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Health Report 2020

Höhere Lebenserwartung, Selbstoptimierung, immer mehr auf Fitness und Achtsamkeit bedachte Lebensstile – all das eröffnet neue Chancen im Sport- und Gesundheitsbereich. Im regelmäßig erscheinenden Health Report werden exklusive Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Gesundheitsverhalten in Deutschland vorgestellt. Ein Kapitel des Reports widmet sich dem Thema Medical Fitness, aus dem die Autorin einige Auszüge vorstellt.

Ernährung und Bewegung waren schon immer wichtige Aspekte für ein gesundheitsbewusstes Leben. Diese Konstante veränderte sich jedoch in letzter Zeit. Die Anzahl der sportlich Aktiven steigt in Deutschland zwar nicht an, allerdings der Anteil derer, die sich explizit aus gesundheitlichen Gründen bewegen. Diese Sportler haben einerseits Spaß an der körperlichen Aktivität, andererseits interessieren sie sich vor allem dafür, was diese Form der Fitness mit ihrem Körper macht. Sie messen und wiegen sich, sie informieren sich und tauschen sich aus, sie wollen Ergebnisse erzielen, z. B. ihren Alterungsprozess verlangsamen. Hierbei geht es jedoch nicht um ein faltenfreies Äußeres und den Wunsch nach ewiger Jugend, sondern um das Wohlbefinden bis ins hohe Alter. Auch der Umgang mit Stress spielt hier eine große Rolle. Gerade Selbstoptimierung war in den vergangenen Jahren ein präsentes Thema. Dabei geht es jedoch vor allem um Entspannung, Ruhe, ausreichend Schlaf und gute Ernährung. Mehr braucht es nicht für ein optimales Leben und ein ausgeglichenes Selbst. Dieser Wunsch zeigt aber auch, woran es in unserem Alltag häufig mangelt. Nicht ohne Grund sind Schlaf, Ernährung und Achtsamkeit die Sehnsuchtsmärkte unserer Zeit. 


Sportivity wird zur Selbstverständlichkeit
Was früher noch ein Hobby war, wurde professionalisiert. Aus Sport und Vorsorge ist Medical Fitness geworden. Medical Fitness beschreibt alle medizinisch assoziierten Sportaktivitäten. Die Hersteller von Sportartikeln, Functional Food und Fitnessmode haben auf diese Entwicklungen längst reagiert, genauso wie die Anbieter von Trackern oder Smartwatches. Der Sportmarkt ist längst ein gigantischer Wirtschaftsfaktor. Immer häufiger fällt der Begriff Sportivity. Sportivity beschreibt ein Lebensgefühl, Sportlichkeit wird zur Selbstverständlichkeit im Alltag. Dies war in den 1970er-Jahren noch anders. Waren hier Sportlichkeit und die persönliche Fitness des Einzelnen private Themen, änderte sich dies mit der „Versportung“ unserer Gesellschaft, der begleitenden Aerobic-Welle sowie dem Siegeszug der Fitnessstudios. Sportlichkeit wird seither auch mit Attraktivität gleichgesetzt. Kein Wunder also, dass 42% der Deutschen angeben, regelmäßig Sport zu treiben, um sich und ihr Leben zu verbessern. Ein interessantes Beispiel für die Kreativität der Hersteller ist das in China beliebte „Gym for One“. Hier können Mitglieder in einer vollautomatisierten Mini-Fitness-Box, die gerade einmal fünf Quadratmeter misst und damit überall in der Stadt aufgestellt werden kann, trainieren. Zur Ausstattung zählen ein Bildschirm für das Entertainment während des Sports und ein Luftreiniger. Die Idee für die Mini-Fitness-Box geht auf die hohe Feinstaubbelastung während des Outdoor-Sports zurück. Dieser Problematik soll durch die Fitness-Innovation Abhilfe geleistet werden. 


