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Ergebnisse der ersten reinen Trainerstudie

Was bewegt Trainer? Fühlen sie sich anerkannt? Welche Visionen und Ziele haben sie? Wie entsteht Motivation und was wünschen sie sich, um noch professioneller arbeiten zu können? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die Studie „Fitness braucht Trainer“, die von den Initiatoren der ICH BIN TRAINER GbR, Marc Rohde und Michael Höner, durchgeführt wurde.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für die Studie „Fitness braucht Trainer“ wurden in einem dreimonatigen Studienzeitraum deutsche Fitnesstrainer online zu dem Thema „Trainerzufriedenheit, Anerkennung und Wahrnehmung des Trainerberufes“ befragt.
  • Zielsetzung der Studie: Arbeitgeber sollen die Bedürfnisse und Sichtweisen ihrer Trainer kennen.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass unter den deutschen Fitnesstrainern eine positive Grundstimmung herrscht und die Mehrheit sich in ihrem Job wohlfühlt.
  • Einige Themen sind jedoch noch ausbaufähig, unter anderem die Überstundenregelung, finanzielle Unterstützung bei Weiterbildungen sowie die Wertschätzung gegenüber den Trainern.

Die Studie „Fitness braucht Trainer“ ist eine repräsentative Untersuchung der aktuellen Situation von deutschen Fitnesstrainern. Der Report gibt Aufschluss über die Motivatoren und Herausforderungen der Mitarbeitenden in der Fitness- und Gesundheitsbranche. Es wurde abfragbaren Tatsachen und emotionalen Fragen nachgegangen. In einem dreimonatigen Studienzeitraum zu dem Thema „Trainerzufriedenheit, Anerkennung und Wahrnehmung des Trainerberufes“ wurden die Probanden per Online-Befragung zu verschiedenen Themengebieten befragt. Diese unterteilen sich in Arbeitsalltag, Kommunikation im Trainerberuf, Aus- und Weiterbildungen, Zukunft und Ziele und soziodemografische Daten und Werte. Die Datensätze mit über 70 Fragestellungen wurden behandelt, ausgewertet und interpretiert.

Zielsetzung der Studie ist, dass Arbeitgeber die Bedürfnisse und Sichtweisen ihrer Trainer kennen. Nur so können diese auch ihr volles Potenzial entfalten. Der Report enthält Wissen zu den wahren Antreibern, die Trainer täglich zu ihrem Job bewegen, den sie mit Motivation, Professionalität und Herzblut ausfüllen. Betrachtet man die Ergebnisse der Studie „Fitness braucht Trainer“ näher, wird deutlich, dass unter den deutschen Trainern eine positive Grundstimmung herrscht. Über die Hälfte aller Trainer fühlt sich in ihrem Arbeitsumfeld wohl und die Mehrheit möchte weiter in ihrem Beruf bleiben.

Anerkennung

92   % fühlen sich von Kunden und 81  % von Kollegen wertgeschätzt. Die Mehrheit hat zudem angegeben, dass sie bei Entscheidungen auch angehört werden, mitbestimmen dürfen und seitens der Studioverantwortlichen durchaus gut informiert werden.

Die Befragten fühlen sich von Kunden/Mitgliedern am meisten wertgeschätzt 92 %), von ihrem Chef/Auftraggeber hingegen am wenigsten (68 %) (Bildquelle: © ICHBINTRAINER GbR)

Weiterbildung

Eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse der Studie ist die enorme Bedeutung von Weiterbildung. Für 95 % der Trainer ist Weiterbildung wichtig. Sie investieren mehr als acht Tage im Jahr und geben mehrheitlich dafür zwischen 200 und 500 Euro jährlich aus. Jeder Dritte investiert sogar mehr als 500 Euro. Es wird deutlich, dass selbstständige Trainer mehr für Weiterbildungen ausgeben als Festangestellte. Knapp die Hälfte der Trainer wird in Sachen Weiterbildung nicht durch den Arbeitgeber unterstützt, dabei wünschen sich 68 % der Trainer einen finanziellen Ausgleich.

Die Studie zeigt aber eindeutig, wo die „Schattenseiten“ des Trainerberufs liegen. Knapp die Hälfte aller Trainer hat sich gedanklich schon mit einem Berufswechsel beschäftigt und sie fühlen sich nicht wohl oder wertgeschätzt. Wie bekommt man diese Mitarbeiter wieder in das Team integriert? Welche Ressourcen sollten aktiviert werden, um Mitarbeitern die Entwicklung zu ermöglichen und sie in ihrem Handeln zu fördern? Und natürlich muss man sich als Betreiber die Frage stellen: „Was kostet mich ein Mitarbeiter, der bereits vor 6 Monaten innerlich gekündigt hat?“

Mögliche Lösungswege, um die Situation zu verbessern

Ein möglicher Lösungsweg, um die Situation zu verbessern, ist psychologische Sicherheit. Das Erschaffen und Beleben eines vertrauenswürdigen Umfeldes mit der Möglichkeit der individuellen Entwicklung und Entfaltung. Denn 22 % haben keine Teammeetings und 32 % haben weniger als einmal pro Jahr individuelle Mitarbeitergespräche. Um Vertrauen zu bilden und Menschen in ihren Bedürfnissen wahrzunehmen, gilt es als Erstes einen Raum zum Zuhören (Mitarbeitergespräche) zu schaffen.

