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Medical Fitness – Chancen für die Fitnessbranche

Die Fitnessbranche steht durch die COVID-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Medical Fitness bietet großes Potenzial, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren, neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich zukunftsfähig aufzustellen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gesundheit bedeutet für die Mehrheit der Deutschen persönliches Wohlgefühl und hat einen hohen Stellenwert.
  • Selbstoptimierung ist der ebenfalls wichtig, vorallem dass diese messbar und belegbar ist.
  • Das Durchschnittalter der Trainierenden wird immer höher: Vorallem diese Zielgruppe hat besondere Bedürfnisse.

Die zweite und dritte Corona-Welle hatte uns fest im Griff. Die Menschen arbeiten weiterhin verstärkt im Home Office, bewegen sich weniger und ernähren sich ungesünder – alles Faktoren für ein erhöhtes Risiko für Gewichtszunahmen. Laut einer YouGov-Umfrage bewegen sich 38 Prozent der Erwachsenen in Deutschland aufgrund der Einschränkungen weniger, 19 Prozent haben infolge ihrer veränderten Gewohnheiten schon an Gewicht zugelegt.  Dies könnte durch die Weihnachtsfeiertage weiter verstärkt werden. 

Medical Fitness – das Studio als Gesundheitsdienstleister

Man weiß, dass Übergewicht den Verlauf einer COVID-19-Infektion negativ beeinflussen und das Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf erhöhen kann. In seiner Kampagne „Wo aus Bewegung Gesundheit wird“ betont die Initiative Deutscher Fitnessunternehmen (IDF) die gesellschaftliche Bedeutung von Fitnessanbietern für die Gesundheit der Menschen. Dieser Rolle können Studios also gerade in der momentanen Zeit in besonderem Maße gerecht werden und Medical Fitness bietet ihnen dafür mögliche Ansatzpunkte. Doch was genau bedeutet das eigentlich?

„Medical Fitness beschreibt die Verschmelzung von Sportlichkeit als individuellem Lebensstil und medizinischer Vorsorge“, schreibt die Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen. Es geht darum, Gesundheit zu erhalten, zu verbessern oder wiederherzustellen. Grundlage dafür bilden moderne Trainingskonzepte kombiniert mit medizinischem Know-how und professionellen Messwerten.

Zugrunde liegt ein sich wandelndes Bewusstsein in der Gesellschaft. Es geht nicht mehr nur um Fitness und gutes Aussehen, sondern vor allem darum, gesund zu sein: Gesundheit bedeutet für die Mehrheit der Deutschen (77%) vor allem persönliches Wohlgefühl  und ist für sie der wichtigste Wert. Die Möglichkeiten, die sich daraus für Fitnessanbieter ergeben, zeigt Zukunftsforscherin Mühlhausen im seca Trendreport  auf: Selbstoptimierung 2.0, Feminisierung der Fitnesswelt, Neunormierung des Körpers und Active Aging.


Bereits heute liegt das Durchschnittsalter der Fitnessstudionutzer bei 41 Jahren – Tendenz weiter steigend (Bildquelle: ©Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu - stock.adobe.com)

Selbstoptimierung 2.0 – Erfolge messbar und belegbar machen

Selbstoptimierung ist ein anhaltender Trend: Über 53% der Deutschen verfolgen das Ziel, sich ständig zu verbessern. Dabei ist es ihnen wichtig, Erfolge messbar und belegbar zu machen. Fitnessanbieter müssen dieser Kundenzielgruppe etwas bieten, das ihren Bedürfnissen gerecht wird und gleichzeitig mehr ist, als sie bereits wissen oder kostenlos online bekommen. „Zum Beispiel liefern Daten zum Stresslevel, der Zellgesundheit oder zur Körperzusammensetzung einen zusätzlichen Mehrwert für den Kunden und für das Studio“, so Sabrina Fütterer, Leitung der Geschäftsstelle des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V. (DSSV) im Trendreport.