Forschungsergebnisse zur positiven Wirkung von Sport
Eine 2019 im Fachmagazin „Global Advances in Health and Medicine“ veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Sport nicht nur bei einigen psychischen Erkrankungen hilft, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von neurodegenerativen Krankheiten wie Morbus Parkinson oder Demenz senkt. Sport wirkt sich zudem im Gehirn ähnlich aus wie Psychopharmaka. Somit könne regelmäßiges Training ebenso grundlegend werden wie eine pharmakologische Intervention (vgl. University of Vermont 2019).

Sport kann ebenfalls dazu beitragen, dass vermehrt Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin im Körper ausgeschüttet werden. Sport macht uns also glücklich. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, warum so viele Sportler langfristig am Ball bleiben, wenn sie einmal die für sie richtige Bewegungsform gefunden haben. Wer zeitlebens Sport getrieben hat, hört damit auch im Alter nicht auf. Gerade die Generation der Babyboomer – also geboren nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der 1960er-Jahre – gibt dem Thema Medical Fitness eine neue Bedeutung. Früher war die Rente mit Ruhestand gleichzusetzen. Doch heute wissen wir: Der menschliche Körper ist nicht zum Nichtstun gemacht. Aus diesem Grund befolgen immer mehr Menschen den Rat, gar nicht mit dem Fitnesstraining aufzuhören. Gerade Ausdauerdisziplinen sind besonders beliebt bei den älteren Sportlern. Zum einen haben sie mehr Zeit im Alltag, zum anderen lässt die Kondition nicht so schnell nach wie die Muskelkraft. Durchschnittlich 8 Prozent seiner Muskelmasse verliert ein Mensch ab 40 innerhalb von 10 Jahren, ab 70 Jahren sogar 15 Prozent (vgl. Kressig 2012). Diesen Muskelschwund kann auch lebenslanger Sport nicht verhindern, die verbleibenden Muskeln können diesen Effekt jedoch weitaus besser kompensieren. Darum ist es kaum verwunderlich, dass Medical Fitness besonders von der Generation 60+ vorangetrieben wird. 


Gamification als Treiber von Medical Fitness
Auch die Gamification hält im Sportbereich bereits Einzug und wird in Zukunft zu einem wichtigen Treiber von Medical Fitness. Health-Tracking-Methoden werden also nicht nur gängige Praxis, sondern auch Teil der Förderung von gesundheitsbewusstem und präventionsorientiertem Verhalten. Gesundheit und Fitness sind längst gesellschaftliche Maximen. Medical Fitness stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Denn Gesundheit kann nicht alleine in die Verantwortung jedes Einzelnen gelegt werden, auch die gesetzlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen müssen zu einem gesunden Leben beitragen.

Buch-Tipp: Health Report 2020
Corinna Mühlhausens Health Report erklärt die wichtigsten Trends, Entwicklungen und Zukunftsthemen der Gesundheitsmärkte. Mit Brancheninsights, Themenschwerpunkten und Best Practices aus aller Welt dient er all jenen als Grundlage für Zukunftsentscheidungen, die sich mit der Gesundheit von Körper, Geist und Seele beschäftigen. 
150 € inkl. USt, November 2019| 120 Seiten | ISBN 978–3–945647–65–3

Quelle
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Die Autorin

  • Corinna Mühlhausen

    Seit vielen Jahren erhebt die Forscherin Corinna Mühlhausen in regelmäßigen Abständen Zahlen und Fakten, sammelt Beispiele und widmet sich den Entwicklungen unter dem Schlagwort „Healthstyle“. Ihre Gastprofessur für Trend- und Zukunftsforschung, die sie derzeit an der Technischen Hochschule Lübeck am Fachbereich Architektur innehat, nutzt die studierte Gesellschafts- und Kommunikationswirtin auch dazu, ihre Erfahrungen rund um das Thema Gesundheit mit den Notwendigkeiten einer nachhaltigen Stadtplanung in Einklang zu bringen. Die Gesundheitsbauten der Zukunft werden somit zum Spiegelbild gesellschaftlicher Megatrends.

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