Überstunden

In 75 % der Fälle sind Überstunden nicht im Monatsgehalt abgegolten. Der Wunsch der meisten Trainer (54 %) zeigt, dass sie sich eine Regelung durch Ausgleichszeit wünschen würden. Dass laut Studienergebnissen nur einer von drei Festangestellten ohne Überstunden auskommt, unterstreicht die Notwendigkeit einer fairen Überstundenregelung. Auch die Wertschätzung durch den Chef ist ausbaufähig. Im Vergleich zur Wertschätzung durch Mitglieder und Kollegen ist diese mit 68 % am geringsten.

Bei 75 % der Trainer sind Überstunden nicht im Monatsgehalt abgegolten. Über die Hälfte wünscht sich eine Regelung durch Ausgleichszeit (Bildquelle: © ICHBINTRAINER GbR)

Mögliche Lösungswege, um die Situation der Trainer zu verbessern

Um bei diesem sensiblen Thema aufeinander zuzugehen, könnten man die Überstunden durch ein individuelles Weiterbildungsangebot an den Mitarbeiter smart kombinieren. Anstatt die Stunden nicht zu vergüten, könnte man diese in Fortbildungen investieren. Geeignete Fragen, um die individuellen Interessenten herauszufiltern, sind:

Wofür interessierst du dich rein sportlich am meisten? Gibt es eine bestimmte Einrichtung bzw. ein konkretes Ausbildungsinstitut, bei dem du eine Weiterbildung machen möchtest? Ist die Weiterqualifizierung innerhalb des Unternehmens interessant? Mit einem offenen Angebot, das an der Persönlichkeit orientiert ist, steigen die Motivation und die Lust darauf, das gewonnene Wissen in Know-how-Sessions an die Kollegen weiterzugeben.

Wertschätzung

Auch die Wertschätzung durch den Chef ist ausbaufähig. Nur 38 % fühlen sich sehr wertgeschätzt. Mitglieder und Kollegen schätzen im Vergleich dazu mit 41 % bzw. 59 % die Tätigkeit der Trainer deutlich mehr.

Möglicher Lösungsweg, um die Situation zu verbessern:
Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf einer inneren, allgemeinen Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen. Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Diese Definition des Wortes Wertschätzung ist gleichzeitig auch ein Teil des Lösungsansatzes. Denn Menschen können nur annehmen, was sie auch verstehen und durchdringen.

Bei knapp der Hälfte der Trainer, die an der Studie teilgenommen haben, werden Weiterbildungen nicht unterstützt. Dabei wünschen 68 % finanziellen Ausgleich (Bildquelle: © ICHBINTRAINER GbR)

Ein weiterer Bestandteil der Lösung ist Kompetenzaufbau durch alle Hierarchieebenen. Durch Inhouse-Workshops, in denen die Angestellten verschiedene Präsentationstechniken lernen, um Wissen aufzubauen und weiterzugeben. Im Team können so Coachingtechniken vermittelt werden, die allen Mitarbeitenden die gleichen Grundlagen bieten, um miteinander und voneinander zu lernen.

Wenn die genannten Interventionen gut umgesetzt werden, entsteht eine sich nach oben drehende Spirale von Wissen, Anerkennung und Spaß an der Umsetzung. Trainer lernen von den Führungspersönlichkeiten und Vorgesetzten. Führen und vorleben müssen dies die übergeordneten Rollenvorbilder. Nur so kann bestehendes Wissen transferiert und für die Branche angepasst verbreitet werden.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie „Fitness braucht Trainer“ unterstreicht die positive Grundstimmung, die unter Fitnesstrainern herrscht. Die Mehrheit fühlt sich wohl in ihrem Job, fühlt sich wertgeschätzt und darf bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen. Studiobetreiber, die dauerhaft auf qualifizierte und motivierte Mitarbeiter setzen, das zeigen die Ergebnisse der Studie ebenfalls, sind gefordert, einige Themen im Interesse der Trainer besser zu lösen. Das betrifft u. a. das Thema Überstundenregelung, finanzielle Unterstützung bei Weiterbildungen sowie die Wertschätzung gegenüber den Trainern.

 

Bildquelle: © ICHBINTRAINER GbR

Der Autor

  • Marc Rohde

    Marc Rohde ist Studiobetreiber, Coach und Speaker. Zudem steckt er mit Michael Höner hinter der ICHBINTRAINER bR. Gemeinsam haben sie Deutschlands größte Trainerstudie „Fitness braucht Trainer“ durchgeführt.

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