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Mentale Gesundheit als Angebot im Fitnessstudio

Die mentale Fitness spielt eine immer größere Rolle für die Trainierenden. Aber welche Faktoren beeinflussen unsere mentale Gesundheit im Positiven wie auch Negativen? Und wie können Fitnessstudios gezielt das Thema mentale Gesundheit bei ihren Mitgliedern fördern?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein ungünstiger Lebensstil hat einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit
  • Fitnessstudios sollten ihr Angebot stärker auf das psychische Wohlbefinden ausdehnen
  • Mit unterschiedlichen Kursen kann das Thema Training und mentale Fitness umgesetzt werden
  • In Bezug auf entstandene Ängste sollten Fitnessstudios mit Psychologen zusammenarbeiten

Stellen wir uns doch erst mal die Frage, was psychische Gesundheit überhaupt ist. Sie wird von der WHO so definiert: Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in der eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann. Genau das wollen wir aus der Perspektive des Sportes sowie der Psychologie beleuchten.

Welche Faktoren beeinflussen die mentale Gesundheit?

Da einer der Autoren, Kai Saerbeck, am eigenen Leib erfahren hat, wie ein ungünstiger Lebensstil auf die mentale Gesundheit wirkt, berichtet er hier aus der Ich-Perspektive von seinen Erfahrungen.

1. Ungünstiger Lebensstil:
Ein ungünstiger Lebensstil hat einen großen Einfluss auf unsere mentale Gesundheit. Ich selbst kann davon ein Lied singen, denn bei mir gab es eine Phase im Leben, in der ich das Partyleben exzessiv ausgekostet habe. Ich mutierte zu einem richtigen Feierbiest.


Das vorhandene Kurangebot wie Yoga sollte um z. B. progressive Muskelentspannung ergänzt werden, um den Einstieg in das Thema Mental Fitness zu erleichtern (Bildquelle: © lithiumphoto - stock.adobe.com)

Dies zog natürlich einen Rattenschwanz von negativen Auswirkungen nach sich. Wer sich die Nächte um die Ohren schlägt, dem fehlt am Tage die Energie. Aufraffen zum Training war zu diesem Zeitpunkt absolute Fehlanzeige. Mein Lifestyle ließ mich so richtig zu einem Bewegungsmuffel mutieren. Auf was ich mich eher fokussierte, waren Partys, gutes Essen und Bierchen.

2. Bewegungsmangel:
Durch meinen ungünstigen Lebensstil wurde ich also zum Bewegungsmuffel. Ruckzuck hatte ich 20 kg zu viel auf den Rippen. Dies hatte nicht nur optische Auswirkungen. Ich fühlte mich in meiner eigenen Haut nicht mehr wohl und fühlte mich deprimiert. Was ich in diesem Moment geändert habe und wie ich da wieder rauskam, erfährt der werte Leser noch später.

Der Bewegungsmangel ist mittlerweile ein generelles gesellschaftliches Problem. Durch unsere vorwiegend sitzende Gesellschaft ist der Bewegungsmangel leider schon Standard. Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung bewegt sich zu wenig und die Tendenz ist steigend. Da rollt ein Tsunami von gesundheitlichen Problemen auf uns als Gesellschaft zu.

3. Essverhalten:
Nicht nur zu wenig Bewegung wirkt sich negativ auf die mentale Gesundheit aus, auch ein dauerhaft ungünstiges Essverhalten hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Die Folgen von ungünstigem Essverhalten lassen unser Körpergewicht ansteigen und das Wohlbefinden sinken.

4. Optimierungswahn:
In unserem Studio habe ich den letzten 3 Jahren beobachtet, dass die trainierenden Frauen immer jünger werden. Diese jungen Mädchen kommen fast jeden Tag zum Training. Sie trainieren nach dem Motto „viel hilft viel“ und jagen ihrem Idealbild hinterher. Das Traurige daran ist, dass viele sich immer noch zu dick finden, obwohl die Figur absolut gut ist. Gerade in der heutigen Zeit von Instagram und Co. folgen vor allem junge Frauen einem ungesunden Schönheitsideal. Sie machen ihr Selbstwertgefühl von ihrem Aussehen abhängig. Durch die Bilder in Instagram von durchtrainierten Frauen mit keinem Gramm Fett an den Hüften sind viele junge Frauen unzufrieden mit ihrem eigenen Körper. Dieser selbst auferlegte Druck macht unglücklich und dauerhaft krank.