„Denn wer mit medizinisch validierten Messsystemen arbeitet, die Trainingserfolge nachweisen und sichtbar machen können, der schafft nicht nur ein individuelles und ganzheitliches Trainingserlebnis, das jeden Selbstoptimierer zufriedenstellt. Er schafft damit auch die Voraussetzungen, in Zukunft mit Ärzten und Kassen kompetent kommunizieren zu können.“ Denn diese haben ebenfalls ein großes Interesse am Thema Fitness, vor allem im Hinblick auf Prävention und Gesundheit. So bezuschussen Krankenkassen seit 2015 sog. §-20-zertifizierte Gesundheitskurse und Ärzte können dafür eine Präventionsempfehlung ausstellen.

Feminisierung der Fitnesswelt – Frauen als attraktive Zielgruppen

Unter den Selbstoptimierern sind auch viele Frauen, eine inzwischen zentrale Zielgruppe auf dem Fitnessmarkt. 2019 lag der Frauenanteil in deutschen Studios bei 55,5%. Ihre Ansprüche und Bedürfnisse im Hinblick auf Beratung, Training und Studioleistung unterscheiden sich dabei von denen der Männer und Prävention spielt eine größere Rolle. So nutzen überwiegend Frauen (81%) Angebote der Krankenkassen zur individuellen verhaltensbezogenen Prävention.

Gleichzeitig sind viele Frauen heutzutage stark eingespannt zwischen Beruf, Familie und Sozialleben. Effizientes Training ist für sie daher oft besonders wichtig. Hier können Studios mit individuellen Trainings- und Ernährungskonzepten, basierend auf fundierten Analysen von Fitnesslevel, Körperzusammensetzung und Ernährungsgewohnheiten, einen großen Mehrwert bieten. Frauen verfügen über eine wachsende Kaufkraft und haben gleichzeitig hohe Ansprüche an ganzheitliche Konzepte und effizientes Training – Potenziale, die Studios für sich nutzen können.

Digitalisierung – eine Chance für Investitionen
Einige Möglichkeiten, sich für die Zukunft besser aufzustellen und den veränderten Ansprüchen der Fitnesskunden zu begegnen, bietet die vielbesprochene Digitalisierung. Webinare und Online-Kurse während der COVID-19-Schließungen, individualisierte Trainingspläne über die Kunden-App, spezielle Studiosoftwaresysteme für eine persönlich abgestimmte Mitgliederbetreuung und Bioimpedanzanalyse-Geräte, die alle Vermessungs- und Analysedaten sowie den Trainingsfortschritt direkt in der Cloud bereitstellen – die Optionen sind vielfältig.

Gerade in der jetzigen Zeit, in der wir mit vielen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie leben, können durch den Digitalisierungsgrad eines Studios entscheidende Wettbewerbsvorteile entstehen. Was viele nicht wissen: Fitnessstudiobetreiber können bei möglichen Investitionen in den digitalen Ausbau eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms „Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU“ beantragen. Das Programm bietet finanzielle Zuschüsse und soll Firmen dazu anregen, mehr in digitale Technologien sowie in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten zu investieren.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/digital-jetzt.html

Ganzheitliche Betrachtung des Gesundheitszustands

Gerade bei Frauen hat sich das Schönheitsideal „dünn ist schön“ überlebt. Ein Viertel von ihnen setzt heute Gesundheit mit Schönheit gleich. Dies spiegelt eine globale Entwicklung wider: die Body-Positivity-Bewegung. Sie fordert eine veränderte Betrachtung des Körpers und eine neue Bewertung von Übergewicht, Gesundheit und Schönheit. Denn: Das Gewicht allein lässt noch keine Aussage über die Gesundheit zu. Wer schlank ist, muss nicht automatisch gesund sein, und wer etwas Übergewicht hat, ist nicht zwangsläufig krank.Für die Definition und Bewertung von Schönheit und Gesundheit ist eine differenzierte Betrachtung notwendig, abseits von BMI und Gewicht.

