befassen sich seit Jahren mit innovativen Möglichkeiten der Energiegewinnung und setzen immer wieder erfolgreich verschiedene Modelle in der Praxis ein.

2.500 Euro pro Monat. In dieser Höhe bewegte sich die monatliche Stromrechnung des ca. 1.000 m2 großen Fitnessclubs Ringwiese in Jena. Für Studiogründer Andreas Schuster, der 1993 den Club eröffnete und mittlerweile die Geschicke an seinen Sohn Jan bzw. seine Schwiegertochter Claudia Schuster übergeben hat, war das Anlass, sich mit neuen Wegen der
Energiegewinnung
auseinanderzusetzen. Die damals gestiegene EEG-Umlage spielte ihm zusätzlich in die Karten.

Einsparungen durch Solaranlage und Contracting

Andreas Schuster, mittlerweile pensioniert, holte sich Informationen über verschiedene, neue Wege der Energiegewinnung ein. Nachdem er alles mehrfach durchgerechnet hatte, entschied er sich 2010 dazu, eine Solaranlage auf das Dach des Studios bauen zu lassen.


Der 1993 eröffnete Fitnessclub Ringwiese in Jena ist 1.000 m2 groß (Bildquelle: © Fitnessclub Ringwiese)

Die 56-KW-Solaranlage stellt seitdem rund zwei Drittel der benötigten Energie zur Verfügung und die Stromkosten konnten maßgeblich auf rund 800 Euro pro Monat gesenkt werden. Da über die Solaranlage mehr Strom als erforderlich gewonnen wird, wird zudem ein Teil des Stroms an die Stadt verkauft.

Im Jahr 2013 folgte dann eine weitere Maßnahme, die rückblickend ein wahrer Glücksgriff war. „Ich war in Gera auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer. Dort wurden u. a. die Einsparpotenziale und Vorteile eines Blockheizkraftwerkes und das sogenannte Contracting-Modell vorgestellt. Nach sorgfältigen Überlegungen haben wir uns dann entschieden, dieses Modell in unser Studio zu integrieren“, erinnert sich Andreas Schuster.

Die Investitionen für das Blockheizkraftwerk (BHKW), das seitdem die Anlage mit Strom und Wärme versorgt, hielten sich in Grenzen. Geplant und finanziert wurde das BHKW von der gc Wärmedienst GmbH. Diese übernimmt für 15 Jahre den vollständigen Betrieb, die Wartung und den Service. Der Fitnessclub Ringwiese zahlt nur die Kilowattstunden des BHKW, die er auch tatsächlich verbraucht.

Die Verantwortlichen des Fitnessclub Ringwiese haben sich 2013 für das Contracting-Modell entschieden und auf den Speicher ein Blockheizkraftwerk einbauen lassen. Das Resultat: Einsparungen von 12.000 Euro pro Jahr (Bildquelle: © Fitnessclub Ringwiese)

Das BHKW deckt mit einer elektrischen Leistung von 6 bis 15,2 Kilowatt und einer thermischen Leistung von 17 bis 30 Kilowatt den kompletten Energiebedarf des Studios ab. Als Nebenprodukt der Wärmeproduktion entsteht Strom, der im Gebäude genutzt wird.

Der Vorteil: Nachts wird im Studio nahezu keine Energie benötigt, sodass das BHKW nur 1 kWh verbraucht. Der zusätzlich produzierte Strom kann dann ins Stromnetz eingespeist werden. Die Abwärme des Blockheizkraftwerks wird zur Warmwasserversorgung genutzt und auch die Heizkörper im Saunabereich werden dadurch betrieben.

Nach 15 Jahren, so steht es im Vertrag, muss der Fitnessclub Ringwiese das Blockheizkraftwerk für 1 Euro kaufen. „Wir würden uns immer wieder für das Blockheizkraftwerk entscheiden. Wir konnten die Gaskosten um 40 % und die Kosten monatlich um 1.000 Euro bzw. 12.000 Euro pro Jahr senken. Für den Einbau des Blockheizkraftwerks mussten wir rund 6.000 Euro bezahlen“, resümiert Andreas Schuster.

Umweltschonende Energiegewinnung

Doch nicht nur über die Kosteneinsparungen freuen sich die Verantwortlichen des Fitnessclubs Ringwiese. Stolz ist Familie Schuster vor allem darauf, dass man durch die neuen Wege der Energiegewinnung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz beitragen konnte. Die Fotovoltaikanlage hat seit 2011 270.000 Tonnen CO2 eingespart und das Blockheizkraftwerk weitere 30.000 Tonnen, was ca. 47 % entspricht.

Fazit

Dass der Fitnessclub Ringwiese in Jena neue Wege gegangen ist, hat sich bezahlt gemacht. Neben erheblichen Kosteneinsparungen konnte zugleich die Umwelt geschont werden. Die Verantwortlichen des Fitnessclubs Ringwiese setzen gegenwärtig und auch zukünftig auf innovative Lösungen.

Bei den Firmenwagen kommen selbstverständlich drei E-Autos zum Einsatz. Und wie es sich für einen Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien gehört, befasst sich Familie Schuster bereits jetzt mit energieeffizienten, kostensparenden Alternativen, wenn 2028 der Contracting-Vertrag endet.

Was bedeutet Contracting?

Contracting (englisch für die Kontrahierung bzw. adjektivisch vertragschließend) bezeichnet eine Kooperationsform mittels eines Vertrags zwischen Contractingnehmer und einem Contractinggeber (Dienstleistungsunternehmen). Energiespar-Contracting wird auch Energie-Einspar-Contracting oder Performance-Contracting genannt.

Nach einer (möglichst kostenlosen) Abschätzung erstellt der Energiespar-Contractor ein Angebot. Hierin werden eine Reihe von Maßnahmen mit einer vom Energiespar-Contractor garantierten Energieeinsparung vorgestellt. Nimmt der Contractingnehmer das Angebot an, plant, baut, finanziert und betreibt (optional) der Energiespar-Contractor alle Maßnahmen, die zur Erreichung der Energieeinsparung erforderlich sind.

Als Gegenleistung erhält er dafür einen Teil der eingesparten Energiekosten, bis seine Aufwendungen für Finanzierung, Planung und Controlling – und auch sein Gewinn – bei Vertragsende abgegolten sind.

Dabei kann die Finanzierung durch den Energiespar-Contractor erfolgen oder durch den Auftraggeber durch einen Baukostenzuschuss in beliebiger Höhe gegen entsprechende Laufzeitverkürzung selbst getragen werden. Der Vorteil für den Contractingnehmer kann in einer systematischen Optimierung des Gebäudebetriebs mit einer Zusammenführung der Gebäudeautomation zu einer zentralen Gebäudeleittechnik liegen. Diese erfolgt meist auf hohem technischen Niveau über alle Ressourcen hinweg.

Die finanziellen Aufwendungen für Heizung und Regelung können sich verringern. Der Umfang möglicher Einsparungen entspricht zuvor vorhandenen Auswirkungen ineffizienter Anlagentechnik, vertraglichen Regelungen oder sonstigen wirtschaftlich wirksamen Entscheidungen oder Gegebenheiten, die der Contractor ändert.

Die Einsparungen stehen dem Auftraggeber nach der Vertragslaufzeit in voller Höhe zur Verfügung. Die eingebrachten Anlagen gehen, je nach Vertrag, von Beginn an oder nach Ablauf der Laufzeit (nach BGB) auf den Gebäudeeigentümer über.

Bildquelle Header: © Fitnessclub Ringwiese

Der Autor

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

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