5. Positive Auswirkung von Training:
Ein regelmäßiges Training fördert die mentale Gesundheit. Bis zu dem Punkt, als ich nackt vor dem Spiegel stand und vor meinem eigenen Spiegelbild erschrak. Genau in diesem Moment traf ich eine Vereinbarung mit mir selbst. Ich würde die 20 kg zu viel auf den Rippen wieder loswerden und nie wieder einen Rettungsring um meine Hüften tragen. Ich kramte direkt meine Laufschuhe aus der letzten Ecke hervor. Die waren schon total verstaubt. Ab diesem Moment begann ich zu joggen. Und das habe ich bis heute seit 25 Jahren durchgehalten.

Aber: Ein zu viel an Training kann durchaus das Gegenteil bewirken. Auch diese schmerzhafte Erfahrung habe ich selbst durchgemacht. Ich war total übertrainiert. Ich konnte nicht mehr schlafen und meine Stimmung war im Keller. Ein gut strukturiertes Lauftraining 3- bis 4-mal in der Woche, das auf der Basis eines Belastungstests erstellt wird, fördert effektiv die mentale Gesundheit. Draußen laufen in der Natur macht die Birne frei und verbindet dich mit Mutter Natur. Das Gleiche gilt für das Krafttraining im Fitnessstudio.

6. Entschleunigen:
Zusätzlich zum Training habe ich für mich das Meditieren entdeckt. Beim Meditieren ist mir bewusst geworden, wie ungewohnt es ist, in der Stille zu verweilen. Die Gedanken rasten wie die Autos auf der Autobahn. Doch diese Stille und Entschleunigung taten richtig gut. Die Kombination aus Lauftraining draußen in der Natur und das Meditieren haben meine mentale Gesundheit extrem verbessert. Jeder muss da seinen Weg finden. Es gibt zahlreiche Angebote zum Training der mentalen Gesundheit. Wie Fitnessstudios da aktiv werden können, schauen wir uns nun an.

Fitnessstudios und mentale Gesundheit

Bei vielen Fitnessstudio-Anbietern dreht sich vieles um die Selbstoptimierung – man möchte stärker werden oder besser aussehen. Bestenfalls noch beides. Doch Corona hat uns gezeigt, dass gerade die psychische Belastung der Menschen und Ängste deutlich gestiegen ist. Viele Ältere kamen aus Angst nicht mal mehr ins Studio. Jetzt ist es sehr wichtig, dass die Fitnessbranche auf diese veränderte Situation mit einem entsprechenden Angebot reagiert. Gerade in Bezug auf entstandene Ängste, insbesondere bei Älteren, wäre eine Kooperation mit Psychologen sinnvoll, um gemeinsam Angebote zu schaffen.


Fitnessstudios sollten darüber nachdenken, einen Psychologen in ihr Portfolio zu integrieren, um das Thema Mental Fitness zu stärken und ganzheitlich betrachten zu können (Bildquelle: © lithiumphoto - stock.adobe.com)

Wichtig wäre zudem, das bereits vorhandene Kursangebot, wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Meditation, mehr in den Vordergrund zu stellen.

Die mentale bzw. geistige Gesundheit steigern

Gern wird die Analogie bemüht, dass auch das Gehirn ein Muskel sei, den es zu trainieren gilt. Hirnforscher würden angesichts dieser „Muskelanalogie“ vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen; zustimmen würden sie jedoch, was die Möglichkeit und die Notwendigkeit angeht, das Gehirn zu trainieren.

Hirnjogging und geistige Fitness haben nicht nur im Kontext von Demenzprophylaxe und Alzheimer-Unsicherheit einen enormen Aufschwung erlebt. Grundsätzlich erfahren die Themen Lernen, Lernen im Alter und Lernen in der digitalen Welt eine enorme Bedeutung. Nicht zuletzt haben Homeoffice und Homeschooling diese notwendige Entwicklung stark geprägt. Dabei ist es mehr als ein Trend, der „körperlichen“ Fitness, dem „schönen Äußeren“ einen klugen Geist zur Seite zu stellen. Spannend ist, dass beides, Geist und Körper, also mentale und physische Fitness, zwingend zusammengehören. Ein Blick in die Fachrichtung der Psychologie liefert durchaus spannende Erkenntnisse.