„Bei einigen Ärzten und in fortschrittlichen Fitnessstudios lösen schon heute Parameter wie Fettverteilung, Muskelstärke, Beweglichkeit und Fitnesslevel den BMI ab“, erklärt die Oecotrophologin Dr. Heike Niemeier im Trendreport. „Ihnen kommt eine zentrale Rolle bei der notwendigen Umsetzung des Präventionsgedankens zu. Wer das als Studio erkennt und entsprechende Leistungen anbietet, hat die Chance, nicht nur mit Kassen wirtschaftlich positiv zusammenzuarbeiten, sondern wird sich auch bei einer breiteren Zielgruppe gut positionieren können.“


Die Bedeutung von Medical-Fitness-Konzepten wächst und eröffnet Fitnessstudios neue Geschäftsmodelle und Positionierungsmöglichkeiten (Bildquelle: ©Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu - stock.adobe.com)

Active Aging – Fitnessangebote für aktive Best Ager

Eine dieser breiteren, zunehmend relevanten Zielgruppen sind die „Active Ager“, Menschen ab 60 Jahren und älter, die fit und gesund altern wollen. Bereits heute liegt das Durchschnittsalter der Fitnessstudionutzer bei 41 Jahren – Tendenz weiter steigend . Es treiben also immer mehr ältere Menschen regelmäßig und gezielt Sport: 3,39 Millionen der über 60-jährigen Menschen in Deutschland gehen in der Freizeit häufiger oder ab und zu ins Fitnessstudio.

Es handelt sich also um eine wachsende, oftmals zahlungskräftige Zielgruppe. Aber sie hat auch spezielle Bedürfnisse. Die Muskelmasse wird im Alter weniger, man muss anders trainieren, um fit und gesund zu bleiben. Auch hier helfen verlässliche und professionelle Messdaten um den körperlichen Zustand des Trainierenden zu bestimmen und darauf abgestimmte Ziele zu setzen. „Je älter die Zielgruppe wird, desto wichtiger sind eine individuelle Betreuung und Trainingsplanung“, so Dr. Britta Manchot, Expertin für Age Management, Alters- und Sportmedizin.

„Fortschrittliche Studios erfassen beispielsweise insbesondere bei Älteren die Muskelmasse, um Dysbalancen oder Schwächen zu erkennen und auf Basis dieser individuellen Daten die Trainingspläne entsprechend auszurichten. Die integrative Betrachtung von Gesundheit und Fitness, eine professionelle Aufklärung und individuelle Trainingskonzepte, die Kardio- und Krafttraining gleichermaßen berücksichtigen, sind für die Mitglieder ein Segen.“

Fazit

Die Bedeutung von Medical-Fitness-Konzepten wächst und eröffnet Fitnessstudios – gerade in der momentanen Zeit und den durch COVID-19 veränderten Bedingungen – neue Geschäftsmodelle und Positionierungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Ganzheitlichkeit: sowohl im Sinne von Selbstoptimierung hin zu einem besseren Ich als auch der Betrachtung und Bewertung des Körpers, der Körperzusammensetzung, der Trainings- und Ernährungskonzepte sowie einem umfassenden Verständnis von Gesundheit.

Textquelle: 1 https://yougov.de/news/2020/04/27/moppelig-aus-der-krise-die-gefahrlichen-folgen-der/
Textquelle: 2 https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/adipositas-erhoeht-covid-19-mortalitaet
Textquelle: 3 https://www.trendcoach.de/j-healthstyle.php
Textquelle: 4 Healthstyle III/Trendcoach/TNS 2016: Ganzheitlich gesund; https://bit.ly/2IZmGhl 
Textquelle: 5 Werteindex 2020: https://www.kantartns.de/presse/presseinformation.asp?prID=3706 
Textquelle: 6 Seca Trendreport: https://www.seca.com/de_de/trendreport.html 
Textquelle: 7 Healthstyle III/Trendcoach/TNS 2016: Ganzheitlich gesund; https://bit.ly/2IZmGhl
Textquelle: 8 Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2020 
Textquelle: 9 Präventionsbericht 2019: https://gkv-pitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_beratung/praevention_und_bgf/praeventionsbericht/praeventionsbericht.jsp 
Textquelle: 10 Healthstyle III/Trendcoach/TNS 2016: Ganzheitlich gesund; https://bit.ly/2IZmGhl 
Textquelle: 11 Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2020
Textquelle: 12 Statista: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/272096/umfrage/fitnessstudio-nutzer-in-deutschland-nach-alter/. Letzter Zugriff 28.09.20.
Bildquelle: ©Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu - stock.adobe.com
 

Die Autorin

  • Nicola Berkowitz

    Nicola Berkowitz studierte Literatur, Kultur & Medien und ist als freie PR-Seniorberaterin für die seca gmbh & co. kg tätig.

    Infos:
    www.seca.com

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