Die klientenzentrierte Gesprächstherapie (Carl Rogers) geht von der Annahme aus, dass ein jeder Mensch die Lösung eigener Probleme in sich hat – er benötigt oftmals lediglich einen anderen Menschen, der ihm dabei hilft, diese Lösungen zu entdecken. Auch Nietzsche wusste, dass jeder Mensch kluge Gedanken habe, einige jedoch Geburtshelfer für dieselben benötigen. Wie sieht nun das Entdecken der Lösungen aus, wie wirkt ein solcher „Geburtshelfer“ der Gedanken? Hier kommen häufig Kreativitätstechniken ins Spiel. Neue Ideen, neue Lösungen entstehen durch das Aktivieren des „DMN“ (Default Mode Network –Ruhezustandsnetzwerk). Ist dieser Zustand aktiviert, können Gedanken schweifen, „Mind Wandering“ genannt.

Die Studienlage zu Training und mentaler Gesundheit

Marily Opezzo und Daniel Schwartz (Stanford University) haben 2019 bewiesen, dass Bewegung an der Luft für mehr und bessere Ideen sorgt. Eine weitere Studie weist nach, dass zu den Top 3 der besten „Ideenlieferanten“ Routinetätigkeiten wie z. B. sportliche Aktivität gehören.

Dass Menschen aus einem fitten, starken und gerne auch attraktiven Körper eine gehörige Portion Selbstbewusstsein entwickeln, liegt auf der Hand; und gleichsam wissen wir, wie sehr auch Menschen leiden können, wenn sie äußerst unzufrieden mit ihrem Körper sind. Geistige Fitness erzeugt denselben Effekt: komplexe Situationen zu erfassen, mehrdeutige Informationen richtig deuten, ressourcenschonend agieren macht „stark“!

Welche Bedeutung die Kombination „mentale/körperliche Fitness“ hat, ist auch daran festzustellen, dass aus dem Trend „Neuroathletik“ mittlerweile eine feste Größe im Leistungssport geworden ist. Zuschauer sind fasziniert, wenn sie sehen, dass beim Torjubel bestimmter Fuß- oder Handballer variantenreiche und komplizierte Gesten ausgeführt werden.

Außerdem sorgt die mentale Stärke ebenfalls dafür, dass nicht kompliziert gedacht wird. Der Umgang mit Krisen und Tragödien im Leben wird primär durch geistige Vitalität und geistige Fitness sichergestellt. Gerade die Themen „Resilienz“ und „Emotionale Intelligenz“ sorgen für die nötige Robustheit, das Leben zu meistern.

Fazit

Ob nun aus eigener Erfahrung oder aus der Wissenschaft heraus – Training und mentale Gesundheit hängen direkt zusammen. Das kann ein zukünftiges wichtiges Thema für Fitnessstudios werden. Mit unterschiedlichen Kursen können sie das Thema bereits bespielen – wer noch einen Schritt weitergehen will, denkt sogar über die Zusammenarbeit mit einem Psychologen nach. Diese Zusammenarbeit kann sich stark befruchten, wovon die Mitglieder nur profitieren können.
 

Bildquelle Header: © lithiumphoto - stock.adobe.com

Die Autoren

  • Kai Saerbeck

    Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung als Läufer hat Kai Saerbeck auf seiner Reise vom übergewichtigen Feierbiest zum Ironman eine Menge über Trainingssteuerung gelernt. Gepaart mit seiner Expertise als Five Experte & Personal Trainer weiß er, worauf es beim Training wirklich ankommt. Damit hat er schon Hunderten von Kunden zu einer schmerzfreien Bewegung durch mehr Beweglichkeit verholfen.

  • Marcus Dahlke

    Durch die Erfahrung aus zwei Jahrzehnten als Trainer, hunderten Coachings, Workshops und Seminaren mit über 50.000 Teilnehmern weiß Marcus Dahlke, worauf es bei wirkungsvoller Führung und Persönlichkeitsentwicklung ankommt. Mit diesem Verständnis und einem stets interdisziplinären Blick sind Inhalte entstanden, die wirken. Die Ihnen leicht verständlich echte und individuelle Handlungskompetenzen vermitteln, keine standardisierten Tipps und Tricks.

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